mini|hochkant=1.5|Iñupiat-Familie, porträtiert von Edward Curtis, 1927 mini|hochkant=1.5|Iñupiat-Jäger zerlegen einen Grönlandwal, 2017
Die Iñupiat sind Ureinwohner Alaskas, die im äußersten Nordwesten des nordamerikanischen Kontinents in den Northwest Arctic und North Slope Boroughs und in der Beringstraßenregion leben. Ihr traditionelles Wohngebiet Iñupiat Nunaŋat () reicht nach Süden bis Unalakleet, nördlich bis Utqiaġvik, westlich bis zur Insel Little Diomede Island und östlich bis Kaktovik (Qaaktuġvik) an der Beaufortsee. Heute sind Nachfahren auch in zwei Siedlungen in den Nordwest-Territorien in Kanada ansässig.
Traditionelle Lebensweise mini|Eine beliebte Gesellschaftsaktivität aller Eskimovölker: „Blanket toss“, Hochwerfen mit einem gespannten Tuch oder Fell mini|Trommler bei einem Tanzfest
Die Iñupiat lebten als halbnomadische Fischer, Jäger und Sammler traditionell in kleinen, nicht hierarchisch organisierten (akephalen) Gruppen, die sechs bis zwölf Familien umfassten. Die Gruppen benannten sich nach der Region, in der sie lebten und unterschieden sich durch ihren Dialekt. Subsistenzjagd und -sammeln sind immer noch wichtige Aspekte des Iñupiat-Lebens, da die Geldwirtschaft in den Iñupiat-Dörfern für die Menschen von geringem Wert ist. Die Iñupiat unterteilten sich selbst grob in die Küsten-Iñupiat am Nordpolarmeer und der Beringsee sowie die Inland-Iñupiat des Landesinneren, beide Gruppen sind stark vom Fischfang abhängig. Enten, Gänse, Kaninchen, Beeren, Wurzeln und Triebe sind auch Grundnahrungsmittel während der Jahreszeiten, in denen sie verfügbar sind. Die Inland-Iñupiat jagen auch Karibus, Dallschafe, Bergschafe, Braunbären, Grizzlybären und Elche, während die Küsten-Iñupiat von der Jagd auf Meeressäuger – insbesondere Walrosse, Robben, Belugawale und Grönlandwale – leben. Auch Eisbären werden gejagt. In ökologisch weniger günstigen Bezirken können lokale Familien etwa ein Dutzend Mitglieder umfassen, während in hochproduktiven Gebieten die lokale Familiengröße bis zu 50 oder mehr erreichen könnte. Große Bevölkerungszentren wie Tikiġaq (Point Hope) und Nuvuk (Point Barrow), die sich entlang der Migrationsrouten von Meeressäugetieren befinden, enthielten mehrere große lokale Familien, die an verschiedenen Orten oder in verschiedenen Vierteln siedelten. Die Küsten-Iñupiat bezeichnen sich selbst als Taġiuġmiut („Volk des Meeres“ auch: Siḷaliñiġmiut) und bewohnen als Utqiaġvigmiut mit Utqiaġvik die nördlichste Siedlung der USA. Die Inland-Iñupiat bezeichnen sich hingegen als Nunataaġmiut. Die zur Zeit des Erstkontakts mit Europäern größten regionalen Gruppen gehörten daher meist den Küsten-Iñupiat an: die Bering-Strait-Iñupiat (1.820 Personen), die Kotzebue-Sound-Iñupiat (3.675 Personen) und die Nordalaska-Iñupiat (1.850 Personen); zu den Inland-Iñupiat zählten hingegen die Nord-Inland-Iñupiat (1.050 Personen).
Der Tanz war und ist eine der wichtigsten Traditionen aller Eskimovölker. Die Menschen tanzten nach einer erfolgreichen Jagdsaison – um Dankbarkeit auszudrücken – und die Feierlichkeiten nach einer erfolgreichen Grönlandwaljagd dauerten tagelang. Andere Tänze werden auf Messen abgehalten, wo sich Menschen versammeln, um Waren zu handeln. Dabei werden neue Tänze kreiert und ausgetauscht. Dies förderte früher gute Beziehungen zwischen den Dörfern. Tänze erzählen Geschichten von Jagden und anderen Erfahrungen. Einige sind humorvoll und einige ernst. Der wichtigste Grund für das Tanzen ist jedoch, die Iñupiaq-Kultur zu erhalten.
Sprache Inupiaq, ihre ursprüngliche Sprache, ist ein Inuit-Dialekt aus der Unterfamilie der Eskimosprachen.
Alaska ist die Heimat von etwa 13.500 Iñupiat, von denen etwa 3.000, meist über 40 Jahre, die Inupiaq-Sprache sprechen, weitere Inupiaq-Sprecher sind in Siedlungen in den Nordwest-Territorien in Kanada zu finden. Die Sprache wird allgemein in zwei regionale Hauptdialekte unterteilt, die wiederum weitere Dialekte umfassten, insgesamt bildet die Sprache jedoch ein Dialektkontinuum. Inupiaq ist neben weiteren indigenen Sprachen heute offiziell als eine Amtssprache von Alaska anerkannt. Sie ist auch als Inupiatun, Inupiaq, Inyupiaq, Inyupiat, Inyupeat, Inyupik oder Inupik bekannt.
North-Alaska-Coast-Iñupiat (gesprochen von den Nordalaska-Iñupiat und Nord-Inland-Iñupiat der North-Slope-Region in Nordalaska und im Nordwest-Territorium im äußersten Nordwesten Kanadas) Malmiutun-Iñupiat Kotzebue-Sound-Iñupiat (Eigenbezeichnungen: Pittaġmiut, Kaŋiġmiut, Qikiqtaġruŋmiut) Kobuk-River-Iñupiat (Eigenbezeichnungen: Kuuŋmiut, Kiitaaŋmiut [Kiitaaġmiut], Siilim Kaŋianiġmiut, Nuurviŋmiut, Kuuvaum Kaŋiaġmiut, Akuniġmiut, Nuataaġmiut, Napaaqtuġmiut, Kivalliñiġmiut) North-Slope-Iñupiat (Eigenbez.: Nunataaġmiut – „Volk des Landes“, meist im Englischen Nunamiut/Nunatamiut genannt) North-Slope-Iñupiat bzw. Siḷaliñiġmiutun-Iñupiat (Eigenbezeichnungen: Utuqqaġmiut, Siliñaġmiut [Kukparuŋmiut und Kuuŋmiut], Kakligmiut [Sitarumiut, Utqiaġvigmiut und Nuvugmiut], Kuulugruaġmiut, Ikpikpagmiut, Kuukpigmiut [Kañianermiut, Killinermiut und Kagmalirmiut]) Point-Hope-Iñupiat (Eigenbezeichnung: Tikiġaġmiut) Point-Barrow-Iñupiat (Eigenbezeichnung: Nuvuŋmiut) Anaktuvuk-Pass-Iñupiat (Eigenbezeichnung: Nunataaġmiut) Uummarmiutun (Uummaġmiutun)-Iñupiat bzw. kanadisches Iñupiat (ursprünglich eine Gruppe der „Nunataaġmiut/Anaktuvuk-Pass-Iñupiat“, zogen nach Inuvik und Aklavik im Nordwest-Territorium und schlossen sich den Inuvialiut an, Eigenbezeichnung: Uummaġmiut) Seward-Peninsula-Iñupiat (gesprochen von den Küsten-Iñupiat im Küstengebiet von Nordwest-Alaska) Bering-Strait-Iñupiat (gesprochen von den „Bering-Strait-Iñupiat“, Eigenbezeichnungen: Iŋalikmiut, Kiŋikmiut, Tapqaġmiut und Ugiuvaŋmiut) Qawiaraq-Iñupiat (Eigenbezeichnung: Qawiaraġmiut, Siñiġaġmiut und Iġałuiŋmiut, auch: Siḷaliñiġmiut)
Religion Wie alle Eskimos glaubten die Iñupiat als Animisten ursprünglich an eine beseelte Tierwelt, bei der etwa die Misshandlung eines Tieres nachteilige Konsequenzen für den Jäger hatte. Es gab spirituelle Zeremonien, bei denen ein Schamane durch seine Tänze und Lieder mit der Geisterwelt kommunizieren konnte. Schamanen konnten die Kranken heilen, die Tiergeister rufen, um eine gute Jagdsaison zu verlangen, und magische Tricks ausführen, um ihre Kräfte zu demonstrieren (→ Religionen der Eskimovölker).
1890 begann die christliche Missionierung an den Küsten Alaskas und bereits 1910 ersetzte das Christentum unter den Inupiat und darüber hinaus bei den Eskimos bis zum Mackenziedelta die alte ethnische Religion, obwohl es nur sehr wenige Übereinstimmungen zwischen den beiden Glaubenssystemen gab und trotz der Widerstände einiger Schamanen. Zuerst handelte es sich allerdings um eine christlich-synkretistische Religionsform, die noch viele traditionelle Elemente enthielt. Später ist eher von einer Indigenisierung zu sprechen, bei dem die fremde Religion immer mehr zu etwas „Eigenem“ wurde. Heute zeugen nur noch folkloristisch gewandelte Bräuche, überlieferte Mythen und wenige Rituale vom alten Glauben.Ernest S. Burch jr.: The Inupiat and the Chrisianization of Arctic Alaska. Etudes/Inuit/Studies, Laval, Pavillon Lemieux, Universite, Quebec (Kanada). S. 81–108.
Kulturwandel und Kunuuksaayuka als PC-Spiel mini|Masken im Iñupiat Heritage Center, Utqiagvik
Obwohl die traditionelle und subsistenzorientierte Lebensweise der Iñupiat auch heute noch eine wichtige Rolle spielt und staatlich gefördert wird, findet auch in den abgelegensten Regionen Alaskas ein Kulturwandel durch den Kontakt mit der modernen Welt statt. Da die jahrhundertealte, mündlich überlieferte Mythologie und die eigene Sprache auszusterben drohen, hat das erste indigene Computerspielunternehmen „Upper One Games“ ein Jump-’n’-Run-Videospiel namens Never Alone (Kisima Inŋitchuŋa) entwickelt. Das Spiel basiert auf der traditionellen Überlieferung Kunuuksaayuka, in der sich ein Iñupiat-Mädchen auf die Suche nach den Ursachen für einen apokalyptischen Blizzard begibt, der das Überleben ihres Volkes bedroht. Spielerisch lernen die Kinder damit viele Aspekte ihrer Kultur kennen. Das Spiel wurde bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.Monika Seiller: „Never Alone – Kisima Ingitchuna“. In: Coyote, Indianische Gegenwart, Nr. 27. Jahrgang – 105, Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte e. V., München, Frühjahr 2015, , S. 29–30.
Heutige Situation in Alaska, USA und den Nordwest-Territorien, Kanada Alaska Villages der Iñupiat mini|Drei Umiaks in Point Hope, 1916
1971 regelte der Alaska Native Claims Settlement Act die Gebietsansprüche der Indigenen Völker Alaskas und übertrug Grundbesitzrechte auf 13 Alaska Native Regional Corporations (Gebietskörperschaften) und über 200 Körperschaften auf Ebene der so genannten Alaska Villages. Ähnlich den kanadischen Inuit und First Nations, die als eigene Völker anerkannt sind, unterscheiden sich die Rechte und Eigenverwaltung der indigenen Völker Alaskas gegenüber der Tribal sovereignty (Selbstverwaltungsrecht) der auf Bundesebene anerkannten Stämme (sog. Federally Recognized Tribes) der Indianer im Rest der USA.
Heute gibt es insgesamt 34 Alaska Native tribal entities bzw. Alaska Villages der Iñupiat, die ebenfalls rechtlich zu den auf Bundesebene anerkannten Stämmen zählen, die sich drei Regionalen Gebietskörperschaften anschlossen. Die North-Slope-Iñupiat mit acht Alaska Villages bilden die Arctic Slope Regional Corporation im Bezirk North Slope Borough und die Malmiutun-Iñupiat mit elf Alaska Villages bilden die NANA Regional Corporation im Bezirk Northwest Arctic Borough, die Seward-Peninsula-Iñupiat schlossen sich hingegen mit sechzehn Alaska Villages der Bering Straits Native Corporation im Nome Census Area im einzigen nichtorganisierten Bezirk Alaskas, dem Unorganized Borough an, die aus insgesamt drei sprachlich-kulturell und historisch teilweise feindlich gesonnenen Völkerschaften besteht, den Iñupiat, den Sibirischen Yupik und den Central Alaska Yup’ik.
Arctic Slope Regional Corporation (ASRC)Homepage der Arctic Slope Regional Corporation (ASRC) (die ASRC umfasst acht Siedlungen in einem Gebiet, das die Iñupiat laut Überlieferungen seit mehr als 10.000 Jahren ihr Zuhause nennen; das Gebiet liegt am Nordhang der Brooks Range, entlang der Küste der Tschuktschensee auf der Westseite von Nuvuk (Point Barrow) und der Beaufortsee im Osten, Haupt- und Verwaltungssitz ist Utqiaġvik.) Tikiġaq (Point Hope) (offiziell: Tikigaq CorporationHomepage der Tikigaq Corporation bzw. Native Village of Point Hope, Heimat der „Point-Hope-Iñupiat“, die sich Tikiġaġmiut – „Volk von Tikiġaq“ nennen, die Siedlung liegt an der Westküste der Arctic Slope Region und ist nach wissenschaftlichen Studien vermutlich das am längsten ununterbrochen bewohnte Gebiet Nordamerikas. Die Iñupiat kamen vor etwa 2.500 Jahren in dieses Gebiet, um Grönlandwale zu jagen. Zudem gibt es dort prähistorische Stätte, die um ca. 600 v. Chr. bewohnt waren – Old Tigara, Jabbertown und Ipiutak, wovon Ipiutak und der umliegende archäologische Bezirk im National Register of Historic Places eingetragen sind. Neben den prähistorischen Dorfstätten gibt es in der Umgebung alte Begräbnisstätten. Erosion und die Gefahr von Sturmfluten aus der Tschuktschensee führten Mitte der 1970er Jahre zu einer Verlagerung auf höheres Gelände. Bevölkerung: 815Homepage Arctic Slope Native Association (ASNA) - Communities) Kali (Point Lay) (offiziell: Cully Corporation bzw. Village of Point Lay, Heimat der Kalimiut – „Volk von Kali“, der Iñupiat-Name Kali („Hügel“), im Englischen als Cully wiedergegeben, bezieht sich auf den erhöhten Hügel, auf dem das Dorf steht, es liegt 152 Meilen südwestlich von Utqiaġvik an der Küste der Tschuktschensee, geschützt vor dem Meer durch die Kasugaluk-Lagune und südlich der Mündung des Kokolik Rivers. Es ist wahrscheinlich das letzte verbliebene Dorf der „Kuukpaagruk“. Bevölkerung: 309) mini|Ulġuniq, 2008