Burg (Spreewald), , ist eine Gemeinde im Landkreis Spree-Neiße im Osten von Brandenburg und staatlich anerkannter Erholungsort mit der Artbezeichnung Thermalsoleheilbad. Burg (Spreewald) wird vom gleichnamigen Amt verwaltet, dessen Sitz sich in der Gemeinde befindet.

Geografie mini|Kahnfahrt durch den Hochwald in Burg Die Gemeinde Burg (Spreewald) liegt im Zentrum des Oberspreewaldes etwa 20 km nordwestlich von Cottbus. Sie gehört zum Biosphärenreservat Spreewald und liegt im angestammten Siedlungsgebiet der Sorben. Öffentliche Gebäude und Einrichtungen, Straßen, Wege, Plätze und Brücken werden schrittweise zweisprachig beschriftet. Burg grenzt im Norden an Straupitz und Byhleguhre-Byhlen, im Nordosten an Schmogrow-Fehrow, im Osten an Werben, im Süden an Kolkwitz, im Südwesten an Vetschau und im Westen an Lübbenau.

Durch das geringe Gefälle hat sich die Spree zu einem Binnendelta mit vielen Fließen und Kanälen verzweigt und somit Kaupen gebildet. In der intakten Spreewaldlandschaft gibt es 300 Wasserläufe, die Fließe genannt werden. Eines der längsten ist das Große Fließ, welches im Norden der Gemarkung u. a. den Hochwald durchquert und einen Teil der Nordgrenze bildet. Der etwa 1000 ha große Hochwald wurde als landschaftlich einzigartiges Gebiet von der UNESCO teilweise zur Schutzzone 1 (höchste Schutzklasse) erklärt.

Während die Ortsteile Burg-Dorf und Müschen die normale Bebauung eines Dorfes haben, sind die ehemaligen Gemeinden Burg-Kauper und Burg-Kolonie als Streusiedlungen entstanden. Die Gehöfte sind auf Grund der Relief- und Wasserverhältnisse auf Kaupen angelegt, räumlich weitflächig verteilt und von Feldern, Wiesen und Waldflächen umgeben, so dass eher der Eindruck einer Parklandschaft als einer geschlossenen Ortschaft entsteht.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Burg (Spreewald) gehört der Ortsteil Müschen () mit dem Wohnplatz Paulicks Mühle (Pawlikojc Młyn).

Der Hauptort gliedert sich in die bewohnten Gemeindeteile Burg-Dorf (Wobsedne Bórkowy), Burg-Kauper (Kupaŕske Bórkowy) und Burg-Kolonie (Prizaŕske Bórkowy). Die Gemeindeteile der Gemeinde Burg (Spreewald) haben nicht den Status eines Ortsteils mit Ortsbeirat.

Geschichte Frühbesiedlung und Mittelalter mini|Bronzezeitlicher Kultwagen aus Burg (Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin) mini|Evangelische Kirche in Burg Die ältesten Anzeichen einer Besiedlung in der Jungsteinzeit und Bronzezeit finden sich auf dem Schlossberg (62 m) nördlich von Burg-Dorf. Bei Regulierungsarbeiten an der Spree im Jahr 1876 fanden Arbeiter einen bronzezeitlichen, dreirädrigen Kultwagen. Sein Alter wurde von Experten auf über 3000 Jahre bestimmt und gilt somit als Nachweis der Besiedlung dieser Region im Spreewald. Nach den germanischen Semnonen siedelten sich um das Jahr 600 Sorben, auch Wenden genannt, hier an. Die Sage, um das Jahr 1000 habe der polnische König Bolesław I. Chrobry an dieser Stelle eine Burg bauen lassen, gehört neueren Zeiten an, wobei ihre geschichtliche Grundlage unsicher ist.

Bei den damaligen harten Lebensbedingungen war die Urbarmachung des Niedermoorbereiches im Gebiet von Burg sehr schwierig, da fast alles mit Kähnen bewerkstelligt werden musste. Die Häuser wurden aus Holzbohlen gebaut und mit Reet gedeckt, wovon es noch viele bis zu 300 Jahre alte gibt.

Burg wurde erstmals am 29. September 1315 in einer Urkunde der Herren von Ileburg als „villa Borgk“ erwähnt, als eine Besitzung aus der Herrschaft Lübbenau verkauft wurde. Damit ging auch das Recht zur Fischerei an den neuen Besitzer über. Zu dieser Zeit lebten rund 300 Einwohner in dem Dorf, in dem auch bereits eine Mühle erwähnt wurde. Der Ort gelangte dabei aus dem Besitz Bodo des Älteren von Ileburg an den Ritter Christian von Langen und dessen Söhne. Chronisten vermuten, dass eine Überschwemmung mit einer anschließend einsetzenden Hungersnot Bodo den Älteren zu diesem Schritt zwang.

Bei Brandenburg und Preußen Durch den Frieden von Guben kam Burg 1462 an den Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg, der es dem Amt Cottbus zuordnete. 1535 wurde die Reformation in Burg eingeführt. Im gleichen Jahr wird die Schriftsässigkeit nach Cottbus zugewiesen. Markgraf Friedrich von Brandenburg ließ 1602 eine Hufenrolle anlegen. Sie ergab für die Burg sechs Hufner, 51 Gärtner, drei Kötter sowie einen Müller, die insgesamt 28,5 Hufe bewirtschaften. Aus dem Jahr 1637 ist erstmals eine Schule überliefert. In den Jahren 1691 bis 1699 kam es jährlich zu einem Hochwasser, das erhebliche Teile der Ernte vernichtete.

Im 18. Jahrhundert begann der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I., seine ausgedienten Soldaten in der Burger Umgebung anzusiedeln. Sie ließen sich auf natürlichen hochwasserfreien Anhöhen (Kaupen) nieder und begannen, die Umgebung urbar zu machen. Durch Rodungen wurden große Flächen für landwirtschaftliche Zwecke umgenutzt. Sie wurden durch die jährlichen Überschwemmungen gedüngt und erwiesen sich daher als ausgesprochen fruchtbar. Ab 1725 wurde die Siedlung Burg-Kauper angelegt. In den Jahren 1748 bis 1750 siedelten sich Weberfamilien aus Nachbarorten in Burg an, die eine Leinweberei entstehen ließen. Davon zeugt heute noch die von Burg-Kolonie östlich gelegene großflächige Ortslage, die so genannte Bleiche.

Erst 1749 erhielt Burg ein erstes Gebetshaus, vorher mussten die Gläubigen in die Lübbenauer Kirche und ab 1635 in die Dorfkirche von Werben gehen. Das erste Gebetshaus war jedoch bald zu klein, so dass 1753 eine Fachwerkkirche errichtet wurde, die allerdings bereits am 30. September 1766 abbrannte. Daraufhin wurde provisorisch ein Bethaus errichtet und 1799 der Grundstein für die im 21. Jahrhundert vorhandene evangelische Kirche als frühklassizistischer Saalbau mit vierseitiger Empore gelegt, die am 11. November 1804 eingeweiht wurde.

Friedrich II. setzte die Ansiedlungen fort und ermöglichte durch die Vergabe von Land 100 zumeist ausländischen Siedlern die Gründung von Burg Kolonie im Jahre 1766. Der Plan hatte Erfolg: Nur zwölf Jahre später war die Einwohnerzahl bereits auf 375 Personen angewachsen. Von 1771 bis 1804 wurden erste Kanäle gebaut, um den Wasserhaushalt in der Region besser regulieren zu können. Sie wurden durch Untersuchungen der preußischen und sächsischen Regierung zur Regulierung der Wasserverhältnisse in den 1830er Jahren ergänzt. Aus dem Jahr 1817 ist überliefert, dass ein Christian Müller die Mühle wieder neu aufgebaut hat, sie mithin zuvor zerstört worden sein muss. Am 5. Dezember 1836 kam es zu einem Brand in dem Gebäude, das anschließend wiederaufgebaut wurde. 1844 wurde die erste Dorfschule eröffnet. 1852 eröffnete Heinrich Kleefeld die erste Apotheke; am 1. Juli 1856 eine Postexpedition dritter Klasse, die sich zu einem Postamt entwickelte. 1870 gründete sich ein Turnverein, der 1881 in eine Turnerfeuerwehr überging. 1879 wurde eine Telegraphenleitung in Betrieb genommen. Am 7. Juli 1881 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr in Burg. Sie bezog zunächst nur einen einfachen Schuppen, bevor sie 1882 mit einer ersten Handdruckspritze ausgestattet wurde. 1874 gründete sich als erster Verein in Burg ein Männergesangsverein, die Chorgemeinschaft „Concordia“.

In den späten 1860er Jahren trugen Arbeiter am Schlossberg Erde ab, um feuchte Ackerflächen urbar zu machen. Dabei stießen sie auf zahlreiche Artefakte, die von Archäologen in die Bronzezeit datiert wurden. Eines der Kunstwerke war ein Bronzewägelchen, das Rudolf Virchow im Jahr 1880 von einem Schneider Purko erwarb. Es befindet sich im 21. Jahrhundert im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin und ist ein Beleg dafür, dass die Region bereits vor über 3000 Jahren besiedelt war. Virchow wurde auf die Region aufmerksam, sah auf Grund der wilden Schatzsuche am Berg jedoch ein Bodendenkmal in Gefahr. 1871 reiste Virchow daher mit seiner Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte zu einer Tagung nach Burg. 1880 fand dort unter seiner Mitwirkung ein Teil des Internationalen Anthropologischen Kongresses statt. Als 1897 auf dem Schlossberg zur Errichtung der Spreewaldbahn umfangreiche Erdarbeiten geplant waren, trat er erneut auf den Plan und überzeugte den Landrat Wackerbarth, die fünf Hektar große Fläche anzukaufen. Ab 1898 fuhr die Spreewaldbahn durch Burg, die jedoch 1970 wieder stillgelegt wurde.

mini|hochkant|Bismarckturm Neben der besseren Anbindung durch die Eisenbahn waren es auch die Erzählungen Theodor Fontanes in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg, die auch in Burg zu einem Anstieg des Tourismus führten.Klaus Gebler: Der Spreewald und Burg – durch die Brille des Reisenden betrachtet. Verschiedene Reiseanlässe – verschiedene Sichtweisen. In: Sagenhaftes Burg. Ein Spreewalddorf zwischen Legende und Wirklichkeit, Heft 3 (1996), S. 2–4, hier S. 3. 1882 hatte der Lübbenauer Lehrer Paul Fahlisch die Idee, den Touristen die Region bei einer Kahnfahrt näherzubringen. Er gilt damit als Begründer des Tourismus in der Gemeinde. Mit dem Einsetzen des Fremdenverkehrs ging bei den Einheimischen das Niedersorbische als Muttersprache zurück. 1884 eröffnete die erste homöopathische Praxis. Die Einwohnerzahlen stiegen weiter: So lebten 1885 bereits 4533 Einwohner in Burg. Hinzu kamen 97 Pferde, 2300 Rinder, 1300 Schweine sowie 371 Bienenstöcke. Insgesamt 97 Händler belebten den Ort. 1887 wurde die erste Telefonverbindung mit Werben eingerichtet. Gleichzeitig errichteten Handwerker eine Straßenverbindung nach Cottbus. 1895 wurde die Dorfstraße gepflastert.Sagenhaftes Burg. Ein Spreewalddorf zwischen Legende und Wirklichkeit, Heft 3 (1996), S. 20. Um 1900 kam daher auf Initiative des Kriegervereins die Idee auf, auf dem Schlossberg einen Bismarckturm zu errichten, der gleichzeitig als Aussichtsturm dienen sollte. Damit wurden Überlegungen des Spreewaldvereins obsolet, eine Aussichtsplattform am Gasthaus Eiche zu errichten. 1917 wurde der Turm der Öffentlichkeit übergeben.

Burg war in dieser Zeit immer wieder von zum Teil verheerenden Hochwassern betroffen. Durch eine erste Begradigung der Spree in den 1870er Jahren verschärfte sich die Situation, da sich die Durchlaufzeiten des Hochwasserscheitels drastisch verkürzten. Dennoch lehnte die Gemeinde im Jahr 1879 die Aufnahme in die neu gegründete „Wasser-Genossenschaft Lübbenau“ ab. Sie befürchtete fallende Grundwasserstände und Wasserdefizite. Ebenfalls abgelehnt wurde 1886 der Bau eines Kanals, der als Umfluter dienen sollte. Doch bereits 1897 kam es zu einem weiteren Hochwasser, das zu erheblichen Schäden führte. Weitere Hochwasser in den Jahren 1899, 1900, 1901, 1915, 1917, 1919, 1920, 1926, 1927 und 1930 folgten. Erst ein erweiterter Ausbau der Fließe zwischen 1926 und 1936 führte zu einer Verbesserung des Hochwasserschutzes. 1899 gründete sich ein landwirtschaftlicher Verein, der in den folgenden Jahren durch zahlreiche Vortragsveranstaltungen zum kulturellen Leben in Burg beitrug.

Burg im 20. Jahrhundert mini|hochkant|Das 1911 gebaute Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr