Differdingen (, örtlich , ) ist eine Stadt sowie eine Gemeinde im Großherzogtum Luxemburg. Sie gehört zum Kanton Esch an der Alzette. Die Stadt liegt im Süden von Luxemburg im Dreiländereck mit Belgien und Frankreich. Differdingen ist nach den Städten Luxemburg und Esch an der Alzette die drittgrößte Gemeinde des Landes und hat wie Esch einen Ausländeranteil von über 50 Prozent.

Bekannt ist die Stadt vor allem für ihre Stahlindustrie – Differdinger ist in der Bauwirtschaft ein Synonym für mittlere Stahlträger.

Zusammensetzung der Gemeinde Die Gemeinde besteht aus den Ortschaften: +deutscher Nameluxemburgischer Namefranzösischer Name Differdingen Déifferdeng Differdange Niederkorn Nidderkuer Niederkorn Oberkorn Uewerkuer Oberkorn Lasauvage Zowaasch Lasauvage

Das Lieu-dit Fond-de-Gras gehört zum Teil zur Gemeinde Differdingen, der andere Teil zur Gemeinde Petingen.

Geschichte links|mini|Differdange mini|Stahlwerk Differdingen mini|hochkant|Kirche von Differdingen während des Abrisses 2013

Im Jahr 1794 beging die französische Revolutionsarmee in Differdingen Gräueltaten und schlachtete viele unbewaffnete Zivilisten ab, bevor sie die Stadt plünderte und niederbrannte. Das Franzosenkreuz wurde an der Stelle des Massakers zur Erinnerung errichtet.

Mit der Entdeckung von Eisenerzvorkommen und der damit einhergehenden Eisen- und Stahlindustrie begann für Differdingen und die gesamte Region in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der industrielle Aufschwung. Anfangs in Bergwerken und später im Tagebau wurde die Minette abgebaut und in den Hüttenwerken verarbeitet. Mit den neu entstandenen Arbeitsplätzen stieg die Einwohnerzahl der Gemeinde rasant an. Anfangs kamen die Arbeiter aus Luxemburg (vor allem aus dem Ösling), doch bereits nach kurzer Zeit musste man auf Arbeitskräfte aus dem Ausland zurückgreifen. Diese kamen zu Beginn aus den Nachbarländern, später hauptsächlich aus Portugal und Italien.

Während des Zweiten Weltkriegs tauchten zeitweise bis zu 122 Luxemburger Zwangsrekrutierte mit Unterstützung der Bevölkerung in der Galerie Hondsbësch unter, um sich der völkerrechtswidrig eingeführten deutschen Wehrpflicht zu entziehen.André Hohengarten: Die Zwangsrekrutierung der Luxemburger zur Wehrmacht und das SS-Sonderlager/KZ Hinzert, pdf, Hinzert 2006

Nach der Stahlkrise der 1970er Jahre wurde die Produktion zurückgefahren und viele Arbeiter mussten entlassen werden. Obwohl sich die Lage in den letzten Jahren gebessert hat, haben die Minette-Gemeinden bis heute an den Folgen der Krise zu leiden.

In Differdingen befindet sich ein ehemaliges Hochofenwerk der HADIRAkronym für: Hauts-fourneaux et aciéries de Differdange, St-Ingbert, Rumelange., dann seit 1967 der ARBED. Hier werden auch die weltweit bekannten Greyträger gewalzt. Heute wird es von der ArcelorMittal als Elektrostahlwerk betrieben.

Als Differdinger werden Stahlträger mit mittlerem Profil (IPE-Formstahlträger) bezeichnet.

Generalstreik vom 31. August 1942

Jedes Jahr gedenken die Beschäftigten der ProfilARBED der Arbeitskollegen, die infolge des Streiks vom 31. August 1942 am 2. September desselben Jahres von den Nazis standrechtlich erschossen wurden, indem eine Zeremonie vor der Gedenktafel abgehalten wird. Im Musée national de la résistance in Esch sind die damaligen Geschehnisse dokumentiert.Gréve générale de 1942: commémoration à Schifflange et Differdange. En souvernir des camarades de travail fusillés par l'occupant nazi. Tageblatt. Zeitung fir Lëtzebuerg, 24./25. August 2002.

Kirche von Differdingen Die Kirche Notre Dame de douleurs wurde 1954 errichtet und 1955 geweiht. Die Kirchenorgel wurde von der Uergelmanufaktur Georg Westenfelder gebaut.

Am 18. Juni 2010 wurde der Zugang zum Kirchengebäude wegen Baufälligkeit verboten. Die Großbaustellen auf beiden Seiten der Kirche hatten die Fundamente der Kirche derart beschädigt,Luxemburger Wort, 10. November 2012 : „So sah es aus in der Differdinger Pfarrkirche, die nun abgerissen wird“ dass der Abriss 2012 beschlossen und teilweise durchgeführt wurde. Am 6. November 2013 beschloss der Gemeinderat einstimmig den vollständigen Abriss des verbliebenen Gebäudeteiles und schlug außerdem vor, einen Spielplatz auf dem freigewordenen Platz und eine Kapelle dort, wo zuletzt der Kirchturm gestanden hatte, zu errichten.

Bevölkerungsentwicklung

Politik Gemeinderat Die Gemeinde Differdingen wird von einer Koalition der sozialistischen LSAP und der christlich-konservativen CSV regiert.

Zur Kommunalwahl im Juni 2023 traten neun Parteilisten an, wovon sechs den Einzug in den Gemeinderat schafften.

Bürgermeister mini|Gemeindehaus in Differdingen -1858: Brasseur 1859- : Charles Schambourg 1906–1912: Jean Conzemius 1912–1935: Émile Mark 1935–1938: Jean-Baptiste Scharlé 1938–1963: Pierre Gansen 1964–1968: Jean Gallion 1969–1979: Joseph Haupert 1979–1993: Nicolas Eickmann 1994–2001: Marcel Blau 2002–2013: Claude Meisch 2014–2019: Roberto Traversini 2019– : Christiane Brassel-Rausch

Bildungseinrichtung mini|Schloss Differdingen Seit 1968 ist im Schloss Differdingen eine Zweigstelle der Miami University untergebracht.

Am 26. Dezember 2021 wurde das erste Planetarium in Luxemburg im Wissenschaftsmuseum von Differdingen in Betrieb genommen.Glenn Schwaller: Erstes Planetarium in Luxemburg eröffnet In: Luxemburger Wort, 23. Dezember 2021, abgerufen am 29. Dezember 2021

Verkehrsanbindung mini|rechts|Gleise des Bahnhofs Differdingen Differdingen besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Luxemburg–Bettemburg Grenze. Von hier verkehren regelmäßig Regionalzüge in und aus Richtung der Hauptstadt Luxemburg, die etwa 15 Kilometer nordöstlich von Differdingen liegt.

Im Straßenverkehr ist die Stadt an die Autoroute 13 angeschlossen. Über diese sind Luxemburg-Stadt und dahinter die deutsche Grenze erreichbar.

Sehenswürdigkeiten

Kirche St. Joseph im Ortsteil Fousbann Gasmaschine Nr. 11 Differdingen

Fond-de-Gras

Fond-de-Gras ist eine stillgelegte Eisenerzumladestation und gehört heute zum kulturellen Inventar Luxemburgs. Die ehemaligen Gleisstrecken und Eisenbahnbauten werden heute von den Museumsbahnen „Train 1900“ und „Minièresbunn“ genutzt. Zu sehen gibt es außerdem eine ehemalige Generatorenhalle aus Hollerich, eine alte Walzstraße sowie einen historischen Krämerladen.

Giele Botter

Der Giele Botter („Gelbe Butter“) ist ein ehemaliges Tagebaugebiet, auf dem zwischen 1960 und 1977 Eisenerz abgebaut wurde. Seit 1991 bildet das gesamte Gebiet um den stillgelegten Tagebau ein Naturschutzgebiet, die sog. Réserve Naturelle Prënzebierg.

Städtepartnerschaften Ahlen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland Chaves, Portugal Fiuminata, Marken, Italien Longwy, Frankreich Oxford (Ohio), USA Penzberg, Bayern, Deutschland

Persönlichkeiten Nicholas Muller (1836–1917), amerikanischer Politiker Nicolas Bommertz (1901–1980), Fußballspieler Émile Kolb (1902–1967), Fußballspieler Antoine Bommertz (1904–1989), Fußballspieler Pierre Bommertz (1906–1973), Fußballspieler Mathias Logelin (1907–1999), Kunstturner Fritz Eichler (1911–1991), Kunsthistoriker, Maler, Regisseur und Produktdesigner Fernand Ciatti (1912–1989), Boxer Ady Claude (1913–1942), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, lebte hier ab 1928 Peter Engel (1915–nach 1961), deutscher Politiker Gustave Kemp (1917–1948), Fußballspieler Marcelle Lentz-Cornette (1927–2008), Politikerin Erwin Müller (1931–2014), Politiker Paul Katow (1949–2008), Autor Mary Cristy (* 1952), Sängerin Léa Linster (* 1955), Köchin Georges Hausemer (1957–2018), Schriftsteller und Übersetzer Jean-Claude Hollerich (* 1958), römisch-katholischer Erzbischof und Kardinal Hubert Meunier (* 1959), Fußballspieler Jean Portante (* 1959), Schriftsteller, Übersetzer, Autor und Journalist Georges Engel (* 1968), Politiker Mike Feyder (* 1975), Basketballspieler und -trainer Louis Linster (* 1990), Koch und Gastronom

800px|mini|zentriert|Differdange und Oberkorn

Weblinks

Website der Gemeinde Differdingen Harmonie Municipale Differdange Train 1900 Miami University

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Luxemburg Kategorie:Stadt in Luxemburg