Die Japanische Invasion Javas (Operation „J“) fand vom 1. bis zum 10. März 1942 im Rahmen des Pazifikkriegs in Südostasien statt und führte zum Fall der kompletten kolonialen Besitzungen der Niederländer in diesem Raum.

Vorgeschichte Am 11. Januar 1942 hatte das Kaiserreich Japan den Niederlanden den Krieg erklärt. Die Einnahme von Palembang und die Besetzung Südsumatras zerstörte die letzte Hoffnung der Alliierten, Java adäquat verteidigen zu können. Die Invasion wurde innerhalb kürzester Zeit erwartet und die zivilen Flüchtlingsströme aus Surabaya und Batavia wurden immer größer. In Tanjung Priok, dem Hafen von Batavia, trafen sie auf die aus Sumatra und Singapur übersetzenden Soldaten, Piloten und Überlebenden. Als Folge waren die Kais und umliegenden Straßen übersät mit den ausgeladenen Rüstungsgegenständen und anderen Gütern und oftmals vollständig blockiert. Die Stadt war schnell mit den neu angekommenen Soldaten und Flüchtlingen überfüllt. Dazu kamen die niederländischen Truppen, die sich auf die Verteidigung der Insel vorbereiteten. Allein zwischen dem 12. und 18. Februar 1942 trafen rund 12.000 geflüchtete Angehörige der Air Force ein. Diejenigen, die zusammen mit vielen Zivilisten aus Singapur auf Schiffe gelangt waren, hatten heftige japanische Luftangriffe hinter sich und ihre komplette Ausrüstung zurücklassen müssen. Meist waren die einzelnen Einheiten vollständig auseinandergetrieben worden. Auch die aus Sumatra Eingetroffenen hatten die Flugfelder bei Palembang überstürzt verlassen müssen und kaum Ausrüstung dabei, als sie in Oosthaven die Schiffe bestiegen.

Zusätzlich war allerdings eine beträchtliche Anzahl an Flugzeugen auf den Flugfeldern in West-Java eingetroffen. Die Zeit war aber viel zu kurz, um das Bodenpersonal wieder neu aufzustellen. Die Jäger und Bomber wurden eilig nach Typen in Schwadronen zusammengestellt und auf Flugfeldern in Tjililitan bei Batavia, Semplak bei Buitenzorg und in Tjikampek und Kalidjati nördlich von Bandung stationiert. Zusätzlich wurden eiligst zwei Radarstationen im Raum Batavia errichtet, Flugabwehrgeschütze aufgestellt und provisorische Einsatzleitstände eingerichtet. Trotz der neu eingetroffenen Maschinen, von denen nur etwa ein Drittel einsatzfähig war, lag die Überlegenheit der Japaner bei 10:1.

Nachdem das ABDACOM am 22. Februar aufgelöst worden war, kam Winston Churchill mit Sir Archibald Wavell zu der gemeinsamen Überzeugung, dass Java nicht kampflos an die Japaner fallen sollte. Trotzdem legten die Briten ihr Hauptaugenmerk auf die Nachschublieferungen für Burma und Indien. Das Hauptkommando zur Verteidigung Javas ging auf die Niederländer über. Churchill sandte Vize-Luftmarschall Sir P. C. Maltby, der sich auf Java befand, am Folgetag die Botschaft:

Die Hauptaufgabe Maltbys war, die Luftverteidigung so lange aufrechtzuerhalten, wie das Material ausreichte, und alles dafür zu tun, um möglichst viele Soldaten und Personal nach Ceylon oder Australien zu evakuieren.

Stationierte Einheiten Insgesamt standen für die Verteidigung Javas 25.000 Angehörige der KNIL zur Verfügung. Sie waren unterteilt in vier Infanterieregimenter, von denen jedes aus drei Bataillonen mit Artillerie, Hilfs- und Garnisonstruppen bestand. Die einzigen vertrauenswürdigen einheimischen Truppen waren aus ambonesischen und menadonesischen (Nord-Celebes) Soldaten zusammengestellt, die schon über die letzten Jahrzehnte den Niederländern loyal zur Seite gestanden waren. Da die Nachschublieferungen aus den Niederlanden seit deren Niederlage 1940 gegen Hitler abgerissen waren und die Alliierten fast ausschließlich die jeweils eigenen Einheiten versorgten, verfügte die KNIL kaum über Panzer und gepanzerte Wagen und andere moderne Waffen. Zu den regulären Einheiten kamen noch rund 40.000 Soldaten der Heimatgarde von relativ fragwürdigem Wert. Obwohl mit Gewehren und Tommy Guns ausgerüstet, waren sie sehr schlecht ausgebildet und hatten kaum Erfahrung in taktischen Fragen.

mini|Glen Martin Bomber der ML-KNIL auf dem Flugfeld Andir bei Bandung

Das erste australische Korps, das aus dem Mittleren Osten zurückkam, war zur Stationierung auf Java vorgesehen. Es sollte über Oosthaven auf Sumatra Ende Februar eintreffen, konnte dann aber seine teilweise Einsatzbereitschaft frühestens Mitte März und die volle Kampfstärke sogar erst im April erreichen.

Auch britische Einheiten waren auf Java vertreten. Sie verfügten über 25 leichte Panzer und fünf Luftabwehrregimenter, von denen zwei keinerlei Waffen besaßen. Insgesamt befanden sich etwa 3.500 britische Soldaten und 2.500 indische Bedienstete auf Java.

Die US-Amerikaner hatten nur eine kleinere Einheit auf Java stationiert. Sie bestand aus den 750 Männern des 2. Artilleriebataillons des 131. Feldartillerieregiments der texanischen Nationalgarde. Sie waren am 11. Januar in Surabaya eingetroffen. Dazu kamen einige geflüchtete B-17 Bomber von den Philippinen, die mit weiteren Piloten und Kopiloten, sowie Bodenpersonal besetzt waren.

Die Versuche, die Luftverteidigung der Insel durch Verlegung von Jagdflugzeugen aus Australien zu verstärken, waren weitgehend erfolglos. So scheiterten mehrere Überführungsflüge durch schlechtes Wetter oder japanische Gegenmaßnahmen (vgl. Luftangriff auf Darwin) und am 27. Februar wurde der Seeflugzeugträger Langley mit 32 Curtiss P-40 an Bord von japanischen Flugzeugen versenkt.The Army Air Forces in World War II, Band I. S. 384ff.

Operation „J“ Zur Besetzung Javas teilten die Japaner ihre Kräfte in eine West- und Osteinsatzgruppe, die beide unter dem Oberkommando von Vizeadmiral Takahashi Ibō standen, der auf seinem Flaggschiff, dem schweren Kreuzer Ashigara, nach Süden lief. Am 19. Februar verließ die 48. Division in 41 Transportern Jolo in den Südphilippinen und setzte Kurs nach Süden. Sie wurden von dem leichten Kreuzer Naka und sechs Zerstörern unter Konteradmiral Shōji Nishimura begleitet. Nachdem sie am 23. Februar in Balikpapan die 56. Regimentsgruppe aufgenommen hatten, stieß am Ende der Makassarstraße eine weitere Begleitgruppe zu ihnen, die aus zwei schweren Kreuzern und der 2. Zerstörerflottille bestand. Unter dem Kommando von Konteradmiral Takeo Takagi setzte diese Begleitgruppe sich an die Spitze des Konvois Richtung Ostjava.

Der Westkonvoi stach am 18. Februar von der Cam Ranh Bay in Indochina in See. Auf 56 Transportern befanden sich das Hauptquartier der 2. Division der 16. Japanischen Armee direkt von den japanischen Hauptinseln und das 230. Infanterieregiment der 38. Division aus Hongkong. Als Begleitgruppe diente die 5. Zerstörerflottille, die am 26. Februar um die 7. Kreuzerschwadron, die 3. Zerstörerflottille und einem leichten Flugzeugträger unter Konteradmiral Takeo Kurita ergänzt wurde.

Um alliierten Schiffen aus dem Indischen Ozean ein Eingreifen unmöglich zu machen, lag eine Deckungsflotte unter Vizeadmiral Nobutake Kondo am südlichen Ausgang der Lombokstraße. Sie bestand aus vier Flugzeugträgern und vier Schlachtschiffen, die in den Folgetagen dreizehn alliierte Transporter bei Tjilatjap versenkten, die Weihnachtsinsel, eine britische Besitzung etwa 480 Kilometer südwestlich von Java, beschossen und dann wieder zur Staring Bay auf Celebes zum Auftanken zurückkehrte. Zusammen mit den zwei Schlachtschiffen, vier Flugzeugträgern, zwei schweren Kreuzern und einer großen Anzahl an Zerstörern der Kidō Butai unter Vizeadmiral Chuichi Nagumo setzte sie am 25. Februar Kurs auf den Indischen Ozean, um die alliierte Fluchtroute südlich von Java zu kontrollieren.

Nur einige Tage nach dem Fall Palembangs trafen am 20. Februar Berichte über eine 90 Schiffe große Flotte vor Jolo im Hauptquartier auf Java ein. Als weiterer Sammelpunkt für eine Invasionsflotte wurde Muntok auf Bangka vor Sumatra angegeben. Vier Tage später verdichteten sich die Anzeichen zur Gewissheit, als eine große Transporterflotte mit Eskortierung in der Malakkastraße auf Südkurs gemeldet wurde. Ihr Eintreffen wurde für den Abend des 27. Februar berechnet und als Invasionsorte vermuteten die Alliierten in Westjava die Buchten westlich von Batavia bis zur Sundastraße und in Ostjava die Strände nördlich von Surabaya. Eine Landung in Mitteljava wurde zwar als möglich erachtet, jedoch weitestgehend ausgeschlossen. Auf diesen Annahmen beruhte auch der niederländische Verteidigungsplan für die Insel. Die verfügbaren Bomber sollten die Transporter der Japaner möglichst weit auf See angreifen. Eine zusammengestellte maritime Eingreifflotte, bestehend aus den ehemaligen Schiffen der ABDA-Flotte, war zum Angriff auf die Konvois bei ihrem Eintreffen vor der Küste vorgesehen. Der Hauptteil der Einsatzkräfte auf der Insel war im Westen konzentriert. Dort hauptsächlich zur Verteidigung des wichtigen Hafens von Batavia und dem Parlamentssitz in Bandung. Nur ein paar kleinere Einheiten waren in Mitteljava stationiert, während in Ostjava ein besonderes Augenmerk auf die Verteidigung des Militärhafens von Surabaya gelegt wurde. Die relativ untrainierte Heimatgarde war an strategisch wichtigen Punkten zu deren Verteidigung postiert worden. Sollten die Japaner nach ihrer Landung nicht an den Stränden aufgehalten werden können, waren Rückzugslinien vorbereitet worden, die durch zur Sprengung vorbereitete Brücken vor einem schnellen Vordringen der Japaner geschützt waren. Dies waren die Brücken im Osten auf der Straße von Surabaya nach Malang und im Westen die beiden Straßen, die nach Batavia und von dort nach Bandung führen, wo der abschließende Verteidigungskampf stattfinden sollte.

Die Briten konzentrierten ihre Einheiten um die Flugfelder, da ihr größtes noch verfügbares Kontingent in den von Sumatra geflohenen Kampfflugzeugen bestand. Nur das 77. Schwere Flugabwehrregiment wurde zur Verteidigung von Batavia abkommandiert. Zwei australische Bataillone und ein eiligst zusammengestelltes drittes Bataillon bildeten zusammen mit einer Schwadron der 3rd Hussars, einer australischen Pioniergruppe und einer britischen Meldesektion, eine mobile Eingreifgruppe unter dem Kommando von Brigadier A. S. Blackburn; die sogenannte „Blackforce“. Später kamen noch eine amerikanische Feldartillerieeinheit und 450 eiligst als Infanteristen trainierte RAF-Bedienstete dazu. Die Eingreifgruppe war am 28. Februar im Raum Badung einsatzbereit. General Hein ter Poorten versetzte sie aber kurz darauf nach Buitenzorg, damit sie dort die Kautschukplantagen verteidigen sollten. So kamen sie unter das Oberkommando von Generalmajor Wijbrandus Schilling, dem Kommandierenden der Westjava Einheiten.

Die Seegefechte vor Java Am 25. Februar gelang es den Zerstörern des Admiral Nishimura eine kleine Einsatzgruppe auf Bawean, einer Insel rund 135 Kilometer nördlich vor Surabaya, zu landen. Sie errichteten dort eine Funkstation. Am selben Tag gegen 11:25 Uhr beorderte Admiral Helfrich alle verfügbaren Kreuzer und Zerstörer zur „Osteingreifflotte“ des Admiral Doorman nach Surabaya. Doorman stach mit drei Kreuzern und sieben Zerstörern noch am gleichen Abend in See, um die bei Bawean gemeldeten japanischen Schiffe abzufangen. Da er diese jedoch nicht entdecken konnte, kehrte die Flotte am nächsten Morgen nach Surabaya zurück. Nachdem zusätzlich der britische Kreuzer Exeter zu den Schiffen gestoßen war, wurde die Flotte in „Verbündete Eingreifflotte“ umbenannt.

Am Folgetag verdichtete sich durch weitere Aufklärungsberichte die Vermutung, dass sich eine japanische Invasionsflotte in der östlichen Javasee auf Süd-Südwestkurs befand. Dass die japanischen Transporter vor Muntok ebenfalls auf dem Weg nach Java waren, ließ sich aber noch nicht bestätigen. Das US-amerikanische U-Boot S-38 beschoss noch am selben Tag die neu errichtete japanische Funkstation auf Bawean.