mini|Konfrontation sowjetischer und US-amerikanischer Panzer am 27. Oktober 1961 am Checkpoint Charlie
Die Geschichte von Panzern und deren Bedeutung beim Militär im 20. Jahrhundert wurde maßgeblich von den Weltkriegen und den Rüstungsbestrebungen in Friedens oder Zwischenkriegszeiten beeinflusst. Dieser Artikel behandelt den Zeitraum von etwa 1945 bis 1990. Die Vorkriegsgeschichte der Panzerentwicklungen findet sich in Panzer#Anfänge. Weiterentwicklungen und Kriegseinsätz werden in Panzer (Erster Weltkrieg) sowie in Panzer (1933–1945) erläutert. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wird weitgehend in Panzer des Kalten Krieges dargestellt. In Panzer#Bedeutung heute finden sich Informationen zur Entspannung der Rüstungenanstrengungen in den 1990er-Jahren. Im 21. Jahrhundert hat eine Neubewertungen zum Einsatz von Panzern eingesetzt, wobei in den 2020er-Jahren noch keine einheitlichen Konzepte erkennbar geworden sind.
Überblick zur Ausgangslage Der Zweite Weltkrieg wirkte sich unter dem Eindruck der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sowie der strategischen Anpassungen bald auch auf die Entwicklung der Panzer des sich anbahnenden Kalten Krieges aus. Die Tatsache, dass das Schlachtfeld aufgrund atomarer, biologischer und chemischer Waffen (ABC-Waffen) für niemanden mehr vollkommen sicher war, führte zu einigen Tendenzen, die nur wenige Jahre zuvor kaum absehbar waren. Der Umbruch in der Panzerentwicklung mündete zeitweise sogar in eine Grundsatzdiskussion über den Kampfwert von Panzern. Die Frage stellte sich nach den großen Panzerschlachten des Zweiten Weltkriegs eigentlich nicht mehr; man erkannte schnell, dass der Kampfpanzer auch auf einem veränderten Gefechtsfeld, wie es in den Szenarien der Kriegführung insbesondere in Mitteleuropa auftauchte, nichts von seiner Kampfkraft verloren hatte. Der Panzer bot zumindest den Vorteil, dass er als gepanzerte Einheit auch unter ABC-Bedingungen existieren und agieren konnte. Technische Entwicklungen verbesserten mit der Zeit dann auch Beweglichkeit, Panzerschutz und Feuerkraft.
In mehreren Konflikten, vor allem im Koreakrieg und im Nahen Osten, stellte der Panzer seinen Wert unter Beweis. Dort konnte er unter vergleichbaren Bedingungen wie im Zweiten Weltkrieg eingesetzt werden, während die Strategen in anderen Konflikten, vor allem im Vietnamkrieg oder während der zehnjährigen Besetzung Afghanistans hinnehmen mussten, dass neuartige Alternativen der Gefechtsführung, allen voran der Guerillakrieg sowie veränderte Umgebungsbedingungen wie der Dschungel, dem Panzer seine Überlegenheit im Konfliktfall streitig machten.
Wie schon im Zweiten Weltkrieg verlief die Entwicklung der Panzerwaffe je nach Land oder Region unterschiedlich, auch aufgrund geographischer Anforderungen.
Einsatzgrundsätze der Panzertruppen 450px|mini|Die NATO und der Warschauer Pakt im Kalten Krieg
Um zu verstehen, wie sich der moderne „Kampfpanzer“ entwickelte, muss man auf die unterschiedlichen Einsatzgrundsätze der beteiligten Staaten und Bündnisse des Kalten Krieges, also der NATO auf der einen und des Warschauer Pakts auf der anderen Seite, eingehen. Diese Einsatzgrundsätze veränderten sich seit dem Zweiten Weltkrieg teilweise massiv und stellten grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen von moderner Kriegführung dar.
Warschauer Pakt Den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges folgend entwickelten die Planer der Roten Armee die bewährte Doktrin der Operation in der Tiefe weiter. Entsprechend dieser Doktrin, die von allen Warschauer-Pakt-Staaten übernommen wurde, sollte der Angriff in drei Staffeln erfolgen. Die führende erste Staffel war die stärkste. Mit Kampfpanzern als Speerspitze sollten operative Einbrüche in die Tiefe hinter die Linien des Feindes erfolgen. Statt danach in die neu geschaffenen Flanken einzudrehen und die Frontlinie vollständig aufzurollen, sollte die erste Staffel nach erfolgtem Einbruch weiter in die Tiefe vorstoßen und den Durchbruch erzwingen. Dort sollten dann Führungs- und Versorgungseinrichtungen der gegnerischen Truppen vernichtet werden. Die Truppen der etwas schwächeren zweiten Staffel hatten die hauptsächliche Aufgabe, hinter der ersten Staffel das genommene Gelände zu sichern und Ausfälle der ersten Staffel zu ersetzen. Reine Unterstützungsaufgaben fielen danach der relativ schwächsten, der dritten Staffel zu. In den 1970er Jahren wurde ein Einsatzprinzip des Zweiten Weltkrieges wieder aufgegriffen. Damals bediente man sich für tiefe Vorstöße einer sogenannten „Beweglichen Gruppe“. Innerhalb des Gefechtes der verbundenen Waffen erhielt diese neue Gruppe den Namen „Operative Manövergruppe“ (OMG). Hauptkampfmittel war auch hier der Kampfpanzer. Zur weiteren Unterstützung gehörten zur OMG aber auch mechanisierte Infanterie und Panzerartillerie.
Grundprinzip dieser Einsatztaktik war, dass nur erfolgreiche Angriffe in ihrer Richtung weiterentwickelt und unterstützt werden sollten. Bei einem Angriff durch ein Regiment mit drei Bataillonen bedeutete dies, dass nur dasjenige Bataillon mit frischen Kräften unterstützt wurde, welches die Schwachstelle in der gegnerischen Defensive erhalten hatte, selbst wenn die anderen beide Angriffsbataillone im Angriffsstreifen liegen bleiben sollten.
Um diese Taktik erfolgreich umzusetzen, war es nötig, eine hohe Anzahl an Panzern in der jeweiligen Hauptkampfrichtung zu konzentrieren. Daher erwiesen sich eigentlich alle sowjetischen Panzer zu Beginn ihrer Serienreife als verhältnismäßig einfach, aber ausbaufähig. Ein weiterer Punkt war, dass sowjetische Panzer immer sehr hohe Reichweiten mit einer einzigen Tankfüllung erreichten. Der T-10 nahm hier beispielsweise mit nur 250 km Reichweite einen hinteren Platz ein.
NATO Im Gegensatz zum Warschauer Pakt bildeten bei der NATO massierte Konzentrationen von Panzertruppen ursprünglich nicht das strategische Rückgrat. Erst in den 1960er Jahren entwickelten die Planer der NATO die Einsatzgrundsätze, die heute noch gültig sind. Ziel der NATO-Planung war die Vernichtung schwerer angreifender sowjetischer Verbände in einer möglichst frühen Phase des Gefechts. Zu diesem Zweck wurden Eingreiftruppen gebildet. Innerhalb eines Korps konnte diese Aufgabe als „Feuerwehr an der Front“ ganzen Divisionen zufallen. Eine Aufstellung von Panzerarmeen oder Panzerkorps mit reinem Panzercharakter war nicht vorgesehen. Das bewegliche und führende Element in der taktischen und operativen Gefechtsführung durch Verteidigung sollten Kampfpanzer und Schützenpanzer sein, mit der Aufgabe, feindliche Panzerverbände zu vernichten. Infanterie und gepanzerte Reserveverbände (gekaderte Panzer- und Panzerjägerverbände) im zweiten Treffen sollte schließlich das Gelände sichern. Während dieser Operationen sollten Luftangriffsverbände die Aufgabe übernehmen, gezielt Schläge gegen Truppenansammlungen, Einrichtungen und Infrastruktur des Gegners in der Tiefe seines Raumes zu führen („Follow-on-Forces-Attack“; „Air-Land-Battle“). Erst wenn Panzer und Schützenpanzer die Spitzen der feindlichen Truppen vernichtet hatten, sollte ein Gegenangriff auch am Boden in die Tiefe getragen werden.
Andere Staaten Verschiedene Staaten nutzten eigene Entwicklungen und hatten wenig oder gar nichts mit dem Kalten Krieg zu tun, auch durch nicht vorhandene Kräfte und Mittel. Dennoch fügten sie sich in das Bild der Doktrin des Kalten Krieges ein oder beschritten ganz und gar eigene Wege. Als Beispiel seien hier die kriegführenden schwarzafrikanischen Staaten angebracht. Sie nutzten und nutzen Panzer auch durch das Gelände bedingt hauptsächlich als infanteristische Unterstützungselemente, hierbei vor allem Radpanzer. Sie dienen weniger dazu, kraftvolle Durchbrüche durch feindliche Fronten zu erzielen. Gerade in Zentral- und Südafrika ist der Guerillakrieg vorherrschend, wo der Panzer, wie später dargestellt kein probates Mittel darstellt.Christopher F. Foss, David Miller: Moderne Gefechtswaffen. Stocker Schmid Verlag, 3. Auflage, Zürich 1989, ISBN 3-7276-7092-4, S. 176–177.
Panzertruppen im Gefecht der verbundenen Waffen mini|links|Kampfpanzer und Schützenpanzer im Gefecht in Vietnam. Die Infanterie der Schützenpanzer ist bereits abgesessen.
Die technischen Entwicklungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts (Kraftfahrzeug, Flugzeug, Kampfpanzer) schufen neue, unbekannte taktische Möglichkeiten, die erst noch sinnvoll in das alte Konzept des Gefechts der verbundenen Waffen eingebunden werden mussten. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde durch die deutsche Wehrmachtführung und deren operative Denker, wie Heinz Guderian und Erich von Manstein, eine Gefechtsordnung entwickelt, die es ermöglichte, die neuen Waffengattungen gemeinsam operieren zu lassen. Dazu wurden den Infanteriedivisionen Fahrzeuge zugeführt, damit sie den schnell vorstoßenden Panzerkräften folgen und deren Durchbrüche erfolgreich nutzen konnten. Während des Krieges wurde diese Taktik immer weiter verbessert. Die ehemals als motorisierte Infanteriedivisionen bezeichneten Einheiten erhielten leicht gepanzerte Fahrzeuge, wie das Sd.Kfz. 250 und konnten so mit den schnelleren Panzern mühelos Schritt halten. Immer mehr wurde auch die Artillerie motorisiert und durch Selbstfahrlafetten aufgewertet. Grundsatz war, dass alle Waffengattungen im Gefecht effektiv zusammen wirken konnten. Gleichzeitig wurden den einzelnen Armeen oder Heeresgruppen starke Fliegerverbände zugeordnet. Das Schlachtflugzeug nahm einen wichtigen Platz ein. Es bot Nahunterstützung für angreifende Einheiten und konnte Nachschubwege des Feindes effektiv lahmlegen. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges war diese Taktik so weit ausgereift, dass nur noch technische Verbesserungen erfolgen konnten. Das Gefecht der verbundenen Waffen wird heute von jeder Armee trainiert und entwickelt. Natürlich sind die Schützenpanzer weiterentwickelt worden, ebenso die Kampfpanzer. Nahunterstützungsaufgaben mittels Luftangriffen übernimmt heute meist der Hubschrauber.
Kleinster Verband, der das Gefecht der verbundenen Kräfte führt, ist das Bataillon als Gefechtsverband, dem durch gegenseitige Unterstellung mit anderen Kampftruppenverbänden und Unterstellungen Kräfte zur Unterstützung zugeführt werden.
Kleinster Großverband der mit eigenen Mitteln, also ohne Zuführung von Verstärkungen, das Gefecht der verbundenen Waffen führen kann, ist bei den meisten Armeen die Brigade. Sie verfügt in ihrem Truppenrahmen über Artillerie, Panzer und motorisierte Infanterie. Fliegerkräfte kann sie nach Erkenntnissen über die Gefechtslage über die Division anfordern, der meist Sorties vom Korps für den CAS zugeteilt werden. Zusätzlich unterstellte Truppen wie Heeresflugabwehrverbände verstärken die Brigade.
Beim US-amerikanischen Heer ist die kleinste Einheit für diese Aufgabe das Armored Cavalry Regiment (deutsch: Gepanzertes Kavallerieregiment). Derzeit gibt es zwei Regimenter, die diese Aufgabe erfüllen können. Ziel ist es hier, einen sehr kleinen Verband zu haben, der eigenständig als Speerspitze einer Brigade oder Division fungieren kann und nicht von der Division oder Brigade zu unterstellenden Einheiten abhängig ist. Die sowjetische Operative Manövergruppe ist damit nicht zu vergleichen, denn hier kann es sich um Brigaden und Divisionen handeln.Christopher F. Foss, David Miller: Moderne Gefechtswaffen. Stocker Schmid Verlag, 3. Auflage, Zürich 1989, ISBN 3-7276-7092-4, S. 182–190.
Kampfpanzer Sowjetunion T-34