Gabun () ist ein Staat in Zentralafrika. Im Norden grenzt er an Kamerun und Äquatorialguinea sowie im Süden und Osten an die Republik Kongo. Seine Westküste liegt am Golf von Guinea. Durch das Land verläuft der Äquator. In dem zu großen Teilen von Regenwald bedeckten Land herrscht ein tropisches Klima. Die Hauptstadt des rund zwei Millionen Einwohner zählenden Landes ist Libreville. Neben verschiedenen Bantu-Sprachen sprechen die meisten der mehrheitlich christlichen Einwohner Französisch.

Ab etwa 1839 war Gabun eine französische Kolonie. Seit der Unabhängigkeit 1960 litt Gabun fast durchgängig unter Diktaturen. Von 1967 bis 2023 wurde das Land von der Familie Bongo autoritär regiert. Seit einem Militärputsch 2023 regiert Brice Oligui Nguema, Kommandeur der gabunischen Republikanischen Garde, das Land diktatorisch und seither steht es in Gabun um Demokratie und Menschenrechte noch schlechter.

Die Öleinnahmen des Landes finanzieren einen großen Teil des Staatsbudgets. Im Gegensatz zu der Mehrzahl der anderen Staaten in Subsahara-Afrika gehört Gabun nicht zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt.

Geographie mini|links|Topographische Übersichtskarte Gabuns Gabun liegt an der westlichen Atlantikküste Zentralafrikas, von wo aus es sich in östliche Richtung bis kurz vor das Kongobecken erstreckt. Die Küstenlänge beträgt 885 km. Das westliche Küstentiefland steigt nach etwa 200 Kilometern stufenförmig bis zur Niederguineaschwelle im Osten an. Der höchste Berg Gabuns ist bisher nicht festgelegt. Es existieren verschiedene (fehlerhafte) Angaben, die bis zu 500 Höhenmeter voneinander abweichen. Die höchsten Erhebungen im Nordosten und Süden reichen bis knapp über 1000 m ü. d. M. Mehr als 70 Prozent der Landfläche sind von tropischem Regenwald bedeckt. Die Landesfläche von Gabun beträgt ungefähr Dreiviertel der von Deutschland.

In einigen Regionen Gabuns findet sich sehr altes Gestein, das bis auf das Proterozoikum (rund 2 Milliarden Jahre vor heute) datiert werden kann. In den entsprechenden Formationen wurden unter anderem Gabonionta, mögliche frühe Formen mehrzelligen Lebens,„Gabonionta“: Sensationsfund in Wien. ORF.at vom 11. März 2014.Experiment Leben – die Gabonionta. Naturhistorisches Museum Wien, Pressetext zur Ausstellungseröffnung vom 11. März 2014. und insgesamt 17 natürliche Kernreaktoren gefunden, deren bekanntester der Naturreaktor Oklo ist.

Hydrologie Der größte Teil des Küstenstaats entwässert über den Ogooué (ca. 1200 km), in den Golf von Guinea. Etwa ¾ des Landes werden durch sein Einzugsgebiet entwässert. Dabei beschreibt die Einzugsgebietsgrenze zum Kongo ein großes Stück der Ostgrenze des Landes. Sein größter Nebenfluss ist der Ivindo, dessen Einzugsgebiet sich bis nach Kamerun und in die Republik Kongo erstreckt. Teile des Nordens und nördlichen Westens fließen über den Ntem, den Muni und zahlreiche Küstenflüsse ab. Der südliche Westen entwässert ebenfalls über Küstenflüsse und den Nyanga.

Flora und Fauna In der Region Gabuns ist eine hohe biologische Vielfalt zu finden. Nach Schätzungen leben 64.000 Elefanten, 25.000 Gorillas und 35.000 Schimpansen in Gabun. 680 Vogelarten wurden nachgewiesen sowie 320 Arten von Orchideen. Seltene und teilweise endemische Arten sind Flachlandgorillas, Mandrille, Waldelefanten, Bongo-Antilopen und Buntkopf-Felshüpfer.

Die Landschaften Gabuns reichen von Savanne und Küste bis zu dichtem tropischem Regenwald. Natürlicherweise dominieren dichte Regenwälder. Vor allem im Bereich des Batéké-Plateaus findet man auch Feuchtsavannen. 2002 wies die Regierung rund 10 % der Landfläche als Nationalparks aus, was weltweit zu den höchsten Flächenanteilen gehört. Die 13 Nationalparks werden von der National Agency for National Parks verwaltet und betreut. Touristisch am bekanntesten sind das Schutzgebiet Lopé-Okanda, aber auch der Ivindo Nationalpark oder der Loango-Nationalpark. mini|Waldelefanten im Ivindo-Nationalpark Zu den auffälligsten Großtierarten Gabuns zählen vor allem waldbewohnende Arten wie Waldelefant, Rotbüffel, Leopard, Flachlandgorilla, Schimpanse und Mandrill.Hedwig, D., Kienast, I., Bonnet, M., Curran, B. K., Courage, A., Boesch, C., …, King, T. (2018). A camera trap assessment of the forest mammal community within the transitional savannah‐forest mosaic of the Batéké Plateau National Park, Gabon. African Journal of Ecology, 56(4), S. 777–790.P. Henschel, K. A. Abernethy, L. J. T. White: Leopard food habits in the Lopé National Park, Gabon, Central Africa. African Journal of Ecology. Volume 43, Issue 1, pages 21–28, March 2005. doi:10.1111/j.1365-2028.2004.00518.x.

Besiedlung und Städte Gabun gehört zu den am dünnsten besiedelten Ländern Afrikas. Es hat etwa drei Viertel der Fläche Deutschlands, aber nur 2,4 Mio. Einwohner. Im Jahr 2023 lebten 91 Prozent der Einwohner Gabuns in Städten. Die meisten Einwohner leben in den drei größten Städten: Libreville – ca. 700.000 Einwohner Port-Gentil – ca. 140.000 Einwohner Franceville – ca. 110.000 Einwohner

Die Landesmitte und der Norden sind weitgehend menschenleer.

Bevölkerung Demografie

Gabun hatte 2022 2,4 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 2,0 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 26,8 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 7,3 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 3,5. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 21,6 Jahren. Im Jahr 2023 waren 36,1 % der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 3,9 % der Bevölkerung betrug.

Die Direction Générale de la Statistique ist die staatliche Statistikbehörde in Gabun.

+Bevölkerungsentwicklung laut UNJahr Bevölkerung Jahr Bevölkerung1950473.0001990952.0001960499.00020001.231.0001970590.00020101.640.0001980729.00020202.389.000

Bevölkerungsstruktur Auf dem Staatsgebiet Gabuns leben etwa 40 verschiedene Völker bzw. ethnische Gruppen; die Mehrheit der Bevölkerung sind Angehörige von Bantu-Völkern. Davon sind die mit Abstand größte und politisch einflussreichste Volksgruppe die Mpongwe-Fang, die etwa ein Drittel der Gabuner stellen (Mpongwe 31 %, Fang 7 %). Kleinere Gruppen sind die Mbete (15,5 %), die Bapunu (15 %, mit der Sprache Punu), die Tsabatis (14 %), die Batazis (9,5 %) und die Bateke (4 %). Außerdem gibt es 1,5 % Pygmäen – die im Nordosten und Süden lebenden Ureinwohner – sowie ungefähr 60.000 Franzosen (meist in den Städten). Ausländer – viele davon Angestellte eines multinationalen Erdölkonzerns – spielen eine große Rolle im Bildungswesen und in der Wirtschaft.Meyers Großes Länderlexikon (2005), L, S. 180. Im Jahre 2017 waren 13,8 % der Bevölkerung im Ausland geboren.

Sprachen

Die Amtssprache Französisch wird von rund 80 % der Gesamtbevölkerung beherrscht, wobei es ein Drittel der Einwohner der Hauptstadt Libreville als Muttersprache spricht. Im Alltag werden überwiegend Bantusprachen gesprochen. Die wichtigste Bantusprache ist das Fang, daneben haben auch das Mbere, das Punu, das Teke und das Njebi Bedeutung. Insgesamt werden 42 Sprachen und Idiome gesprochen.

Religionen Etwa 65 % der Einwohner bezeichnen sich als Christen (rund 60 % als Katholiken und ca. 5 % als Anhänger verschiedener protestantischer Kirchen). Viele von ihnen pflegen weiterhin bestimmte Formen afrikanischer Religiosität. Ein großer Teil der übrigen Bevölkerung hängt zumeist den traditionellen Volksreligionen, vor allem dem Bwiti, an. Eine Minderheit von rund 12 % bekennt sich zum Islam, darunter der ehemalige Präsident Ali Bongo und zahlreiche Ausländer.Religionen in Gabun. Bei: state.gov, abgerufen am 10. September 2016.

Bildungswesen Es besteht offiziell eine zehnjährige allgemeine Schulpflicht. Etwa die Hälfte der Schulen des Landes Gabun sind in konfessioneller oder privater Trägerschaft.

Die Analphabetenquote betrug 2004 etwa 29 %.Brockhaus Enzyklopädie in 5 Bänden (2004), 2. Band, S. 1531.

Gesundheitswesen mini|Entwicklung der Kindersterblichkeit (Tode pro 1000 Geburten) Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 2,7 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Jahr 2017 praktizierten in Gabun 6,6 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 38,8 pro 1000 Lebendgeburten. 86 % der Geburten können medizinisch betreut werden (Stand 2008).Länderdatenbank der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung: „Gabun“. . Die Lebenserwartung der Einwohner Gabuns ab der Geburt lag 2022 bei 65,7 Jahren (Frauen: 68,4, Männer: 63,4). Die Lebenserwartung stieg von 61,1 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 7,6 %.

Die AIDS-Quote wird je nach Quelle auf zwischen 8,0 %CIA World Factbook und 5,9 % geschätzt (siehe auch: HIV/AIDS in Afrika). Die medizinische Versorgung ist oft unzureichend.Gabuns Familiendynastie und das Land. 2015 waren 7 % der Bevölkerung unterernährt, was eine der niedrigsten Quoten in Afrika ist.

Lambaréné in Gabun beherbergt das von Albert Schweitzer begründete und bis zu seinem Tod 1965 von ihm geleitete Urwaldkrankenhaus.

Geschichte

Europäischer Einfluss Der Name Gabun leitet sich aus dem portugiesischen Wort „Gabão“ ab und bedeutet „Umhang“. Als im 15. Jahrhundert portugiesische Seefahrer die Küste des Landes erreichten, gaben sie der Mündung des Flusses Komo wegen dessen eigentümlicher Form den Namen Gabão.

Nach der Besiedlung des Gebietes erlangten die französischen Siedler 1839 eine erste Hoheit über das Gebiet. 1888 wurde Gabun Teil von Französisch-Kongo und 1910 als selbständiger Teil von Französisch-Äquatorialafrika wieder ausgegliedert. Am 8. bis 12. November 1940, als campagne du Gabon bzw. bataille de Libreville bezeichnet, erfolgte die Einnahme von Gabuns Hafen durch Forces françaises libres (FFL) unter De Gaulle und britischen Verbänden. Der bis dahin von Vichy-treuen Truppen gehaltene und nun strategisch bedeutsame Hafen fiel damit an die Alliierten.

Die loi-cadre Defferre wurde 1956 unter französischer Verwaltung eingeführt und damit das allgemeine aktive und passive Frauenwahlrecht.June Hannam, Mitzi Auchterlonie, Katherine Holden: International Encyclopedia of Women’s Suffrage. ABC-Clio, Santa Barbara, Denver, Oxford 2000, ISBN 1-57607-064-6, S. 9.Mart Martin: The Almanac of Women and Minorities in World Politics. Westview Press Boulder, Colorado, 2000, S. 140.

Als Französisch-Äquatorialafrika 1958 aufgelöst wurde, erlangte Gabun als Gabunische Republik die Autonomie.

Unabhängigkeit und Diktatur Omar Bongos mini|Omar Bongo, Präsident von Gabun von 1967 bis 2009 Am 17. August 1960 erlangte Gabun die Unabhängigkeit von Frankreich unter Präsident Léon M’ba, dem 1967 nach dessen Tod Omar Bongo nachfolgte. Recherchen in den französischen Staatsarchiven ergaben: Frankreich hatte maßgeblich bei der Wahl beider Präsidenten mitgewirkt, um weiterhin seinen Einfluss auf das Land zu sichern (auch als Françafrique bezeichnet). Es führte zu einer systemischen Verflechtung beider Länder.Oliver Meiler: Diktatoren bevorzugt, Frankreichs Afrikapolitik bestand lange aus: bestechen und bestechen werden, Süddeutsche Zeitung, 30. November 2023, abgerufen am 5. Dezember 2023.

Das Frauenwahlrecht wurde bei der Unabhängigkeit bestätigt. Die Gründung der Parti Démocratique Gabonais (PDG) erfolgte am 12. März 1968. Mit dieser Einheitspartei regierte Omar Bongo das Land lange Zeit diktatorisch. Gabun führte in den 1990er Jahren ein Mehrparteiensystem ein und verabschiedete eine neue Verfassung, die eine Reform der Regierungsorganisationen und transparentere Wahlen ermöglichte. Gabun mit seiner geringzähligen Bevölkerung, den enormen Rohstoffvorkommen und der Hilfe von außen entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem florierenden Staat in Afrika. Vom Reichtum des Lands profitierten jedoch nur wenige, sehr viele blieben sehr arm. Die Herrscherfamilie Bongos besitzt allein 21 Luxusimmobilien in Paris in besten Lagen.