La Chaux-de-Fonds ( [], und umgangssprachlich [] (= la tscho);Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 496. französisch La Tchaux, auch CHX-FDS) ist eine Stadt im Schweizer Kanton Neuenburg. Sie gehört neben Biel/Bienne und Le Locle zu den bekanntesten Städten der Schweizer Uhrenproduktion. Es ist die grösste Stadt im Hochjura und die sechstgrösste Stadt in der französischsprachigen Westschweiz (Romandie). La Chaux-de-Fonds liegt auf rund (Bahnhof: 994 m) und ist damit eine der höchstgelegenen (Mittel-)Städte Europas. Mit dem nur sehr dünn besiedelten Umland gilt sie als Ville à la campagne (Stadt auf dem Land), Le grand village (Das grosse Dorf) und als La ville improbable (Die unwahrscheinliche Stadt).
Wegen der «vollkommenen Symbiose zwischen Urbanismus und Industrie» dieser Planstadt mit ihren zahlreichen Jugendstilbauten wurde La Chaux-de-Fonds 2009 gemeinsam mit der «Zwillingsstadt» Le Locle zum UNESCO-Welterbe erklärt. Die Stadt prägt laut der Schweizerischen UNESCO-Kommission «ein progressiver unternehmerischer Geist und das Streben nach sozialer Gerechtigkeit».
mini|Der typische Schneeberg in La Chaux-de-Fonds entsteht durch Abraum von Schneepflügen, hier in der Rue de l’Avenir, dies erfordert breite Strassen im ganzen Stadtgebiet
Geographie La Chaux-de-Fonds liegt auf , rund 15 km nordnordwestlich der Kantonshauptstadt Neuenburg (Luftlinie), nahe der Grenze zum französischen Franche-Comté. Die Industriestadt erstreckt sich in einem breiten Hochtal ohne oberirdisches Fliessgewässer im Neuenburger Jura, zwischen den Höhen von Mont Sagne im Südosten und Pouillerel im Nordwesten.
Die Fläche des mit 55,7 km² grössten Gemeindegebiets des Kantons umfasst einen Abschnitt im Neuenburger Jura. Hauptsiedlungsgebiet bildet das durchschnittlich auf gelegene Hochtal von La Chaux-de-Fonds, eine Synklinale im Faltenjura, die gemäss der Streichrichtung des Juras in diesem Gebiet in Richtung Südwest-Nordost orientiert ist. Das Hochtal ist bis zu 1 km breit, etwa 7 km lang und senkt sich leicht gegen Nordosten. Die nordöstliche Fortsetzung des Hochtals stellt die Combe du Valanvron dar, ein tief in die Hochflächen eingeschnittenes Kerbtal. Durch dieses fliesst der Bach La Ronde, der im Cul des Prés versickert, weiter unten wieder zutage tritt und bei Biaufond in den Doubs mündet. Die nordöstliche Grenze von La Chaux-de-Fonds verläuft willkürlich mit dem Lineal gezogen im Bereich der Combe du Valanvron, während die südwestliche Abgrenzung etwa auf der topografischen Wasserscheide zwischen dem Hochtal von La Chaux-de-Fonds und dem Talkessel von Le Locle liegt.
Nordwestlich an dieses Hochtal schliesst der breite Höhenrücken des Pouillerel () an, dessen nordöstliche Fortsetzung die Sombaille () und die Plateaus von Les Bulles und Valanvron bilden. Dieser Höhenzug fällt steil zum mindestens 400 m tiefer gelegenen Talboden des Doubs ab. Entlang dem Fluss verläuft die nördliche Grenze des Gemeindeareals. Die steilen Talflanken (Côtes du Doubs) sind dicht bewaldet und teilweise mit Felsbändern durchzogen.
Nach Südosten erstreckt sich der Gemeindeboden auf die angrenzenden Höhen mit Mont Jacques (), Mont Sagne (), Cornu () und der Höhe von Cibourg (bis ). Auf der zur Antiklinale des Tête de Ran gehörenden Roche aux Cros westlich des Passübergangs Vue des Alpes wird mit der höchste Punkt des Gemeindeareals erreicht. Auf den Jurahöhen gibt es ausgedehnte Weiden mit den charakteristischen, mächtigen Fichten, die entweder einzeln oder in Gruppen stehen. Östlich des Mont Sagne reicht das Gebiet bis in die Senke von Les Convers, dem obersten Teil des Vallon de Saint-Imier.
Von der Gemeindefläche entfielen 1997 16 % auf Siedlungen, 28 % auf Wald und Gehölze sowie 55 % auf Landwirtschaft; etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.
mini|Luftbild von Werner Friedli (1950)
Klima Aufgrund seiner Höhenlage weist La Chaux-de-Fonds ein raues Klima auf. Die Jahresmitteltemperatur an der Messstation La Chaux-de-Fonds (auf ) beträgt 7,0 °C, wobei im Januar mit –1,0 °C die kältesten und im Juli mit 15,6 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier 127 Frosttage, aber nur 26 Eistage zu erwarten, was im Vergleich zu anderen Orten ähnlicher Höhenlage relativ wenig ist. Der Grund dafür liegt darin, dass La Chaux-de-Fonds im Winter oft oberhalb der Inversionsschicht liegt und die Sonne den Talkessel erwärmen kann, so dass die Temperatur tagsüber trotz sehr kalter Nächte über den Gefrierpunkt ansteigt. Die Stadt weist im Mittel 1754 Sonnenstunden pro Jahr auf. Dies ist ein höherer Wert als an den meisten Mittellandstationen der Schweiz, weil La Chaux-de-Fonds im Winterhalbjahr nur selten unter einer Hochnebeldecke liegt. Sommertage gibt es im Jahresmittel 16 bis 17, während statistisch ein Hitzetag pro Jahr zu erwarten ist. Die 1389 mm Niederschlag sind ziemlich regelmässig über das ganze Jahr verteilt, wobei im Sommerhalbjahr leicht höhere Mengen fallen als im Winter (konvektive Niederschläge). Alle Messwerte beziehen sich auf die Normalperiode 1991–2020.
Die Messstation des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) liegt auf einer Höhe von
Stadtgliederung und Nachbargemeinden Zu La Chaux-de-Fonds gehören die Ortsteile Les Eplatures () südwestlich an die Stadt anschliessend, Le Crêt-du-Locle () auf der Wasserscheide gegen Le Locle, die Hofsiedlung Les Joux Derrière () auf einem Vorsprung nördlich der Sombaille hoch über dem Doubstal sowie verschiedene kleine Siedlungen und zahlreiche, weit verstreut auf den Höhen und Plateaus liegende Einzelhöfe. Zudem gehört ein Teil der Siedlung La Cibourg mit dem gleichnamigen Bahnhof zu La Chaux-de-Fonds.
Die Nachbargemeinden von La Chaux-de-Fonds sind Les Planchettes, Le Locle, La Sagne und Val-de-Ruz im Kanton Neuenburg, Renan und La Ferrière im Kanton Bern, Les Bois im Kanton Jura sowie Fournet-Blancheroche, Bonnétage und Grand’Combe-des-Bois im angrenzenden Frankreich. Am Ufer des Lac de Biaufond findet sich ein Dreikantonseck zu den Kantonen Bern und Jura ().
Stadtquartiere gemäss Bundesamt für Statistik Quartier Nr. BFS-Code Einwohner Ende 2015 333px|Quartiere von La Chaux-de-Fonds Ville Ancienne 1 6421001 2453 Centre 2 6421002 2984 Abeilles-Numa Droz 3 6421003 5343 Succès 4 6421004 2232 Forges-Endroits 5 6421005 4522 Pouillerel-Postiers-Chevreuils 6 6421006 1735 Beauregard 7 6421007 1408 Bel-Air 8 6421008 1390 Charrière 9 6421009 2437 Croix-Fédérale 10 6421010 3915 Olives – Crosettes 11 6421011 1540 Crêtets 12 6421012 2716 Ruche 13 6421013 4096 Eplatures-Crêt du Locle 14 6421014 559 Secteur forain ouest 15 6421015 303 Secteur forain nord 16 6421016 329 Secteur forain est 17 6421017 311 Secteur forain sud 18 6421018 220
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1750 2'363 1800 4'927 1850 12'638 1880 23'818 1900 35'968 1910 37'751 1930 35'252 1950 33'300 1960 38'906 1970 42'347 1980 37'234 1990 36'894 2000 37'016 2010 37'524, La Chaux-de-Fonds – Contrôle des habitants (französisch), abgerufen am 7. Februar 2016
Mit Einwohnern (Stand ) war La Chaux-de-Fonds die grösste Stadt des Kantons Neuenburg, bis der Kantonshauptort Neuenburg durch Eingemeindungen am 1. Januar 2021 an ihm vorbeizog und es auf den zweiten Platz verwies. Die Einwohner der Stadt werden Les Chaux-de-Fonniers genannt. Von den Bewohnern sind 85,5 % französischsprachig, 3,6 % italienischsprachig und 3,2 % sprechen Portugiesisch (Stand 2000). Während 1880 noch 31 % der Bevölkerung deutschsprachig waren (überwiegend zugewanderte Arbeiter aus dem Kanton Bern), beträgt der Anteil der Deutschsprechenden heute nur noch 2,4 %.
72 % der Bevölkerung sind Mitglied einer christlichen Kirche: Die Katholiken bilden mit 43,4 % die grösste christliche Konfessionsgruppe, gefolgt von den Reformierten (27,1 %) und den Mitgliedern von anderen christlichen Kirchen (1,2 %). 7,8 % der Bevölkerung bekennen sich zum Islam, 3,2 % zu anderen Religionen und 0,3 % zum Judentum. 15,1 % sind konfessionslos (Stand 2014)., La Chaux-de-Fonds – Contrôle des habitants (französisch), abgerufen am 7. Februar 2016
Die Entwicklung der Bevölkerungszahl reflektiert die wirtschaftliche Situation im Hochtal des Juras. Einen ersten Höhepunkt gab es um 1910. In den folgenden drei Jahrzehnten wurde bedingt durch die beiden Weltkriege ein deutlicher Rückgang verzeichnet, dem in den 1950er und 1960er Jahren wieder ein markanter Aufschwung folgte. Der Höchststand wurde 1967 erreicht, als La Chaux-de-Fonds rund 43'000 Einwohner zählte. Die Wirtschaftskrise führte zu einer massiven Abwanderungswelle, die einen Rückgang der Bevölkerungszahl um 13 % mit sich brachte. Anders als in Le Locle gab es in La Chaux-de-Fonds seit 1980 nur noch geringe Schwankungen.
Geschichte Ausser einigen wenigen Überresten, die aus dem Paläolithikum stammen und in Höhlen im Tal des Doubs entdeckt wurden, gibt es bis zum Mittelalter keine Beweise für die Anwesenheit von Menschen im Hochtal von La Chaux-de-Fonds.
Mittelalter und frühe Neuzeit Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahr 1350 als la Chaz de Fonz. Sie war eine Sömmerungsweide der Bauern aus dem tiefer gelegenen Val de Ruz. Frühe Schreibvarianten sind la Chaul de Fons (1342), la Chaul de Font (1358) und la Chault de Font (1378). Das erste Namensglied geht auf keltisch *calm‚Ein vorangestelltes Sternchen bezeichnet in der Sprachwissenschaft ein rekonstruiertes Wort. für unbewohntes, trockenes Land zurück. Das zweite Namensglied ist schwierig zu deuten, vielleicht besteht ein Bezug zu Fontaines im Val de Ruz. Wenn diese Erklärung zutrifft, bedeutet La Chaux-de-Fonds «Sömmerungsweide von Fontaines». Der Artikel im Ortsnamen ist ein Hinweis, dass der Ort erst nach dem 12. Jahrhundert besiedelt worden ist.
Die Urbarmachung des Hochtals erfolgte in zwei Phasen: Im 14. Jahrhundert liessen sich Bauern aus dem Val de Ruz nieder, während die Siedler des 15. und 16. Jahrhunderts eher aus dem Vallée des Ponts und Le Locle kamen. 1528 entstand auf dem Hügel die erste Kapelle. Mit der Reformation 1536 wurde sie zum Temple. Das Gebiet gehörte bis 1592 zur Herrschaft Valangin. Wegen der Wasserknappheit – im Unterschied zu Le Locle ist kein oberirdisches Fliessgewässer vorhanden, mit dem Mühlen oder Sägereien betrieben werden konnten – durchlief La Chaux-de-Fonds eine sehr langsame Entwicklung. Noch im 16. Jahrhundert bestand La Chaux-de-Fonds nur aus ein paar Häusern sowie verschiedenen Einzelhöfen. Die niedere Gerichtsbarkeit hatte Le Locle inne, die hohe Gerichtsbarkeit lag bei den Herren von Valangin. Zusammen mit der Herrschaft Valangin kam La Chaux-de-Fonds 1592 unter die Oberhoheit der Grafschaft Neuenburg.
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Eine erste Wachstumsphase setzte in der Zeit des Dreissigjährigen Krieges ein, weil der Ort relativ günstig an den Handelswegen von Neuenburg in die spanische Franche-Comté und nach Basel lag. Mit einer vom Fürsten von Neuenburg unterzeichneten Urkunde wurde La Chaux-de-Fonds am 2. Dezember 1656 zur Gemeinde mit eigenem Niedergerichtsbezirk (Mairie) erhoben, was den Ort ermächtigte, drei Jahrmärkte und einen Wochenmarkt abzuhalten. Der Zustrom von aus Frankreich vertriebenen Hugenotten brachte ein starkes Bevölkerungswachstum und neue wirtschaftliche Impulse mit sich.
Ab dem 18. Jahrhundert