Tizi Ouzou kabylisch Tizi Wezzu (wörtlich „Hügel der Ginster“), Tifinagh-Schrift: ⵜⵉⵣⵉ ⵡⴻⵣⵣⵓ; ist eine Stadt in Algerien zwischen Bejaia und Algier. Sie ist Hauptstadt der Provinz Tizi Ouzou und Sitz einer Universität. Die Stadt hat etwa 90.000 Einwohner und gilt als Zentrum der Kabylei und ist kulturelles Zentrum der Berber in Algerien. Sie liegt am Fluss Oued Sebaou.
Geschichte Der Ort wurde von Osmanen gegründet, 1858 erfolgte eine Erweiterung beziehungsweise Neugründung durch französische Kolonialtruppen. 1890 erhielt Tizi-Ouzou eine Eisenbahnverbindung nach Algier, die entscheidend zur Entwicklung von Tizi-Ouzou als regionales Zentrum beitrug. Der spätere Schriftsteller Mouloud Feraoun konnte hier mit Hilfe eines Stipendiums die Schule besuchen. Im Algerienkrieg gehörte Tizi Ouzou zum 1956 neu eingeteilten französischen Verwaltungsgebiet Wilaya 3.
Nach der Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich 1962 entwickelte sich Tizi-Ouzou auch zu einem Zentrum des Widerstandes der Berber gegen eine verstärkte Arabisierung des Landes und auch gegen den aufkommenden islamischen Fundamentalismus. Nachdem der Berber-Schriftsteller Mouloud Mammeri am 10. März 1980 von der Regierung mit Auftrittsverbot an der Universität belegt wurde, kam es im März zu einem Studentenstreik, dem weitere Proteste und ein Generalstreik folgten, bis es im April nach einem harten Vorgehen der Staatsmacht zu schweren Unruhen kam („Tizi-Ouzou-Frühling“ oder „Berber-Frühling“).Martin Stone: The Agony of Algeria. C. Hurst & Co. Publishers, 1997, ISBN 1-85065-177-9, S. 61–62.Richard I. Lawless, Allan M. Findlay: North Africa: Contemporary Politics and Economic Development. Taylor & Francis, 1984, ISBN 0-7099-1609-4, S. 34. Im Frühjahr 2001 wurde der Student und Berber-Aktivist Massinissa Guermah in der Nähe von Tizi-Ouzou verhaftet und kam anschließend in der Polizeihaft ums Leben. Dies führte erneut zu schweren Unruhen („Schwarzer Frühling“).Jonathan Oaks: Algeria. Bradt Travel Guides 2008, ISBN 978-1-84162-232-3, S. 112.The Middle East and North Africa 2003. Routledge 2002, ISBN 1-85743-132-4, S. 170.
Im Sommer 2014 geriet die Stadt international in die Schlagzeilen, weil dort der kamerunische Fußballspieler Albert Ebossé Bodjongo während eines Spiels von einem Hooligan mit einem geworfenen Gegenstand derart schwer am Kopf verletzt wurde, dass er kurz darauf seinen Verletzungen erlag.
Persönlichkeiten François Divisia (1889–1964), französischer Ökonom Issad Rebrab (* 1944), Unternehmer Mohamed Belhocine (* 1951), Internist und Epidemiologe
Literatur Meyers großes Taschenlexikon in 24 Bänden. BI-Taschenbuchverlag, 1992, Band 22, S. 128. Jonathan Oaks: Algeria. Bradt Travel Guides, 2008, ISBN 978-1-84162-232-3, S. 110 ().
Weblinks
Tizi-Ouzou in der Encyclopædia Britannica
Einzelnachweise
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