Der Sportclub Preußen von 1906 Münster (Westf.), auch bekannt als SC Preußen 06 e. V. Münster oder Preußen Münster ist ein Sportverein aus Münster. Der Verein war 1951 Finalist im Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft und 1963 Gründungsmitglied der Bundesliga. Die Vereinsfarben sind Schwarz-Weiß-Grün, das Wappentier ist der Preußische Adler. Der Verein hat 15.000 Mitglieder (Stand: 23. Februar 2026) und gehört damit zu den mitgliederstärkeren Sportvereinen in Deutschland.

Die professionelle Fußballabteilung ist seit dem 28. Februar 2018 in die Sportclub Preußen Münster 06 GmbH & Co. KGaA ausgegliedert, deren Kommanditaktionär der Verein ist. Die zur Geschäftsführung berechtigte und voll haftende Komplementärin ist die Sportclub Preußen Münster 06 Geschäftsführungs-GmbH, deren Anteile vollständig vom Verein gehalten werden. In der Saison 2023/24 stieg der Verein nach 33 Jahren wieder in die 2. Fußball-Bundesliga auf.

Heimspielstätte ist das im Jahr 1926 eröffnete Preußenstadion. Es wurde seit Eröffnung mehrfach renoviert und umgebaut. Das Stadion, die Geschäftsstelle und die Trainingsplätze für Fußball und Tennis liegen an der Hammer Straße im Stadtteil Berg Fidel.

Geschichte Gründung und Aufstieg in die höchste Spielklasse Saisondaten 1913–1950Hubert Dahlkamp, Dietrich Schulze-Marmeling: 100 Jahre Preußen Münster. Die Werkstatt GmbH, Göttingen 2006, ISBN 3-89533-519-3, S. 379–420. Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1913/14 A-Klasse I 1. 59:18 22:6 1920/21 A-Klasse I 1. 58:17 30:6 1921/22 A-Klasse I 4. 30:27 19:17 1922/23 A-Klasse, Gruppe B I 1. 20:5 12:2 1923/25 A-Klasse I 9. -:- 12:16 1925/26 A-Klasse/Bezirksklasse I 8. -:- 26:30 1926/27 A-Klasse/Bezirksklasse I 2. 30:18 20:8 1927/28 A-Klasse/Bezirksklasse I 8. -:- 11:17 1928/29 2. Bezirksklasse II 2. 46:26 21:7 1929/30 1. Bezirksklasse II -. -:- -:- 1930/31 1. Bezirksklasse II 3. 59:38 32:14 1931/32 Oberliga/Sonderklasse I 4. 39:27 23:17 1932/33 Oberliga/Sonderklasse I 2. 41:21 23:13 1933/34 Gauliga Westfalen I 8. 23:43 15:21 1934/35 Gauliga Westfalen I 3. 29:25 19:17 1935/36 Gauliga Westfalen I 9. 19:44 14:22 1936/37 Bezirksklasse Münster II 1. 70:24 31:9 1937/38 Bezirksklasse Münster II 1. 53:13 26:6 1938/39 Gauliga Westfalen I 7. 26:31 17:19 1939/40 Gauliga Westfalen I 6. 43:52 16:20 1940/41 Gauliga Westfalen I 12. 27:105 3:41 1942/43 Bezirksklasse II 1. -:- -:- 1943/44 Bezirksklasse II 2. 43:18 18:2 1946 Westfalenliga I 2. 48:35 20:12 1946/47 Westfalenliga I 4. 39:25 22:14 1947/48 Landesliga Westfalen Gruppe 2 II 1. 51:23 32:16 1948/49 Oberliga West I 4. 33:35 25:23 1949/50 Oberliga West I 8. 53:42 28:32 grün unterlegt: Aufstieg; orange unterlegt: Abstieg

Gegründet wurde der Verein am 30. April 1906 von Schülern des heutigen Johann-Conrad-Schlaun-Gymnasiums unter dem Namen „FC Preußen“. Fußballhistoriker vermuten, dass der Name wohl patriotische Gründe hatte. Zu Beginn besaß der FC Preußen noch keinen eigenen Platz, so dass mit Genehmigung des Kommandierenden Generals Freiherr von Bissing auf einem Exerzierplatz der Armee an der Loddenheide gespielt wurde. Als Bedingung des Generals mussten die Tore nach jedem Spiel allerdings wieder abgebaut werden. Das erste Spiel gewannen die Münsteraner gegen den FC Osnabrück am 24. Juni 1907 mit 5:0. Nach der Aufnahme des Vereins in den Westdeutschen Spielverband spielten sie zunächst zweitklassig, bis sie bereits 1908 in die A-Klasse (1. Liga) aufstiegen. Im Jahr 1910 zog der FCP zum Feldschlösschen an die Sentruper Höhe in Münsters Westen um. 1914 wurde der Verein zum ersten Mal Westfalenmeister. Dieser Erfolg konnte im Jahr 1921 wiederholt werden. Im gleichen Jahr wurde die Umbenennung in „Sportclub Preußen“ vorgenommen. Zwischen 1916 und 1926 spielte der SCP auf dem Münstermannplatz, der sich unweit des heutigen Preußenstadions befand.Hubert Dahlkamp, Dietrich Schulze-Marmeling: 100 Jahre Preußen Münster. Die Werkstatt GmbH, Göttingen 2006, ISBN 3-89533-519-3, S. 13–30.

Dort wurde der Verein 1925 Teil der deutschen Rundfunkgeschichte, als am 1. November 1925 durch Bernhard Ernst beim Heimspiel gegen Arminia Bielefeld erstmals ein Radio-Livekommentar gesendet wurde. in Q History vom 8. April 2011. Seit Errichtung des Preußenstadions an der Hammer Straße im Jahr 1926 spielt der SCP an diesem Ort.

Von 1933 bis 1936 und nochmals von 1938 bis 1941 gehörten die Preußen für insgesamt sechs Spielzeiten der Gauliga Westfalen an, der damals neben 15 anderen Gauligen höchsten deutschen Spielklasse.

Nach dem Krieg in der Oberliga West Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich der Verein nach mehreren Abstiegen und Wiederaufstiegen ab Ende der 1940er Jahre endgültig in der damals erstklassigen Oberliga West etablieren. Josef Oevermann hatte daran großen Anteil, da er als Fußballobmann und Unternehmer den sogenannten „Preußen-Ring“ ins Leben rief, ein Pendant zum heutigen Sponsorenpool. Oevermanns Unterstützung erlaubte es den Preußen, eine Reihe überdurchschnittlicher Angreifer ins Münsterland zu locken, die 1950/51 als „100.000-Mark-Sturm“ legendär wurden. Dies waren Rechtsaußen Felix „Fiffi“ Gerritzen vom VfB Oldenburg, der nicht nur 1951 gegen Österreich Ecken direkt verwandeln konnte, der Dortmunder Borusse und spätere Rekordschütze der Dortmunder Alfred „Adi“ Preißler, Mittelstürmer Rudi Schulz, Linksaußen Josef „Jupp“ Lammers und Halbstürmer „Sigi“ Rachuba (SpVgg Erkenschwick), dazu kamen noch Friedel Weghorst und ab 1952 Werner Erb, der jedoch bald zu Altona 93 zurückkehrte.

Die Spieler bestritten allerdings später, so viel Geld bekommen zu haben. Adi Preißler erinnerte sich an eine Tankstelle, die er pachten konnte, mit der aber wegen der damaligen Benzin-Rationierung kein Geld zu verdienen gewesen sei; und Gerritzen erzählte: „Nach dem Training bekamen wir eine Flasche Milch und ein Würstchen mit Kartoffelsalat. Das kostete 1,90 DM, und die wurden auch noch auf unser Vertragsspielergehalt angerechnet, bis wir dagegen auf die Barrikaden gingen.“ Die griffige Formulierung „100.000-Mark-Sturm“ geht wohl auf einen Journalisten zurück, der damit den Wert der Angriffsreihe umschreiben wollte, die mit dem Erreichen des Meisterschaftsendspiels 1951 ihren sportlichen Höhepunkt erlebte.

Mit Siegfried Rachuba, der von 1949 bis 1959 das Preußendress trug, ist ein Mitglied dieser Angriffsreihe bis in die Gegenwart Münsters erfolgreichster Erstligatorschütze aller Zeiten; er erzielte in 238 Oberligaspielen 97 Treffer sowie vier der 23 Preußen-Tore in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft 1951. + Der „100.000-Mark-Sturm“ Name Spiele Tore Jahre Rudolf „Rudi“ Schulz 280 30 1950–1962 „Sigi“ Rachuba 238 97 1949–1959 Felix „Fiffi“ Gerritzen 166 83 1950–1958 Josef „Jupp“ Lammers 151 47 1949–1956 Friedel Weghorst 75 26 1948–1952 Alfred „Adi“ Preißler 28 19 1950–1952 Werner Erb 4 1 1952–1953

Deutsche Vizemeisterschaft, Gründung der Bundesliga und Abstieg Saisondaten 1950–1974 Saison Liga Level Platz Tore Punkte Zuschauer 1950/51 Oberliga West I 2. 58:36 41:19 17.600 1951/52 Oberliga West I 7. 53:48 32:28 15.200 1952/53 Oberliga West I 7. 74:60 32:28 13.500 1953/54 Oberliga West I 4. 60:54 33:27 15.400 1954/55 Oberliga West I 9. 70:60 28:32 13.200 1955/56 Oberliga West I 12. 51:64 26:34 9.500 1956/57 Oberliga West I 13. 48:70 25:35 11.400 1957/58 Oberliga West I 6. 48:45 30:30 12.100 1958/59 Oberliga West I 7. 50:51 32:28 13.000 1959/60 Oberliga West I 10. 37:52 28:32 12.600 1960/61 Oberliga West I 9. 41:50 27:33 8.800 1961/62 Oberliga West I 7. 60:47 34:26 15.700 1962/63 Oberliga West I 4. 51:32 37:23 19.100 1963/64 Bundesliga I 15. 34:52 23:37 21.700 1964/65 Regionalliga West II 8. 50:48 33:35 7.500 1965/66 Regionalliga West II 6. 55:47 34:34 5.300 1966/67 Regionalliga West II 9. 53:58 35:33 4.800 1967/68 Regionalliga West II 13. 45:50 29:39 4.200 1968/69 Regionalliga West II 14. 40:63 26:42 5.200 1969/70 Regionalliga West II 7. 69:58 37:31 5.500 1970/71 Regionalliga West II 9. 62:57 31:37 4.400 1971/72 Regionalliga West II 11. 43:57 31:37 4.400 1972/73 Regionalliga West II 13. 47:66 29:39 6.000 1973/74 Regionalliga West II 5. 57:49 38:30 7.700 grün unterlegt: Aufstieg; orange unterlegt: Abstieg

In der Saison 1950/51 kam die Mannschaft auf Platz 2 der Oberliga West, einen Punkt hinter dem FC Schalke 04. In den anschließenden Gruppenspielen zur deutschen Meisterschaft schaltete Preußen Münster den 1. FC Nürnberg, den Hamburger SV und Tennis Borussia Berlin aus. Dabei wurde beim letzten Gruppenheimspiel gegen Nürnberg mit weit über 40.000 Zuschauern wohl der ewige Zuschauerrekord im Preußenstadion aufgestellt; es endete mit 6:4. Um den Gruppensieg im letzten Spiel zu erringen und damit ins Finale um die deutsche Meisterschaft einzuziehen, musste der SCP in Berlin gegen Tennis Borussia das schlechtere Torverhältnis gegenüber dem 1. FC Nürnberg wettmachen. Die Preußen gewannen gegen TeBe nach einem 0:2-Rückstand mit 8:2 und zogen ins Endspiel ein. Die Mannschaft wurde in Münster empfangen, als wäre sie bereits Deutscher Meister geworden. Mindestens 23.000 Menschen drängten sich auf dem Münsteraner Prinzipalmarkt, um die Mannschaft zu sehen. Im Endspiel vor 100.000 Zuschauern im Olympiastadion Berlin gegen den 1. FC Kaiserslautern brachte Gerritzen Preußen kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit in Führung. Zwei Tore von Ottmar Walter, drei Jahre später Weltmeister mit Deutschland, stellten aber schließlich den 2:1-Sieg und damit die erste Meisterschaft der Pfälzer sicher.Hubert Dahlkamp, Dietrich Schulze-Marmeling: 100 Jahre Preußen Münster. Die Werkstatt GmbH, Göttingen 2006, ISBN 3-89533-519-3, S. 65–78.

In der Oberligasaison 1953/54 gelang Preußen noch einmal ein vierter Platz, ansonsten erreichte die Mannschaft nur Plätze im Mittelfeld. Umso überraschender kam für zahlreiche Beobachter 1963 Münsters Aufnahme in die neugegründete Fußball-Bundesliga.

Im Jahre 1962 unternahm die Mannschaft eine Südamerikareise. So reiste die Adler-Elf 1962 im Vorfeld der Fußball-WM zu Freundschaftsspielen gegen Chile, Argentinien und Uruguay nach Südamerika. Am 26. April 1962 spielten die Preußen im Estadio Nacional de Chile vor 32.000 Zuschauern gegen WM-Gastgeber Chile. Das Spiel endete mit einer 0:3-Niederlage für die Adler-Elf.

Im Mai und Juni 1963 nahm Preußen Münster als einer von 14 Vereinen aus ebenso vielen Ländern an der vierten von sechs Ausspielungen der International Soccer League in den USA teil. Mit drei Siegen und drei Niederlagen belegte Preußen den fünften Platz in der vom Gesamtgewinner West Ham United FC angeführten Gruppe von sieben Teilnehmern.

mini|Dieter Stosberg spielte von 1966 bis 1973 für Preußen Münster Am 24. August 1963 trennte sich Preußen in seinem ersten Bundesligaspiel vor 38.000 Zuschauern im ausverkauften Preußenstadion mit 1:1 vom Hamburger SV. Damit war das Stadion in Münster das erste ausverkaufte Stadion der Bundesligageschichte. Falk Dörr brachte dabei die Münsteraner nach 72 Minuten in Führung, die aber acht Minuten später den Ausgleich durch Charly Dörfel hinnehmen mussten. Bereits nach der Hinrunde belegte Preußen den 15. und vorletzten Platz und am Saisonende trennte die Münsteraner ein Punkt von Platz 14. Höchster Sieg war ein 3:0 beim VfB Stuttgart am 20. Spieltag, während ein 0:5 beim Rückrundenauftakt in Hamburg im Rahmen einer Serie von fünf Niederlagen in Serie die höchste Niederlage darstellte. Hermann Lulka war mit neun Toren vor Manfred Rummel mit sieben Treffern der beste Torschütze der von Richard Schneider, anfangs der 1950er Meistertrainer in Kaiserslautern, angeleiteten Preußen.

Nach dem Abstieg kam Preußen in der Regionalliga West nicht über Mittelmaß hinaus und manchmal kamen sogar Abstiegssorgen auf. Die Zuschauerzahlen stagnierten auf niedrigem Niveau. Die beste Platzierung war der fünfte Platz 1973/74 in der letzten Saison der alten Regionalliga. Die fünf Regionalligen wurden danach in die zweigleisige 2. Bundesliga überführt, für deren Nordstaffel sich Preußen qualifizierte.