mini|Albrecht Becker, um 1930

Walter Albrecht Becker (* 14. November 1906 in Thale; † 22. April 2002 in Hamburg) war ein deutscher Szenenbildner.

Leben Der Sohn des Bäckermeisters Otto August Becker (1877–1961) und seiner Ehefrau Charlotte, geborene Grosse (1877–1952), besuchte 1913 bis 1921 die Schule und nahm 1921 bis 1924 eine kaufmännische Lehre in Quedlinburg, danach war er zweieinhalb Jahre am Technikum für Textil in Reutlingen tätig.

Im Herbst 1924 zog er nach Würzburg, wo er eine Dauerstellung als Schaufensterdekorateur in dem Modewarengeschäft „Rom und Wagner“ fand. 1926 besuchte er die Dekorationsschule in München. Anfang 1935 wurde er in Würzburg zusammen mit seinem älteren Freund, Joseph Friedrich Abert (1879–1959), dem Direktor des Würzburger Staatsarchives, wegen Vergehens gegen § 175 StGB festgenommen und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, die er in Nürnberg verbüßte. 1940 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger und fungierte seit Anfang 1941 als Funker an der Ostfront. Im Sommer 1942 wurde er am Arm verwundet. In dieser Zeit fing er an, sich zu tätowieren.

Während eines Genesungsurlaubs lernte er 1944 den angehenden Filmarchitekten Herbert Kirchhoff kennen, mit dem ihn fortan eine enge Freundschaft verband. Nach dem Krieg arbeitete Becker zunächst als Dolmetscher, dann als Zeichner. Als er im Frühjahr 1947 erfuhr, dass Kirchhoff im Filmgeschäft Fuß fassen konnte, wurde er dessen Assistent.

mini|hochkant|Grabstätte Albrecht Becker und Herbert Kirchhoff auf dem Friedhof Ohlsdorf Ab 1951 arbeitete Becker als gleichberechtigter Partner Kirchhoffs an zahlreichen Filmen mit, bevorzugt für die Real-Film und für Inszenierungen von Helmut Käutner. Zweimal eroberten sie als Anerkennung für ihre Leistungen einen Bundesfilmpreis. Erst ab 1960 war Becker zunehmend ohne Beteiligung Kirchhoffs tätig, meist für den NDR. Von den Spielfilmen abgesehen stattete er noch viele Industriefilme und Lehrfilme aus.

Nach dem Ende seiner aktiven Zeit als Filmarchitekt bildete er ab Mitte der achtziger Jahre im Studio Hamburg afrikanische Filmausstatter aus. Nach dem Tod seines Partners Kirchhoff 1988 vermachte er dessen Nachlass zusammen mit eigenem Material der Deutschen Kinemathek sowie dem Deutschen Filmmuseum.

Albrecht Becker verstarb 95-jährig und wurde neben Herbert Kirchhoff auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt. Die Grabstätte befindet sich im Planquadrat L 21 westlich der Oberstraße.

Trivia Becker ist darüber hinaus bekannt als früher Vertreter der Tätowierungs- und Fetischkultur. Im Laufe der Kriegsjahre entdeckte er die Tätowierkunst und brachte sich seither immer wieder Tattoos auf seinem Körper an, die sich in 50 Jahren derart ansammelten, dass sie fast seinen ganzen Körper bedeckten.

Gedenken In der Ausstellung des Imperial War Museum in London zum Holocaust wird der Verfolgung von Albrecht Becker und Joseph Friedrich Abert anhand einiger ausgestellter Dokumente als Beispiel für die Verfolgung Homosexueller im „Dritten Reich“ gedacht.

Rosa von Praunheim montierte ein Porträt über Becker aus Archivmaterial für seinen Dokumentarfilm Tote Schwule – Lebende Lesben, der 2008 auf der Berlinale Premiere feierte.

Filmografie

Darsteller 1996: Taste the sweat, Kurzfilm von Dominik Reding und Benjamin Reding

Auszeichnungen 1957: Filmband in Gold (Beste Architektur) für Der Hauptmann von Köpenick 1961: Filmband in Gold (Beste Architektur) für Das Glas Wasser

Literatur Hans-Michael Bock (HMB): Albrecht Becker – Filmarchitekt, in CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lg. 22 (1993) Andreas Sternweiler (Hrsg.): Fotos sind mein Leben: Albrecht Becker, erschienen 1993 in der Buch-Reihe Lebensgeschichten des Schwulen Museums in Berlin, im Verlag Rosa Winkel, ISBN 3-86149-017-X Christoph Winkler, Johanna von Rauch (Hrsg.): Tanzende Sterne und nasser Asphalt – die Filmarchitekten Herbert Kirchhoff und Albrecht Becker, erschienen 2001 im Verlag Dölling und Galitz, Hamburg, ISBN 3-935549-00-8

Weblinks

Quasimodo 7 (PDF; 456 kB) (mit drei Videointerviews in deutscher Sprache)

Einzelnachweise

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