mini|hochkant=1.2|Erbach im Luftbild von Norden
Erbach ist die Kreisstadt des südhessischen Odenwaldkreises.
Geographie Geographische Lage mini|hochkant=1.2|Erbach und das Mümlingtal von Osten (2022)
Erbach liegt im Buntsandsteingebiet des Odenwaldes, im Mümlingtal, das hier – im zentralen Bereich des Michelstädter Grabens – leicht aufgeweitet ist und die Andeutung eines Beckens schafft, das auch als Erbach-Michelstädter Becken bezeichnet wird. Das Stadtgebiet Erbachs nimmt zusammen mit der Nachbarstadt Michelstadt das südliche obere Ende des in Süd-Nord-Richtung verlaufenden Talzuges der Mümling ein und reicht im Westen und Osten bis zu den acht Kilometer voneinander entfernten Höhenlagen, die das Mümlingtal vom Mossautal (im Westen) und vom Mudtal sowie dem Ittertal (im Osten) scheiden. Entlang der Mümling zieht sich das Stadtgebiet vom Michelstädter Stadtrand im Norden siebeneinhalb Kilometer weit bis zur Marbach und dem Himbachel im Süden.
Direkt an der Mümling liegt im Norden des Stadtgebiets die Kernstadt Erbach in einer Höhenlage von 210 m ü. NHN, talaufwärts gefolgt von Lauerbach, Schönnen, Ebersberg und Marbach. In den linken westlichen Seitentälern liegen ganz im Norden der Weiler Roßbach im Quellgebiet des gleichnamigen Baches, der durch den Brudergrund die Kernstadt erreicht. Südlich von Roßbach folgen der Reihe nach auf der Höhe Elsbach, Günterfürst und Haisterbach. Östlich der Kernstadt schließt sich nahtlos die Bebauung von Dorf-Erbach an, das am Erdbach liegt. Weiter östlich an den Quellbächen des Erdbachs liegen, von Wald umgeben, Ernsbach und Erbuch. An das südöstliche Ende der Kernstadt schließt sich Erlenbach an. Am weitesten entfernt von der Kernstadt, in südöstlicher Richtung, und mit 515 m am höchsten gelegen ist das Waldhufendorf Bullau, das schon hinter der Wasserscheide zum Euterbach liegt, und mithin der einzige Erbacher Stadtteil ist, der nicht zur Mümling entwässert, sondern zum Neckar. In der Gemarkung Bullau liegen zum einen der Weiler Bullauer Eutergrund an der Landesgrenze zu Bayern und zum anderen mit dem Kohlwald (gelegentlich auch Kohlberg) () die höchste Erhebung des Odenwaldkreises. Am tiefsten liegen die Kernstadt Erbach mit und das Ufer der Mümling an der Stadtgrenze zu Michelstadt mit .
Geologie Die Sedimentpakete aus dem Buntsandstein sind im Bereich zwischen Michelstadt und Beerfelden von einem in nord-südlicher (d. h. rhenanischer) Richtung angelegten Graben durchzogen, der auch als Michelstädter Graben bezeichnet wird. Der Graben ist ungefähr 8 km lang und bis zu 5 km breit. Als Entstehungszeit wird das späte Oligozän angenommen, d. h. die Absenkung begann vor 25 Millionen Jahren, als Auswirkung des Oberrheingrabeneinbruchs.Arnfried Becker und Richard Reinicke: Der Pfinzgraben im südlichen Kraichgau: Struktur, Entstehung und Neotektonik. In: Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins 96 (2014), S. 277–302 Im Gegensatz zu den angrenzenden Hochflächen, die aus Schichten des Mittleren Buntsandsteins aufgebaut sind, sind im Graben großflächig Formationen des Oberen Buntsandsteins erhalten geblieben und an einzelnen Stellen sogar der darüberliegende Wellenkalk des Unteren Muschelkalks. Außerdem liegt über den mesozoischen Sedimenten im Graben vielfach eiszeitlich eingetragener Löss, vor allem an der östlichen Talseite, was den Bereich um Erbach und Michelstadt agrarökologisch günstiger macht als das Umland – sicherlich ein Grund für intensivere Besiedlung in der Geschichte und (doppelte) Stadtbildung.
Das Vorkommen mariner Mergel- und Kalksteine des Unteren Muschelkalks bei Dorf-Erbach und Stockheim hat in diesem Bereich zu Verkarstung geführt, d. h. zu unterirdischer Lösung des Kalks, die in der Erdbachschwinde (lokal auch Erdbacheinschlupf genannt) zum Ausdruck kommt: Bei Dorf-Erbach versickert der Erdbach, um dann ca. 100 m nördlich, nahe der Stockheimer Mühle, in einer Karstquelle wieder zutage zu treten.
Nachbargemeinden Erbach grenzt im Norden an die Stadt Michelstadt, im Osten an den Markt Kirchzell (Landkreis Miltenberg in Bayern), im Süden an die Stadt Oberzent sowie im Westen an die Gemeinde Mossautal (beide im Odenwaldkreis).
Die Städte Erbach und Michelstadt mit ihren nur zwei Kilometer voneinander entfernt liegenden Zentren sind baulich längst zusammengewachsen und bilden mit zusammen fast 30.000 Einwohnern den wirtschaftlichen Schwerpunkt des Odenwaldkreises. Eine für 2009 vorgesehene Fusion beider Städte wurde im November 2007 durch einen Bürgerentscheid verhindert. Es wird nun beiderseits nach anderen Möglichkeiten gesucht, die kommunale Zusammenarbeit zu vertiefen.
Stadtgliederung Die Kreisstadt Erbach besteht aus den Stadtteilen: Bullau mit dem Weiler Bullauer Eutergrund (gemeinsamer Ortsbezirk) Dorf-Erbach mit dem Weiler Habermannskreuz (gemeinsamer Ortsbezirk) Ebersberg (eigener Ortsbezirk) Elsbach (eigener Ortsbezirk) Erlenbach (eigener Ortsbezirk) Ernsbach (Teil des Ortsbezirkes Ernsbach-Erbuch) Kernstadt Erbach (ein Ortsbezirk wurde für die Kernstadt nicht errichtet) Erbuch (Teil des Ortsbezirkes Ernsbach-Erbuch) Günterfürst (eigener Ortsbezirk) Haisterbach mit dem Weiler Marbach (gemeinsamer Ortsbezirk) Lauerbach (eigener Ortsbezirk) Weiler Roßbach (organisatorisch als Teil der Kernstadt ohne Ortsbezirk) Schönnen (eigener Ortsbezirk)
Geschichte Ortsgeschichte Historisch dokumentierte Erwähnungen des Ortes sind: Ertbach (1095), Erpach (1327), Erpbach (1340), Ertpach (um 1345), Erppach (1354), Erpach (1462) und Erbach (1581).
Die älteste erhaltene Erwähnung von Erbach von 1095 findet sich im Lorscher Codex unter dem Namen „Ertbach“. Um 1180 errichteten dort dessen erste Besitzer im Tal der Mümling eine Wasserburg, deren Reste noch heute bestaunt werden können. Der Ort war zusammen mit dem Schloss von einer Stadtmauer umgeben und seitdem Residenzstadt der Grafen zu Erbach-Erbach. Seit 1545 gibt es ein Rathaus und 1560 erhielt Erbach zusammen mit Wappen und Siegel die Stadtrechte.
Eine einschneidende Zäsur erfuhr die Stadtgeschichte durch den Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) und die mit ihm verbundenen Pestepidemien. Auch weitere Kriege und Wetterkapriolen waren nicht förderlich für die weitere Stadtentwicklung. 1750 ersetzte die Stadtkirche die alte Stadtkapelle von 1370. Der letzte Reichsgraf Franz I. führte die Elfenbeinschnitzerei 1783 ein.
mini|1840: Gesamtansicht auf Erbach; altkolorierter, eiweißgehöhter Stahlstich von Emil Höfer nach R. Sperber
Erbach gehörte zum Amt Erbach der Grafschaft Erbach, die mit der Mediatisierung 1806 zum Großherzogtum Hessen kam. Ab 1822 gehörte Erbach zum Landratsbezirk Erbach, ab 1852 zum Kreis Erbach (ab 1939: „Landkreis Erbach“), der – mit leichten Grenzberichtigungen – seit 1972 Odenwaldkreis heißt. Nach Auflösung des Amtes Erbach 1822 nahm die erstinstanzliche Rechtsprechung für Erbach das Landgericht Michelstadt wahr, ab 1879 das Amtsgericht Michelstadt.
Trotz stetigen Wachstums seit 1945 hat sich Erbach sein historisches Erbe weitgehend erhalten können. Seit 1966 gibt es das Deutsche Elfenbeinmuseum Erbach, das einzige Spezialmuseum seiner Art für Elfenbeinkunst in Europa.
Im Bereich der Orangerie und des Schlossgartens konnte eine Bürgerinitiative in den 1970er Jahren deren Abriss und den Bau eines Hotelhochhauses anstelle der Orangerie verhindern.
Das am 28. Juli 2005 von seinem Sockel gestürzte und dabei zerbrochene Denkmal des Grafen Franz I. – letzter regierender Graf – auf dem Schlossplatz wurde mit Unterstützung zweier Darmstädter Künstlerinnen und Erbacher Bürger instand gesetzt und wiederaufgerichtet. Finanziert wurde die Restaurierung durch Zuschüsse vom Landesamt für Denkmalpflege sowie mit Spendengeldern. In: echo online vom 19. Juli 2016.
Ein Zusammenschluss mit Michelstadt wurde im November 2007 mit 52 Prozent der Stimmen in einem Bürgerentscheid abgelehnt.Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12. November 2007: Bevölkerung lehnt Städtefusion im Odenwald ab
Bis 2011 führte die Stadt das Prädikat staatlich anerkannter Luftkurort.
Eingemeindungen Im Zuge der hessischen Gemeindegebietsreform wurden dem Stadtgebiet Erbach vom 31. Dezember 1971 bis zum 1. August 1972 zehn bis dahin selbständige Gemeinden eingegliedert.
Stadtteil Fläche Eingemeindung Ew.1961 Ew.1970 Ew.2012 Ew.2024 Bullau 9,98 km² 1. Februar 1972 321 300 415 376 Dorf-Erbach 4,08 km² 1. Februar 1972 427 601 1693 1924 Ebersberg 3,59 km² 31. Dezember 1971 206 219 265 238 Elsberg 3,01 km² 31. Dezember 1971 64 72 117 116 Erbach 10,89 km² − 5610 7004 8886 ca. 14.000 Erlenbach 4,28 km² 31. Dezember 1971 345 320 913 909 Ernsbach-Erbuch 9,08 km² 31. Dezember 1971 163 165 241 219 Günterfürst 4,08 km² 31. Dezember 1971 374 462 772 735 Haisterbach 5,88 km² 31. Dezember 1971 219 239 438 394 Lauerbach 2,27 km² 31. Dezember 1971 336 430 416 341 Schönnen 5,53 km² 1. August 1972 263 262 334 302
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Erbach angehört(e):
vor 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach, Amt Erbach (Zent Erbach) ab 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach-Erbach, Anteil an der Grafschaft Erbach, Amt Erbach ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande),Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Erbach (Standesherrschaft Erbach) ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung. (Souveränitätslande), Provinz Starkenburg, Amt Erbach ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk ErbachTrennung zwischen Justiz (Landgericht Michelstadt) und Verwaltung. ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Erbach ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1871: Deutsches Reich,Infolge Bismarcks Politik. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis ErbachIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Odenwaldkreis
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011/2022 Nach den Erhebungen des Zensus 2011/Zensus 2022 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011 / 15. Mai 2022, in Erbach 13.245/14.013 Einwohner. Darunter waren 1434/2375 (10,8 % / 16,9 %) Ausländer, von denen 477/1132 aus dem EU-Ausland, 769/830 aus anderen europäischen Ländern und 185/416 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 20,8 % / 30,5 % einen Migrationshintergrund. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 11,4 %.) Nach dem Lebensalter waren 2235/2258 Einwohner unter 18 Jahren, 5303/5039 zwischen 18 und 49, 2766/3351 zwischen 50 und 64 und 2943/3365 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 5904/3735 Haushalten. Davon waren 2057/? Singlehaushalte, 1664/1705 Paare ohne Kinder und 1588/1492 Paare mit Kindern, sowie 468/538 Alleinerziehende und 125/? Wohngemeinschaften. In 1414/632 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 3884/2444 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon 1623: huldigen 11 Bürger dem Erzbischof von Mainz