Der Frauenmörder (Originaltitel Criminal Law, übersetzt Strafrecht) ist ein US-amerikanischer Thriller von Martin Campbell aus dem Jahr 1988 mit Gary Oldman in der Hauptrolle eines Strafverteidigers und Kevin Bacon, der einen des Mordes angeklagten Mann spielt.
Handlung „Wenn man sich anschickt, Bestien zu bekämpfen, muss man sich vorsehen, dass einen dieser Kampf nicht selbst zur Bestie macht. Wenn man in den Abgrund blickt, dann blickt der Abgrund auch in einen selbst.“ Mit diesem von Gary Oldman aus dem Off vorgetragenen Friedrich-Nietzsche-Zitat beginnt der Film
Der erfolgreiche, aber oft auch großspurige ehemalige Staatsanwalt und Harvard-Absolvent Ben Chase aus Boston hat die Seiten gewechselt und übernimmt als Strafverteidiger den Fall des scheinfreundlichen reichen, verwöhnten Martin Thiel, der der Vergewaltigung, Verstümmelung und des Mordes angeklagt worden ist. Chase versteht es, mit theatralischen Mitteln im Gerichtssaal dafür zu sorgen, dass Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugen entstehen. Er gewinnt den Fall, da Thiel von den Geschworenen freigesprochen wird.
Thiel spielt daraufhin ein seltsames Katz-und-Maus-Spiel mit Chase, indem er dessen Loyalität und Freundschaft auf die Probe zu stellen scheint. Als ein weiterer Mord passiert, deuten etliche Spuren darauf hin, dass Chase in den Fall verwickelt ist. Dieser ist sozusagen in einer verregneten Nacht nach einem Anruf von Thiel im Park über eine nackte Frauenleiche gestolpert, die noch brannte, nachdem sie mit einem Schweißbrenner „behandelt“ worden war. Chase ist zutiefst entsetzt und betroffen bei dem Gedanken, dass diese Frau ihren Tod auch seinem Können als Thiels Verteidiger verdankt und er somit eine Mitschuld an ihrem Tod trägt. Er fühlt sich hin- und hergerissen zwischen seiner beruflichen Verpflichtung, die ihm auferlegt, Mandanten gegenüber loyal zu sein und sie zu schützen und seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Aus seiner Unsichterheit heraus wählt er einen Mittelweg, indem er versucht, Thiel dazu zu bringen, zuzugeben, was er getan hat, wodurch er sich jedoch noch tiefer in das Spiel des gefährlichen Mörders verstrickt. Chase hat zwar die Behörden über den Fund informiert, es aber nicht über sich gebracht auszusagen, wie und warum er mit der Leiche in Berührung gekommen ist. Auch dadurch gerät er bei dem ermittelnden Detective Mesel in Verdacht, in den Mord verwickelt zu sein.
Ben Chase zermartert sich das Hirn, wie er Thiel dazu bringen kann, sich selbst zu entlarven, bevor es weitere Leichen gibt. Bei den Opfern handelt es sich ausnahmslos um Frauen, die eine Abtreibung bei Thiels Mutter, einer Gynäkologin, haben vornehmen lassen. Zudem sind beide Opfer mit einer Windel geknebelt worden. Chase ist nach dem Fund der Frauenleiche nicht mehr derselbe und völlig am Boden zerstört. Das Bild der halb verkohlten, teils noch brennenden Frau geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er sucht Hilfe bei Prof. Clemens, einem alten Bibliothekar, den er sehr schätzt. Ein Treffen mit Thiel auf dessen neuem Boot, macht ihn weiter stutzig. Der junge Mann meint, die Polizei würde wegen des erneuten Mordes sowieso zu ihm kommen, er brauche einen guten Anwalt, auch Unschuldige brauchten so etwas. Chase meint, wenn er ihn erneut vertreten solle, sei der Preis gestiegen, er verlange nun das Doppelte an Honorar.
Ellen Faulkner, sie war die Freundin der ermordeten Janet, ist außer sich, als sie erfährt, dass Chase Thiel wiederum verteidigen will. Nach einem heftigen Streit erklärt er ihr jedoch, dass er den Fall nur übernommen habe, weil er Thiel stoppen wolle, stoppen müsse, denn er werde es wieder tun, wenn niemand ihn aufhalte. Chase spricht mit Detective Stillwell über seinen Plan, Thiel ans Messer zu liefern. Sie ist skeptisch, da er seine Pflichten als Anwalt verletzen und verraten müsse und verweist auf die Folgen, die das für ihn haben könnte. Chase ist sich jedoch sicher, einen Mann dieses Kalibers stoppen zu müssen.
Chase sucht das luxuriöse Anwesen der Thiels auf in der Hoffnung, irgendetwas herausfinden zu können. Als er sich in Martin Thiels Bereich umsieht, kommt dessen Mutter hinzu und erklärt ihm, dass ihr Sohn niemandem erlaube, seine Räume ungefragt zu betreten. Nachdem er das Anwesen verlassen hat, stößt Chase auf einen Pavillon auf dem Grundstück, der einen unterirdischen Bereich hat, der wiederum genau in die Räume von Martin Thiel führt. Dort steht er urplötzlich Martin gegenüber, der süffisant lächelnd meint, er habe ihn schon erwartet und hinzufügt, eines Tages werde Ben alle seine Geheimnisse kennen, er sei schon gespannt, ob sie dann noch Freunde seien. Noch in derselben Nacht brennt der Pavillon nieder und das Feuer vernichtet mögliche Spuren über den Geheimgang und wohin er führte.
Chase hadert mit sich selbst, dass er den schon so gut wie verurteilten Thiel aus der Sache herausgepaukt hat. Thiel erzählt ihm später, dass er auserwählt worden sei, um die Gerechtigkeit wieder herzustellen. Nur darum sei er trotzdem geboren worden. So erfährt Chase, dass Thiels Mutter ihn abtreiben lassen wollte. Von ihr erfährt Chase auch, dass Martin im Alter von acht Jahren eine der von ihr vorgenommenen Abtreibungen mitbekommen habe. Er habe dann erzählt, seine Mutter bringe Babys um, an diesem Tag habe sie ihren Sohn verloren.
Als Martin Thiel herausbekommt, dass Ben sich gegen ihn gewandt hat, versucht er Ellen Faulkner, die inzwischen ein Verhältnis mit Chase hat, zu töten. Sie setzt sich jedoch so vehement zur Wehr, dass sie ihm entkommen kann. Martin ist jetzt völlig außer Kontrolle, er sucht seine Mutter in der Klinik auf und setzt sie in Brand, nachdem er zuvor wissen wollte, ob sie wieder dabei sei, Babys umzubringen. Kurz darauf meldet er sich bei Ben, erzählt ihm, was er getan hat und vereinbart einen Treffpunkt mit ihm für den nächsten Tag. Er müsse auf jeden Fall allein kommen. Es gebe jetzt nur noch sie beide.
Chase will mit der Staatsanwaltschaft einen Handel machen. Als er das Zimmer verlassen hat, steht ihm auf dem Gerichtsflur urplötzlich der wutentbrannte Thiel gegenüber und geht auf ihn los. Als der leitende Staatsanwalt Jacob Fisher hinzukommt und seine Waffe auf Thiel richtet, streckt dieser ihn mit einem Bauchschuss nieder. Gleichzeitig gelingt es Thiel, Chase in den Gerichtssaal zu schieben und die Tür zu schließen, während draußen auf dem Flur die Menschen flüchten. Thiel hält Chase mit der Waffe in Schach, die er dann ohne Not an Chase aushändigt. Er provoziert den Anwalt mit Worten und legt es geradezu darauf an, von diesem erschossen zu werden. Chase schießt zwar mehrere Male, aber an Thiel vorbei, was diesem Tränen in die Augen treibt. Auf der oberen Etage des Gerichtssaals hat sich Detective Stillwell Zugang zu dem Geschehen verschafft. Thiel sieht darin seine Chance, doch noch erschossen zu werden. Mit einer zerbrochenen Glasscherbe stürmt er auf Chase los, was Stillwell geradezu dazu zwingt, ihn zu erschießen. Chase wendet sich von Thiel ab und verlässt wortlos den Raum.
Produktion Dreharbeiten, Synchronisation Der Film wurde zwischen August und Oktober 1987 in Montréal, Québec City und in Westmount (Québec) in Kanada gedreht.Criminal Law Filming Locations in der IMDb. Abgerufen am 6. Juni 2007.
Ben Chase Gary Oldman Joachim Tennstedt Martin Thiel Kevin Bacon Sven Hasper Detective Stillwell Tess Harper Carolin van Bergen Ellen Faulkner Karen Young Ulrike Möckel Detective Mesel Joe Don Baker Engelbert von Nordhausen Dr. Sylvia Thiel Elizabeth Shepherd Bettina Schön Richter Terrence La Brasse Heinz Theo Branding Mrs. Monroe Jeannie Walker Marianne Lutz Krankenschwester Rebecca Hall Eva-Maria Werth
Veröffentlichung, Einnahmen Der von Hemdale und Northwood Productions produzierte Film hatte seine Weltpremiere am 15. September 1988 auf dem Toronto International Film Festival, bevor er in einer limitierten Anzahl am 11. November 1988 in die Kinos der Vereinigten Staaten kam. In Kanada wurde er im April 1989 veröffentlicht, in Dänemark im Juni 1989, in Schweden im Juli 1989, in Italien im August 1989, in Portugal im September 1989, in Südkorea im Oktober 1989, in der Bundesrepublik Deutschland am 30. November 1989 und in Frankreich am 8. Dezember 1989. Im darauffolgenden Jahr 1990 wurde er in Uruguay, in Argentinien, im Vereinigten Königreich und in den Niederlanden veröffentlicht. In Japan war er erstmals im März 1991 verfügbar und in Ungarn hatte der Film im Januar 1998 Fernsehpremiere. Weitere Veröffentlichungen erfolgten in folgenden Ländern: Australien, Brasilien, Bulgarien, Ecuador, Griechenland, Norwegen, auf den Philippinen, in Polen, Serbien, Singapur, in der Sowjetunion, in Spanien, in Taiwan und in der Ukraine.Criminal Law Premierendaten in der IMDb. Abgerufen am 6. Juni 2007.
Der Film, der ein geschätztes Budget von 5.000.000 Dollar hatte, spielte in den Kinos der USA und Kanada ca. 9,97 Millionen US-Dollar ein, das war auch der weltweite Bruttoertrag.Criminal Law Box Office / Business in der IMDb. Abgerufen am 6. Juni 2007.
Rezeption Kritik Roger Ebert meinte, Criminal Law sei ein Paradebeispiel für einen Film, der vor unseren Augen schiefgehe, weil die Filmemacher seltsamerweise nicht erkannt hätten, dass man mit dem Publikum nur so lange spielen könne, bis es verärgert sei. Weiter schrieb er in der Chicago Sun-Times vom 28. April 1989, die Filmautoren würden zu häufig das Mittel des falschen Alarms nutzen. Es funktioniere in einem Film höchstens zweimal, in diesem Film würde es sechs-siebenmal genutzt; besonders häufig in der letzten halben Stunde. Diese Tricks würden die guten Darstellungen von Gary Oldman und Kevin Bacon zunichtemachen. Bacon spiele „sehr wirkungsvoll“ einen „einnehmenden jungen Mann“ mit einer tief versteckten seelischen Krankheit.Roger Ebert: Criminal Law rogerebert.com (englisch), 28. April 1989. Abgerufen am 14. Mai 2025.
Hal Hinson schrieb in der Washington Post vom 28. April 1989, der Kern des Films sei das Verhältnis der Hauptcharaktere, die sich gegenseitig zu manipulieren versuchen würden. Die Darstellungen seien „gekonnt“, sie würden eine „tiefere psychologische Dimension“ andeuten. Der Regisseur erzeuge Spannung auf eine wirkungsvolle Weise. Die Handlung sei jedoch „immer weniger und weniger glaubwürdig“.Hal Hinson: Criminal Law In: The Washington Post (englisch), 28. April 1989. Abgerufen am 14. Mai 2025.
Peter Travers konnte dem Film in der Zeitschrift Rolling Stone nichts abgewinnen und schrieb, in diesem Thriller werde nicht viel gespart: Es gieße in Strömen, die Musik dröhne, die Leichen stapelten sich und die Schauspieler kauten wie verrückt die Kulissen ab. Travers warf die Frage auf, was ein britischer Schauspieler in der Rolle eines Harvard-Anwalts in einem in Boston spielenden Film mache, der in Montreal gedreht worden sei. Oldmans lächerlicher, mal durch und durch amerikanischer Akzent sei dabei noch das geringste seiner Probleme. Bacon liefere die einzige maßvolle Darstellung des Films – und er sei der Psychopath. Regisseur Martin Campbell lege großen Wert darauf, dass uns der homoerotische Subtext des Films nicht entgehe.Peter Travers: Criminal Law rollingstone.com (englisch), 28. April 1989. Abgerufen am 14. Mai 2025.