Ulm Hauptbahnhof, abgekürzt: Ulm Hbf, ist der zentrale Bahnhof der süddeutschen Großstadt Ulm und ein bedeutender Eisenbahnknoten in der Region Donau-Iller, die Teile von Baden-Württemberg und Bayern umfasst.

Täglich nutzen den Bahnhof rund 40.000 Reisende, verkehren rund 335 Züge, darunter 75 Fernverkehrs- und 260 Regionalzüge. Auch ICE-Züge halten in Ulm, das an der sogenannten Magistrale für Europa von Paris via Stuttgart und München nach Bratislava bzw. Budapest liegt.

Die Regionalzüge sind Teil des Donau-Iller-Nahverkehrsverbunds (DING). Der Hauptbahnhof Ulm stellt einen wichtigen Verkehrsknoten der Stadt dar. Er verfügt über zwölf Bahnsteiggleise, von denen fünf nicht durchgehend sind. Es gibt einen weiteren Bahnhof in Ulm-Söflingen im Westen der Stadt sowie den Haltepunkt Ulm Ost an der Bahnstrecke Aalen–Ulm und den Haltepunkt Ulm-Donautal in einem Industriegebiet am südwestlichen Stadtrand. Im Westen befindet sich außerdem der Ulmer Rangierbahnhof.

In der Nachbarstadt Neu-Ulm gibt es neben dem dortigen Bahnhof den Haltepunkt Finningerstraße und den Bahnhof Gerlenhofen.

Lage mini|links|Blick von Süden auf das Bahnhofsareal vor den Umbaumaßnahmen; im Süden der neue Bahnhofsteg und weiter nördlich die Ludwig-Erhard-Brücke (Luftbild, 2015) mini|Bahnhofsgelände mit IC-Hotel und neu gestaltetem Vorplatz, Bahnhofsteg, im Bau befindlichen Fahrradanlagen und Zufahrt zur Tiefgarage (von Südosten, Mai 2025)

Innerstädtische Lage Der Ulmer Hauptbahnhof liegt im Westen der Innenstadt von Ulm. Das Bahnhofsgebäude befindet sich im Osten der Gleise am Bahnhofplatz. Östlich des Bahnhofes verläuft die Friedrich-Ebert-Straße, die am Bahnhofplatz in die Olgastraße übergeht. Gegenüber dem Empfangsgebäude mündet die Bahnhofstraße in den Bahnhofplatz ein, die den Bahnhof über die Hirschstraße mit dem etwa 500 Meter entfernten Münsterplatz verbindet.

Westlich des Bahnhofes verläuft die Schillerstraße. Im Norden überquert die Bundesstraße 19, die an dieser Stelle Karlstraße heißt, die Gleisanlagen über die Ludwig-Erhard-Brücke (früher Blaubeurer-Tor-Brücke). Im Süden werden die Gleise von der Neuen Straße durch die Ehinger-Tor-Unterführung unterquert und von der Zinglerstraße mit der Zinglerbrücke überquert. Im Südosten des Intercity-Hotels befindet sich der Zentrale Omnibusbahnhof Ulm (ZOB Ulm), wo 2025 größere Umbaumaßnahmen stattfinden.

Bahnstrecken Ulm ist Knotenpunkt mehrerer bedeutender Eisenbahnstrecken. Die Filstalbahn von Neu-Ulm über Göppingen nach Stuttgart (VzG 4700) trifft im Hauptbahnhof auf die Bahnstrecke Augsburg–Ulm (VzG 5302), die Bahnstrecke Ulm–Friedrichshafen (VzG 4500), die Bahnstrecke Ulm–Sigmaringen (VzG 4540), die Bahnstrecke Aalen–Ulm (VzG 4760) und die Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm (VzG 4813). Damit treffen in Ulm folgende Kursbuchstrecken aufeinander:

: Ulm–Stuttgart : Ulm–Wendlingen (Neckar) : Ulm–Lindau : Ulm–Donaueschingen : Ulm–Aalen : Ulm–Kempten (Allgäu) : Ulm–Neu-Ulm–Weißenhorn : Ulm–Neu-Ulm–Günzburg : Ulm–Günzburg–München : Ulm–Günzburg–Regensburg

Etwa 40.000 Reisende pro Tag bzw. 14,8 Millionen pro Jahr nutzen den Bahnhof. Mit rund 28.600 Reisenden pro Tag war er 2005 der neuntgrößte Bahnhof in Baden-Württemberg.Landtag von Baden-Württemberg: . Drucksache 13/4069 (PDF; 107 kB) vom 18. März 2005, S. 2.

Geschichte Bis 1850: Planung und Bau Im April 1830 beauftragte der württembergische König Wilhelm I. das Finanz- und das Innenministerium von Stuttgart mit der Prüfung einer Verkehrsverbindung zwischen Rhein und Donau. Dabei wurden die Möglichkeiten eines Kanals und einer Eisenbahnstrecke untersucht. 1834 legte die Kommission das Ergebnis vor. Dieses sah eine Bahnstrecke von Cannstatt über Aalen und Ulm nach Friedrichshafen vor. Eisenbahn-Pionier Friedrich List sprach sich währenddessen für die kürzere Direktstrecke über die Schwäbische Alb, anstatt über Aalen, aus.

Im August 1835 schlossen sich die Ulmer Bürger zu einer Initiative für den Bahnbau zusammen. Daraufhin wurde am 21. Dezember 1835 die Ulmer Eisenbahngesellschaft gegründet, die sich für den Ulmer Eisenbahnanschluss einsetzte und bereits am Gründungstag 80.000 Gulden ausgab. Am 18. April 1843 wurde der Bau der Strecke von Stuttgart über die Schwäbische Alb nach Ulm beschlossen. Diese Streckenführung hatte sich gegen die längere Variante über Aalen durchgesetzt. Allerdings kam es zu Auseinandersetzungen über die Lage des Ulmer Bahnhofs. Der Festungsbaumeister Moritz von Prittwitz und der Stadt- und Münsterbaumeister Ferdinand Thrän favorisierten eine Bahnhofsvariante im Norden des Zentrums in West-Ost-Richtung. Da bei dieser Variante die weiterführende Strecke nach Friedrichshafen über bayerisches Gebiet hätte führen müssen, planten die württembergischen Ingenieure stattdessen einen Bahnhof in Nord-Süd-Richtung im Westen der Innenstadt in der heutigen Lage. Obwohl dabei die Grundstückspreise höher waren und neun städtische Verbindungswege gestört wurden, während es bei der Nordvariante nur drei gewesen wären, entschied man sich für diese Variante. Die westlichen Stadtteile sind dadurch bis heute von der Innenstadt abgetrennt.

Um den ersten Bahnanschluss zum Bodensee vor Bayern und Baden fertigzustellen, betrieb Württemberg ab dem Sommer 1847 vorrangig den Bau der Württembergischen Südbahn über Biberach (Riß) nach Friedrichshafen. Im August 1848 begannen die ersten Erd- und Fundamentierungsarbeiten für den Bahnhof Ulm. Im März 1849 konnte mit den Hochbauten begonnen werden. Die Erd-, Spreng- und Hochbauarbeiten wurden von den staatlichen Eisenbahnbauämtern an freie Unternehmer (Akkordanten) vergeben. Wegen möglicher Hangrutschungen am Kuhberg wurde kurz vor dem Ulmer Bahnhof die Donau verlegt und die Bahntrasse der Südbahn im aufgeschütteten alten Flussbett errichtet. Die Wirtschaft in Ulm profitierte vom Bahnbau, da unter anderem die gastronomischen Betriebe in der Stadt durch diesen mehr Geld verdienten. Am 17. Mai 1850 kam bei einer Probefahrt zum ersten Mal eine Lokomotive aus Biberach in Ulm an.

1850–1866: Eröffnung und Anschluss an weitere Bahnstrecken

mini|Erster Ulmer Bahnhof von 1850 und Postamt im Jahr 1855 Der Bahnhof Ulm wurde am 1. Juni 1850 zusammen mit dem letzten Abschnitt der Südbahn von Biberach (Riß) nach Ulm offiziell eröffnet.Geschichte des Hauptbahnhofs Ulm auf www.zielbahnhof.de Am 29. Juni 1850 konnten die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen mit der Fertigstellung der Geislinger Steige auch die Württembergische Ostbahn, heute Filstalbahn genannt, über Göppingen nach Stuttgart in Betrieb nehmen. Damit war die erste durchgehende Eisenbahnstrecke Württembergs fertiggestellt, auf der durchgehende Züge von Heilbronn nach Friedrichshafen fahren konnten. Die Geislinger Steige zwischen Geislingen und Amstetten, die der Überwindung des Albaufstiegs diente, war aus damaliger Sicht eine technische Meisterleistung und erregte in ganz Europa Aufsehen.

In Richtung Stuttgart und Friedrichshafen fuhren auf dem dreigleisigen Bahnhof jeweils drei Züge pro Tag. Die Fahrzeit zwischen Ulm und Stuttgart betrug vier Stunden, zwischen Ulm und Friedrichshafen drei Stunden und 15 Minuten. Im Dezember 1850 konnte das Empfangsgebäude des Architekten Ludwig Friedrich Gaab eröffnet werden, das im romantisch-klassizistischen Stil gehalten war. Zwei versetzt zum Empfangsgebäude angeordnete Einstieghallen wurden 1851 errichtet. Außerdem entstanden ein Lokomotivschuppen, ein Wagenschuppen, ein Güterschuppen, eine Wasserstation und einige weitere Gebäude. Am 16. April 1851 wurde der Eisenbahntelegraph der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Am 9. Oktober 1851 eröffnete die Bahnhofinspektion Ulm einen Gepäckträgerdienst.

mini|Eisenbahnbrücke über die Donau um 1855 Am 25. April 1850 vereinbarten das Königreich Bayern und das Königreich Württemberg in einem Staatsvertrag, die Bahnstrecke München–Augsburg nach Ulm weiterzuführen und dort an das württembergische Bahnnetz anzuschließen. Im März 1852 begannen die Bauarbeiten für die Eisenbahnbrücke über die Donau. Am 25. Dezember 1853 kam der erste Zug auf dem Bahnhof Neu-Ulm an. Am 26. September wurde der Bahnhof schließlich zusammen mit dem Abschnitt Neu-Ulm–Burgau der Bayerischen Maximiliansbahn offiziell eröffnet. Da die Donaubrücke noch nicht fertiggestellt war, verkehrte eine Pferdedroschke zwischen dem Ulmer und dem Neu-Ulmer Bahnhof. Am 1. Mai 1854 konnte die von Anfang an zweigleisig ausgelegte Donaubrücke vollendet werden. Sie bestand aus Keupersandstein, war 123 Meter lang und 8,55 Meter breit. Sie wurde zu Ehren der amtierenden Könige von Württemberg und Bayern Wilhelm-Maximilian-Brücke genannt und war auf beiden Seiten durch eiserne Tore verschließbar. Am 1. Juni wurde daraufhin die gesamte Maximiliansbahn von Ulm über Augsburg nach München eröffnet, und der Ulmer Bahnhof wurde zum Bahnknotenpunkt. Auf der neuen Strecke verkehrten täglich vier Züge pro Richtung, wobei Eilzüge drei Stunden 30 Minuten und Personenzüge fünf bis sechs Stunden brauchten. Der Bahnhof wurde als Grenzbahnhof und Wechselstation zwischen Bayern und Württemberg von beiden Königreichen getrennt betrieben. Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen erhielten im Süden des Empfangsgebäudes einen eigenen Flügelbahnhof mit Stumpfgleisen, der den Namen Bayerischer Bahnhof bekam. Da die bayerische Zeit der württembergischen um zehn Minuten voraus war, existierten am Bahnhof zwei verschiedene Uhrzeiten. Ende 1856 wurde die Strecke zwischen Ulm und Neu-Ulm zweigleisig ausgebaut.

Am 17. Mai 1856 wurde Ulm an den internationalen Handelsverkehr angeschlossen. Dadurch konnten Holz, Getreide, Tabak, Zement, Ziegel und Kohle für die Dampfmaschinen per Bahn antransportiert werden. Dies wurde nötig, da die Wasserkraft der Blau nicht mehr für den steigenden Energiebedarf ausreichte. Bereits von 1852 bis 1855 hatte Ulm seine Exporte verdoppelt. Im Februar 1856 wurde das Postamt und am 1. Mai 1857 das erste Hotel (Hôtel de Russie) am Bahnhof eröffnet, das später den Namen Zum Russischen Hof erhielt. Am 12. Oktober 1862 wurde das zweite Gleis der Filstalbahn von Ulm nach Stuttgart nach vier Jahren Bauzeit in Betrieb genommen. Nachdem bereits am 1. Januar 1861 das Königlich-Bayerische Bahnamt nach Neu-Ulm verlegt worden war, ging der Betrieb des bisherigen württembergisch-bayerischen Gemeinschaftsbahnhofes am 1. Dezember 1863 mit Ausnahme des Fahr- und Lokomotivdienstes vollständig auf Württemberg über. Damit die 1867 fertiggestellte Bahnhofstraße errichtet werden konnte, wurde die Blau ab Januar 1865 teilweise überwölbt. Ende 1866 musste ein Teil der Festungsmauer aus dem Mittelalter abgebrochen werden, um dem Bahnhof einen direkten Zugang zur Innenstadt zu verschaffen. 1866 errichtete der Privatunternehmer Philipp Berblinger am Ende der Karlstraße den Berblinger Bau mit 36 Wohnungen als ersten Ulmer Eisenbahner-Wohnblock.

1867–1891: Erste und zweite Ausbauphase mini|Bahnhof und Betriebswerkstätten Ulm 1870 mini|Karte der Eisenbahnstrecken in Ulm und Neu-Ulm