mini|Die Sachsenküstenkastelle um 400 n. Chr. mini|Die Route Canterbury – Richborough – Dover – Lympne auf der Tabula Peutingeriana (4. Jahrhundert) mini|Lageskizze der römischen Bauten in Dover mini|Befundplan der Kastelle (1970–1977) mini|Ansicht der Western Heights von Dover Castle aus: The Drop Redoubt Vordergrund, die Zitadelle dahinter

mini|Classiari der CB (spätes 2. oder frühes 3. Jahrhundert n. Chr.) mini|Ziegelstempel der Classis Britannica (Dover, Market Street) mini|Befundskizze des Horreums-Ost mini|Ruine des östlichen Leuchtturms, Ansicht aus SO mini|Feuerungsöffnungen an der NW-Seite mini|Innenansicht mini|Modell des östlichen Leuchtturms im Dover Museum mini|Aufrissplan aus dem 19. Jahrhundert mini|Bredenstone in der Drop Redoubt mini|Rekonstruktionsversuch des westlichen Leuchtturms, Zustand im 4. Jahrhundert n. Chr. mini|Römischer Ziegel mit der Ritzzeichnung eines Leuchtturmes (Dover?), British Museum mini|Befundplan des Painted House mit Zwischenturm und Mauer des Sachsenküstenkastells nach dem Bau des Kastells und des äußeren Verteidigungsgrabens im späten 3. Jahrhundert

Portus Dubris (Dubris) ist der Sammelbegriff für einen römischen Militärhafen, eine Zivilsiedlung und drei Kastellen auf dem Stadtgebiet von Dover, Grafschaft Kent, England.

In Dover kann die gesamte Geschichte des römischen Britannien nachverfolgt werden. Von den ersten Expeditionen Julius Caesars im Jahr 55 v. Chr. bis zum Abzug der letzten römischen Armee um 410 n. Chr. Dort finden sich auch einige der am besten erhaltenen römischen Überreste, von herausragenden archäologischen Mauerresten bis zum höchsten römischen Gebäude in Großbritannien. Portus Dubris besetzte eine Schlüsselstellung für die Überwachung des Schiffsverkehrs und war ein wichtiger Versorgungsstützpunkt der Classis Britannica auf der britischen Seite des Ärmelkanals. Es war auch eines der beiden Haupttore zum römischen Britannien, bzw. eine der bevorzugten Anlaufstellen und verband die Insel direkt mit dem Kriegshafen Gesoriacum (Boulogne-sur-Mer) an der gallischen Küste. Die römische Flotte kontrollierte von dort aus die Gewässer des Ärmelkanals und der Nordsee. Die Expansion der Zivilsiedlung setzte aber wohl erst im späten zweiten oder sogar erst im dritten Jahrhundert ein. Insbesondere die zahlreichen Münzfunde aus dem vierten Jahrhundert lassen auf stärkere Aktivitäten in dieser Zeit schließen, die wohl mit Etablierung einer Küstenverteidigungsorganisation zusammenfällt. Ab dem 3. Jahrhundert war Dubris Teil der Kastellkette des sogenannten Litus Saxonicum (Sachsenküste), ein Militärbezirk des spätantiken Limes Britannicus. Der Hafen verfügte über je einen Leuchtturm an der westlichen und östlichen Seite der Hafeneinfahrt. Der östliche ist noch gut erhalten, diente lange als Turm der Kirche St Mary in Castro und befindet sich heute innerhalb der mittelalterlichen Burganlage. Bis zum Ende der römischen Herrschaft blieb Dubris aber wohl ein reiner Militär- und Marinestützpunkt. Die Entwicklung von Dover zum bedeutenden Wirtschafts- und Reisehafen setzte erst im Mittelalter ein. Während viele Kanalhäfen des antiken Britannien im Laufe der Zeit durch Verlandung unbrauchbar wurden, konnte Dover bis heute seine Stellung bewahren.Victoria County History of Kent 1932, S. 55.

Name Der antike Name bedeutet: „der Hafen am Dubras“. Dubras ist ein aus dem keltischen stammender Begriff (= das Wasser). Claudius Ptolemäus erwähnte es als Portus Novus. Im Itinerarium Antonini erscheint der Hafen als Ausgangspunkt der dritten Route (Iter III) in Britannien.„Die Route von Londinium nach Portus Dubris - 66000 Schritte“ und Portum Dubris, 13 Meilen entfernt von Durovernum Cantiacorum (Canterbury, Kent). In der Notitia Dignitatum des 5. Jahrhunderts, in der Tabula Peutingeriana und im 7. Jahrhundert beim Geographen von Ravenna wird der Ort als Dubris erwähnt.Ravenna 428 In angelsächsischer Zeit war der Ort unter dem Namen Douvrae bekannt. In angelsächsischen Texten wird es auch als Dofras, Dobrum, Doferum und Doferan bezeichnet. Der Keltologe John Rhys schlug vor, dass Dover mit Dybrys, Dybyr und Dyfrau gleichzusetzen sein könnte, die im Llyfr Taliesin des walisischen Barden Taliesin erwähnt werden.Skene, Four Anct. Books of Wales II, S. 198.

Lage Dubris stand an der Küste des Ärmelkanals (Straße von Dover), am Westufer der Mündung des Flusses Dour, und war 34 km von Cap Gris Nez, Calais, und 40 km von Boulogne-sur-Mer, beide im heutigen Frankreich gelegen, entfernt. Die Strecke Dubris-Gesoriacum war aufgrund ihrer geographischen Lage die kürzeste Verbindung zwischen dem europäischen Festland und der britischen Insel. Der Dour entspringt in den North Downs und hat im Laufe der Zeit ein tiefes Tal durch das weiche Kreidegestein geschnitten, an der Südküste, an den weltberühmten weißen Kreidefelsen mündet er schließlich in den Ärmelkanal. Die bis zu 100 m hohen Klippen ragen zu beiden Seiten des Flusstales auf, im Osten befindet sich der Burgberg (Castle Hill). Ihm gegenüber erheben sich mit einem etwas sanfteren Aufstieg die Western Heights. Das Meeresufer besteht aus einer Sand- und Kiesbank, die über lange Jahre von den Gezeiten des Kanals aufgeschüttet wurde, aber nie hoch genug, um die Flussmündung zu blockieren. Dahinter breitet sich eine Lagune aus, die bis zur großen Expansion der letzten Jahre den natürlichen Hafen für Dover bildete. Die Lagunenmündung öffnet sich jetzt unter der seewärts gelegenen Klippe der Western Heights. In früheren Tagen, bevor sich die Flusssedimente zu hoch angehäuft und den Dour immer weiter nach Westen verschoben hatte, lag die Lagunenmündung direkt unter dem Castle Hill, in der Nähe des heutigen Burlington Hotels. Die Flussmündung, die gut von den Hochtalseiten geschützt wird, bietet daher der Kanalschifffahrt bis heute einen sicheren Hafen. Dubris war auch eine der wenigen Stelle zwischen Walmer und Hythen, die den Schiffen eine problemlose Anlandung an den Klippen erlaubte.

Straßenverbindungen Neben dem Seeweg konnte Dubris auch über mehrere Straßen erreicht werden. Die von Canterbury ausgehende führte zunächst über die Anhöhen bei Barham, stieg dann in das Tal des Dour hinab und erreichte Dover über Buckland, Chariton und die Biggin Street. Die andere, ging von Rutupiae (Richborough) im Norden aus, verlief von Each End Richtung Süden zunächst durch eine Hügellandschaft und dürfte dann über den Charlton Cemetery und die Bridge Street in das Dourtal hinuntergeführt haben, wo sie schließlich nach 700 bis 800 Meter nördlich der Canterbury Straße die Römische Siedlung erreichte. Sie dürfte vorrangig militärischen Zwecken und dem Warentransport gedient haben. Die Canterbury Straße mit ihren steilen Gefällen und hohen Anstiegen war für Kaufleute und Reisende wesentlich beschwerlicher als die Route über Richborough. Die Route von Richborough und Dover nach Canterbury wird auch im Itinerarium Antonini (Iter III) des zweiten Jahrhunderts und die von Canterbury – Richborough – Dover – Lympne auf der Tabula Peutingeriana (4. Jahrhundert) angeführt. Rutupiae (Richborough) war zudem der Ausgangspunkt der Watling Street (angelsächsisch: Wæcelinga Stræt), einer römischen Straße nach Durovernum Cantiacorum (Canterbury) und Londinium (London). Sie war die erste große Fernstraße, die von den Römern in Britannien angelegt wurde. Von London aus führte sie über Verulamium (St. Albans), Durocobrivis (Dunstable), Lactodurum (Towcester) nach Viroconium (Wroxeter) im Norden, zweigte dann nach Wales und in die Metropole des Nordens, Eburacum (York) ab. Eine andere Straßen führte von Dover Richtung Süden nach Portus Lemanis (Lympne). Der Verlauf von kleineren Routen durch die Grafschaft Kent wurde aus der Lage von bekannten römischen und angelsächsischen Friedhöfen abgeleitet, die sich häufig an den Hauptstraßen und Siedlungsgrenzen konzentrierten.Victoria County History of Kent Vol. 3, 1932, S. 51.

Forschungsgeschichte Die römischen Überreste in Dover bestehen aus einigen Spuren der Zivilsiedlung neben dem Hafen, einigen Gräberfeldern und den Überresten von zwei Leuchttürmen auf den beiden Höhen, die das Tal überragen. Zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert wurden im Stadtgebiet bei Bauarbeiten immer wieder die Reste von römischen Gebäuden (z. B. Badehaus, Ziegel der Classis Britannica) und im ehemaligen Hafenbecken die massive Steinmole und kleinere Anleger entdeckt. Der erste bekannte Ziegelstempel stammte aus Dover und wurde fälschlicherweise noch der Cohors I Britannica zugeschrieben. Als jedoch Mitte des 19. Jahrhunderts in Lympne weitere Exemplare gefunden wurden, wurden sie zu Recht als das Werk der Flotte anerkannt. Canon Puckle berichtete von der Auffindung großer Eisenringe, die zum Festmachen von Schiffen gedient hatten. Diese Befunde belegten die Existenz einer Zivilsiedlung und eines bedeutenden römischen Hafens. Das spätantike Kastell wurde erstmals im Jahr 1929 von Mortimer Wheeler untersucht und beschrieben. Eine Reihe von Nachgrabungen, um diese Identifizierung zu bestätigen, scheiterten jedoch. Eine detaillierte Analyse der bis dahin verfügbaren Befunde konnte erst Anfang der 1970er Jahre veröffentlicht werden. Die bisher umfangreichsten archäologischen Grabungen wurden von Brian Philp und der Kent Archaeological Rescue Unit ab 1970 vorgenommen. Sie erbrachten eine große Menge an Informationen über die Entwicklung des römischen Hafens, des Vicus (extramurale Siedlung) und der römischen Befestigungsanlagen in Dover, obwohl die Schichtenfolge sehr komplex ist und es in Dover noch viel zu entdecken gibt. Die Rettungsgrabungen erfolgten im Zuge der Errichtung einer Umgehungsstraße und der Sanierung der Stadtmitte. Dabei wurde im Stadtzentrum ein Gelände in der Größe von ca. acht Hektar untersucht. Das Grabungsareal war teilweise von über sieben Meter hohen Schwemmsand- und Erosionsablagerungen von den benachbarten westlichen Anhöhen (Western Heights) bedeckt. Das Jahr 1970 markierte auch den Beginn einer – mehr als 30 Jahre andauernden – Serie von Rettungsgrabungen der KARU, die zur Entdeckung einer weiteren Fülle von Baustrukturen aus römischer und angelsächsischer Zeit führten. Bis 2010 wurden vom Sachsenküstenkastell 200 m des Süd- und des Westwalles, sieben seiner Türme, der Wehrgraben, der innere Erdwall und einige Abschnitte des Innenbereiches erforscht.

Die ältesten Funde aus der Region um Dover stammen aus der Bronzezeit. 1974 waren es bronzene Äxte, die wahrscheinlich aus Gallien stammen, 1992 fand man die Reste eines etwa 17 m langen antiken Bootes. Beide Funde sind im Dover-Museum zu besichtigen. Zum römischen Fundspektrum gehören u. a. zwei Altäre, eine Statue, zwei Steinköpfe, Gewandfibeln und eine große Anzahl römischer Schmucksteine. Auf einem von ihnen war eine Gladiatorenszene dargestellt. Des Weiteren kamen Keramikscherben aus dem 2. Jahrhundert (Samian Ware), ein Ring aus der St.-Martins-Kirche mit einer Pferdedarstellung und dem Namen Heraclides, sowie Münzen von der Zeit des Nerva (96–98) bis Konstantin I. (306–337) ans Tageslicht.

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