Der Kormoran (Phalacrocorax carbo) ist eine Vogelart aus der Familie der Kormorane (Phalacrocoracidae). Das Verbreitungsgebiet der Art umfasst große Teile Europas, Asiens und Afrikas, außerdem Australien und Neuseeland sowie Grönland und die Ostküste Nordamerikas. Die Nahrung besteht wie bei allen Vertretern der Gattung Phalacrocorax fast ausschließlich aus Fisch. Kormorane sind zu allen Jahreszeiten gesellig, die Brutkolonien liegen an Küsten oder größeren Gewässern. Bestand und Verbreitung der Art wurden in Europa durch menschliche Bejagung stark beeinflusst, im mitteleuropäischen Binnenland war die Art zeitweise fast ausgerottet. In den letzten Jahrzehnten ist eine deutliche Bestandserholung zu verzeichnen. Der Kormoran war in Deutschland und Österreich Vogel des Jahres 2010.

Benennung Der deutsche Name dieser Vogelart stammt aus altfranzösisch cormareng bzw. aus der noch älteren Form corp mareng „Meerrabe, Wasserrabe“ und geht letztlich auf spätlateinisch corvus marinus mit gleicher wörtlicher Bedeutung zurück.Duden Universalwörterbuch Kormoran Der Namensbestandteil „Rabe“ lässt sich auch in seinem wissenschaftlichen Namen wiederfinden: corax bedeutet wie corvus im Lateinischen „Rabe“ und ist eine direkte Entlehnung aus dem altgriechischen κόραξ.Stichwort corax, Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch, Hannover 1913 (Nachdruck Darmstadt 1998), Band 1, Sp. 1690. Phalacro (φαλακρός) ist ebenso griechischen Ursprungs und bedeutet „kahlköpfig“,Stichwort phalacrocorax, Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch, Hannover 1913 (Nachdruck Darmstadt 1998), Band 2, Sp. 1678. was sich nach Ansicht mancher Ornithologen auf die blass-weißen Kopffedern bezieht. Es kann jedoch auch sein, dass sich die Benennung ursprünglich auf eine andere Art bezog. Das Artepitheton carbo „Kohle“ steht für die überwiegend schwarze Färbung des Gefieders.

Deutschsprachige Namen, die sich nicht durchsetzten, sind z. B. (die) Scharbe oder (der) Scholver. „Scharbe“ statt „Kormoran“ findet allerdings in der deutschen Benennung vieler anderer Kormoranarten Verwendung. Weitere frühere Namen waren Taucher, Ducher, Teuchel, Scholver, Schaluchorn, Schulueren, Schlucker, Aalscholver, Aalschlucker, Vuchttarß, Feuchtarß, Beervogel, Morfex, Aalkrähe, Teufel und Dauss.Ragnar Kinzelbach: Der Komoran in Mitteleuropa. Der Falke, Sonderheft 2010: 12–20.

Merkmale mini|hochkant|Durch die Färbung des Deckgefieders wirkt der Flügel wie geschuppt Aussehen Kormorane sind knapp gänsegroß, sie haben eine Körperlänge von 77 bis 94 cm und eine Flügelspannweite von 121 bis 149 cm. Männchen sind etwas größer und schwerer als Weibchen. Die Gewichte von Männchen schwanken zwischen 1975 und 3180 g, Weibchen erreichen 1673–2555 g. Männliche Brutvögel auf Rügen hatten Flügellängen von 334 bis 382 mm, im Mittel 358,5 mm, Weibchen erreichten dort 321 bis 357 mm, im Mittel 335,0 mm.Urs N. Glutz von Blotzheim, Kurt M. Bauer: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Band 1, Gaviiformes – Phoenicopteriformes. Aula, Wiesbaden, 2. Aufl. 1987: S. 243–244. Der relativ große Schnabel ist wie bei allen Arten der Gattung am Ende hakenförmig.

Im Prachtkleid ist das Gefieder der auch in Mitteleuropa verbreiteten Unterart P. c. sinensis überwiegend schwarz, bei Sonnenschein glänzen die Federn metallisch grün oder bläulich. Die Deckfedern des Oberflügels schimmern bronzefarben und sind glänzend schwarz gerandet, der Oberflügel wirkt daher geschuppt. Scheitel und Nacken sind mit feinen weißen Federn durchsetzt. Am Hinterkopf befindet sich ein Schopf, der durch etwa 4 cm lange, abstehende Federn entsteht. Am Schnabelgrund befindet sich eine nackte, gelbe Hautpartie, die breit weiß gerandet ist, außerdem zeigt der äußere Schenkelansatz einen weißen Fleck. Die Geschlechter unterscheiden sich bezüglich der Färbung nicht.

Im Schlichtkleid fehlen die weiße Befiederung an Scheitel und Hals sowie der weiße Schenkelfleck. Die weiße Partie am Schnabelgrund ist breiter, schmutzig weiß und weniger scharf vom ansonsten schwarzen Hals- und Kopfgefieder abgesetzt. Der Schopf ist nur angedeutet.

mini|Jährling Vögel der Unterart P. c. sinensis sind im Jugendkleid überwiegend braun bis schwarzbraun, die Oberseite zeigt einen schwachen Metallschimmer. Die Schulterfedern und die Flügeldecken sind braun mit glänzend schwarzbraunen Säumen. Die Halsseiten sind weiß gestrichelt, die Federn an Kehle und Vorderbrust sind weißlich gerandet. Schwanzfedern und Schwingen sind schwarzbraun mit hellen Spitzen, die Armschwingen zeigen weniger Stahlglanz als die adulter Vögel. Die Unterseite des Rumpfes ist sehr variabel und in sehr unterschiedlicher Ausdehnung bräunlich oder schmutzig weiß, nur selten rein weiß. Kopf, Hals und Schenkelansatz zeigen zahlreiche weiße Haarfederchen, die am Ende einen feinen Pinsel tragen. Die Tiere sind nach vier Jahren ausgefärbt.

Das Gefieder des Kormorans nimmt aufgrund seiner Struktur Wasser auf, was den Auftrieb verringert, so dass der Vogel sehr tief im Wasser liegt. Wenn ein Kormoran das Wasser verlässt, schüttelt er zunächst sein Gefieder aus. Dann breitet er die Flügel aus, damit seine nassen Gefiederteile schneller trocknen.R. M. Sellers: Wing-spreading behaviour of the cormorant Phalacrocorax carbo. In: Ardea. Nr. 83, 1995, S. 27–36.

Bei adulten Vögeln ist die Iris smaragdgrün, bei jüngeren Vögeln graubraun oder graugrün. Der Oberschnabel ist bleigrau mit schwärzlichem First; der Unterschnabel ist horngelb, an der Spitze grau. Die Beine und die Füße sind in allen Altersgruppen schwarz.

Lautäußerungen Kormorane sind abseits der Brutplätze meist stumm. Die Rufe in den Kolonien sind tief und kehlig krächzend. Der häufigste Ruf klingt etwa wie „chrochrochro“; dieser Ruf wird variiert. Die Stimmfühlungsrufe lassen sich mit „chroho-chroho-chroho“ beschreiben, die Rufe bei der Paarungsaufforderung klingen wie „kra-orrr“ oder „à-orrr“.

Verbreitung und Lebensraum mini|400px|Die globale Verbreitung des Kormorans (Phalacrocorax carbo): Das Verbreitungsgebiet der Art umfasst große Teile von Europa, Mittel- und Südasien, Ostafrika, Australien, Neuseeland sowie die Ostküste Nordamerikas und die Westküsten Nordafrikas und Grönlands. Kormorane sind an Wasser gebunden, die Brutkolonien liegen sowohl an Meeresküsten als auch an den Ufern größerer Flüsse und Seen.

Lebensweise Jagdweise und Nahrung mini|Nach Tauchgängen lassen Kormorane ihr Gefieder trocknen mini|Kormoran mit erbeutetem Aal mini|Vier Kormorane im Formationsflug mini|Kormoran bei der Pflege des Gefieders

Die Jagd auf Fische erfolgt tauchend, Tauchgänge werden meist mit einem kleinen Sprung eingeleitet. Die normale Tauchdauer beträgt 15–60 s in Tiefen von üblicherweise 1–3 m, bis 16 m sind jedoch nachgewiesen. Die Fortbewegung unter Wasser erfolgt mit den Füßen, Fische werden mit dem Hakenschnabel hinter den Kiemen gepackt.

Bei der in Zentral- und Südeuropa verbreiteten Unterart P. c. sinensis schwankten in den 1990er-Jahren die Angaben zum täglichen Nahrungsbedarf von 240 gJosef H. Reichholf: Kormoran-Winterbestand Phalacrocorax carbo und Fischreichtum am Innstausee Egglfing-Obernberg 1989/90 und 1990/91. In: Mitteilungen der Zoologischen Gesellschaft Braunau. Band 7, Nr. 1, Braunau Dezember 1997, ISSN 0250-3603, S. 37–46 (insb. Seite 41, ). bis 588 g.David Grémillet, Dagmar Schmid and Boris Culik: Energy requirements of breeding great cormorants Phalacrocorax carbo sinensis, Marine Ecology Progress Series, Inter-Research Science Center, Band 121, Nr. 1/3, 15. Mai 1995, S. 1–9. Bei einer Studie von 2019 schwankte die Fischbiomasse zwischen 455 g und 787 g.Pietrock, Sternberg: Analyse von Speiballen zur Ermittlung der Nahrungszusammensetzung von Kormoranen in den Gebieten Plöner Seen, Untertrave und Schlei, Bericht im Auftrag des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein. Institut für Binnenfischerei e. V. Potsdam-Sacrow, 90 pp. Bei der Unterart P. c. carbo wurde im Jahr 2003 ein täglicher Nahrungsbedarf bis 672 g berechnet.David Gremillet, Gordon Wright, Alan Lauder, David N. Carss, Sarah Wanless: Modelling the daily food requirements of wintering great cormorants: a bioenergetics tool for wildlife management, Journal of Applied Ecology, 2003 (40), S. 266–277.

Die Schwankungen ergeben sich vor allem aus dem unterschiedlichen Energieverbrauch, je nachdem ob ein Tier eher (ungestört) ruht oder viel fliegt. Weiteren Einfluss haben die klimatischen Bedingungen und ob Brutzeit ist.Kirsten Milhahn: Der Kormoran: Plage oder Sündenbock? GEO online, 19. April 2007, abgerufen am 11. Mai 2021. Der Stoffwechsel der Kormorane ist dabei mit dem anderer carnivorer Vogelarten vergleichbar.

Die Nahrung besteht fast ausschließlich aus kleinen bis mittelgroßen See- und Süßwasserfischen, diese werden lebend erbeutet. Seltene Zufalls- oder Gelegenheitsbeute sind andere an Wasser gebundene Tiere wie Krabben und große Garnelen, sehr selten wurden Bisamratten und Küken der Brandente als Beute nachgewiesen.

Kormorane jagen opportunistisch diejenigen Fische, die häufig und am leichtesten verfügbar sind; die Zusammensetzung der Nahrung schwankt daher je nach lokalen Bedingungen und Jahreszeit sehr. In den deutschen Binnenseen werden überwiegend die häufig in großen Schwärmen auftretenden Weißfische erbeutet. An Fließgewässern mit höherer Strömungsgeschwindigkeit können neben Karpfenfischen auch Äschen und andere Salmoniden einen größeren Teil der Nahrung bilden.

In Bayern wurde die Winterernährung des Kormorans in natürlichen Voralpenseen (Ammersee, Chiemsee), an künstlichen Gewässern (Altmühlsee, Ochsenanger, Unterer Inn) sowie an Flussabschnitten (Donau, Alz) untersucht. Der überwiegende Teil der erbeuteten Fische war 9 bis 28 Zentimeter lang. An allen Gewässern bildeten unbestimmte Karpfenfische (Cyprinidae) den Hauptteil der Nahrung, je nach Gewässer mit 37,3–65,8 % aller Beutefische. Weitere wichtige Arten waren Flussbarsch mit 4,2 bis 20,9 Prozent und Rotauge mit 1,0 bis 10,5 Prozent. In den Voralpenseen spielten auch Renken (Coregonus sp.) mit 9,5 Prozent eine wichtigere Rolle. Auch in der noch bedingt naturnahen Alz waren unbestimmte Karpfenfische mit 52,9 Prozent die mit Abstand häufigste Beute, hier folgten die Äsche mit 12,6 Prozent und unbestimmte Salmoniden mit 11,0 Prozent aller Beutefische.T. Keller: Die Nahrung von Kormoranen in Bayern. J. Ornithol. 139, 1998: S. 389–400. In Schleswig-Holstein gehören auch Dorsche zur Nahrung der Kormorane.

Fortpflanzung mini|Ei, Sammlung Museum Wiesbaden mini|Kormorane in Mecklenburg Kormorane brüten in Kolonien, diese können an geeigneten Standorten mehrere Tausend Brutpaare umfassen. Die Nester werden an der Küste je nach Gegebenheiten auf Klippen oder auf dem Boden angelegt, im Binnenland überwiegend auf hohen Bäumen an Gewässern. Kormorane brüten meist erstmals im Alter von 3 oder 4 Jahren, selten bereits mit 2 Jahren. Die Brutpaare leben wohl überwiegend in einer monogamen Saisonehe. Beide Partner bauen das Nest aus Ästen, die abgebrochen oder aus dem Wasser geholt werden. Die Nestmulde wird mit feinerem Material ausgepolstert, an der Küste häufig mit Seetang.

Das Gelege besteht in der Regel aus 3 bis 4, selten aus 5 und extrem selten aus 6 Eiern. Die Eier sind länglich oval und einfarbig hellblau, etwa 94 × 39 mm groß (sehr variabel). Die hellblaue Farbe ist durch einen kalkigweißen Überzug kaum sichtbar. Die Eiablage erfolgt in Mitteleuropa überwiegend von Ende April bis Juni. Beide Partner brüten, die Brutzeit beträgt 23–30 Tage. Die Jungvögel werden von beiden Partnern mit hochgewürgten Fischen gefüttert. Die Nestlingszeit beträgt etwa 50 Tage, mit 60 Tagen sind die Jungvögel voll flugfähig. Nach dem Ausfliegen wird der Nachwuchs noch 11–13 Wochen lang von den Eltern mit Nahrung versorgt.

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