Der Praga TNH beziehungsweise Panzerkampfwagen 38 (t) ist ein leichter Panzer des tschechoslowakischen Herstellers Českomoravská-Kolben-Daněk (ČKD), der vor dem Zweiten Weltkrieg für die tschechoslowakische Armee und den Verkauf ins Ausland entwickelt wurde.
Die tschechoslowakische Armee beabsichtigte die Einführung des Fahrzeugs unter der Bezeichnung LT vz. 38 (Lehký tank vzor 38, Leichter Panzer Modell 38). Doch die Zerschlagung der Tschechoslowakei durch das Deutsche Reich kam dem zuvor. Durch die deutsche Wehrmacht klassifiziert als mittlerer Panzer, wurden bereits vorhandene LT vz. 38 durch die Wehrmacht übernommen und weitere Fahrzeuge beim Hersteller geordert.
Entwicklung Als deutsche Truppen im März 1939 die Tschechoslowakei besetzten, fiel dem Deutschen Reich eine leistungsfähige Rüstungsindustrie in die Hände, hierzu gehörte das Unternehmen ČKD in Prag. Neben den Produktionsanlagen waren es auch Panzerkonstruktionen, wie der ČKD-Praga LT-H, die für die Wehrmacht grundsätzlich von Interesse waren. Der in Produktion befindliche neue Typ TNH-P stand kurz vor der Einführung in die tschechoslowakische Armee und war in seinen Leistungsparametern den aktuellen Ausführungen des deutschen Panzers III annähernd gleichwertig. Die leichten deutschen Panzer I und II waren in ausreichender Stückzahl vorhanden und kaum weiter aufrüstbar. So wurden die tschechoslowakischen Panzer als Ersatz für die noch nicht in ausreichender Stückzahl vorhandenen mittleren Panzer rasch in die deutschen Panzerdivisionen eingegliedert beziehungsweise für die Neuaufstellung von weiteren Panzerverbänden verwendet. Hierbei wurde seitens der Wehrmacht anfänglich vom Panzerkampfwagen (3,7 cm) L.T.M 38 gesprochen. Erst am 16. Januar 1940 wurde durch eine Mitteilung des Allgemeinen Heeresamtes die neue Bezeichnung Panzerkampfwagen 38(t) offiziell eingeführt, wobei das t für tschechisch stand.Jentz/Doyle: Panzerkampfwagen 38 (t), PT-18, 2007, S. 18 f.
Technische Beschreibung Auffällige Designmerkmale waren die für einen leichten Panzer leistungsfähige 3,7-cm-Kanone und eine vernietete Panzerung. Diese Bewaffnung, eine 3,72-cm-Kanone L/47,8, war derjenigen der deutschen leichten Panzer überlegen, und auch die Panzerung der Front war mit 25 mm nur unwesentlich schwächer als die der Panzerkampfwagen III und IV (frühe Versionen ~30 mm). In späteren Varianten wurde die Frontpanzerung auf bis zu 50 mm verstärkt. Größte Schwäche des Fahrzeugs war seine vernietete Panzerung: bei Treffern konnten sich Niete lösen und die Besatzung im Kampfraum verletzen oder töten, ohne dass die Panzerung durchschlagen wurde; wenn die Niete nach außen weggesprengt wurden, konnte die begleitende Infanterie getroffen werden.
Produktion Für die Wehrmacht wurden von 1939 bis Mitte 1942 über 1400 Fahrzeuge als Panzerkampfwagen produziert. Das äußere Erscheinungsbild der Fahrzeuge weicht nur geringfügig voneinander ab, da die technischen Hauptkomponenten Fahrwerk und Antrieb völlig unverändert blieben, wodurch die Grundform des Fahrzeugs unverändert bleiben konnte. Die Hauptbewaffnung galt zu Beginn des Krieges als ausreichend leistungsfähig, um auch im Kampf mit den regulären gegnerischen Panzertypen bestehen zu können, weshalb diese auch bis 1942 nicht ausgetauscht wurde. Trotzdem hatte jeder Typ einige spezielle Ausrüstungspunkte, an denen er zu identifizieren ist.
Ausführung A Die erste Ausführung des Panzerkampfwagen 38 (t) wurde mit den Fahrgestellnummern 1 bis 150 produziert. Identifizierbar sind die Fahrzeuge durch ein ungepanzertes Turmrundblickfernrohr 38 (t). Während des Polenfeldzuges wurde bei der Panzer Abteilung 67 auf der linken Fahrzeugseite ein horizontales Antennenrohr montiert, eine kurze Schaufel sowie eine Spitzhacke waren quer über der runden Wartungsplatte des Motorraumes befestigt, die Laufrollen hatten schmale Gummierungen und breite Stahlbänder, die Maschinengewehre (M.G. 37 (t)) hatten keine Mündungsfeuerdämpfer.
Ausführung B Mit der Ausführung B (Fahrgestelle 151 bis 260) wurde eine gepanzerte Schutzkappe für den Kopf des Turmrundblickfernrohr eingeführt. Über der Zieloptik des Turms wurde ein Blech zum Schutz vor Regentropfen montiert. Auf der linken Aufbauseite wurde ein Handgriff zum leichteren Auf- und Absitzen der Mannschaft angebracht. Die Antennenhalter war einfach gehalten und Zusatzteile für die Montage der "Gefechtsantenne" der Ausführung A entfielen. Schaufel und Spitzhacke wurden auf dem Kettenschutzblech der linken Fahrzeugseite angebracht und blieben dort bis zum Ende der Panzerproduktion. Die Laufrollen wurden geändert und hatten eine breitere Gummierung und einen schmaleren Stahlrand.
Ausführung C Während der Fertigung der Ausführung C (Fahrgestell 261 bis 370) wurde eine verstärkte Frontpanzerplatte (25 mm auf 40 mm) eingeführt. Die Halterungen der Platte wurde angepasst und die Bolzen zur Fixierung des Endgetriebes wurden geschützt. Eine dreiteilige Abdeckung zum Schutz des Turmkugellagers wurde montiert, um ein Verklemmen nach Treffern durch Infanteriefeuer zu verhindern. Hinter der ersten Laufrolle wurde an der Fahrzeugseite ein Stopper montiert, der das Aufschaukeln des Fahrwerks bei der Fahrt reduzieren sollte.
Ausführung D Die Fahrzeuge der Ausführung D (Fahrgestell 371 bis 475) erfuhren eine geringfügige Änderung bei der Nietung der oberen, gebogenen Frontpanzerung für Fahrer und Maschinengewehrschütze. Alle Ausf. D hatten eine 40-mm-Bugpanzerplatte. Die tschechoslowakische Antennenfußhalterung wurde während der Fertigung durch ein deutsches gummigelagertes Modell ersetzt. Während der Fertigung der Ausf. D wurde außerdem eine neue leichtere Gusskette eingeführt, mit breiteren und kürzeren Führungszähnen, die nach innen angeschrägt waren, um zu verhindern, dass die Ketten geworfen wurden.
Ausführung E Mit der Ausführung E (Fahrgestell 476 bis 750) erfolgte eine wichtige produktionstechnische Änderung, die für die weiteren Modelle kennzeichnend war. Die zuvor gebogene obere Frontpanzerung vor Fahrer und Maschinengewehrschütze/Funker wurde durch eine gerade Panzerplatte ersetzt. Die gepanzerten Sichtluken für den Fahrer wurden verstärkt. Beide Teile der Dachluke über dem Funkerplatz waren nun rechteckig. Die Seitenpanzerung wurde ab diesem Modell im oberen Frontbereich bis zur neuen Frontplatte verlängert. Die Turmfront, die Wannenfront, der gesamte Aufbau erhielt eine Zusatzpanzerung, indem die Plattenstärke auf 30 beziehungsweise 25 mm Stärke angehoben wurde. Insgesamt wurde die Anzahl der Niete reduziert. Alle Ausführung E hatten einen gepanzerten Antennenfuß vorne links am Aufbau montiert. Die Kettenspanner und die Führung der Anlasserkurbel erhielten gepanzerte Abdeckungen. Ab dem Fahrzeug Nr. 624 wurde die Auspuffanlage offiziell höher montiert, um eine gepanzerte Nebelkerzenabwurfvorrichtung am Fahrzeugheck zu ergänzen. Bei den Blattfederpaketen der vorderen Laufrollen wurde eine fünfzehnte Blattfeder ergänzt. Das Abstands-Rücklicht und das Bremslicht wurden mit einer neuen Halterung neu je links und rechts über dem Kettenschutzblech positioniert, beide waren zuvor auf der hinteren Motorabdeckung links beziehungsweise rechts mit vertikalen Halterungen montiert.
Ausführung F mini|Zentralmuseum Moskau Bei der Ausführung F (Fahrgestell 751 bis 1000) wurden die Halterung für Ersatzkettenglieder hinten rechts vergrößert, um ein drittes Kettenglied aufzunehmen. Während der Fertigung wurden die Zahl der Niete an den Seiten der Motorabdeckklappen verringert. Ebenfalls während der Produktionszeit wurde der Notek-Scheinwerfer von seinem vorherigen Platz auf dem vorderen rechten Kettenschutzblech auf die vordere linke Ecke der oberen horizontalen Frontpanzerplatte verlegt.
Ausführung S Die Ausführung S war ursprünglich für den Export nach Schweden geplant und wurde letztlich gleichzeitig mit der Ausführung F gebaut. Es wurden die Fahrstellnummern 1001 bis 1090 vergeben. Bei dieser Ausführung wurde das Fahrzeug konzeptioniert als die Ausführung D in Produktion war. Aufgrund des Zeitpunkts der Entwicklung waren nur die Frontplatten verstärkt, die Turmseiten und die Wannenseiten hatten nur 15 mm Panzerung. Da die Turmpanzerung an den Seiten nicht stärker war, hatte der Splitterschutzring die gleiche Größe wie bei der Ausführung C und D. Sechs Bolzen an der Oberkante der oberen Frontplatte dienten zur Ergänzung einer 25-mm-Zusatzpanzerung. Die Niete der Frontpanzerung bei der Ausführung S entsprachen den frühen Ausführungen A bis D, wobei die vordere seitliche Reihe der Niete an der vorderen Turmverlängerung einen Niet weniger als bei den Ausf. A bis D (6 Niete) und einen mehr als die Ausf. E bis G (4 Niete) aufwies (5 Niete). Die Kettenspanner und die Führung der Anlasserkurbel erhielten gepanzerte Abdeckungen. Der Auspuff wurde höher gesetzt, um die Nebelkerzenabwurfvorrichtung zu montieren.
Ausführung G Die letzte Ausführungsserie (Fahrgestell 1100 bis 1359 und 1480 bis 1526) erfuhr eine weitere Verstärkung der Panzerung auf 50 mm Plattenstärke bei der Frontpanzerung von Wanne und Turm. Die Zahl der Niete und Bolzen wurde speziell im Frontbereich weiter verringert. Im November 1941 wurden mit dem Fahrzeug Nr. 1220 weitere Halterungen für Ersatzkettenglieder eingeführt. Einmal sieben Kettenglieder auf der vorderen Bugpanzerplatte und je fünf links und rechts der Wartungsluke auf der horizontalen Frontpanzerung. Der kleine Spiegel für den Fahrer auf linken Kettenabdeckung entfiel unmittelbar bei Serienbeginn. Ab Februar 1942 ersetzten Delbag-Luftfilter die bisherigen Doppelluftfilter. Auf der Kühleröffnung auf der hinteren Motorraumabdeckung wurde ein Schieber installiert, um die Temperatur des Motors zu regulieren. Im Mai 1942 wurde das Fahrzeug Nr. 1481 tropentauglich ausgeführt und ging dann in eine Erprobung.
Bei den frühen Fahrzeugen wurden im Laufe der Zeit, sofern möglich, bestimmte Nach- und Umrüstungen vorgenommen, um den aktuellsten Stand der Ausrüstung zu erreichen, wodurch manchmal frühe Fahrzeuge auch einzelne spezifische Kennzeichen einer späteren Serie aufweisen können. Doch waren einige Aspekte nicht veränderbar, wie zum Beispiel die gebogene Frontpanzerplatte der Ausführungen A bis D und das Schema der Vernietung, so dass eine Zuordnung weiter möglich bleibt.
Da die Fahrgestellfertigung für die Produktion von Selbstfahrlafetten weitergeführt wurde, wurden für diese Fahrzeuge weitere Ausführungsbuchstaben vergeben. Hierdurch wurde die Versorgung mit den für das jeweilige Modell benötigten Ersatzteilen erleichtert, da auch nach Einstellung der Fertigung der Panzerkampfwagen noch Detailveränderungen an der Fahrzeugwanne vorgenommen wurden.
Produktionszahlen des Panzerkampfwagen 38(t)Thomas L. Jentz: Die deutsche Panzertruppe 1933–1942 Band 1. S. 260, Unterschiede zu anderen Quellen möglich. Monat Sep. 39 Okt. 39 Nov. 39 Dez. 39 Jan. 40 Feb. 40 Mär. 40 Apr. 40 Mai 40 Jun. 40 Jul. 40 Aug. 40 Sep. 40 Okt. 40 Nov. 40 Dez. 40 Jan. 41 Stückzahl 31 30 11 0 10 24 31 30 30 30 30 35 35 44 27 44 45 Monat Feb. 41 Mär. 41 Apr. 41 Mai 41 Jun. 41 Jul. 41 Aug. 41 Sep. 41 Okt. 41 Nov. 41 Dez. 41 Jan. 42 Feb. 42 Mär. 42 Apr. 42 Mai 42 Jun. 42 Stückzahl 50 53 49 78 65 65 64 76 53 50 50 59 61 28 0 21 26
Einsatz bei der Wehrmacht – Panzerkampfwagen 38(t) mini|Nördliche Sowjetunion, Panzer 38(t) der 3. Panzer-Division und Infanterie mini|Panzer 38(t) Ausf. S
Polenfeldzug Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges waren 57 Panzer 38(t) einsatzbereit, die bei der 3. leichten Division beim Angriffskrieg gegen Polen eingesetzt wurden. Davon wurden bis zum 25. September 1939 sieben Panzer zerstört.Thomas L. Jentz: Die deutsche Panzertruppe 1933–1942 Band 1. S. 104.
Westfeldzug Bis zum Beginn des Westfeldzuges 1940 befanden sich 238 Stück in der 7. Panzer-Division (PD) und der 8. PD, von denen im Verlauf des Mai oder Juni 54 als Totalverluste gemeldet wurden.Thomas L. Jentz: Die deutsche Panzertruppe 1933–1942 Band 1. S. 141.
Balkanfeldzug