mini|300px|Blick von der Minneburg über Neckargerach miniatur|Blick auf Neckargerach, 1939 Neckargerach ist eine Gemeinde im Neckar-Odenwald-Kreis in Baden-Württemberg. Sie gehört zur europäischen Metropolregion Rhein-Neckar.

Geografie Geographische Lage Die Gemeinde ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und liegt direkt am Neckar und an der Burgenstraße zwischen Heidelberg und Heilbronn. Das Gemeindegebiet liegt im Naturpark Neckartal-Odenwald zwischen 129 und 380 Meter Höhe.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Neckargerach gehört die ehemalige Gemeinde Guttenbach. Zur ehemaligen Gemeinde Guttenbach gehört das auf der linken Neckarseite liegende Dorf Guttenbach. Zur Gemeinde Neckargerach in den Grenzen vom 30. Dezember 1972 gehören das Dorf Neckargerach, der rund zwei Kilometer nördlich davon liegende Weiler Lauerskreuz und die Häuser Läufertsmühle und Staustufe.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 304–306

Geschichte Neckargerach wurde im Jahr 976 erstmals als Geraha erwähnt, was eine gebräuchliche Bezeichnung für ein sprudelndes Gewässer war, und gleichermaßen den Ort als auch das ihn durchfließende Gewässer bezeichnete. Der Ort hieß über die Jahrhunderte Gerach, bis um 1700 zur Abgrenzung von Orten selben Namens die Bezeichnung Neckargerach üblich wurde. Der Bach Gerach wurde 1676 in Seebach umbenannt. Der Ort war eine Siedlung von Fischern und Schiffern.

1939 wurden 1499 Einwohner gezählt.Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 2: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordbaden Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof: Im Zweiten Weltkrieg gab es in Neckargerach ein Außenkommando des KZ Neckarelz, in dem 900 KZ-Häftlinge Zwangsarbeit beim Stollenbau in Obrigheim und bei der Herstellung von Flugzeugmotoren bei den Daimler-Benz-Werken verrichten mussten. Ab 1944 war Neckargerach Standort für ein von der SS so genanntes "Krankenlager", aus dem im November 120 Kranke nach Vaihingen an der Enz verlegt wurden. Das Lager selbst wurde im März 1945 "evakuiert". Der „Todesmarsch“ bis Waldenburg und von dort aus mit Güterwaggons ins KZ Dachau kostete circa 600 Häftlinge das Leben. Die Nichtgehfähigen kamen mit einem Güterzugtransport im April 1945 bis nach Osterburken, wo sie größtenteils lebend befreit wurden.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 64, ISBN 3-89331-208-0 Bei einem alliierten Luftangriff am 22. März 1945 auf den Bahndamm der Neckartalstrecke fielen hunderte von Bomben auf den kleinen Ort. Über 200 Einwohner starben, auch einige wenige Soldaten (Wachen) und KZ-Häftlinge. Ende 1945 wurden 1305 Einwohner gezählt.Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 2: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordbaden

Am 31. Dezember 1972 wurde Guttenbach eingemeindet.

Politik

Verwaltungsverband Der Gemeindeverwaltungsverband Neckargerach-Waldbrunn hat seinen Sitz in Neckargerach; zum Verband zählen außer Neckargerach die Gemeinden Binau, Waldbrunn und Zwingenberg.

mini|Rathaus von Neckargerach

Gemeinderat Der Gemeinderat in Neckargerach besteht aus den 12 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 51,26 6 48,4 6 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 26,00 3 35,6 4 FUB Freie unabhängige Bürger 22,63 3 16,0 2 gesamt 100,0 12 100,0 12 Wahlbeteiligung 70,47 % 67,7 %

Oberhäupter der Gemeinde

Schultheiße Neckargerach

1432 : Hensel Spieß 1541 : Peter Schifferdecker 1563 : Henrich Luzig Vor 1606 : Peter Heckherich 1628 : Melchior Seybolt 1707 : Johann Barthel Marsch 1716 : Primus Felzian Veith 1721–1774: Johannes Bodenburg 1782 : Andreas Rieb 1803 : Georg Carl Herrmann

Ortsvögte Neckargerach

1814 : Jakob Müller 1815 : Wendel Fath 1816 : Jakob Müller 1829 : Schifferdecker 1830 : Gröhl

Bürgermeister Neckargerach

1832–1839: David Plitt 1839–1844: Jakob Müller 1844–1848: Kieser 1848–1850: Anton Ulses 1850–1852: Kieser 1852–1864: Jakob Löffler, Schmiedemeister 1864–1882: Peter Ulses 1882–1888: Johannes Link 1888–1915: Ludwig Hornung 1915–1919: Johann Georg Steck, Metzger 1919–1924: Heinrich Gramlich 1924–1933: Carl Bödigheimer I 1933–1935: Rudolf Bödigheimer 1935–1937: Ludwig Menges 1937–1945: Christian Seemann, Elektromeister 1945–1965: Karl Wettmann, Landwirt 1965–1974: Peter Kirchesch sen. 1974–2006: Peter Kirchesch jun. 2006–2010: Ralf Schnörr seit 2010: Norman Link (gleichzeitig ehrenamtlicher Bürgermeister der Nachbargemeinde Zwingenberg)

Wappen Das Wappen zeigt eine springende, mit roten Punkten besetzte silberne Bachforelle auf blauem Grund. - Der Fisch weist auf die geografische Lage Neckargerachs an Seebach und Neckar sowie auf die Bedeutung der Fischerei hin.

Demographie Einwohnerentwicklung:

YearInhabitants19902,35220012,41420112,34020212,328

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Blick über Neckargerach zur Minneburg mini|Pfarrhaus und kath. Kirche St. Afra mini|Der Waldsee bei Neckargerach mini|Der in Neckargerach fließende Seebach hieß früher wie der Ort nur „Gerach“

Die Ruine der im 16. Jahrhundert zu ihrem heutigen Umfang erweiterten und seit dem 17. Jahrhundert zerfallenen Minneburg steht hoch über Neckargerach auf der anderen Neckarseite auf der Gemarkung Neckarkatzenbach und ist durch die Rechte ihrer Besitzer eng mit der Geschichte des Ortsteils Guttenbach verbunden. Durch die dominierende Lage ist die Minneburg ein Wahrzeichen von Neckargerach. Die katholische Kirche St. Afra befindet sich gemeinsam mit dem 1828 erneuerten Pfarrhaus auf einer Anhöhe im Ort. Die älteren Teile des Kirchengebäudes wurden 1848 anstelle einer älteren Kirche errichtet. 1970 wurde die Kirche um einen Erweiterungsbau und einen zweiten Turm erweitert. Der barocke Hochaltar stammt aus der 1839 abgerissenen Kapuzinerkirche Mannheim. Er wurde entworfen von Lorenzo Quaglio um 1760, trägt Statuen des Hl. Rochus und des Hl. Sebastian, geschaffen von Johann Matthäus van den Branden, sowie ein Altarblatt mit der Darstellung des Hl. Franz von Assisi, gemalt von Francesco Bernardini.Kirchenwebseite mit Fotos und Beschreibung des Altars in Neckargerach Die Evangelische Kirche wurde von 1729 bis 1734 errichtet. Nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude wiederhergestellt. Das Rathaus wurde 1925 an der Stelle eines Vorgängerbauwerks von 1513 errichtet, 1965 und 1980 ausgebaut und 2003/04 umfassend saniert. Beim Rathaus ist ein Kriegerdenkmal aufgestellt. Unweit des Rathauses befindet sich in der Hauptstraße außerdem das durch eine Tafel am Gebäude ausgewiesene Geburtshaus der Mutter von Friedrich Ebert. An der Stelle des ehemaligen Lagereingangs an der Straße Richtung Waldbrunn erinnert ein Gedenkstein an die KZ-Häftlinge des Außenlagers, die Opfer von Zwangsarbeit wurden.

Auch im Ortsteil Guttenbach gibt es weitere nennenswerte Gebäude, darunter das alte Rathaus, die katholische Kirche St. Urbanus (Guttenbach), eine weitere Kirche und die Staustufe Guttenbach.

Freizeit und Kultur mini|Die Margarethenschlucht Wanderwege führen u. a. durch die steile Margarethenschlucht, in der der Flursbach den Gickelberg durchschneidet und die bereits seit 1940 unter Naturschutz steht, sowie zum Waldsee außerhalb des Ortes und weiter zur Läufertsmühle. Das Neckarufer bietet die Möglichkeiten für Angelsport, Wassersport und Campingaufenthalt und ist durch die Uferpromenade und den Neckartalradweg erschlossen. Am Ortsausgang in Richtung Zwingenberg wurde ein „Boulodrome“ eingerichtet. Das Heimatmuseum informiert über Handwerk, Landwirtschaft, Haushalt und Schiffstechnik

Radwanderwege Entlang des Neckars und durch das Stadtgebiet führen folgende Radfernwege: Der Neckartal-Radweg verläuft über 410 Kilometer vom Neckarursprung in Villingen-Schwenningen entlang des Neckars bis zu dessen Mündung in den Rhein bei Mannheim. Der 225 km lange 3-Länder-Radweg führt als Rundweg durch das Dreiländereck von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Entlang von Mümling, Neckar und Main erkundet die Route den Odenwald. Der Burgenstraßen-Radweg verläuft über ca. 1.200 Kilometer parallel zur Touristenroute Burgenstraße zwischen Mannheim und Prag. Der Odenwald-Madonnen-Radweg führt durch den Odenwald, das Neckartal und die Rheinebene. Er beginnt in Tauberbischofsheim und führt über Walldürn, Mudau, Mosbach und Heidelberg nach Speyer.

Verkehr Die Gemeinde liegt direkt an der Bundesstraße 37, eine Neckarbrücke führt in den Ortsteil Guttenbach. Neckargerach liegt an der Neckartalbahn Heidelberg–Bad Friedrichshall, die seit 2003 von der S-Bahn RheinNeckar halbstündlich bedient wird. Daneben gibt es Busverbindungen nach Mosbach/Eberbach.

Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Neckargerach über Obrigheim mit Mosbach und in der anderen Richtung über Zwingenberg mit Eberbach verbunden. Touristische Routen sind unter Radwanderwege aufgeführt.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Karl Wild (1866–1926), Historiker und Hochschullehrer Eugen Leibfried (1897–1978), Politiker (CDU), ehemaliger Landwirtschaftsminister Baden-Württembergs

Literatur

Weblinks

Neckargerach LEO-BW, Landeskunde entdecken online Neckargerach Schonwald Seebachtal bei Neckargerach Die Margaretenschlucht - naturnahe Romantik im Odenwald

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Neckar-Odenwald-Kreis Kategorie:Ersterwähnung 976 Kategorie:Ort am Neckar Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Baden-Württemberg