Die Georgier (, kartwelebi) im weiteren Sinne sind die Bewohner des kaukasischen Staates Georgien und im engeren Sinne die größte Bevölkerungsgruppe des Landes, die Sprecher der georgischen Sprache. Der georgische Name Kartweli (Georgier) wird von Kartlien abgeleitet, einer Region in Zentralgeorgien. Eine andere Deutung des Namens geht auf Kartlos zurück, den Sohn des Targamos, des Urenkels Noahs, den mythischen Urvater des georgischen Volkes. Nach dieser Legende rührt der Name Kartli in Zentralgeorgien von Kartlos her, da dieser nach seinem Tod in diesem Fürstentum begraben wurde.
Verbreitung Etwa 3,2 der etwa 4 Millionen Georgier leben in Georgien (ca. 83 % der Bevölkerung), weitere 158.000 in der Türkei (dort vor allem in den ehemaligen georgischen Provinzen Tao-Klardscheti), 157.000 in Russland, 100.000 im IranJump up to: a b Rezvani, Babak (Winter 2009). "The Fereydani Georgian Representation". Anthropology of the Middle East 4 (2): 52–74. doi:10.3167/ame.2009.040205., 35.000 in der Ukraine sowie ca. 16.300 in Aserbaidschan.M. Paul Lewis (Hrsg.): Ethnologue: Languages of the World. 16. Ausgabe. SIL International, Dallas (Texas) 2009, ISBN 978-1-55671-216-6. Weitere 200.000 Georgier leben in anderen Ländern, darunter Kanada, den USA, Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden.
Abstammung und Geschichte Die Georgier sind vermutlich aus der Verschmelzung verschiedener südwestkaukasischer Stämme entstanden. Sie wurden ab dem 4. Jahrhundert durch eine kappadokische Predigerin, die spätere Heilige Nino, christianisiert. Einige Regionen wie z. B. Adscharien wurden im Zuge der islamischen Expansion zum Teil islamisiert, die deutliche Mehrheit der Bevölkerung blieb jedoch auch in diesen Gebieten christlich.
Von etwa 900 bis 1800 wurden die georgischen Regionen zunächst vereint als Königreich Georgien und später in mehreren Staaten von der georgischen Bagratidendynastie regiert. Ab 1801 wurde das Gebiet der Georgier nach und nach von Russland annektiert. 1918 wurde eine unabhängige Republik, die Demokratische Republik Georgien, errichtet, die jedoch bereits drei Jahre später von der Sowjetunion annektiert wurde. Seit 1991 ist Georgien erneut unabhängig.
Sprache Die georgische Sprache gehört zum südlichen Zweig der kaukasischen Sprachen und ist mit der mingrelischen, lasischen und swanischen Sprache eng verwandt. Die Georgier benutzen für ihre Sprache eigene Schriftzeichen, die georgische Schrift, die in der Spätantike entstand.
Bekannte Georgier Boris Akunin (Grigory Chkhartishvili), russischsprachiger Schriftsteller Nino Ananiaschwili, Primaballerina in Moskauer Bolschoi-Theater Pjotr Iwanowitsch Bagration, Feldherr der russischen Armee George Balanchine (Balantschiwadse), Choreograf und Mitbegründer der New York City Ballet Lisa Batiashvili, Violinistin Lawrenti Beria, sowjetischer Politiker und Chef der Sicherheitsdienste der Sowjetunion Alexander Borodin (Gedevanischwili) Mediziner, Chemiker, Komponist Khatia Buniatishvili, Pianistin Paata Burtschuladse, Opernsänger Anna Dogonadze, Olympiasiegerin für Deutschland Micheil Gelowani, Regisseur und Schauspieler Tamas Gamqrelidse, Linguist, Orientalist Nona Gaprindaschwili, ehemalige Schachweltmeisterin Aleksandre Iaschwili, Fußballspieler Otar Iosseliani, Regisseur Liana Issakadse, Violinistin Bidsina Iwanischwili, Unternehmer, Politiker und Oligarch Kacha Kaladse, Fußballspieler Alexander Kartweli, Flugzeugdesigner der Vereinigten Staaten Lewan Kobiaschwili, Fußballspieler Chwitscha Kwarazchelia, Fußballspieler Grigori Leps, Sänger Dawit Lortkipanidse, Paläoanthropologe & Entdecker des „Homo georgicus“ Katie Melua, Sängerin Alexander Nadiradse, Raketeningenieur Alexander Nikuradse, Physiker und Geopolitiker Johann Nikuradse, Ingenieur und Physiker Merab Ninidze, Hauptdarsteller Nirgendwo in Afrika Grigol Ordschonikidse, sowjetischer Politiker Sachari Paliaschwili, Komponist Grigol Robakidse, Schriftsteller Mikheil Saakashvili, Politiker Eduard Schewardnadse, ehemaliger Außenminister der Sowjetunion und Staatspräsident Georgiens John M. Shalikashvili, ehemaliger Vorsitzender des Vereinigten Generalstabs der US-Streitkräfte Josef Stalin (Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili), erster Minister und Diktator der Sowjetunion Alexander Toradse, Pianist Maia Tschiburdanidse, ehemalige Schachweltmeisterin Micheil Tschiaureli, Filmregisseur Dito Tsintsadze, Filmregisseur Elisso Wirsaladse, Pianistin Merab Dvalishvili, UFC Kämpfer und ehemaliger UFC Bantamgewichts Champion Ilia Topuria, UFC Kämpfer und UFC Feder- und Leichtgewichts Champion Giorgi Mamardashvili, Torhüter der georgischen Fußball-Nationalmannschaft
Literatur Arthur Leist: Georgien: Natur, Sitten und Bewohner. Leipzig 1885. Nicholas Awde: The Georgians: people, culture and history. Benett & Bloom, London 2004, ISBN 1-898948-52-6. William E. D. Allen: A history of the Georgian people: From the beginning down to the Russian conquest in the nineteenth century. Barnes & Noble, New York 1971. Steffi Chotiwari-Jünger: Georgier in Berlin, Berlin 1999, 80 S., Herausgeber: Ausländerbeauftragte von Berlin. (in georgischer Sprache gedruckt: „kartvelebi berlinši“, Tbilissi 2001, 68. S.)
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