Ewersbach (ursprünglich Ebersbach; mundartlich Ewerschboch) ist ein Dorf und als solches ein Ortsteil der Gemeinde Dietzhölztal im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis. Der an der für die Gemeinde namensgebenden Dietzhölze gelegene Ort wurde erstmals 1302 als Ebirspach urkundlich erwähnt. Der heutige Ort Ewersbach besteht aus den drei ehemals selbständigen Orten und Gemarkungen Bergebersbach, Straßebersbach sowie Neuhütte.

Geographie Der Ort liegt an der Dietzhölze bei etwa 350 m.ü. NN, die höchsten Erhebungen in der Gemarkung sind: Eibertshain (560 m), Oarnstroch (535 m), Gispel (528 m), Speckmann (526 m) und Herzogsruh (510 m).

Geographisch grenzt der Ort (im Uhrzeigersinn) an Fischelbach, Mandeln, Steinbrücken, Eibelshausen, Wissenbach, Weidelbach und Rittershausen.

Geschichte mini|Bäuerinnen aus dem oberen Dietzhölztal (Strassebersbach) in ihren Trachten; nach Friedrich Hottenroth, in: Nassauisches Trachtenbuch, 1905

Frühgeschichte Die abgegangene Wallburg in der Gemarkung der Nachbargemeinde Rittershausen beweist, dass das Gebiet um Ewersbach bereits in der Latènezeit um etwa 450 bis 250 v. Chr. besiedelt war. Um 1912 initiierte der Pfarrer Karl Nebe aus Bergebersbach Ausgrabungen des Ringwalls Rittershausen. Dabei half Gustav Jung, der finanzstarke Besitzer der Neuhütte. Unter der Leitung des Museums Wiesbaden fand man viele Keramikerzeugnisse, Werkzeuge und Schmuckstücke.

Wüstungen Im Bereich der Gemeinde Ewersbach lagen folgende bekannte Wüstungen: Auf dem Hof (heute Gabelung des Weges zum Tennisplatz und der Straße nach Weidelbach); Grube Thomas (Bergwerksiedlung); das Malerhaus; Odolphausen (etwa in der Höhe des Industriegebiets „In der Heg“); Fackenroth (in der Nähe der Quelle des Nonnbachs, auf Straßebersbacher Gebiet).

Mittelalter und Neuzeit Es ist als wahrscheinlich anzusehen, dass Frankenkönig Konrad I. als Verwalter des Haigergaus zu Beginn des 10. Jahrhunderts gemeinsam mit der Kirche das Waldgebiet um die Dietzhölze systematisch besiedeln ließ. Die erste schriftliche Erwähnung erfolgte in einer Urkunde vom 27. Juni 1303, in der vom „Jagdrecht in der Gerichtsbarkeit Hebirsbach“ die Rede war. Der hier geborene spätere Pfarrer und Heimatforscher Christian Daniel Vogel schrieb zum Ursprung des Ortsnamens, dass sich dieser von einem Bach herleitet, der hier in die Dietzhölze fließt und an die vielen wilden Schweine erinnert, die sich hier in den Wäldern aufhalten. Die Schreibweise des Ortsnamens erfuhr viele Variationen. Aus dem ursprünglichen Hebirsbach wurde Ewersbach, Eberßbach, Ebirschbach, Ebirspach, Eversbach, Ebersbach und schließlich wieder Ewersbach.

Der ursprüngliche Siedlungsmittelpunkt war „Ebersbach an der Straße“. Diese Siedlung fand noch im 16. Jahrhundert in Reisehandbüchern Erwähnung, und zwar als Etappenziel der wichtigen West-Ost-Verbindung von Köln nach Leipzig. Hier war auch der Sitz des 1303 erwähnten Gerichts, das aus einem Zentgrafen bzw. Schultheiß und 12 Schöffen bestand, die aus den zehn Gemeinden der Gerichtsbarkeit gewählt wurden. Gerichts- und Richtstätte war „Auf dem Stein“ in der Gemarkung des heutigen Steinbrücken.

Die Herren von Bicken, das hier herrschende Adelsgeschlecht, ließen schon vor dem 12. Jahrhundert eine markante Kirche „auf dem Berg“ errichten. Bei dieser Kirche errichteten sie auch eine „Burg“, eine befestigte Hofanlage. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts vollzog sich um die Kirche herum eine neue Dorfsiedlung: „Ebersbach auf dem Berg“.

Ab 1448 entwickelte sich in kleinen Schritten eine weitere Dorfsiedlung: Um die bestehenden Schmieden herum errichteten Waldschmiede ihre neuen Wohnhäuser – das Dorf Neuhütte entstand.

Der Dreißigjährige Krieg ging auch an den Ebersbacher Dörfern nicht spurlos vorbei. Besonders schlimm waren die Jahre 1624 mit dem Einfall der Räuberhorden des ligistischen Generals Graf Anholt, 1634 mit den Mordbrennereien des kaiserlichen Oberst Pago und seines Regiments Tilly und Eberstein sowie 1646 mit der Plünderung seitens des schwedischen Generals Wrangel. Dazu kamen die Pestjahre 1627, 1634 und 1635 und die Hungerjahre 1629 und 1636. Mitte des 17. Jahrhunderts herrschte im Dietzhölztal große Armut.

1670 fiel ein Großteil des Dorfes Bergebersbach einem Großbrand zum Opfer. 1698 wütete in Bergebersbach erneut ein großes Brandunglück, und bereits 1769 folgte das nächste, dem erneut ein Menschenleben zum Opfer fiel, dazu 60 Gebäude.

Der Siebenjährige Krieg von 1756 bis 1763 ging an den Dörfern Ebersbachs relativ glimpflich vorüber. Schlimmer traf es die Dörfer des Kirchspiels nach dem Ausbruch der Französischen Revolution. Der damalige Pfarrer Henrich Christian Dapping schrieb ins Kirchenbuch: „Viele franz. Einquartierung im Amt Ebersbach gehabt, durch kostspielige Zehrung derselben alle Gemeinden in tiefe Schulden geraten.“

Ab 1725 wurde das benachbarte Amt Tringenstein durch das Amt Ebersbach mitverwaltet. Nach Ende der französischen Herrschaft und des Wiener Kongresses wurde das Amt Ebersbach 1816 aufgehoben und Dillenburg zugeteilt. 1818 fand der Zusammenschluss von Straßebersbach und Neuhütte statt. Am 25. April 1893 entstand in Straßebersbach durch Unvorsichtigkeit ein Großbrand, dem im Bereich der Hauptstraße und Umgebung 65 Gebäude, davon 26 Wohnhäuser, zum Opfer fielen. Die Spendenbereitschaft als Wiederaufbauhilfe in den Dörfern der Umgebung war sehr groß. Dieser Großbrand und die große Sommerhitze desselben Jahres führten dazu, dass die Wasserversorgung neu überdacht wurde. Bereits im folgenden Jahr erfolgte in Bergebersbach eine Versorgung des öffentlichen Brunnens am Backhaus und des Pfarrhauses mit Tonrohren, die zu den Quellen des Hochbehälters „Krämersheck“ führten. Wenige Jahre später wurde die zentrale Wasserversorgung eingerichtet. Seit 1902 bestand diese bereits auch in Straßebersbach.

Elektrisches Licht als Straßenbeleuchtung gab es in Straßebersbach bereits ab 1897. Dies scheint die Ebersbacher so positiv gestimmt zu haben, dass auch Geschäfte und Privatleute nur wenige Jahre später an das „Lichtnetz“ angeschlossen werden wollten, was ab Ende 1905/1906 auch realisiert wurde.

Erster Weltkrieg bis zur Gegenwart Zu Beginn des Ersten Weltkrieges (1914–1918) herrschte in Ebersbach keine große Kriegsbegeisterung, was sich mit den ersten Siegen in Ost und West änderte. Während des Krieges wurden immer wieder Kinder aus anderen Städten in Ebersbach untergebracht, da dort die Versorgungslage nicht ganz so katastrophal schien. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges jedoch wurde die Versorgungslage immer schwieriger. Aufgrund des Arbeitskräftemangels wurden sogenannte Schülerkolonnen eingesetzt, die den Bauern bei der Ernte helfen mussten. Trotz Rationierung der Lebensmittel und Mangelwirtschaft blieb die Lage ruhig. Insgesamt fielen im Ersten Weltkrieg aus Bergebersbach 14 junge Männer, ein weiterer wurde vermisst, aus Straßebersbach waren es 42 Gefallene, drei blieben vermisst.

In der darauf folgenden Zeit litten die Bewohner unter der anhaltenden Inflation, die ihren Höhepunkt 1923 hatte. Durch die Einführung der Rentenmark wurden sämtliche Ersparnisse praktisch wertlos, lediglich Grundbesitz und Immobilien behielten ihren Wert.

Um die zu dieser Zeit extrem hohe Arbeitslosigkeit etwas zu mindern, wurden auf staatliche Anordnung hin von Männern, die keine Arbeit hatten, sogenannte Notstandsarbeiten durchgeführt. So wurden z. B. zwischen 1924 und 1926 die Hauptstraße vom Unterdorf bis zur Neuhütte kanalisiert, zur Hochwasservorsorge der Ebersbach teilweise reguliert, Bürgersteige an der Hauptstraße angelegt und weitere Hochbehälter gebaut.

Das größte Werk dieser Zeit ist allerdings die Anlage des Stauweihers. Hüttendirektor Jung war daran gelegen, dass „alle seine Arbeitslosen“ Beschäftigung hatten. Zu dieser Zeit hatte die Neuhütte fast 500 Arbeitnehmer, die Produktion stand aber so gut wie still. Durch die Anlage des Stauweihers erhielten 30 Erwerbslose für 466 Tage Arbeit und Verdienst. Das so entstandene Staubecken hat eine Größe von 22.000 m², zwei Turbinen mit 200 PS erzeugten ausreichend Strom und machten die Neuhütte und Straßebersbach fast unabhängig von der Stromversorgung durch die Überlandzentrale. Darüber hinaus wurde der Weiher damals schon – wie heute ausschließlich – als Badeweiher genutzt, der „für alle Zeit frei und unentgeltlich“ zur Verfügung stehen sollte. Seit 1987 ist der Weiher in Gemeindebesitz.

1923 und 1927 wurden unterhalb der heutigen Volksbank durch zwei Brände insgesamt sieben Wohnhäuser und weitere dazugehörige Wirtschaftsgebäude vernichtet.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts gab es immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen den eigenständigen Dörfern Bergebersbach und Straßebersbach: Wasserversorgung, Stromversorgung, die gemeinsame Schwesternstation, Schulwesen, Vereinswesen und Notzeiten wie die Großbrände in den Dörfern. Trotz aller Skepsis und allem Lokalpatriotismus entschied man sich 1936, die neue gemeinsame Gemeinde Ewersbach aus der Taufe zu heben. Straßebersbach hatte zu dieser Zeit etwa 1.460 Einwohner, Bergebersbach etwa 450. Dies wurde auf staatliche Anordnung zum 1. April 1937 realisiert.

Die Zeit des Nationalsozialismus brachte für die Gemeinde kein positives Resultat. Zwar brachte die neue Regierung ab 1933 manchen wirtschaftlichen Aufschwung, insgesamt blieb es aber wie überall: Not und Elend herrschten 1945 in ganz vielen Ewersbacher Familien. Nach der Landung der Alliierten im Sommer 1944 rückte ab Anfang 1945 das Kriegsgeschehen immer näher. Im Winter wurde eine Lokomotive bei Steinbrücken beschossen, Niederscheld wurde im Februar 1945, Wallau nach Oktober 1944 im März 1945 erneut bombardiert. Am 15. März 1945 wurde ein amerikanischer Bomber bei Steinbrücken/Roth abgeschossen, fünf Amerikaner starben dabei. Am 29. März, Gründonnerstag, erreichten amerikanische Soldaten Ewersbach, Not und Elend hatten ein Ende. Allerdings starben insgesamt 151 junge Männer, 49 weitere galten als vermisst.

Da man sehr stark vermutet, dass Ebersbach bereits im 10. Jahrhundert bestanden haben muss, feierte Ewersbach im Juli 1956 das „Heimatfest des mehr als 1000-jährigen Ewersbach“.

Der letzte politische Neuzusammenschluss erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen. Zum 1. Februar 1971 fusionierten die bis dahin selbständigen Gemeinden Ewersbach und Steinbrücken (das sich 1823 von Straßebersbach verselbständigt hatte) auf freiwilliger Basis zur neuen Gemeinde Dietzhölztal. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Ewersbach. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen die beiden Orte Bergebersbach und Straßebersbach angehörten:

vor 1739: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft/Fürstentum Nassau-Dillenburg, Amt Ebersbach ab 1739: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Diez, Amt Ebersbach 1806–1813: Großherzogtum Berg, Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Dillenburg 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Ebersbach ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Dillenburg ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt Herborn ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Dillenburg ab 1867: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Dillkreis