Das Hospital de la Santa Creu i Sant Pau oder kurz Hospital de Sant Pau ist ein Klinikkomplex im katalanischen Jugendstil (Modernisme) in Barcelona, der vom katalanischen Architekten Lluís Domènech i Montaner geplant wurde. Es wurde zwischen 1902 und 1930 an der Avinguda Sant Antoni Maria Claret in zwei Bauphasen errichtet: die erste Phase wurde von Domènech i Montaner selbst zwischen 1902 und 1913 geleitet, die zweite Phase von 1920 bis 1930 von seinem Sohn Pere Domènech i Roura. Domènech i Montaners Plan sah 48 voneinander unabhängige Pavillons vor, die für die verschiedenen medizinischen Abteilungen benötigt wurden, eingebettet in eine weitläufige Gartenanlage. Die Verbindungsgänge sind wie alle anderen technischen Einrichtungen unter die Erde verlegt.
Bis 1913 wurden nur 13 modernistische Gebäude fertiggestellt; Pere Domènech fügte dann 6 weitere Gebäude in einem abgemilderten Modernisme und weitere Gebäude, die nicht mehr dieser Stilrichtung angehören, hinzu. Am 16. Januar 1930 übergab König Alfons XIII. das neue Krankenhaus seiner Bestimmung. Mit seinem Hauptgebäude und den zahlreichen Pavillons bildet das Hospital de Sant Pau zusammen mit dem Instituto Pere Mata de Reus (ebenso von Domènech i Montaner erbaut) einen der größeren Komplexe modernistischer katalanischer Architektur. Obwohl es nicht gelang, den gesamten Originalplan umzusetzen, wurde der Baukomplex durch mehrere Auszeichnungen und die Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe im Jahr 1997 gewürdigt. Es stellt auch ein spanisches Kulturgut unter der Registriernummer RI-51-0004278-00000 dar.
Vorgeschichte der Institution Der Neubau des Hospitals de la Santa Creu i Sant Pau erlaubte es, die Dienste des Hospital de la Santa Creu neu unterzubringen. Das alte Hospital hatte seinen Ursprung im Jahr 1401, als sechs Hospitäler, die zu jener Zeit in Barcelona existierten, fusionierten. Dies waren das Hospital de l’Almoina von 1308 und das Hospital de Marcús (12. Jahrhundert), die vom Rat der Hundert (katalanisch Concell de Cent), dem obersten Regierungsgremium der Stadt Barcelona, geleitet wurden, das Hospital Colom von 1219 und das Hospital de Sant Macià (14. Jahrhundert), die dem Bischof unterstanden, das Hospital de Santa Eulalia sowie das Hospital de Santa Margarida, die vom Domkapitel abhingen. Sie waren aus Gründen der 1348 grassierenden Pest und der nachfolgenden demographischen Krise in tiefe wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Am 1. Februar 1401 kamen der Rat der Hundert und das Domkapitel überein, die Hospitäler unter dem neuen Namen Hospital de la Santa Creu zu vereinigen. Als Standort wurde das Viertel El Raval am Standort des bisherigen Hospital Colom festgelegt. Bereits am 13. Februar begann in Anwesenheit von König Martin dem Humanen von Aragón der Bau, noch bevor am 3. September 1401 der Avignoner Gegenpapst Benedikt XIII. in einer Bulle die Übereinkunft zwischen Stadtregierung und Domkapitel bestätigte.
1407 wurde Guillem Abiell die oberste Bauleitung übertragen und 1450 war das Hospitalgebäude vollendet, das heute die Bibliothek von Katalonien beherbergt. Die Erlauchte Verwaltung setzte sich zusammen aus zwei Kanonikern der Kathedrale von Barcelona und zwei Mitgliedern des Rats der Hundert. Die Führung der Geschäfte wurde einem Prior übertragen, der immer ein Priester war. Bis 1904 war es die hauptsächliche Hilfs- und Pflegeeinrichtung im Fürstentum Katalonien und zusammen mit dem Hospital de Grácia in Zaragoza und dem Hospital General in Valencia eines der drei Schlüsselzentren sozialen Handelns im Königreich Aragón.
Während bis 1714 die Vormacht innerhalb der Erlauchten Verwaltung bei den zivilen Vertretern lag, kam es während der mit Philipp V. beginnenden Bourbonenzeit zu einer offensichtlichen Entfremdung zwischen den Mitgliedern, was zu einem wachsenden Einfluss der religiösen Seite führte. Damit wurde das zivile Krankenhaus immer mehr wie ein kirchliches Haus angesehen. Dies führte dazu, dass die Rolle der Ärzte eine untergeordnete war. Die Veränderungen in der ärztlichen Ausbildung während des 19. Jahrhunderts führten dazu, dass viele Ärzte äußerst heftige Kritik an der Arbeitsweise des Hospitals und ihrer Unterordnung unter die religiösen Interessen äußerten. Deshalb stellten städtische Inspektionen wie die von 1847 und zahlreiche Artikel in der Presse die Politik der Einrichtung in Frage und es wurde darum gekämpft, dass die Ärzte der 1760 begründeten medizinischen Fakultät und das Universitätskrankenhaus an eine andere Institution verlegt würden.
Vom Beginn des 19. Jahrhunderts an häuften sich die Klagen über das überalterte, mittelalterliche Gebäude und die Unmöglichkeit, seine Erweiterung angesichts der wachsenden Verstädterung von El Raval und des gleichzeitig zunehmenden Pflegebedarfs zu gewährleisten, ebenso wie die harsche Kritik am Verwaltungsmodell der Einrichtung. Dessen Charakter als private Wohltätigkeitsorganisation, die von Almosen abhängig war, wurde von der kirchlich dominierten Erlauchten Verwaltung verteidigt. Barcelona konnte dem bis zur Gründung des Hospital Clínic am 23. Dezember 1906 kein anderes Krankenhaus unter öffentlicher Verwaltung gegenüberstellen.
Das Vermächtnis von Pau Gil links|mini|283x283px|Monument für Pau Gil i Serra von Eusebi Arnau (1930); Caritas versorgt die Kinder und die Alten Pau Gil i Serra (* 30.12.1816 in Barcelona; † 30.04.1896 in Paris) hatte sich mit 17 Jahren in Paris niedergelassen und war ein angesehener Geschäftsmann in der Pariser Gesellschaft. Er hatte von seinem Vater eine Flotte von Transportschiffen geerbt und von seinem Bruder Pere die „Banca Gil“. Durch Aktivitäten im Bergbau und in Eisenbahnen, davon viele in Spanien, hatte Pau Gil sein Vermögen vermehrt. Alleinstehend und ohne Nachkommen beschloss er mit 76 Jahren, ein Testament aufzusetzen, in dem er die Hälfte seines Erbes für den Bau eines neuen Hospitals in Barcelona hinterließ. Das Testament wurde am 17. September 1892 ausgefertigt und nach dem Tod von Pau Gil eröffnet. Er verfügte darin die Liquidation seiner Bank und die Aufteilung des Großteils seines Vermögens für den Bau eines zivilen Hospitals in Barcelona unter dem Patrozinium des hl. Paulus. Der Anteil, der darauf schließlich entfiel, betrug 4 Millionen Peseten. Mit diesen Mitteln wurde das nun Hospital de la Santa Creu i Sant Pau genannte Krankenhaus erbaut.
Pau Gil bestimmte, dass seine Testamentsvollstrecker Joan Ferrer-Vidal i Soler und Manuel Sivatte i Llopart eine Kommission aus einem Arzt, einem Architekten und einer weiteren kompetenten Person bestimmen müssten, die Anweisungen für den Krankenhausbau durchführen sollte. Sie sollten folgendes sicherstellen:
Die Kapazität des Krankenhauses müsse durch die Höhe des Vermächtnisses begrenzt werden. Das architektonische Projekt würde durch einen Wettbewerb ausgewählt werden. Es sollte einen einheitlichen Baukörper haben. Als Modell sollten die Krankenhäuser in Paris dienen. Erst wenn das Krankenhaus fertig gebaut wäre, würde es dem neuen Eigentümer übergeben. Die Stiftung solle nur die Kosten des Erwerbs des Geländes und des Baus abdecken, die Deckung der laufenden Kosten des Krankenhauses müssten von demjenigen getragen werden, der die Verwaltung des Hauses übernähme. Das Angebot zur Übernahme sollte dem Stadtrat von Barcelona oder einer ähnlichen Körperschaft gemacht werden, die „die Sicherheit der Einhaltung der Instruktionen bietet, um das Haus zu einem Ort zu machen, an dem die Unglücklichen jederzeit willkommen geheißen werden können.“ Obwohl nicht explizit erwähnt, ist es evident, dass Pau Gil dabei an das Hospital de la Santa Creu dachte, das er offensichtlich kannte. Das Krankenhaus müsse von der Kongregation der Kleinen Schwestern der Armen (französisch Petites sœurs des pauvres) pflegerisch versorgt werden.
Auf diesem Weg wollte Pau Gil i Serra, dass seine Stiftung den Armen und der Medizin nach einem Modell wie in Paris dienen sollte, wo die Städtische Wohltätigkeitsverwaltung die öffentlichen Hospitäler verwaltete, auch wenn diese von privaten Wohltätern gespendet worden waren. Pariser Vorbilder waren Anselm von Rothschild mit dem 1852 gestifteten Hôpital Rothschild oder Aristide und Marguerite Boucicaut mit dem 1887 gestifteten Hôpital Boucicaut.
Obwohl letztlich einige der Bedingungen nicht so erfüllt wurden, wie es der Stifter gewollt hatte, wurden die zentralen Ideen des Vermächtnisses von Pau Gil respektiert.
Die Stationen bis zum Baubeginn Die Testamentsvollstrecker wurden mit einer Klage auf Erklärung der Nichtigkeit des Testaments durch den Neffen Pere Gil konfrontiert, der im Testament nicht bedacht worden war. Letztlich wurde eine Einigung erzielt, die Klage verzögerte aber die Umsetzung des Testaments um 18 Monate. Dann wurden gemäß der Vorgaben die Königliche Medizinische Akademie von Katalonien, die Stadtverwaltung von Barcelona und der Verwaltungsrat des Hospital de la Santa Creu gebeten, jeweils eine Person für die Kommission zu ernennen, die über die hygienischen und sanitären Bedingungen entscheiden sollte, die das Bauland erfüllen sollte. Es wurden benannt: der Mediziner Manuel Salinas, der Architekt und Professor an der Naturwissenschaftlichen Fakultät Josep Domènech i Estapà und der Kanoniker Valentí Basart, Verwalter des Hospital de la Santa Creu.
Diese Kommission erwarb am 31. Oktober 1898 zwei Grundstücke im Viertel Sarrià für 500.000 Peseten. Am 14. Dezember desselben Jahres veröffentlichte sie ein Anforderungsprofil für das Bauprojekt mit vagen Angaben zur Bettenzahl, zur Lage auf dem erworbenen Grundstück, einem Entwurf der zeitgenössischen medizinischen Vorstellungen und einer Budgetgrenze von 2 Millionen Peseten. Drei Projektpläne gingen ein und wurden einem Entscheidungsgremium aus den Architekten Emili Sala i Cortés, Pere Falqués i Urpí und Josep Amargós i Samaranch vorgelegt. Diese sprachen sich am 22. Mai 1900 für den Plan „Salud“ des Kommissionsmitglieds Prof. Josep Domènech i Estapà aus. Die Kommission wollte auch noch medizinischen und technischen Rat einholen, worauf sich aber diese medizinische Expertengruppe gegen alle drei Pläne aussprach, da sie nicht den Prinzipien der Krankenhaushygiene genügen würden. Daraufhin trat Prof. Domènech i Estapà aus der Kommission zurück, kurz darauf starb noch das kirchliche Mitglied Basart. Neue Kommissionsmitglieder wurden der Neffe des Stifters, Leopold Gil, und der Architekt Enric Sagnier i Villavecchia.
Am 21. Juni 1901 akzeptierte die Erlauchte Verwaltung des Hospital de la Santa Creu die Übernahme der Verwaltung des zukünftigen Krankenhauses unter der Bedingung, dass es auf von ihr bereits erworbenen Grundstücken in der nordöstlichen Vorstadt Sant Martí de Provençals erbaut werde. Nach einigem Hin und Her einigte man sich schließlich, dass im Tausch gegen beide Grundstücke ein noch größeres Areal im heutigen Stadtteil Gràcia Nova erworben werden sollte. Nachdem noch im Juni Lluís Domènech i Montaner mit der Anfertigung eines vorläufigen Plans beauftragt worden war, erfolgte am 15. Januar 1902 bereits die feierliche Grundsteinlegung. Doch es dauerte noch bis Februar 1905 bis zum wirklichen Beginn der Bauarbeiten, da die Kommission zunächst 8 Krankenpavillons, das Betriebsgebäude und die Zentralverwaltung bauen wollte, die Verwaltung von Santa Creu aber das Gebäude für die religiöse Gemeinschaft, die Küche und die Apotheke als vordringlich ansah.
Der modernistische Baukomplex links|mini|300x300px|Originalplan des Areals von Domènech i Montaner (1905), veröffentlicht im Jahrbuch des Kollegs der Architekten von 1914; unten die Zentralverwaltung, dahinter in der Achse die Reihen der Klinikpavillons
Die Gestaltung des Klinikareals