Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, auch in der Kurzbezeichnung Fraunhofer IIS genannt, ist eine Einrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. Das Institut hat seinen Sitz in Erlangen, seine Aktivitäten sind der angewandten Forschung und Entwicklung im Bereich der Mikroelektronik, der Informatik der Informationsverarbeitung und der Telekommunikation zuzuordnen. Fraunhofer IIS ist das größte Institut der Fraunhofer-Gesellschaft. Weitere Standorte des Instituts sind in Nürnberg, Fürth, Dresden, Ilmenau, Bamberg, Waischenfeld, Würzburg, Deggendorf, Passau, München und Merkendorf.
Geschichte der Standorte Die Gründung des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS erfolgte im Jahr 1990. Ihr ging 1985 die Übernahme des Erlanger Zentrums für Mikroelektronik und Informationstechnik GmbH (ZMI) in die Fraunhofer-Gesellschaft voraus. Das Zentrum war 1984 aus einer Initiative des Förderkreises für die Mikroelektronik e. V. und der IHK Nürnberg mit Geschäftsführer Dieter Seitzer, Inhaber des Lehrstuhls für Technische Elektronik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), hervorgegangen. Unter dem Dach von Fraunhofer wurde es als Arbeitsgruppe für Integrierte Schaltungen AIS mit zwei Abteilungen, der Angewandten Elektronik AIS-A (Am Wetterkreuz, Erlangen) und Bauelementetechnologie AIS-B (Artilleriestraße, Erlangen), weitergeführt. Dieter Seitzer und Heiner Ryssel, letzterer Inhaber des Lehrstuhls für Elektronische Bauelemente (LEB) an der FAU, übernahmen gemeinsam die Leitung.
Die Arbeitsgruppe für Integrierte Schaltungen AIS-A wurde 1990 in das neu gegründete Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS umgewandelt und bestand seit 1993 aus den Institutsbereichen IIS-A (Integrierte Schaltungen, Bereich Angewandte Elektronik) und IIS-B (Bereich Bauelementetechnologie). Heinz Gerhäuser wird in die kollegiale Institutsleitung berufen. Seit 1999 Lehrstuhlinhaber für Informationstechnik mit dem Schwerpunkt Kommunikationselektronik LIKE an der FAU, übernahm er ab 1998 die Gesamtleitung des Instituts.
Die beiden Institutsteile IIS-A und IIS-B wurden im Jahr 2003 in zwei formal eigenständige Institute überführt: das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen-Tennenlohe und das Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB in Erlangen am Standort Schottkystraße.
Standort Fraunhofer IIS Erlangen-Tennenlohe (Hauptsitz)
Nach der Teilung der beiden Institutsbereiche in eigenständige Institute führte Heinz Gerhäuser das Fraunhofer IIS weiter. Seit 1999 stellvertretender, ab 2011 geschäftsführender Institutsleiter wurde Albert Heuberger, der seit dem Jahr 2008 eine Professur für Drahtlose Verteilsysteme/Digitaler Rundfunk DVT an der TU Ilmenau innehatte. Ab diesem Zeitpunkt leitete er in Personalunion am Standort Ilmenau die Forschungsgruppe Drahtlose Verteilsysteme/Digitaler Rundfunk DVT. Albert Heuberger wechselte 2011 auf den Lehrstuhl für Informationstechnik mit Schwerpunkt Kommunikationselektronik LIKE an der FAU.
In den Jahren 2000 bis 2002 wurde in einem ersten Bauabschnitt das Institutsgebäude in Erlangen-Tennenlohe, Am Wolfsmantel, errichtet. Ein weiterer Bauabschnitt mit integriertem Schalllabor, Audio-/Video-Aufnahme- und Postproduktionsstudio sowie einem „Kino der Zukunft“ mit dem am Fraunhofer IDMT entwickelten Klangfeldsystem IOSONO für den Forschungsschwerpunkt Digital Cinema wurde 2008 bezogen.
Im Jahr 2007 wurde das Medizinische Test- und Anwendungszentrum METEAN (Krankenhausstraße) gegründet (trägt seit 2021 den Namen „Zentrum für Sensorik und Digitale Medizin“), im Jahr 2008 kamen die AudioLabs in Kooperation mit der FAU dazu. Das Leistungszentrum Elektroniksysteme LZE als gemeinsame Initiative der Fraunhofer-Institute IIS und IISB und der FAU sowie weiteren außeruniversitären Forschungseinrichtungen und assoziierten Partnern aus der Industrie eröffnete 2015. Zwei technologische Ausrichtungen, die Leistungselektronik und die Low-Power-Elektronik, werden hier schwerpunktmäßig erforscht.
2016 wurde die Institutsleitung um Bernhard Grill, 2019 um Alexander Martin und 2025 um Giovanni Del Galdo erweitert. Stellvertretende Leiter sind Peter Dittrich und Martin Dietz.
Standort Fraunhofer IIS Nürnberg (Nordostpark)
1995 wurde das Fraunhofer IIS am Standort Nürnberg mit der Gründung des Fraunhofer-Anwendungszentrums für Verkehrslogistik und Kommunikationstechnik (AVK) unter der Leitung von Peter Klaus erweitert. 2002 wurde es in die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Technologien der Logistik-Dienstleistungswirtschaft ATL, ab 2009 Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS umgewandelt. Zu diesem Zeitpunkt erfolgte der Umzug in die Forschungsfabrik im Nordostpark. Heute läuft die Forschung im Bereich Supply Chain Service.
Zusätzlich wurden 2002 im Nordostpark drei, im Rahmen der High-Tech-Offensive Bayern entstandene Projektgruppen angesiedelt: Optische Kommunikationstechnologie, Netzzugangstechnik und Interoperative Systeme. Ab dem Jahr 2007 fokussieren sich die Aktivitäten der Arbeitsgruppe auf den Schwerpunkt „Lokalisierung und Kommunikation (LoK)“, seit 2014 als Bereich Lokalisierung und Vernetzung geführt.
2008 wurde in Nürnberg das Zentrum für Intelligente Objekte (ZIO) für technologiebasierte Dienstleistungen, 2010 die Service Factory Nürnberg gegründet.
2013 wurde der Standort mit dem Test- und Anwendungszentrum L.I.N.K für Lokalisierungstechnologien, Identifikation, Navigation und eingebettete Kommunikation aufgewertet. Hier werden auf 1.400 m² Laborfläche und 10.000 m² Außengelände neue Lokalisierungs- und Kommunikationstechnologien (GPS, Galileo-Satellitennavigation, funkgestützte Ortungssysteme, RFID und Smart Object-Technologien sowie WLAN und drahtlose Sensornetze) erprobt.
2016 wurde im Nordostpark ein eigenes Gebäude für die Entwicklung neuester Lokalisierungs- und Vernetzungstechnologien eröffnet. Ein Schwerpunkt der Forschung liegt auf Lokalisierung mit 5G-Mobilfunk. Im Rahmen des vom Land Bayern geförderten Projekt "5G Bavaria" wurde das 5G-Bavaria-Testbed »Industrie 4.0« geschaffen, das am Nordostpark beheimatet ist und für die Erprobung von Lokalisierungslösungen mit 5G von Anwendern und Unternehmen genutzt werden kann.
Seit 2018 fokussiert sich der Bereich Supply Chain Services auf den Schwerpunkt „Erfolg und Mehrwert durch Daten“ mit den Kernkompetenzen „Innovation and Transformation“, „Analytics and Optimization“ sowie „Data Spaces and IoT Solutions“. Das ADA Lovelace Center for Analytics, Data and Application am Standort Nürnberg (Nordostpark) kam unter der Leitung von Alexander Martin im Jahr 2018 dazu.
2019 entstand das CoWiS als neuer Coworking Space am Standort Nordostpark.
In der Karl-Grillenberger-Str. 3 eröffnete 2014 ein Ladengeschäft JOSEPHS® – Die Service-Manufaktur. Das Konzept setzt auf die Einbindung von Besuchern in die Entwicklung, Einführung und Vermarktung von neuartigen Produkt- und Dienstleistungskonzepten. In wechselnden Testzyklen werden hier dem Endnutzer Produkte und Services vorgestellt und von diesem bewertet. 2019 wurde das JOSEPHS als eigenständiges Unternehmen aus dem Fraunhofer IIS ausgegründet. Heute befindet es sich im Augustinerhofareal in Nürnberg und teilt sich dort die Räumlichkeiten mit dem KI-Showroom des Fraunhofer IIS.
Standort Fraunhofer IIS Fürth (Flugplatzstraße)
Das Entwicklungszentrum Röntgentechnik (EZRT) wurde im Jahr 1998 in Erlangen gegründet und befand sich zwischen 2000 und 2013 am Standort Fürth Uferstadt. Im Jahr 2000 wurde dort die Projektgruppe Ultrafeinfokus-Röntgentechnologie angesiedelt.
Das Zentrum wurde gemeinsam von Fraunhofer IIS und dem Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP, Saarbrücken und Dresden betrieben. Von 2008 bis 2020 hatte Randolf Hanke die Leitung inne. Seit Oktober 2020 ist Norman Uhlmann Leiter des Bereichs Entwicklungszentrum Röntgentechnik des Fraunhofer IIS.
Im Jahr 2013 wurde der neue Standort des Entwicklungszentrum Röntgentechnik in Fürth-Atzenhof eröffnet. Hier war zwischen den Jahren 2009 und 2010 eine Hochenergie-Testhalle mit Linearbeschleuniger (LINAC) entstanden, in der große Bauteile zerstörungsfrei untersucht werden können. In direkter Nachbarschaft befinden sich die zwischen 2011 und 2013 errichteten Institutsgebäude.
Standort Fraunhofer IIS Dresden
Im Jahr 1992 wurde als Außenstelle des Fraunhofer IIS in Dresden (Zeunerstraße) die Fraunhofer Einrichtung für die Automatisierung des Schaltkreis- und Systementwurfs (EAS), heute Institutsteil Entwicklung Adaptiver Systeme, gegründet. Geleitet wurde der Standort von Günter Elst, der 1999 zum Honorar-Professor an der Technischen Universität Dresden bestellt wurde. Seit 2011 leitet Peter Schneider den Institutsteil, 2024 kam Wolfgang Felber in der Leitung hinzu.
Standort Fraunhofer IIS Ilmenau (Am Vogelherd)
Im Jahr 2000 wurde in Ilmenau als Außenstelle eine Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Elektronische Medientechnologie (AEMT) gegründet, aus der 2004 das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT) entstand. Die Leitung übernahm Karlheinz Brandenburg, seit 2019 leitet Joachim Bös das Institut.
2009 erfolgte in Ilmenau die Gründung der Projektgruppe Drahtlose Verteilsysteme/Digitaler Rundfunk DVT. In der Versuchsanlage Am Vogelherd befindet sich seit 2010 ein Antennenturm für den digitalen Rundfunk. Ein neues Laborgebäude und eine Forschungsplattform auf der Versuchsanlage wurden 2011 eingeweiht. 2015 wurde aus der Projektgruppe die Abteilung Elektronische Messtechnik und Signalverarbeitung des Fraunhofer IIS. Die Einrichtung bietet Testmöglichkeiten für die Forschung im Bereich Satellitenkommunikation.
Weitere Standorte 1998 Einrichtung eines Gebäudekomplexes auf dem Großen Kornberg im Fichtelgebirge als Funkerprobungsstelle 2010 Gründung der Projektgruppe Nano-Röntgensysteme zur Materialcharakterisierung in Würzburg (Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Campus Hubland Nord) 2011 Gründung der Forschergruppe Geschäftsmodelle Bamberg unter Alexander Pflaum, seit 2015 Fraunhofer IIS Kompetenzzentrum für Geschäftsmodelle in der Digitalen Welt (Feldkirchenstraße). 2011 Fraunhofer IIS Gründungspartner des Energie Campus Nürnberg 2013 Fraunhofer-Anwendungszentrum Computertomographie in der Messtechnik CT an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Deggendorf (Dieter-Görlitz-Platz) in Kooperation mit der Wolfgang-Pfeiffer-Stiftung des Industriepartners Intercontec. 2013–2021 Fraunhofer-Anwendungszentrums für Drahtlose Sensorik in Coburg 2015 Eröffnung des Fraunhofer-Forschungscampus Waischenfeld 2016 Eingliederung des Forschungszentrums Magnetresonanz Bayern e. V. in den Bereich Fraunhofer-Entwicklungszentrum Röntgentechnik. Das Team um Abteilungsleiter Karl-Heinz Hiller bildet gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Gruppe Nano-CT-Systeme am Standort Würzburg die Abteilung Magnetresonanz und Röntgen-Bildgebung MRB. 2017 Fraunhofer-Forschergruppe Wissensbasierte Bildverarbeitung als Kooperation zwischen dem Institut FORWISS der Universität Passau (Innstraße) und dem Entwicklungszentrum Röntgentechnik in Fürth 2018 Eröffnung des Mobile Health Lab Bamberg 2024 Eröffnung des „Zentrums für Technologien in der Pflanzen-Phänotypisierung“ in Merkendorf
Forschung und Entwicklung