mini|360px|Logo des Filmfestes Das Internationale Filmfest Emden-Norderney wurde 1990 gegründet und findet jährlich an acht Tagen im Mai und Juni in Emden und auf der ostfriesischen Insel Norderney statt. Veranstaltungsorte sind unter anderem das Neue Theater in Emden und das Kurtheater Norderney.
Programm Das Festival zeigt jedes Jahr über 100 Kurz- und Langfilme auf sieben Leinwänden. Der Programmschwerpunkt liegt bei aktuellen Kinoproduktionen aus dem nordwesteuropäischen Raum. Wegen seiner umfangreichen Reihe aktueller britischer Filme gilt das Internationale Filmfest Emden-Norderney seit 1993 als Förderer britischer Filmproduktionen in Deutschland. Neue Filme aus dem deutschsprachigen Raum, Regie- und Schauspielerporträts, Kurzfilme sowie ein Kinder- und Familienprogramm vervollständigen das Filmangebot. Ein großer Teil des Programms wird in deutscher Erstaufführung gezeigt, zahlreiche Filme werden für das Festival untertitelt. Daneben ergänzen Workshops, Filmgespräche, Talkrunden und Galaveranstaltungen zur Eröffnung und Preisverleihung das Programm.
Geschichte Eine Initiative des Emder Filmclubs führte 1990 zur Gründung des Internationalen Filmfestes unter der Leitung des damaligen Kinobetreibers Rolf Eckard.
Seither hat es sich etabliert. In elf verschiedenen Kategorien werden Preisgelder im Gesamtwert von 65.500 Euro verliehen. Alleinstellungsmerkmal des Festivals ist der „Emder Drehbuchpreis“, den eine Fachjury jährlich vergibt. Der „DGB-Filmpreis“ wird seit 1998 vergeben. Mit ihm werden Filme gewürdigt, die sich mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzen.
Bis 2006 war auch noch Aurich Festivalort und im Namen vertreten. 2007 entschied die Leitung, das Festival künftig nur noch in Emden und Norderney zu veranstalten. Seither trägt es den Namen Internationales Filmfest Emden-Norderney.
Jährlich zieht das Filmfest bis zu 25.000 Besucher an. Es gehöre damit zu den zehn publikumsstärksten Festivals in Deutschland, so der Chef der niedersächsischen Staatskanzlei und Aufsichtsratsvorsitzende der Filmförderungsgesellschaft Nordmedia, Jörg Mielke. 2020 fiel es wegen der COVID-19-Pandemie aus. Im Folgejahr fand es mit reduziertem Programm im Herbst statt.
2023 übernahm Edzard Wagenaar die Festivalleitung von Rolf Eckhard an der Seite der Geschäftsführerin Nora Dreyer.Internationales Filmfest Emden-Norderney mit neuer Doppelspitze. In: filmfest-emden.de, Pressemitteilung vom 18. November 2022. Im Sommer 2023 erhoben einige Mitarbeitende in einem Brief an den Aufsichtsrat schwerwiegende Kritik an Edzard Wagenaar, in dem ihm Vetternwirtschaft, fehlende Absprachen sowie ein herrischer, respektloser Ton vorgeworfen wurde. Wagenaar habe eine „toxische Arbeitsatmosphäre“ geschaffen, heißt es in dem von 15 Personen unterzeichneten Schreiben. Im Dezember 2023 wurde diese Kritik öffentlich. Vorangegangen waren Gespräche mit dem Aufsichtsrat, die aus Sicht des Aufsichtsrates für Klärung sorgten, aus Sicht der Mitarbeitenden jedoch ohne Ergebnis blieben.Schwere Vorwürfe gegen Emder Filmfest-Leiter und Aufsichtsrat. In: oz-online.de, 21. Dezember 2023. Der Aufsichtsrat schnitt die Kompetenzfelder von Wagenaar und Dreyer neu zu.Persönliche Erklärung der Aufsichtsratsvorsitzenden und des Stellvertreters der Filmfest Emden gGmbH. In: filmfest-emden.de, 22. Dezember 2023. In Folge kündigte Dreyer im Dezember 2023 zum Sommer 2024 ohne Angabe von Gründen. Der Aufsichtsrat leitete eine Untersuchung ein, die zu dem Schluss kam, dass sich „die in dem Brief formulierten Vorwürfe gegen Herrn Wagenaar und sein Verhalten im Filmfest 2023 im Wesentlichen nicht in Gänze erhärten ließen.“ Wagenaar betonte, dass er „ernsthaft daran arbeiten“ werde, die interne Kommunikation mit dem Team zu verbessern. Das Gremium beschloss daraufhin noch im Dezember, dass er Leiter des Filmfestes bleiben solle. Aus dem Kreis der Verfasser des offenen Briefes hieß es, dass dies „vielleicht auch daran liegen“ könne, „dass Sie nur drei von 15 Personen angehört haben“.
Im Januar 2024 sicherte der DGB dem Filmfest auch künftig Unterstützung zu und die Stadtratsfraktionen von CDU und SPD stützten die Entscheidung des Aufsichtsrates. Laut einer Pressemitteilung der neuen kommissarischen Geschäftsführerin, VHS-Leiterin Birgit Momberger haben bis Februar 2024 „Alle großen Förderer und Preisgeber“ (…) „inzwischen die Zusage gegeben, ihre Unterstützung auch 2024 aufrechtzuerhalten“.
2024 weihte Ehrenbürger Otto Waalkes das Festspielhaus am Wall als künftige Hauptspielstätte in Emden ein. Dessen Saal bietet Platz für 582 Gäste.
Filmpreise Bei den Filmwettbewerben entscheidet in der Regel das Publikum über die Gewinner. Der (2005 als Volkswagen-Drehbuchpreis begründete) Emder Drehbuchpreis wird durch eine in enger Zusammenarbeit mit dem Grimme-Institut berufene Fachjury vergeben.
Bernhard-Wicki-Preis Dotierung: 15.000 Euro 1995: Peter Chelsom (UK) – Funny Bones – Tödliche Scherze 1996: Rolf Silber (D) – Echte Kerle 1997: Mark Herman (UK) – Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten 1998: Jeroen Krabbé (NL) – Kalmans Geheimnis (Left Luggage) 1999: Simon Shore (UK) – Get Real – Von Mann zu Mann 2000: Syd McCartney (IRL) – A Love Divided 2001: Julien Temple (UK) – Pandaemonium 2002: Eike Besuden, Pago Balke (D) – Verrückt nach Paris 2003: Gillies MacKinnon (UK) – Ein Kind von Traurigkeit (Pure) 2004: Aisling Walsh (UK): Song for a Raggy Boy 2005: Buket Alakuş (D) – Eine andere Liga 2006: Adrian Shergold (UK) – Pierrepoint 2007: Marion Hänsel (B) – Als der Wind den Sand berührte (Si le vent soulève les sables) 2008: Nick Broomfield (UK) – Battle for Haditha 2009: Erik Poppe (N) – Troubled Water 2010: Stefanie Sycholt (D) – Themba – Das Spiel seines Lebens 2011: Justin Chadwick (UK) – The First Grader 2012: Lars-Gunnar Lotz (D) – Schuld sind immer die Anderen 2013: Jérôme Enrico (F) – Paulette 2014: Stijn Coninx (B/I) – Marina; Philippe de Chauveron (F) – Monsieur Claude und seine Töchter 2015: Mark Monheim (D) – About a Girl; Ansgar Ahlers (D) – Bach in Brazil 2016: Ivan Calbérac (F) – Frühstück bei Monsieur Henri; Mohamed Hamidi (F) – Unterwegs mit Jacqueline 2017: Christian Duguay (CAN) – Ein Sack voll Murmeln (Un sac de billes) 2018: 1. Platz: Likarion Wainaina – Supa Modo (KEN/D) 2. Platz: Nick Kelly – The Drummer and the Keeper (IRL) 3. Platz: Erik Poppe – Utøya 22. Juli (NOR) 2019: 1. Platz: Stijn Coninx – Don’t Shoot (Niet schieten) (B/NL) und Martin Busker – Zoros Solo (D) 3. Platz: Bernd Böhlich – Und der Zukunft zugewandt (D) 2021: 1. Platz: Eirik Svensson – Betrayed (Den største forbrytelsen) (NOR) 2. Platz: Mano Khalil – Nachbarn (CH) 3. Platz: Jan Verheyen und Lien Willaert – Save Sandra (B/NL) 2022: 1. Platz: Jean-Louis Petit – Die Küchenbrigade (La Brigade) (F) 2. Platz: Petter Næss – Nothing to Laugh About (NOR) und Richie Adams – The Road Dance (UK) 2023: 1. Platz: Marie-Castille Mention-Schaar – Divertimento – Ein Orchester für alle 2. Platz Karsten Dahlem – Die Geschichte einer Familie (D) 3. Platz Dana Nechushtan – Piece of my Heart (NL/B) und Éric Besnard – Die einfachen Dinge (Les choses Simple) (F) 2024: 1. Platz: Emmanuel Courcol – The Marching Band (En Fanfare) (F) 2. Platz: Hendrik Martin Dahlsbakken – Arctic Convoy (NOR) 3. Platz: Ivan Calbérac – Liebesbriefe aus Nizza (F) 2025: Gold: Skeet von Nik Sexton Silber: Never Alone von Klaus Härö Bronze: Odd Fish von Snævar Sölvason 2026: Gold: Muganga – Celui Qui Soigne von Marie Hélène Roux Silber: Sunny Dancer von George Jaques Bronze: Staatsschutz von Faraz Shariat und Sommer auf Asphalt von Simon Ostermann
Emder Drehbuchpreis Der Preis wird für noch nicht verfilmte deutschsprachige Spielfilmdrehbücher vergeben. Dotierung: Sieger 10.000 Euro, zwei Nominierte je 1000 Euro 2005: Kai Hafemeister – Unschuld 2006: Martin Theo Krieger – Beautiful Bitch 2007: Hardi Sturm – Up! Up! To the Sky 2008: Sathyan Ramesh – Letzter Moment 2009: Sönke Andresen – Dustbuster 2010: Agnes Schruf – Der Käfersommer 2011: Sathyan Ramesh – 365 2012: Nicole Armbruster, Marc Brummund – Freistatt 2013: Mark Monheim – About a Girl (ursprünglich Charleen macht Schluss) 2014: Piotr J. Lewandowski – Jonathan 2015: David Nawrath, Paul Salisbury – Atlas 2016: Nora Fingscheidt – Systemsprenger 2017: Irma Kinga-Stelmach – La Fix 2018: Carola Diekmann – Schattenmenschen; Katharina Schöde – Libertas 2019: Milena Aboyan – Vor dem Anfang 2021: Ines Berwing und Maximilian Feldmann – Sisterhood 2022: Angelika Hacker und Ulrich E. Krenkler – Rohrpost Reloaded 2023: Kimia Eyzad Panah – Goldfisch im Dunkeln Nominierte: Linda König, Oliver Moser – Der letzte Schwur und Paul Salisbury, David Nawrath – Teufelstal 2024: Anne Thieme – Miami Nominierte: Ruth C. Kopinitsch, Makus Berger – Leopolds Reise und Agnieszka Piwowarska – Vor Marie 2025: Rabeah Rahimi und Leonore Lukschy – Dieterstan 2026: Gregor Eisenbeiß und Sarah M. Kempen – Furchtbar Göse
DGB-Filmpreis Dotierung: 7000 Euro 1998: Amber Films Collective (UK) – The Scar 1999: Roger Michell (UK) – Frontline – Zwischen den Fronten (Titanic Town) 2000: Dominik und Benjamin Reding (D) – Oi! Warning 2001: Laurent Cantet (F) – Der Jobkiller (Ressources Humaines) 2002: Heike Schober, René Zeuner (D) – Platzangst 2003: Kim Longinotto (UK) – The Day I Never Will Forget 2004: Ntshaveni Luruli (UK/Sa) – The Wooden Camera 2005: Saul Dibb (UK) – Bullit Boy 2006: Hans Herbots (B) – Verlengd Weekend 2007: Marion Hänsel (B) – Als der Wind den Sand berührte (Si le vent soulève les sables) 2008: Nick Broomfield (UK) – Battle for Haditha 2009: Hans-Erich Viet (D) – Deutschland nervt 2010: Stefanie Sycholt (D) – Themba – Das Spiel seines Lebens 2011: Justin Chadwick (UK) – The First Grader 2012: Lars-Gunnar Lotz (D) – Schuld sind immer die Anderen 2013: Julia Oelkers (D) – Can’t Be Silent 2014: Erica von Moeller (D) – Sternstunde ihres Lebens 2015: Marie-Castille Mention-Schaar (F) – Die Schüler der Madame Anne (Les héritiers) 2016: Rune Denstad Langlo (N) – Welcome to Norway 2017: Christian Duguay (CAN) – Ein Sack voll Murmeln (Un sac de billes) 2018: Hans-Erich Viet (D) – Der letzte Jolly Boy 2019: Nora Fingscheidt (D) – Systemsprenger 2021: Franz Böhm (D) – Dear Future Children (D/UK/A) 2022: Jakob Reinhart (D) – Platzen 2023: Milena Aboyan (ARM) – Elaha 2024: Nessim Chikhaoui (FR) – Striking the Palace (Petites Mains) und Nils Gaup (NOR) – The Riot (Sulis 1907) 2025: Nik Sexton – Skeet
Förderpreise Dotierung: 5000 Euro Promotion Award: 2003: Pepe Planitzer – Ein Schiff wird kommen 2004: Sathyan Ramesh – Schöne Frauen 2005: Arne Nolting, Jan Martin Scharf – Wahrheit oder Pflicht Förderpreis für den Nachwuchs: 2006: Manuela Stacke – Mondscheinkinder
Filmpreis für den Nachwuchs: 2007: Ingo Rasper – Reine Geschmacksache 2008: Brigitte Maria Bertele – Nacht vor Augen 2009: Ali Samadi Ahadi – Salami Aleikum 2010: Dietrich Brüggemann – Renn, wenn du kannst 2011: Pia Strietmann – Tage, die bleiben 2012: Lars-Gunnar Lotz – Schuld sind immer die Anderen 2013: Georg Maas – Zwei Leben 2014: Eckhard Preuß – Bocksprünge 2015: Mark Monheim – About a Girl; Ansgar Ahlers – Bach in Brazil 2016: Cordula Kablitz-Post – Lou Andreas-Salomé 2017: Tobias Wiemann – Amelie rennt 2018: Felix Hassenfratz – Verlorene 2019: Martin Busker – Zoros Solo 2021: Marcus Lenz – Rivale 2022: Marten Persiel – Everything Will Change 2023: Milena Aboyan – Elaha 2024: Frauke Lodders – Gotteskinder 2025: Julia Schubeius – Bühne frei fürs Leben 2026: Faraz Shariat – Staatsschutz
Emder Schauspielpreis Der Emder Schauspielpreis wird an eine herausragende Persönlichkeit des deutschen, deutschsprachigen oder nordwesteuropäischen Films vergeben. Er ist mit einer Filmreihe zum Preisträger verbunden und mit einem Preisgeld von 5000 Euro dotiert. 2011: Martina Gedeck 2012: Katharina Thalbach 2013: Armin Rohde 2014: August Diehl