mini|300px|Eines der Grindelhochhäuser mit dem Bezirksamt Eimsbüttel, in dem immer noch Paternoster in Betrieb sind

Der Bezirk Eimsbüttel () ist einer von sieben Bezirken der Freien und Hansestadt Hamburg. Er beherbergt die Universität Hamburg, das Universitätsviertel im Stadtteil Rotherbaum. Eimsbüttel gilt als bedeutender Standort der deutschen Medien- und Kreativwirtschaft. Im Stadtteil Rotherbaum liegt das ehemalige und heutige jüdische Viertel Hamburgs am Grindel östlich der Grindelallee. Der gleichnamige Stadtteil Eimsbüttel ist Teil des Bezirks.

Allgemein Der Bezirk Eimsbüttel hat rund eine Viertelmillion Einwohner und ist in 9 Stadtteile gegliedert: Eimsbüttel, Rotherbaum, Harvestehude, Hoheluft-West, Lokstedt, Niendorf, Schnelsen, Eidelstedt und Stellingen.

Der Südosten des Bezirks ist dicht bebaut mit mehrstöckigen Altbauten in baumbestandenen Straßen. In den alsternahen Gebieten der Stadtteile Rotherbaum und Harvestehude befinden sich großbürgerliche Villenviertel. Die Stadtteile Hoheluft-West und Eimsbüttel sind innenstadtnahe Gründerzeitviertel; ihre Bevölkerungsdichte ist die höchste in Hamburg. Im Nordwesten schließen sich die Stadtteile Stellingen und Lokstedt mit lockerer Vorstadtbebauung an, die in die weiten, von Grünflächen unterbrochenen Einfamilienhausgebiete von Eidelstedt, Schnelsen und Niendorf übergeht.

Um einer starken Aufwertung des Wohnungsangebotes und der damit einhergehenden Verdrängung der angestammten Anwohner (Gentrifizierung) entgegenzuwirken, gilt seit 2014 für einen Teil des Stadtteils Eimsbüttel südlich der Fruchtallee und Schäferkampsallee eine Erhaltungssatzung nach BauGB (Soziale Erhaltungsverordnung Eimsbüttel-Süd). Von 1995 bis 2003 hatte bereits eine Soziale Erhaltungsverordnung für Eimsbüttel-Nord/Hoheluft-West gegolten.Hamburgische Bürgerschaft, Drucksache 21/49 vom 13. März 2015: Schriftliche Kleine Anfrage der Abgeordneten Birgit Stöver (CDU) vom 06.03.15 und Antwort des Senats, abgerufen am 14. September 2015 (online; PDF, 28 kB).

Geografische Lage Der Bezirk wird im Osten durch die Alster, im Süden und Südwesten durch den Straßenzug An der Verbindungsbahn – Schröderstiftstraße – Kleiner Schäferkamp – Altonaer Straße und weiter durch die Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn und den weiteren Streckenverlauf der Bahnstrecken Richtung Norden begrenzt. Im Nordosten grenzt das Gelände des Flughafens Hamburg Airport an den Stadtteil Niendorf. Im Nordwesten ist die Landesgrenze zu Schleswig-Holstein gleichzeitig die Grenze des Bezirks.

Geschichte Am 21. September 1949 beschloss die Hamburgische Bürgerschaft das Gesetz über die Bezirksverwaltung in der Freien und Hansestadt Hamburg, das am 11. Mai 1951 in Kraft trat. Der Bezirk Eimsbüttel wurde zusammen mit den anderen sechs Hamburger Bezirken eingerichtet und nach dem Stadtteil Eimsbüttel benannt. Teile des Bezirks gehörten früher zu Schleswig-Holsteiner Landgemeinden und zur ehemals selbstständigen Stadt Altona. Dadurch gibt es im Gegensatz zu den früheren preußischen Großstädten Altona, Wandsbek und Harburg keine einheitliche Vorgeschichte des Bezirks. Die unterschiedlichen geschichtlichen Wurzeln sind vielmehr bei den den Bezirk bildenden Stadtteilen zu suchen.

Der namensgebende Stadtteil Hamburg-Eimsbüttel wurde zwar schon 1275 erstmals erwähnt, aber erst im Jahre 1894 zusammen mit weiteren Vororten nach Hamburg eingemeindet. Andere Stadtteile kamen im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes von 1937 zu Hamburg. Die Stadtteile Stellingen und Eidelstedt (ehemaliger Ortsamtsbereich Stellingen) waren zuvor Vororte von Altona/Elbe. Lokstedt, Niendorf und Schnelsen (ehemaliger Ortsamtsbereich Lokstedt) bildeten seit 1927 die vergrößerte Gemeinde Lokstedt im Kreis Pinneberg.

Politik Bezirksversammlung

Vorsitzender der Bezirksversammlung Eimsbüttel ist Falk Schmidt-Tobler (Grüne)https://sitzungsdienst-eimsbuettel.hamburg.de/bi/kp020.asp?KPLFDNR=1000066.

Von 2010 bis 2016 war der Sozialdemokrat Torsten Sevecke Bezirksamtsleiter. Er wurde am 25. Februar 2010 mit 47 von 50 Stimmen als Kandidat des rot-grünen Bündnisses in Eimsbüttel gewählt. Im Dezember 2015 wurde er von der Eimsbütteler Bezirksversammlung für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt. Im Juni 2016 gab Sevecke seinen Rücktritt als Bezirksamtsleiter zum Oktober 2016 bekannt. Er wechselte in die Senatsdirektion für die Bereiche Luftfahrt und Hafen.

Im Dezember 2016 wurde der Sozialdemokrat und bisherige Baudezernent des Bezirks Kay Gätgens mit 27 von 50 Stimmen der Bezirksversammlung zum neuen Bezirksamtsleiter gewählt. Seit Januar 2023 wird das Bezirksamt Eimsbüttel geschäftsführend von Sonja Böseler (parteilos) geleitet.

Bürgerschaft Für die Wahl zur Bürgerschaft und der Bezirksversammlung im Jahre 2008 wurde der Bezirk Eimsbüttel in drei Wahlkreise eingeteilt. Bei den entsprechenden Wahlkreisen kann man nachlesen, welche Stadtteile genau abgebildet werden und welche Kandidaten als Abgeordnete die Stadtteile vertreten: Wahlkreis Rotherbaum – Harvestehude – Eimsbüttel-Ost Wahlkreis Stellingen – Eimsbüttel-West Wahlkreis Lokstedt – Niendorf – Schnelsen

Bundestag Der Bezirk Eimsbüttel bildet zusammen mit dem Stadtteil Sternschanze im Bezirk Altona den Wahlkreis 020 für den Deutschen Bundestag. Als Direktkandidaten zum Deutschen Bundestag wurden für alle Wahlperioden bis zur Bundestagswahl 2009 seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland immer die Kandidaten der SPD gewählt. 2009 gewann erstmals der Direktkandidat der CDU. Dies ist durch einen in den Medien bekannt gewordenen innerparteilichen Streit der SPD zu erklären. Der damalige Direktkandidat Niels Annen unterlag bei der Kandidatenaufstellung der SPD mit einer Stimme seinem Herausforderer Danial Ilkhanipour.Spiegel Online: Niels Annen verliert sein Direktmandat, 15. November 2008 Die Gegenkandidatur wurde erst sehr zeitnah zur Abstimmung bekannt gegeben, als Ilkhanipour sich seiner Mehrheit an Wahlmännern sicher war. Ilkhanipour unterlag bei der Wahl zum Bundestag dem CDU-Kandidaten Rüdiger Kruse.

Nachdem sich Niels Annen in einer von der SPD Eimsbüttel durchgeführten Mitgliederbefragung durchgesetzt hatte, wurde er am 12. Dezember 2012 für die Bundestagswahl 2013 mit einer Zustimmung von rund 96 % der Delegierten nominiert.Niels Annen nun auch offiziell Bundestagskandidat in Eimsbüttel. spdeimsbuettel.de, 12. Dezember 2012 Bei der Bundestagswahl gewann er den Wahlkreis mit 37,5 % der Stimmen und konnte den Wahlkreis bei der Bundestagswahl 2017 verteidigen.

Bei der Bundestagswahl am 26. September 2021 konnte sich erstmals ein Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen als Direktkandidat durchsetzen. Der ehemalige Hamburger Justizsenator (2015–2020) Till Steffen gewann den Wahlkreis 020 Hamburg-Eimsbüttel mit 29,8 % der Stimmen und zog damit direkt in den Bundestag ein. Der bisherige Wahlkreisabgeordnete Niels Annen sicherte sich über die SPD-Landesliste sein Bundestagsmandat.

Wappen Das Wappen des Bezirks Eimsbüttel ist hell-dunkel geviert und zeigt im vorderen Obereck den sechseckigen Turm (Wasserturm) aus dem Sternschanzenpark, im hinteren Obereck eine achteckige Kirche, die Kirche am Markt. Der Schildfuß ist mit einem Elefantenkopf belegt, dieser ist einer Figur am früheren Portal von Hagenbecks Tierpark nachempfunden. Das Wappen wurde 2003 als Ergebnis eines Wettbewerbs angenommen und hat keine Farben. Seit dem 1. März 2008 gehören der Sternschanzenpark und mit ihm der Wasserturm nicht mehr zum Bezirk Eimsbüttel, sondern zum Bezirk Altona; die Gestaltung des Wappens wurde deshalb nicht geändert.

Kultur, Sehenswürdigkeiten und Kulturdenkmäler Theater mini|Hamburger Kammerspiele 2004

Bekanntestes Theater im Eimsbütteler Stadtteil Rotherbaum sind die 1918 als Theater des Jüdischen Kulturbundes gegründeten, 1941 von den Nazis geschlossenen und 1945 von Ida Ehre wieder eröffneten Hamburger Kammerspiele an der Hartungstraße.

Im Kerngebiet Eimsbüttels am Hellkamp 68 existierte bis zum Jahr 2014 das freie, unsubventionierte Theater N.N. Nach der Schließung des Theaters, wird das Theater als Probebühne vom Schmidt Tivoli verwendet.

An der U-Bahn Hoheluftbrücke im Stadtteil Hoheluft-West spielt das Theater Zeppelin am Kaiser-Friedrich-Ufer 27, direkt gegenüber auf dem Isebekkanal das HoheLuftschiff, ein Jugend- und Kindertheater auf einem ehemaligen Lastkahn.

Die „Volksspielbühne Hüsung (Heimat) von 1911“ ist Hamburgs zweitältester Theaterverein. Er spielt dreimal pro Jahr jeweils sieben Aufführungen im Hamburg-Haus in Eimsbüttel.

Programmkino mini|Abaton-Kino

Das Abaton-Kino ist ein Kino am Salvador-Allende-Platz am Grindel im Univiertel. Es wurde 1970 in einem als Polizei-Garage genutzten Gebäude von Werner Grassmann und Winfried Fedder eröffnet und gilt nach dem Cinema im Ostertor in Bremen als eines der ersten Programmkinos in Deutschland. Der FilmRaum in der Müggenkampstraße ist mit 35–40 Sitzplätzen Hamburgs kleinstes Programmkino und das SchanzenKino 73 ist das weltweit erste Kopfhörerkino, bei dem Besucher die Sprachversion des Films individuell wählen können.

Museen und Sammlungen Im Bezirk Eimsbüttel befinden sich mehrere Museen:

mini|Museum am Rothenbaum

Das Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt in der Rothenbaumchaussee 64, Rotherbaum, zeigt völkerkundliche Sammlungen der Welt. Es will die Vielfalt kultureller Möglichkeiten des Menschen darstellen. Die Schausammlungen sind nach Erdteilen geordnet. Das Museum versteht sich selbst als Symbol für die Weltoffenheit Hamburgs und hat sich Motto „Ein Dach für alle Kulturen“ gegeben, nach dem auch eine Dauerausstellung benannt ist. Ein Teehaus, ein kleiner Nachbau des berühmtesten chinesischen Teehauses Hu Xin Ting („Garten am Wasser“), befindet sich auf der Rückseite des Gebäudes.

Im Zoologischen und Botanischen Museum der Universität Hamburg am Martin-Luther-King-Platz 3, Rotherbaum, begrüßt am Eingang die ehemalige NDR-Walross-Dame Antje die Besucher. Das Zoologische Museum Hamburg ist eines der bedeutendsten naturwissenschaftlichen Forschungsmuseen Deutschlands. Es genießt hohes nationales und internationales Ansehen bezüglich seines Sammlungsbestandes und seiner Forschungsleistungen. Herzstück des Museums ist die Sammlung, die ca. zehn Millionen zoologische Objekte umfasst und somit die viertgrößte ihrer Art in Deutschland darstellt.

Das Mineralogische Museum Hamburg in der Grindelallee 48, Rotherbaum wirkt eher wie eine Kunstgalerie. Kristalle, Edelsteine, Erze und Meteoriten sind mit Beleuchtungseffekten ausgestattet. Das jüngste Ausstellungsstück ist eine 700 Gramm schwere, ungewöhnlich große Scheibe eines Steinmeteoriten aus Australien.

Die Zirkus- und Varieté-Archivsammlung der Gesellschaft der Circusfreunde e. V. – Reinhard Tetzlaff befindet sich im Nienkamp 25 in Niendorf.

Bauwerke mini|hochkant|Curiohaus in Rotherbaum mini|hochkant|Hauptkirche St. Nikolai

Im Bezirk befinden sich einige bedeutende Bauwerke. Hier einige Beispiele, sofern sie nicht schon in anderen Teilen dieses Artikels genannt sind: Der Architekt Ferdinand Streb schuf von 1946 bis 1951 in Eimsbüttel bedeutende Gebäude wie die Grindelhochhäuser in Harvestehude (1946 von den Briten ursprünglich für Besatzungsbeamte gebaut), 1950/1951 das Gebäude der Iduna-Germania-Versicherung, Alte Rabenstr. 1, 1951 das Appartementhaus Heimhuder Str. 65–67 und 1952 das Haus des Sports, Schäferkampsallee 1. Die Wassertürme in Lokstedt und Stellingen wurden in den Jahren 1910/12 nach dem Entwurf der Hamburger Zivilingenieure Ludwig und Hermann Mannes erbaut. Das Curiohaus in der Rothenbaumchaussee 15 wurde 1908–1911 vom Architekten Johann Emil Schaudt für die Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens errichtet und nach dem Gründer dieser Gesellschaft, Curio, benannt. Es ist heute noch Eigentum und Sitz des Landesverbands Hamburg der GEW. Das ehemalige Postamt 13 und Fernsprechamt Schlüterstraße nahm 1908 seinen Betrieb auf. ()