miniatur|Claude Debussy: Syrinx (1913) Die Querflöte (italienisch flauto traverso) ist eine randgeblasene Flöte mit einem, im Unterschied zur Längsflöte, seitlich am Rohr angebrachten Anblasloch. In der Hornbostel-Sachs-Systematik definiert dieses Kriterium innerhalb der „Flöten“ (421) die weltweit verbreitete instrumentenkundliche Gruppe der „Querflöten“ (421.12).
Im engeren Sinn ist die Querflöte oder Konzertflöte, historisch Traversflöte, in der westlichen Musik ein bedeutendes Solo- und Orchesterinstrument. Auch im Jazz (als Jazzflöte), in der Rockmusik und in der lateinamerikanischen Musik wird die Querflöte eingesetzt. mini|Konzertflöte
Bauform Es gibt unterschiedliche Formen von Querflöten im engeren Sinn. Die moderne Querflöte, genannt Böhmflöte, auch Große Flöte,Wieland Ziegenrücker: Allgemeine Musiklehre mit Fragen und Aufgaben zur Selbstkontrolle. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1977; Taschenbuchausgabe: Wilhelm Goldmann Verlag, und Musikverlag B. Schott’s Söhne, Mainz 1979, ISBN 3-442-33003-3, S. 172. besteht aus folgenden drei Teilen: Kopfstück, Mittelstück und Fußstück.
Kopfstück Bei der Querflöte ist das Kopfstück üblicherweise gerade, es gibt aber auch gebogene Kopfstücke als Lernhilfe für Kinder- oder bei tieferen Alt-, Tenor- und Bassflöten. So ist das Instrument einfacher zu greifen und durch einen dadurch kürzeren Hebel einfacher zu halten. Das Kopfstück besteht aus dem eigentlichen Rohr, dem Tubus, der aus verschiedenen Materialien bestehen kann (siehe Material). Im oberen Drittel befindet sich ein Loch mit aufgelötetem Kamin. Dieser trägt die gewölbte Mundlochplatte mit dem eigentlichen Anblasloch. Den Abschluss des Kopfstückes bildet der Stimmkorken im Tubusinneren. Das Kopfstück ist im Unterschied zum übrigen Tubus nicht zylindrisch, sondern (ab der Wiener Klassik) verkehrt-konisch gebohrt, das heißt, der innere Luftraum verjüngt sich vom Flötenende zum Anblasloch. Dieser unterschiedliche Konus hat Einfluss auf den Klang der Flöte. Der Stimmkork befindet sich im oberen engen Teil des Kopfstückes über dem Anblasloch. Die Kerbe am unteren Ende des Wischerstabes sollte bei richtiger Justierung genau in der Mitte des Anblasloches sichtbar sein. Die Wölbung der Mundlochplatte, die Form und der Schnitt des Anblasloches und die Bohrung des Kopfstückes haben großen Einfluss auf Ansprache, Klangfarbe und Klangvolumen der modernen Querflöte.
Mittelstück Die Flöte besitzt im Mittelstück üblicherweise 13 Tonlöcher, auf die jeweils ein kurzes Rohr, genannt Kamin, aufgesetzt wird. Der Kamin bewirkt, dass das eigentlich gekrümmte Loch einen geraden Abschluss bekommt, der dann durch eine Klappe verschlossen werden kann. Bei den Klappensystemen am Mittelstück werden zwei Bauweisen und zwei Klappen-Arten unterschieden.
inline: die Klappen sind in einer Linie angeordnet offset: das G ist in Richtung des linken Ringfingers vorgezogen geschlossene Klappen: Die Finger betätigen die Klappen, die Klappen verschließen das Tonloch Ringklappen (offene Klappen): Die Finger verschließen das Loch in den Klappen und betätigen die Klappen.
Ringklappen haben den Vorteil, dass der Flötist die Luftgeschwindigkeit in den Fingerspitzen spürt und sie so besser korrigieren kann. Zudem verlangt ein System mit offenen Klappen eine genauere Fingertechnik, die wiederum einem exakteren Flötenspiel zugutekommt. Die Griffmöglichkeiten sind ebenfalls sehr viel flexibler. Die offenen Klappen ermöglichen zahlreiche zusätzliche Griffe und Effekte wie Glissando, Multiphonics und Mikrointervalle (Tonabstände kleiner als ein Halbton), was vor allem beim Spielen von zeitgenössischer Musik hilfreich ist und häufig vom Komponisten verlangt wird. Seit einigen Jahren existieren auch Konzertflöten mit kompletter Vierteltonmechanik. Diese Variante der Flötenmechanik, die sich sowohl auf dem Mittelstück, als auch auf dem Fußstück befindet, wurde von der niederländischen Flötenbauerin Eva Kingma entwickelt.
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E-Mechanik Viele Querflöten, vor allem im Anfängersegment, haben eine E-Mechanik. Diese Mechanik wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem deutschen Flötenbauer Emil von Rittershausen und dem französischen Flötenbauer Djalma Julliot unabhängig voneinander entwickelt und erleichtert die Ansprache und Intonation des Tones e in der hohen dritten Oktave auf Kosten eines etwas höheren Gewichtes. Die meisten professionellen Flötisten verzichten auf den Einsatz einer E-Mechanik, da die Töne mit guter Technik ohne sie zu realisieren sind.
Die Original-Böhm-Flöte wurde mit offener Gis-Klappe konstruiert. Als sich jedoch die geschlossene Gis-Klappe unter den Flötisten immer stärker durchsetzte, musste die Öffnung für die E-Klappe verändert werden, da es Probleme bei der Intonation und der Ansprache des e3 gab. Die geteilte E-Mechanik schließt nur die untere G-Klappe, um so eine saubere Intonation und schnelle Ansprache des e3 zu erreichen. Querflöten moderner Bauart besitzen fast alle eine E-Mechanik. Die E-Mechanik erschwert aber den Triller g/a in der obersten Oktave sehr.
Deshalb benötigen diese Flöten dann den sog. G/A-Triller. Englische Flöten hatten auch oft eine Verbesserung des fis, das ja mit dem Ringfinger – oder in schnellen Passagen – auch mit dem Mittelfinger rechts gegriffen werden muss, da Böhm dem f mit dem rechten Zeigefinger den Vorzug gab. (‘Rockstro-' und 'Brossa key’ genannt.) Dort wird dann der Schalldeckel für das akustisch reine fis, mit dem rechten Ringfinger mit einem unabhängigen Extrahebel geschlossen. Bei Rockstro wurden dafür die Trillerklappen nach links verschoben, bei Brossa ein sehr kleiner zusätzlicher Hebel auf dem Mittelteil, gleich neben dem Fußstück angebracht. Deutsche Instrumentenmacher löteten oft – auch nachträglich – einen kleinen Hebel auf den fis-Schalldeckel. So konnte man in langsamen Passagen und gehaltenen kritischen Tönen ein sehr reines fis in allen Oktaven bekommen. (Siehe: Werner Richter: 'Die Griffweise der Flöte' Bärenreiter Kassel 1867 und Anthony Baines ‘Woodwind and Their History’ Faber & Faber 1957)Robert BIGIO ‘The Art of Flute in Britain. Werner RICHTER Die Griffweise der Flöte. Anthony BAINES Woodwind and Their History.
mini|Zwei Fußstücke: links ein C-Fuß, rechts ein H-Fuß
Fußstück Man unterscheidet hier zwischen C-Fuß und H-Fuß: Bei Flöten mit einem C-Fuß ist der tiefstmögliche Ton das c1. Bei Flöten mit einem H-Fuß wiederum kann man noch einen Halbton tiefer spielen, also bis zum h.
Ein Vorteil einer Flöte mit H-Fuß ist der „Gizmo“ genannte kleine Hebel für das c4, der am Fuß angebracht ist, und der Umstand, dass das Instrument einen längeren Resonanzraum hat und dadurch voller, wärmer und kräftiger klingt. Besonders die hohen Töne der dritten Oktave klingen weniger hell und schrill. Zudem ist die Flöte nicht so kopflastig, was dazu führt, dass sie während des Flötenspiels vom Musizierenden leichter empfunden wird. Es gibt auch Flöten mit C-Fuß, an die ein separates Verlängerungsstück für das kleine h aufgesteckt werden kann. Und es gibt Fußstücke, die bis zum kleinen b oder sogar zum a reichen. Dies sind jedoch grundsätzlich Sonderanfertigungen. Bei den tieferen Flöten, wie zum Beispiel der Altflöte in G, existieren sowohl Modelle mit G-Fuß als auch solche mit Fis-Fuß.
Britische Hybridflöten Theobald Böhm hatte sein Patent früh nach Großbritannien und Frankreich verkauft. In London wurde dann von Richard Carte in seiner Firma Rudall Rose & Carte und anderen – neben der klassischen Böhmflöte, mit oder ohne offen Gis (je nach Kundenwunsch) die Böhmflöte modifiziert.
Neben den Modellen von Böhm, baute man auch Flöten alter Art mit konischer Bohrung, was den Ton viel kräftiger machte. Die Tonlöcher waren aber nach Böhms Prinzipien an der akustisch richtigen Stelle gebohrt und alle diese Flöten hatten eine an Böhm angelehnte Mechanik. So kam man vielen Spielern entgegen. (Es gab aber auch konisch gebohrte Flöten, aber der kräftige Ton der zylindrischen Bohrung setzte sich sehr schnell durch.) Rein klanglich gesehen sind es Böhmflöten.
Bekannt wurden besonders Model 1867 und die Radcliff Flute, die der berühmte Flötist John Radcliff bevorzugt spielte. Diese Flöte war grifftechnisch ein Kompromiss zwischen den vertrauten Griffen der ‘Alten Flöten’ besonders für das fis – mit dem rechten Zeigefinger – und der linken Hand, die wie bei der Böhmflöte – allerdings mit dem B rechts, das nicht nur bei offen Gis oft so üblich war. John Radcliff warb mit anrührenden Worten bei seinen Flötenkollegen, … doch den Schritt über die Brücke zu wagen. (Die Radcliff Flute ist im Grunde eine nur wenig modifizierte Flute 1851.)
Das Model 1867 (Patented Flute) – das seinerseits auf dem Model 1851 aufgebaut ist – hat viele zusätzliche, sehr bequeme und saubere alternative Griffe, und war bis in die 80er Jahre in Englischen Orchestern zu hören. (Robert Bigio beschreibt in seinem Buche ‘The Art of the Flute in Britain’ sehr genau die Entstehung der vielen alternativen Flötenmodelle.) Sie war aber in aller Regel mit offenen Gis gebaut, wenngleich es auch einige wenige Exemplare mit geschlossenen Gis gab. Im Gegensatz zu allen anderen Flöten – außer der Flute Model 1851 – ist der Ton der ‘leer’ erklingt ein D. (Open D) Das erleichtert viele heikle Griffverbindungen und macht den Registerübergang zwischen den Oktaven leichter. (Das Guard’s Model ist eine Perfected Flute, aber mit geschlossenen Gis und ohne Open D.)
Verbreitung Eigenartigerweise kamen diese sehr durchdachten Hybridmodelle nicht über das British Empire und seine vielen Kolonien hinaus. Vereinzelt gingen sie nach den USA. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Gerade die Radcliff Flute hätte eine ernste ‘Bedrohung’ für die vielen Modelle der kontinentalen ‘Reformflöten’ werden können, da sie den Umstieg sehr erleichtert hätte.
Erschwerend kam hinzu, dass bis etwa 1920 außerhalb Londons immer noch der sehr hohe Stimmton von ± 453 Hz üblich war, die Militärmusik erst 1928 auf den ‘New Philharmonic Pitch’ von 439 Hz (ab 1939 dann 440 Hz) umstellte und so viele Flöten nur noch schwer verwendbar blieben. Als aber die Firma Rudall Rose & Carte 1945 in der Firma Boosey & Hawkes aufging, fehlte es bald an Nachschub von diesen Flöten.
Opposition zur Böhmflöte auf dem Europäischen Kontinent Die Anhänger der ‘alten Flöten’ – die es überall gab – resignierten nicht kampflos. Nicht jeder Flötist war willens – oder auch in der Lage – ein völlig neues Griffsystem zu lernen und sicher zu beherrschen. Auch änderte sich der Klang des Instruments grundlegend. Und diese neuen Instrumente waren wegen der aufwändigen Mechanik erheblich teurer.Robert BIGIO: The Art of Flute in Britain
Anthony BAINES Woodwind and Their History
Benjamin Gunnar COHRS Die Instrumente Bruckners (abruckner.com)
Breitkopf & Härtel Vorwort zur Neuausgabe des Flötenkonzert von REINECKE Zentrum des Widerstandes waren die deutschen Länder und die von ihnen beeinflussten Nachbarn. Maximilian Schwedler, einen der prominentesten Gegner der neuen Flöten, störte es, dass sich der neue Flötenklang nicht in den Orchesterklang integrierte.