mini|Schriftzug Der Schwarm, erschienen 2004, ist der sechste und erfolgreichste Roman des deutschen Schriftstellers Frank Schätzing. Thema des Science-Fiction-Thrillers ist die existenzielle Bedrohung der Menschheit durch eine unbekannte, intelligente maritime Lebensform.
Gattung und Aufbau Das Buch Der Schwarm gehört der Gattung des Montageromans an. Der Text ist aus fünf „Teilen“, einem „Prolog“ und einem „Epilog“ zusammengesetzt. Montiert werden Passagen, in denen die Handlung (s. u.) vorangetrieben wird, mit Erörterungen teils der Protagonisten, teils des allwissenden Erzählers. Es überwiegt allerdings die Erzähltechnik der erlebten Rede. In den Text werden auch unkommentierte Zitate und fiktive Texte, die Protagonisten geschrieben haben sollen, hineinmontiert. Um Montagen handelt es sich insofern, als verschiedene Textteile durch harte Schnitte (wie im Film) voneinander getrennt sind. Schätzing verhindert durch Zwischenüberschriften mit Datums- und Ortsangaben und Leerzeilen, dass ein Leser angesichts der häufigen raschen Orts- und Themenwechsel den Überblick verliert.
Der Ablauf der Darstellung ist chronologisch. Durch Datumsangaben in Zwischenüberschriften (ohne Angabe des jeweiligen Jahres) wird der Leser über den Ablauf der Zeit informiert. Die Handlung beginnt am 14. Januar und endet am 15. August des gleichen Jahres. Der Roman endet mit einem Epilog, der am ersten Jahrestag des folgenden Jahres datiert ist. Aus Aussagen über reale historische Ereignisse lässt sich schließen, dass das Geschehen in der Mitte des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts, also dem realen Entstehungszeitraum des Romans, spielen soll.
Handlung Zusammenfassung Im Prolog und dem „Ersten Teil“ des Romans sehen sich Menschen in aller Welt an verschiedenen Schauplätzen zunehmend Angriffen aus dem Meer ausgesetzt, vor allem durch Meerestiere, die plötzlich gehäuft abnormes Verhalten zeigen. Zunächst sind es nur kleine, scheinbar zusammenhangslose Zwischenfälle, Schwimmer werden von Haien oder Quallenschwärmen attackiert, Schiffe kentern, ohne dass die Ursache offensichtlich ist. An Kanadas Westküste zeigen sich die Wale ungewöhnlich aggressiv und versenken ganze Schiffe. Später gerät die Situation immer stärker außer Kontrolle. In Norwegen destabilisieren Wurmkolonien den Kontinentalhang, was einen Tsunami zur Folge hat, der die Küstengebiete Europas verheert.
Ein Krisenstab aus Wissenschaftlern und Militärs kommt zu dem Schluss, dass man es mit einer bisher unbekannten Intelligenz aus den Meerestiefen zu tun hat, die sich das Ziel gesetzt hat, die Menschheit von den Meeren zu vertreiben oder gar auszulöschen. Es wird eine Expedition gestartet, um eine Katastrophe zu verhindern.
Ausführliche Handlung Erster Teil – Anomalien Der Biologe Sigur Johanson wird von einer guten Freundin, Tina Lund, die für die norwegische Ölfirma Statoil arbeitet, in einer zunächst harmlos wirkenden Sache um Hilfe gebeten: Sie zeigt ihm einen Tiefseewurm, den ihre Firma bei Bauarbeiten in den Tiefen der Nordsee entdeckt hat. Zunächst ist er nur mäßig an den Tieren interessiert, holt aber Erkundungen von Kollegen ein, da es sich anscheinend um eine neue Art oder Mutation handelt. Sein Interesse wächst, als bei einer Forschungsexpedition mit den Forschungsschiffen Thorvaldson und Sonne in der Tiefsee entdeckt wird, dass diese Würmer innerhalb eines kurzen Zeitraumes die Methanhydrat-Vorkommen am norwegischen Kontinentalhang besiedelt haben und offenbar Methan abbauende Bakterien in das Methanhydrat einbringen. Zugleich ist auf dem Video eines Victor-Tauchroboters kurz ein nicht identifizierbares, blau leuchtendes Wesen zu erkennen.
Zusammen mit dem deutschen Geologen Gerhard Bohrmann vom Institut GEOMAR stellt er fest, dass das Freisetzen des Methans aus dem Methanhydrat den Kontinentalabhang des norwegischen Schelfes destabilisiert. Johanson fliegt mit einem Hubschrauber zu den Shetlandinseln, um Karen Weaver abzuholen, die sich zusammen mit einem deutschen Meeresforscher mit Anomalien der Meeresströmungen im Nordatlantik befasst hat. Johanson vermutet dort einen Zusammenhang mit den Würmern. Noch während man bei GEOMAR über einen Zeitpunkt eines möglichen unterseeischen Erdrutschs diskutiert, gerät der Hang ins Rutschen und verursacht einen Tsunami, der große Teile der Küsten in Nordeuropa zerstört und zahlreiche Todesopfer fordert (einschließlich Tina Lund, zu der Johanson eine enge Verbindung hat). Johanson und Weaver entkommen dem Tsunami nur um Haaresbreite.
Währenddessen weiten sich die Ereignisse aus: Giftige Quallen treten an vielen Küsten auf, Muscheln befallen in großen Mengen Schiffe und bringen sie zum Kentern, und in Frankreich tragen von Fischern gefangene infizierte Hummer eine tödliche Pfiesterien-Epidemie ins Land.
In einem parallelen Handlungsstrang beunruhigt das abnorme Verhalten von Walen den Intelligenzforscher Leon Anawak, der nebenbei für eine Whale-Watching-Station in Tofino an der kanadischen Westküste arbeitet: Er bemerkt, dass die wandernden Wale die Gewässer vor Vancouver Island in diesem Jahr offenbar nicht besuchen, doch als sie mit einiger Verspätung auftauchen, wirken sie ungewöhnlich aggressiv und feindselig dem Menschen gegenüber.
Auf einer Tour wird das Boot von Anawak (auf dem sich auch eine Studentin namens Alicia Delaware befindet) in einem koordiniert wirkenden Angriff von Orcas, Grauwalen und Buckelwalen versenkt. Der radikale Umweltschützer Jack „Greywolf“ O’Bannon, der Vorfahren aus der Gruppe der kanadischen Ureinwohner hat und sich deshalb selbst als „Indianer“ betrachtet, demonstriert mit seiner kleinen Anhängerschaft schon länger gegen Whale Watching und sieht in den Angriffen der Wale die Rache der Natur am Menschen – dann greifen die Wale unvermittelt auch die Tierschützer an, es werden zwei Schiffe versenkt und zahlreiche Menschen kommen ums Leben. Im Gehirn eines der toten Wale entdecken Wissenschaftler die Reste einer gallertartigen Substanz, die schnell zerfällt.
Greywolf kann sich als Held inszenieren, da er einige der Waltouristen rettet. Später kommt es zur Aussöhnung zwischen ihm und Anawak. Greywolf und Delaware beginnen eine Liebesbeziehung miteinander.
Anawak wird von einem Reeder angesprochen, an dessen Frachtschiff das Ruder offenbar von Muschelschwärmen blockiert wurde und das sich nur knapp in den Hafen retten konnte. Die an der Rettungsaktion beteiligten Schiffe wurden von Walen attackiert. Bei einem Tauchgang zum Heck des Schiffes entdeckt er ein blau leuchtendes Wesen, das aber im Hafenbecken entkommen kann. Die Muscheln stellen sich als Mutation von Zebramuscheln heraus.
Anawak und seine Kollegen finden heraus, dass sich nur wandernde Wale aggressiv verhalten, sogenannte Transients. Dauerhaft vor der Küste lebende Wale, Residents, scheinen von der Verhaltensänderung nicht betroffen. Sie schaffen es, einen Sender an einem der aggressiven Wale zu befestigen, wobei Anawak nur knapp mit dem Leben davonkommt. Bei einem Tauchgang des Wals erfasst eine Kamera einen Kontakt mit einer blauen, pulsierenden Wolke. Als Anawak weitere Nachforschungen anstellen will, wird er jedoch von verschiedenen Seiten blockiert: Offenbar will man ihn aus etwas heraushalten. Als er auf eigene Faust einen weiteren Tauchgang zum Ruder des von Muscheln befallenen Frachtschiffs wagt, wird er von US-Militärs erwischt.
Zweiter Teil – Château Disaster Im zweiten Teil des Buches formiert sich ein Team internationaler Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen und aus verschiedenen Nationen unter der Führung der USA, um der Bedrohung zu begegnen. In dem kanadischen Nobelhotel Château Whistler wird eine streng abgeschottete Konferenz organisiert. Neben Johanson, Anawak, Weaver und Bohrmann stoßen noch die Biologen Mick Rubin und Sue Oliviera, der Geologe Stanley Frost, Sonar-Fachmann Murray Shankar und später auch die SETI-Wissenschaftlerin Samantha Crowe zu dem Team. Organisatoren sind das US-Militär unter der Führung der US Navy-Angehörigen Judith Li und ihrem Assistenten Salomon Sal Peak sowie die CIA unter der Leitung des unsympathischen Jack Vanderbilt. Dieser vermutet zunächst Terroristen aus dem Nahen oder Fernen Osten hinter den Vorfällen.
Die Gruppe gelangt jedoch vor allem dank Johanson zu der Theorie, dass hinter den globalen Katastrophen und dem aggressiven Verhalten der Meeresbewohner eine unbekannte intelligente Macht stecke, die sich gegen die drohende Zerstörung des ozeanischen Lebensraumes durch den Menschen zu wehren begonnen hat. Man beschließt, diese unbekannte Intelligenz oder Wesen Yrr (eine bedeutungslose, von Johanson zufällig eingetippte Buchstabenfolge) zu nennen. Die Wissenschaftler erkennen, dass aufgrund des Treibhauseffekts des Methans das Weltklima beeinflusst wird und ohne eine erfolgreiche Gegenstrategie die Menschheit vom Aussterben bedroht wäre.
Währenddessen werden New York und weitere Orte der Ostküste der Vereinigten Staaten von Krabbenarmeen überrannt, welche zwar harmlos wirken, aber eine mutierte Version der tödlichen Pfiesteria-Alge in sich tragen. Die Stadt wird zum Katastrophengebiet erklärt.
In einer Nebenhandlung wird vom Tod von Anawaks Vater berichtet. Anawak fliegt daraufhin in seinen Heimatort Cape Dorset und setzt sich mit seiner Herkunft auseinander.
Dritter Teil – Independence Man beschließt, heimlich überwacht durch Li und Vanderbilt, mit der bisher unbekannten Intelligenz im Meer Kontakt aufzunehmen und kommt auf dem Hubschrauberträger USS Independence zusammen. Crowe und Shankar senden eine einfache Rechenaufgabe ins Meer, welche umgehend beantwortet wird. In einer zweiten Botschaft werden Informationen über die Menschheit ins Meer gesandt. Die Yrr antworten mit einem etwa 180 Millionen Jahre alten Bild des Super-Kontinents Pangaea. Es gelingt zwar, mit den Yrr Kontakt aufzunehmen. Die Angriffe auf die Menschheit werden jedoch fortgesetzt.
Johanson und Oliviera sezieren eine der New Yorker Krabben und finden neben den Pfiesterien eine zweite, unbekannte DNS in den Tieren: Sie haben die Vermutung, dass es sich bei den Yrr um einen Einzeller handeln könnte. Währenddessen sammelt sich ein großer, blauer Ring aus Yrr um die Independence. Im letzten Augenblick kann die von Greywolf und Delaware trainierte Delfinstaffel zurück ins Schiff geholt werden. Rubin sieht eine Chance, eine größere Menge von den Yrr zu bekommen: Er öffnet die Schleusentore erneut, woraufhin ein Orca in das Welldeck eindringt und Delaware zerfleischt. Li kann Greywolf im letzten Augenblick davon abhalten, Rubin dafür zu erwürgen. Zugleich dringt eine große Menge Yrr in das Schiff und greift die Mannschaft an. Durch Ablassen des Wassers kann die Yrr-Masse in diesem Fall bezwungen werden. Rubin gelingt es, große Mengen Yrr für Untersuchungen sicherzustellen. Da Rubin sich in der Folgezeit immer seltener blicken lässt, beschließt der leicht angetrunkene Johanson, ihn zu beschatten. Johanson erwacht aber am nächsten Morgen ohne Erinnerung im Lazarett.
Trotzdem können er, Anawak und Weaver die Forschungen an den Einzellern fortsetzen, mit einem Computermodell Raymond Kurzweils kann die Denkweise der Yrr weitgehend analysiert werden: Es ist ein kollektiver Verstand, der durch Verbindung der Einzeller entsteht. Erinnerungen des Kollektivs werden dabei in hypervariablen Bereichen der DNA der Einzeller gespeichert und das über Jahrmillionen hinweg. Außerdem wird ein chemischer Botenstoff entdeckt, der das Verschmelzen der Einzeller bewirkt.