Der Flughafen Bremen (Eigenbezeichnung seit 2017 Bremen Airport Hans Koschnick, ) ist der internationale Verkehrsflughafen der Freien Hansestadt Bremen. Er befindet sich in der Bremer Neustadt an der Flughafenallee (mit einem kleinen Teil der Landebahn auf dem Gebiet der Gemeinde Stuhr). In Deutschland lag der Flughafen 2025 nach Anzahl der Passagiere auf Platz 16.
Betreibergesellschaft ist die Flughafen Bremen GmbH. Deren alleiniger Gesellschafter ist die Freie Hansestadt Bremen.Handelsregister, Entnommen dem Gesellschafterbeschluss vom 23. März 2022, abgerufen am 24. Februar 2023.
Geschichte mini|Altes Logo Beginn miniatur|Erste Flugzeuge auf dem Neuenlander Feld um 1910 Im Jahr 1909 gründete sich der noch heute existierende und am Flughafen Bremen aktive Bremer Verein für Luft(schiff)fahrt. Er versuchte von Beginn an, in Bremen einen Luftschiffhafen zu bauen. Der Senat der Hansestadt unterstützte dieses Vorhaben und beauftragte den Norddeutschen Lloyd und den Bremer Verein für Luftfahrt, die Planung eines Luftschiffhafens auf dem Bremer Werder zu übernehmen. Im Mai 1910 wurde ein Antrag des Ingenieurs Walter Schudeisky dem Senator Clemens Carl Buff zum Bau vorgelegt; Schudeisky wollte auf dem Exerzierplatz Neuenlander Feld Flugversuche durchführen. Sowohl der Senat als auch das Garnisonskommando stimmten zu, und so wurden im Sommer 1910 drei Schuppen zur Unterbringung des Fluggerätes gebaut. Von Beginn an gab es Beschwerden von Anliegern über den Fluglärm und vereinzelte Bruchlandungen in den Äckern der Bauern. Dies führte zu einem kurzzeitigen Flugverbot. Bereits 1912 begann der inzwischen umbenannte Bremer Verein für Luftfahrt Rundflüge anzubieten und erhielt am 16. Mai 1913 die Genehmigung, einen Flugstützpunkt auf dem Neuenlander Feld einzurichten. Der Flughafen hatte hier eine Größe von fast einem halben Quadratkilometer. Während des Ersten Weltkrieges gab es auf dem Flughafen keine Flüge. Nach Kriegsende beschloss der Bremer Senat 1919 die Errichtung eines Flughafens.
Kommerzieller Flugbetrieb Am 18. Juli 1920 führte die niederländische KLM den ersten internationalen Flug über Bremen durch. Am 15. September 1921 entstand die Bremer Flughafenbetriebsgesellschaft, deren 75.000 Mark Stammkapital und 25.000 Mark Betriebskapital nicht von der Stadt Bremen kamen, sondern von Bremer Persönlichkeiten und ortsansässigen Firmen, wie beispielsweise A.G. Weser, Norddeutscher Lloyd, Bremer Bank, Deutsche Bank, Kaiserbrauerei Beck & Co. und dem Bremer Verein für Luftfahrt. Später schloss der Senat der Freien Hansestadt Bremen einen Betriebsüberlassungsvertrag ab und steuerte weitere 1,2 Millionen Reichsmark bei. Somit war es möglich, dass die Lloyd Luftfahrtdienst GmbH, eine Tochter des Norddeutschen Lloyd, bereits 1920 Flüge von Bremen nach Berlin, Dortmund und Wangerooge anbieten konnte. Eng verknüpft mit dem Flughafen war auch der Flugzeugbau. Noch während des Verbotes des Flugzeugbaus durch den Versailler Vertrag begannen Henrich Focke, sein Bruder Wilhelm und Georg Wulf damit, Flugzeuge im Keller des Focke-Museums zu bauen und ab 1921 auf dem Flughafengelände zu testen. Am 24. Oktober 1923 gründeten beide die „Bremer Flugzeugbau AG“, die spätere „Focke-Wulf-Flugzeugbau AG“.
Ab 1925 entstand auf den Plänen des neuen hauptamtlichen Geschäftsführers des Flughafens, dem ehemaligen Konteradmiral der Kaiserlichen Marine Hans Gygas, die Halle A mit 2400 m². Bis 1933 blieb er Direktor des Flughafens Bremen und wurde durch Cornelius Edzard ersetzt. Im Januar 1934 wurde die Linie 5 der Straßenbahn Bremen zum Flughafen verlängert, im selben Jahr wurde ein neues Flughafenverwaltungsgebäude erbaut.Ausbau des Bremischen Flughafens, Bremer Zeitung vom 14. Juli 1934
Auf Grund des immer höheren Gewichtes von Flugzeugen und schnelleren Start- und Landegeschwindigkeiten wurde 1937 ein System von befestigten Start- und Landebahnen errichtet. Insgesamt wurden vier Betonbahnen angelegt, von denen die längste 600 Meter lang und 52 Meter breit war. Die Bahnen kreuzten sich sternförmig und ermöglichten so, den Flugbetrieb bei verschiedenen Windrichtungen aufrechtzuerhalten. Zusammen mit den Rollwegen, der Nachtflugbefeuerung und der Lorenzbake entstand so der damals modernste Flughafen Deutschlands, von der Presse Luftbahnhof Bremen getauft. Außerdem wurde 1937 die Flugzeughalle E auf dem inzwischen fast einem Quadratkilometer großen Gelände fertiggestellt. Der zweigeschossige Zweckbau vereinte Wetterwarte, Verwaltung, Zoll- und Post-Büros mit den Abfertigungsschaltern und einem Restaurant.
Fliegerhorst Im Jahr 1939 brach der zivile Luftverkehr in Bremen mit Beginn des Zweiten Weltkrieges komplett ein. Die Luftwaffe errichtete ab August 1939 eine Fliegerhorstkommandantur. Der Fliegerhorst Bremen-Neuenlanderfeld, so der damalige Name, war aber nur kurzzeitig mit aktiven fliegenden Verbänden belegt. So lag hier die I./KG 40 (I. Gruppe des Kampfgeschwaders 40) von November 1939 bis April 1940. Von März bis Mai 1940 flog die Aufkl.St. z. b. V. Bremen von hier aus ihre Einsätze und als letztes war die I./JG 27 (I. Gruppe des Jagdgeschwaders 27) hier im Juni/Juli 1940 stationiert.Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–1945 Germany (1937 Borders), ww2.dk, S. 87–88, abgerufen am 11. September 2014 Danach diente der Flughafen als Werksflughafen für die Focke-Wulf-Flugwerft. Er war häufig Ziel von alliierten Bombenangriffen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg miniatur|Der Bremer Flughafen 1946 Bremen wurde nach dem Krieg Teil der amerikanischen Besatzungszone. Die US Army übernahm diesen Flugplatz. Nach Durchführung erster Instandsetzungsarbeiten nutzte sie ihn zusammen mit dem Focke-Wulf-Werksgelände bis März 1948 als Army-Air Force-Base. Hauptsächlich flogen militärische Transportmaschinen Bremen an. Mit Unterstützung durch das US-Militär konnte am 27. Januar 1949 der Verkehrsflughafen Bremen wieder öffnen.
Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde die Ost-West-Startbahn (heute 09/27) auf 1300 Meter in Richtung Osten verlängert, wenig später noch einmal auf 2034 Meter. Neue funktechnische Anlagen wurden installiert, die selbst bei schlechtem Wetter den Flugbetrieb aufrechterhalten sollten. Dies ermöglichte die Nutzung des Flughafens auch für internationale Ziele.
Innerdeutsch flog die skandinavische SAS einige Strecken pro Woche. Für heimkehrende US-Soldaten wurden von Bremen aus Flüge nach New York angeboten, ebenso stand Rio de Janeiro Anfang der 1950er Jahre auf dem Flugplan. Obwohl die Lufthansa 1955 wieder fliegen durfte, nahm sie Bremen erst am 2. Januar 1957 in ihren Flugplan auf; allerdings errichtete die Lufthansa bereits am 1. Mai 1956 die Verkehrsfliegerschule Bremen am Flughafen. Später zog die Schule in ein neues Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Flughafen um und das alte Gebäude mit direktem Anschluss an das Vorfeld wurde der Flugsicherung überlassen. Heute firmiert die Verkehrsfliegerschule unter dem Namen Lufthansa Flight Training. Von 1965 bis 1974 entstand ein neues Flughafengebäude nach Plänen von Hermann Brede.
Nach dem Unfall beim BEA-Flug 609 auf dem Flughafen München-Riem mussten auf den Flughäfen die Sicherheitsräume hinter den Start- und Landebahnen vergrößert werden. Dies führte dazu, dass in Bremen nur noch 1740 Meter beim Start und 1909 Meter bei der Landung aus Richtung Westen respektive 2034 Meter und 1740 Meter aus Richtung Osten genutzt werden durften. Daraus resultierten immer häufiger kurzfristige Flugstreichungen, da ein sicherer Start auf der verkürzten Strecke nur noch bei optimalen Wetterbedingungen gewährleistet war.
Ausbau In den 1960er und 1970er Jahren gab es verschiedene Bestrebungen, den Flughafen umzubauen bzw. auszubauen. Wegen der Stadtnähe und der Lärmproblematik definierte der Bremer Senat den Airport 1973 als Flughafen für Kurz- und Mittelstreckenflüge. Durch die Lage der Ochtum im Westen und neue Bebauung im Osten gab es Einschränkungen im Entwicklungspotenzial des Flughafens. Planungen für eine zweite, parallele Landebahn scheiterten an Anwohnerprotesten. Als die Kapazitätsprobleme zunahmen, versuchte Bremen um 1973 erfolglos, die anderen Küstenstädte sowie das Land Niedersachsen von der Notwendigkeit eines Großflughafens zu überzeugen. Stattdessen wurde der Beschluss gefasst, für Baukosten in Höhe von 23 Millionen Mark die Ochtum zu verlegen. Anfang 1982 begann hierfür das Planfeststellungsverfahren, nachdem Bürgermeister Hans Koschnick den Bewohnern des benachbarten Huchting zugestanden hatte, dass die vorhandene Start- und Landebahn nicht verlängert, sondern nur die vorhandene Länge von 2034 Meter durch Verlegung der Ochtum nutzbar gemacht wird. Planungen für eine zweite Piste parallel neben der ersten wurden ebenfalls aufgegeben. Der Bau einer geplanten Autobahn und einer Güterumgehungsbahn in dem Gebiet zwischen Flughafen und Huchting erfolgten nicht. Stattdessen wurde hier der Park links der Weser angelegt.
Mitte der 1970er Jahre starteten ab Bremen auch Urlauberflüge. Im Jahr 1979 wurden die Anlagen des Instrumentenlandesystems (ILS) erweitert. Am 13. Januar 1983 gründeten Bremer Kaufleute den Interessenverband Förderverein Bremer Flughafen. 1987 beantragte der Flugzeughersteller Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), heute Teil von Airbus, die Verlängerung der Startbahn, um den Transport von Airbus-Tragflächen mit der Super Guppy zu ermöglichen. Im Jahr 1988 nahm Bremens Senat diesen Antrag endgültig an und die Startbahn wurde beidseitig um je 300 auf insgesamt 2634 Meter betonierte Strecke verlängert. Am 25. Januar 1989 wurde ein Vertrag zwischen der Stadt Bremen, der Gemeinde Stuhr und der Betreibergesellschaft des Flughafens abgeschlossen, in dem festgelegt wird, dass die Verlängerungen an beiden Enden der bestehenden Startbahn nur in Ausnahmefällen genutzt werden dürfen. Da immer nur eine der Verlängerungen für einen solchen Start genutzt werden darf, stehen maximal 2340 Meter für einen Start zur Verfügung, für sämtliche Landungen dürfen maximal 2034 Meter genutzt werden. Ein weiterer Gerichtsbeschluss vom März 2004 legt fest, dass ein bestimmter Anwohner darüber informiert werden muss, wenn die Verlängerung der Startbahn genutzt werden soll. Für den Ausbau der Landebahn musste u. a. die Ochtum umgeleitet werden sowie ein dort ansässiger Kanusportverein einen neuen Standort bekommen.
mini|Avro RJ85 der Lufthansa CityLine
Im Jahr 1989 wurden am Flughafen Bremen mehr als eine Million Passagiere abgefertigt und es entstand der Ausbauplan Flughafen 2000. Für umgerechnet 199,4 Millionen Euro wurden nahezu sämtliche bisherigen Anlagen abgerissen und an deren Stelle von 1991 bis 1998 ein neues, dreiteiliges Terminalgebäude nach Plänen von Gert Schulze sowie zwei Parkhäuser und Verwaltungsgebäude errichtet. Die Flughafenfeuerwehr erhielt einen neuen, zentraler gelegenen Standort. Die Verkehrsführung um den Flughafen wurde entsprechend neugestaltet.
In der Nachbarschaft siedelten sich Dienstleistungsunternehmen an, die als Airport-Stadt ein eigenes Gewerbegebiet ausmachen. Der Ausbau der Airport-Stadt wird in mehreren Etappen bedarfsabhängig durchgeführt und ist bis heute noch nicht abgeschlossen.
21. Jahrhundert mini|Abfertigungsgebäude mit den fünf Fluggastbrücken mini|Das Gebäude des Area Control Centers Bremen der Deutschen Flugsicherung (DFS) mit dem Flughafentower auf dem Dach mini|Das Parkhaus am Flughafen Bremen mini|Startbahn während der Reparaturarbeiten (6. bis 12. August 2012)
Während der Luftfahrtkrise 2001, durch die Terroranschläge am 11. September 2001 noch verstärkt, gingen am Flughafen Bremen erstmals die Passagierzahlen zurück; insbesondere der Charterbereich war betroffen, da die TUI ihre Aktivitäten zunehmend auf Hannover konzentrierte. Im Jahr 2006 sank die Zahl der Flüge mit 40.419 auf den niedrigsten Wert seit 1988, das Passagieraufkommen lag bei 1,7 Millionen Fluggästen.