Petersaurach (fränkisch: Bäjdas-auraE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 153. Dort folgendermaßen transkribiert: „bęidəsáura“.) ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Ansbach und zählt zur Metropolregion Nürnberg.
Geografie Petersaurach liegt etwa 15 Kilometer östlich von Ansbach.
Topographie Der Hauptort mit den meisten Gemeindeteilen liegt auf einer Hochebene (etwa 450 m), die im Nordwesten bei Vestenberg, Adelmannssitz und Großhaslach ins Haselbachtal abfällt.
Auf dem Gemeindegebiet gibt es überwiegend Nadelwälder. Nordöstlich befindet sich der Klosterwald, westlich von Wicklesgreuth der Herrnwald und nordwestlich von Großhaslach der Haslacher Wald.
Im Gemeindegebiet entspringen folgende Fließgewässer: die Aurach das Heiligenbächl, der ein rechter Zufluss der Aurach ist der Haselbach, der ein rechter Zufluss der Bibert ist der Büschelbach und der Ziegendorfer Bach, beide linke Zuflüsse der Fränkischen Rezat
Gemeindegliederung Es gibt 16 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Keine amtlich benannten bzw. nicht mehr existierende Gemeindeteile sind Obere Mühle, Straßenmühle, Untermühle, Weiherhof und Wicklesgreuth-Bahnhof.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Altendettelsau, Großhaslach, Herpersdorf (Gemarkungsteil 1), Petersaurach und Vestenberg (Gemarkungsteil 0). Die Gemarkung Petersaurach hat eine Fläche von 12,349 km². Sie ist in 2406 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Wicklesgreuth (zum Teil).
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Klima
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Gegründet wurde der Ort wohl erst im 10. Jahrhundert. Eine Erstbesiedelung während der Fränkischen Landnahme kommt nicht in Frage, da das Gelände, auf dem es steht, ungünstig ist. Das Gelände wird als „sumpfiger oder doch nasser Boden in flach auslaufender Talmulde“ beschrieben. Urkundlich wurde der Ort erstmals im Jahre 1212 erwähnt, als Bischof Otto von Würzburg seine Güter in „Urah“ dem Kloster in Heilsbronn vermachte. Das Grundwort des Ortsnamens ist ahe (mhd. „Fluss, Wasser“) und das Bestimmungswort ûr (mhd. „Auerochse“), woraus sich die Erklärung ergibt „Gewässer, an dem sich Auerochsen aufhalten“. Ca. 1300 wurde der Ort erstmals „Pettersaurach“ genannt. Die Ergänzung bezieht sich auf den Patron der Petersauracher Kirche, dem hl. Petrus.W.-A. von Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung, S. 175 f. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirchengemeinde Petersaurach stammt aus dem Jahre 1390. Im Jahre 1528 wurde in Petersaurach die Reformation eingeführt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg fanden hier rund 190 Glaubensflüchtlinge aus Österreich eine neue Heimat, die wesentlich zum Wiederaufstieg des Ortes beitrugen.E. Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Windsbach im 17. Jahrhundert, S. 53–61 u. passim.
Die Grund- und Landesherren in früherer Zeit waren die Bischöfe von Würzburg, dann das Kloster Gumbertus in Ansbach und deren Vögte. Im Laufe der Zeit bis zum Jahre 1400 erwarb das Kloster Heilsbronn alle Höfe in Petersaurach.
Bereits im Jahr 1560 wurde in Petersaurach unterrichtet, anfangs im Mesnerhaus. Erst im 19. Jahrhundert wurde die alte Schule, 1904 ein großes Schulgebäude neben der Kirche und 1956 eine neue Schule errichtet.
Im 16-Punkte-Bericht des Oberamtes Windsbach aus dem Jahr 1608 wurden für Petersaurach 55 Mannschaften verzeichnet: Die 17 Höfe und 38 Güter unterstanden dem Klosterverwalteramt Heilsbronn. Daneben gab es ein Gemeindehirtenhaus und das Pfarrhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/1, 7. Zitiert nach Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 732. Im 16-Punkte-Bericht des Klosteramts Heilsbronn, ebenfalls aus dem Jahr 1608, wurden 58 Mannschaften angegeben (15 Bauern, 43 Köbler).Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/2, 4. Zitiert nach Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 739.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Petersaurach 65 Anwesen (6 Höfe, 2 Höflein, 7 Halbhöfe, 13 Güter, 1 Gut mit Schmiede, 18 Gütlein, 1 Badhaus, 3 Halbleerhäuser, 12 Tropfhäuser, 2 Wirtsgüter). Das Hochgericht übte das Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft und die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte das Klosterverwalteramt Heilsbronn. Neben den Anwesen gab es noch kirchliche Gebäude (Pfarrkirche, Pfarrgut), kommunale Gebäude (Schule, Kuh-Hirtenhaus, Schweine-Hirtenhaus) und herrschaftliche Gebäude (Oberförster-Gütlein).Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 898. Es gab zu dieser Zeit 59 Untertansfamilien.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 4, Sp. 323. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Windsbach.
19. Jahrhundert 1806 kam Petersaurach an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde im Jahr 1808 der Steuerdistrikt Petersaurach gebildet, zu dem Höfstetten, Ketteldorf, Markttriebendorf, Neuhöflein, Petersaurach, Wicklesgreuth und Ziegendorf gehörten. Die Ruralgemeinde Petersaurach entstand im Jahr 1810Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 963. und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. 1812 wurde auf dem Gemeindegebiet der Weiherhof gegründet. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) erfolgte die Aufspaltung der Ruralgemeinde Petersaurach in Ruralgemeinde Höfstetten mit Neuhöflein; Ruralgemeinde Ketteldorf; Ziegendorf zur Ruralgemeinde Altendettelsau; Markttriebendorf zur Ruralgemeinde Betzendorf; Weiherhof und Wicklesgreuth gehörten weiterhin zur Ruralgemeinde Petersaurach. Von 1862 bis 1879 gehörte Petersaurach zum Bezirksamt Heilsbronn, ab 1880 zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt) und zum Rentamt Heilsbronn (1919–1929: Finanzamt Heilsbronn, ab 1929: Finanzamt Ansbach). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Heilsbronn (1879 in Amtsgericht Heilsbronn umbenannt), seit 1956 ist das Amtsgericht Ansbach zuständig.Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1005. Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 10,213 km².
Im Jahr 1818 reichte Wicklesgreuth ein Gesuch ein, mit dem Weiherhof eine eigene politische Gemeinde bilden zu dürfen. Dieses wurde jedoch abgelehnt.Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 964.
Im Jahr 1875 wurde die Gemeinde durch die Eisenbahn der Hauptstrecke Nürnberg–Ansbach erschlossen. 1894 bekam Petersaurach einen Bahnhof an der Nebenstrecke Wicklesgreuth–Windsbach.
Eingemeindungen Gemeinde Einwohner(1970) Eingemeindungs-datum Bemerkungen Altendettelsau 172 1. Januar 1972 Eingliederung von 167 der 172 Einwohner, Umgliederung der Froschmühle nach Neuendettelsau Großhaslach 997 1. Mai 1978 Herpersdorf 371 1. Januar 1972 Eingliederung von 288 der 371 Einwohner, Umgliederung des Hauptortes nach Lichtenau Vestenberg 527 1. Mai 1978 Eingliederung von 475 der 527 Einwohner, Umgliederung von Thurndorf nach Weihenzell
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 3962 auf 4939 um 977 Einwohner bzw. um 24,7 %.
Gemeinde Petersaurach Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 1995 2005 2015Einwohner 495 554 604 651 666 658 689 699 688 704 701 752 767 792 827 824 872 875 1393 1405 1496 1800 3927 4577 5091 4894HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahr 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2015 als Wohngebäude. 90 98 127 143 145 144 157 177 260 1029 1443Quelle Für die Gemeinde Petersaurach zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Weiherhof (S. 100) und Wicklesgreuth (S. 103). Zahl der Haushaltungen mit der der Wohngebäuden vertauscht.
Ort Petersaurach Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2015 2022Einwohner 426 490 578 583 576 633 691 1146 1142 1328 1491 2141 2226Häuser 78 86 124 122 133 150 203 389 Quelle www.petersaurach.de
Religion Auf dem Gemeindegebiet gibt es die evangelisch-lutherischen Pfarreien St. Laurentius (Vestenberg), St. Maria (Großhaslach) und St. Peter (Petersaurach) mit den Filialen Friedenskirche (Wicklesgreuth) und St. Mauritius (Gleizendorf). Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Franziskus (Neuendettelsau) gepfarrt.
Politik Bürgermeister Bis 30. April 2008 Hans Fischer (Freie Wähler) 2008–2020 Lutz Egerer (SPD). Egerer wurde 2014 mit 78,69 % der Stimmen im Amt bestätigt. 1. Mai 2020 bis 30. April 2026: Herbert Albrecht (CSU). Dieser setzte sich in der Stichwahl gegen Egerer durch. Seit 1. Mai 2026: Daniel Mogge (CSU)
Gemeinderat Der Gemeinderat hat seit der Kommunalwahl 2026 16 Mitglieder. ParteiSitze 2008–2014Sitze 2014–2020Sitze 2020–2026Sitze seit 01.05.2026SPD4730CSU8768Freie Wähler6423Einigkeit2223Grüne--32
(Stand: Kommunalwahl am 8. März 2026)
Wappen und Flagge Wappen
110px|mini|ohne|Version der Jahre 1963–1972
Flagge Petersaurach hat eine gelb-grün-weiße Gemeindeflagge.
Raumordnung Von 2004 bis 2016 gehörte Petersaurach zur Kommunalen Allianz (Komm,A). Weitere Mitglieder waren Bruckberg, Dietenhofen, Heilsbronn, Neuendettelsau und Windsbach. 2016 entstand die Allianz Kernfranken durch den Zusammenschluss von Komm,A und LiSa (Lichtenau, Sachsen bei Ansbach). Kernfranken ist ein Integriertes ländliches Entwicklungskonzept.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler mini|St. Peter
St. Peter: gotischer Chorturm 14./15. Jahrhundert mit später erfolgtem Sakristei- und Saalanbau Pfarrhaus: von 1720 mit späteren Änderungen; zweigeschossig mit Ecklisenen Haus Markgrafenplatz Nr. 2 (ehemaliges Markgrafengut): zweigeschossiger Bau des 18. Jh. mit zweigeschossigem Giebel, Satteldach und Schleppgauben; zugehöriges Scheunengebäude. Fraischstein: wohl des frühen 18. Jahrhunderts zwischen Markgrafschaft Ansbach und der ehemaligen nürnbergischen Pflegschaft Lichtenau; Sandstein mit giebelartiger Verdachung und nürnbergisches Wappenrelief auf der „Ziegendorfer Höhe“.
Bodendenkmäler
Regelmäßige Veranstaltungen Für Ortskundige gilt vor allem die Kirchweih in Petersaurach mit dem traditionellen stechen der Kerwasau (fränkisch für Kirchweihsau) als besondere Attraktion. Die Kirchweih findet jeden letzten Sonntag im August (von Freitag bis Montag) statt.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Straße Die Staatsstraße 2412 führt nach Langenloh (2,3 km südwestlich) bzw. zur Bundesstraße 14 bei Gütlershof (2,2 km nördlich). Die Kreisstraße AN 19 führt nach Altendettelsau (2,1 km südöstlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Aich zur Staatsstraße 2410 (3,5 km östlich), nach Ziegendorf (1,9 km südlich) und nach Büschelbach (2,4 km südwestlich).
Schiene