mini|Werkstättenflügel von Südwesten (2024) Das Bauhausgebäude Dessau, kurz Bauhaus Dessau, ist das ehemalige Schulgebäude des Staatlichen Bauhauses in Dessau. Es wurde 1925 von Walter Gropius entworfen und von 1925 bis 1926 für das zuvor in Weimar befindliche Bauhaus sowie für die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Dessau errichtet. Ebenso wie in den in unmittelbarer Nähe gelegenen und gleichzeitig geplanten und errichteten Meisterhäusern konnte das Bauhaus mit diesen Neubauten seine architektonischen und künstlerischen Vorstellungen programmatisch verwirklichen. Das Gebäude gilt als wegweisend für die Entwicklung der modernen Architektur und ist eines der bekanntesten Beispiele moderner Architektur der Zwischenkriegszeit. mini|hochkant|Der markante Bauhaus-Schriftzug

Das Gebäude wurde vom Bauhaus bis 1932 genutzt, als dieses auf Veranlassung der Nationalsozialisten geschlossen wurde und anschließend nur noch ein Jahr als Privatinstitut in Berlin existierte. Das Gebäude wurde nach der Schließung, nachdem es erst Pläne für dessen Abriss gegeben hatte, unter anderem als Amtsleiterschule für den Gau Magdeburg genutzt und brannte im Zweiten Weltkrieg teilweise aus. Ab 1975 wurde das bis dahin stark umgebaute und als Berufsfachschule genutzte Gebäude weitgehend in den Erbauungszustand zurückversetzt und später u. a. vom Amt für industrielle Formgestaltung genutzt. 1996 und 2006 erfolgten weitere Restaurierungen und Instandsetzungen. Heute ist es als Baudenkmal zu besichtigen und beherbergt die Räumlichkeiten der Stiftung Bauhaus Dessau, deren Zweck in der Bewahrung und Vermittlung des Erbes des Bauhauses besonders in Dessau besteht und die auch Besitzerin des Gebäudes ist. Teile des Gebäudes werden zudem von der Hochschule Anhalt genutzt.

Seit 1996 sind das Gebäude und die Meisterhäuser Teil des UNESCO-Weltkulturerbe „Das Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau“. Zu dem Welterbe gehören zudem das Musterhaus Am Horn in Weimar, das Schulgebäude des Bauhauses in Weimar und seit 2017 die Laubenganghäuser Dessau-Törten sowie die ADGB-Bundesschule in Bernau bei Berlin.

Beschreibung mini|Schematischer Plan der Gesamtanlage, Norden ist etwa links

Gesamtanlage Das Bauhausgebäude Dessau befindet sich auf zwei rechteckigen Grundstücken an der östlichen Seite der Gropiusallee (früher Friedrichsallee). Die Grundstücke sind durch die Bauhausstraße (früher Leopoldsdank) getrennt, die orthogonal von der Gropiusallee abgeht.

Der Gebäudekomplex bildet im Grundriss eine komplexe geometrische Figur, die als „Flügelrad mit drei hakenförmigen Flügeln“ beschrieben wurde, aus vereinfacht betrachtet fünf, allesamt quaderförmigen, mit Flachdächern versehenen Gebäudeteilen (vergleiche mit dem Plan): der Werkstättenflügel (3) mit der markanten Glas-Vorhangfassade im Südwesten, der Flügel der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule (5), später Technische Lehranstalten, im Norden, der Atelierbau (1) im Osten, einem Zwischentrakt (2) mit Aula, Bühne und Mensa zwischen Atelierbau und Werkstättentrakt, sowie dem Verwaltungstrakt (4) als Brücke zwischen Werkstättenflügel und Flügel der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule.

Der Werkstättenflügel ist ein flachgestreckter, dreigeschossiger und unterkellerter Bau, dessen Langseite sich an der Gropiusallee befindet, von dieser jedoch zurückgesetzt ist. Seine Schmalseite im Norden ist ebenfalls, aber weniger von der dort befindlichen Bauhausstraße zurückgesetzt. Der Gebäudeflügel der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule ist ebenfalls ein flachgestreckter, dreigeschossiger und unterkellerter Bau, dessen Schmalseite im Osten mit geringem Abstand von der Gropiusallee zurückgesetzt ist und dessen Langseite sich ebenfalls etwas zurückgesetzt entlang der Bauhausstraße befindet. Die beiden Gebäudeteile sind mit einer Brücke, dem Verwaltungstrakt, verbunden, die am Werkstatttrakt an dessen nördlichen Teil der Westseite anschließt und an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule an dessen westlichen Teil der Südseite. Der zweigeschossige Verwaltungstrakt überspannt auf Pfeilern die Bauhausstraße und schließt im dritten und vierten Stockwerk an die benachbarten Baukörper an. Westlich vom Anschlusspunkt des Verwaltungstraktes an den Werkstatttrakt schließt die Schmalseite des flachgestreckten, zweigeschossigen Zwischentrakt an, dessen Langseite sich entlang der Bauhausstraße befindet. Er verbindet den bisherigen Komplex mit dem hochgestreckten, fünfgeschossigen und unterkellerten Atelierbau.

Gebäudeteile

Werkstättenflügel mini|Werkstättenflügel von Südosten (2014) Der dreigeschossige Werkstättenflügel ist besonders durch die vom Erdgeschoss bis dritten Stockwerk reichenden Glas-Vorhangfassaden charakterisiert, die sich an der West- und Nordfassade, sowie an der Ostfassade befinden. Die nordwestliche Vorhangfassade geht ohne Unterbrechung um die Ecke der beiden Fassaden (Nordwestecke) und schließt auch noch die Nordost- und Südwestecke mit ein. Die östliche Vorhangfassade schließt noch die südöstliche Ecke mit ein. Oben und unten werden die Vorhangfassaden durch weiße Putzbänder gegliedert. Nach oben bilden diese den Gebäudeabschluss in der Art einer Attika, nach unten bilden sie den Übergang zu dem zurückspringenden Kellergeschoss. Dieses ist versputzt und grau gestrichen und verfügt über regelmäßig angeordnete breite Fenster.

Besonders markant ist auch das Treppenhaus an der Südfassade mit den charakteristischen weißen Lettern, die das Wort „Bauhaus“ vor der grauen Putzfassade bilden. Die einzelnen Buchstaben sind durch Metallstäbe mit einigem Abstand von der Fassade angebracht. Drei breite Fenster gliedern das Treppenhaus, ebenso ein an der Südwestecke befindliches Vordach, was die ebenfalls rote Tür an der Westseite des Treppenhauses überdacht und den unteren Abschluss für den Schriftzug bildet. Zur Westseite ist das Treppenhaus nicht bündig mit der Vorhangfassade, sondern mit dem zurückspringenden Kellergeschoss, was ermöglicht, dass die Vorhangfassade sich hier, wie bereits oben erwähnt, noch um die Ecke zieht. mini|Kunstgewerbe- und Handwerkerschule von Südwesten (2014)

Flügel der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule war eine eigene Institution, die im Gebäudekomplex untergebracht wurde. Dessen Gebäudeteil ist ein flachergestreckter, dreigeschossiger Bau, der Fassaden weiß verputzt sind und durch schwarze Fensterbänder durchbrochen werden. Das leicht zurückspringende Kellergeschoss ist grau gestrichen und mit gleichmäßig angeordneten, breiten Fenstern versehen. Während die Fensterbänder an der Nordseite die gesamte Gebäudebreite einnehmen, bleibt bei den anderen Seiten jeweils der Teil, der schon von einer Seite belichtet wird, jeweils fensterlos. Besonders bemerkenswert ist, dass die Fensterbänder minimal aus der Fassade heraustreten, was zu einer plastischen Gliederung der sonst völlig glatten Fassade führt. mini|Atelierbau von Osten (2014)

Atelierbau

Im fünfgeschossigen und unterkellerten Atelierbau (auch „Prellerhaus“ nach dem gleichnamigen Ateliergebäude in Weimar genannt) waren 28 Wohnateliers für die Jungmeister und Studenten untergebracht. Es handelt sich um den einzigen hochgestreckten Gebäudeteil, was ihm eine besondere Markanz verleiht. Das Gebäude ist weiß verputzt und mit schwarzen Stahlfenstern versehen. Das leicht zurückspringende Kellergeschoss ist mit regelmäßig angeordneten breiten Fenstern versehen und grau gestrichen.

Die Ostfassade ist vierachsig und mit breiten Fenstern versehen. Im ersten bis fünften Stockwerk sind die einzelnen Fenster im rechten Drittel bodentief und dort mit Balkonen versehen. Die Brüstungen der Balkone bestehen aus gebogenen Hohlrohren aus Stahl. Die Nordfassade ist abgesehen von einem vertikalen Fensterband zum dahinter befindlichen Treppenhaus völlig fensterlos. Die Südfassade ist abgesehen von einer zentraler vertikalen Fensterachse ähnlich der Nordfassade fensterlos. Anders als an der Nordfassade befinden sich dort breite Balkone die um die Ecke herum sich noch bis an die Westfassade ziehen. Die Balkonbrüstungen sind ähnlich wie die Balkone im Osten gestaltet. mini|Zwischentrakt von Norden (2014)

Zwischentrakt In einem eingeschossigen Bau zwischen Werkstättentrakt und Atelierhaus befanden sich Aula, Bühne und Mensa des Bauhauses. Der flache Gebäudeteil ist horizontal in Sockelzone mit den Kellerfenster sowie Fensterzone und zwei weißen Putzflächen über und unter der Fensterzone gegliedert. Die Fensterzone besteht aus hochkanten Fensterformaten, zwischen denen sich grau angestrichene Putzflächen befinden. Vier horizontale Sprossen teilen die einzelnen Fenster, die an der Nordseite zehn Achsen bilden.

Verwaltungstrakt Der Nordflügel der Handwerkerschule und der Werkstättentrakt sind durch die zweigeschossige Brücke des Verwaltungstrakts verbunden. Diese war für Verwaltungsräume und das Baubüro von Gropius (später die Architekturabteilung des Bauhauses) gedacht. mini|Das rekonstruierte Direktorenzimmer von 1926 Innenräume Im Kontrast zum farblich streng gestalteten Äußeren, welches in weiß und grau gehalten ist und mit Silikatfarbe von Keimfarben und Kaseinfarbe gestrichen wurde, gab es im Inneren des Gebäudes eine komplexe Farbgestaltung nach Entwürfen von Hinnerk Scheper. Die Innenräume sind überwiegend mit Leimfarben gestrichen, in geringerem Maße kamen auch Öl- und Wachsfarbe zum Einsatz. Zur Akzentuierung einzelner Flächen und Bauteile wurden zudem besondere Anstrichmittel verwendet: polierte Hochglanzlacke, etwa bei den Stahlbetonbindern im Speisesaal; mit Bindemittel auf die Leimfarbe aufgebrachtes Metallpulver zur Erzielung der silbernen Decke in der Aula und etwa die Anreicherung der grauen Farbe für die Decke in Gropius Arbeitszimmer mit weißen Pigmenten.

Die Farbgebung differenziert zwischen Bauhaus und Kunstgewerbe- und Handwerkerschule. Während beim Bauhaus die Stahlbetonbinder ungefasst und die Decken farbig gefasst waren, sind bei der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule die Stahbetonbinder gefasst und die Decken nicht farbig gefasst. Jedes Geschoss bekam eine einheitliche Farbgebung. Das Hochparterre erhielt eine Farbgebung vor allem in Orange und Blau. Im ersten und zweiten Stockwerk sind überwiegend Primärfarben eingesetzt: Gelbes Ultramarin, Zinnoberrot und Kobaltblau.

Ausstattung mini|Lampen in der Aula nach Entwürfen von Max Krajewski vor der silber gefassten Decke (2005)Der Großteil der Möbel, Lampen und sonstigen Ausstattungsgegenstände wurden am Bauhaus selbst entworfen, es wurden jedoch auch einige Ausstattungsgegenstände, überwiegend aus dem Industriebedarf, extern erworben.

Leuchten Eine Vielzahl von verschiedenen Decken- und Tischleuchten war im Bauhaus vorzufinden. Zu den am meisten genutzten Deckenleuchten gehörten die Pendelleuchte mit zweizoniger Glaskugel von Marianne Brandt und die Deckenleuchte mit Zugvorrichtung von Marianne Brandt und Hans Przyrembel. Die Erstere ist eine kugelförmige Pendellampe, dessen untere Kugelhälfte mit Opalglas versehen ist, während die obere mit mattiertem Glas versehen ist. Die beiden Glasschalen sind miteinander verschweißt. Die Deckenleuchte mit Zugvorrichtung ist ein Tiefenstrahler zur Beleuchtung von Arbeitsplätzen aus einer Metallhalbschale und einem Metallgriff zur Höhenverstellung.