mini|Weiße und grüne Jade mini|Aktinolith, eine jadeähnliche Varietät aus Brasilien mini|Klinochrysotil (Serpentin), China

Jade (der oder die) ist die Bezeichnung für verschiedene Mineralien, vor allem für Nephrit und Jadeit, die bestimmte optische Eigenschaften besitzen müssen, um als der Schmuckstein Jade zu gelten.

In China wird Jade schon seit mindestens 8000 Jahren verwendet und hochgeschätzt; mit der Zeit entwickelte sich sogar eine regelrechte Jadekultur. Auch in Europa, im pazifischen Raum, im östlichen Mittelmeerraum und insbesondere in Mittelamerika wurde Jade bereits vor Jahrtausenden verarbeitet.

Im Zuge der kolonialen Machtpolitik der europäischen Großmächte gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand Jade dann auch vermehrt Eingang in die Schmuckkultur des Westens, nachdem ihn die Spanier bei der Kolonialisierung Mittelamerikas für Europa „wiederentdeckt“ hatten. In den 1920er Jahren wurde Jade gar zum begehrten modischen Accessoire. In der Hippie-Kultur der 1960er und 1970er wiederum wurde Jade zum magischen Attribut und esoterischen „Stein der Weisen“ veredelt.SWR 2 Wissen Manuskriptdienst Reihe Chinoiserien, Folge 2: JadeLexikon der Kunst. 7 Bände. 2. Auflage. Seemann, Leipzig 2004, ISBN 3-86502-084-4.

Etymologie Der Begriff Jade geht zurück auf das spanische piedra de ijada (etwa „Lenden-“ bzw. „Nierenstein“). Im Co-Mineral Nephrit (zu griech. νεφρός nephros „Niere“) ist diese Bedeutung auch sprachlich noch erhalten. Der Ausdruck wurde ins Französische als l’éjade übernommen und ungefähr im 17. Jahrhundert fälschlich zu le jade umgebildet.Großer Brockhaus, 19. Auf., Band 26–28: WörterbuchKluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Aufl.

Die Spanier lernten Jade zuerst in Mittelamerika kennen, wo er von den Ureinwohnern zu Heilsteinen und Amuletten gegen Nierenleiden verarbeitet wurde. Der Begriff wurde in Europa dann auf Jade chinesischer bzw. asiatischer Herkunft ausgeweitet. Chinesisch heißt Jade Yu (gesprochen „Ü“).Brockhaus Enzyklopädie, 19. Aufl. 1986–1994Encyclopedia Britannica, 15. Aufl. 1993, ISBN 0-85229-571-5.

Die europäische Definition des Begriffs „Jade“ weicht von der chinesischen allerdings insofern ab, dass die Edelserpentine in China seit Jahrtausenden als Stein der Götter verehrt und geschätzt werden, und dass die Chinesen dieses in China „Yu“ genannte Mineral als den ursprünglichen und echten Jade betrachten, seit in China der ausländische Begriff „Jade“ bekannt ist. Dagegen definierte man in internationalen Kommissionen den Begriff „Jade“ dahingehend, dass der Edelserpentin aus der Gruppe der Minerale ausgeschlossen wurde, die in der westlichen Welt „Jade“ genannt werden dürfen.Mineralienatlas: Jade und Mineralienatlas: Mineralienportrait/Jade (Wiki) Institut für Edelsteinprüfung (EPI) – Jade Als Jade wird daher in der westlichen Welt eine Gruppe von Mineralen bezeichnet, die sich von der chinesischen Definition unterscheidet. In China werden allerdings auch die in der westlichen Welt als Jade geltenden Jadeit und Nephrit als eine Art von Jade bezeichnet, und zwar mit dem Wort „Fei-Tsui“. Auf den innerhalb des Artikels gezeigten Fotos sind daher vermutlich entsprechend sowohl Nephrit, Jadeit und Edelserpentin zu sehen.

Mineralogische Definition und weitere Varietäten Die Bezeichnung „Jade“ ist kein von der International Mineralogical Association (IMA) anerkannter Mineralname und wird vor allem für „Nephrit“ (Mischkristalle der Reihe Tremolit – Aktinolith) und das zur Gruppe der Na-Pyroxene gehörende Mineral Jadeit, oft aber auch für weit billigere, mehr oder weniger ähnlich aussehende Mineralien verwendet. Um den Namen „Jade“ tragen zu dürfen, müssen die Bestandteile als mikroskopische Aggregate vorliegen, das heißt in mikrokristalliner Form als kleinste, verzahnte, nur mit dem Mikroskop erkennbare Körner oder verfilzte Fasern. Jadeit bildet anders als der häufiger transparente bis opake Nephrit nur sehr selten regelrechte Großkristalle, ist in chemischem Reinzustand weiß (das ist auch seine Strichfarbe) und erhält seine Farbe (meist Grün, Braun, Rötlich, Gelb bis Violett) durch andere chemische Verbindungen, mit denen er fast stets zusammen vorkommt. Das Grün stammt dabei aus geringen Beimengungen von Chrom-, Chlor- und anderen Ionen. Vor allem in der chinesischen und indischen Kunst wird aber auch weiße Jade hoch geschätzt.

Die begehrteste und teuerste Jade-Varietät ist die sogenannte „Imperial-Jade“ oder auch „Kaiser-Jade“, ein durch Beimengungen von Chrom smaragdgrün gefärbter, kantendurchscheinender Jadeit aus Myanmar.

mini|„Jadealbit“ (Maw Sit Sit) im Glattschliff (25,5ct) aus dem Himalaya Weitere bekannte Jadevarietäten bzw. jadeähnliche Gesteine sind der grünschwarz gefleckte, eisenreiche und chromhaltige „Chloromelanit“ (Gemenge aus Jadeit, Diopsid und Aegirin); der hell- bis dunkelgrün gefleckte „Jadealbit“ (auch Albitjadeit oder Maw Sit Sit,Mindat – Maw Sit Sit Gemenge aus Albit und Jadeit aus Myanmar) und die „Magnetit-Jade“ (Handelsname für vergoldete Jade).

Bildung und Fundorte Jadeit und Nephrit entstehen druck- und/oder hitzebedingt in der Erdkruste durch metamorphe Umbildung im Verlauf vulkanischer Prozesse an Subduktionszonen, wie sie der Pazifische Feuerring darstellt (Neuseeland, Guatemala, Kalifornien, Japan usw.). Sie entstehen außerdem im Bereich tektonisch hochaktiver Regionen wie beispielsweise nördlich des Himalaya und des Hochlands von Tibet. Hier stoßen unter hohem Druck die indische und die eurasische Kontinentalplatte gegeneinander, ohne zu subduzieren. Dabei wird in Verbindung mit Auffaltungsvorgängen die geologische Struktur stark gestaucht. Diese Situation ist insbesondere gegeben für die nördlich und östlich des Hochlandes von Tibet liegenden Gebiete der Mongolei, des westlichen Hinterindien (Burma) und Xinjiangs.St. M. Stanley: Historische Geologie. 2. Auflage. Spektrum Akad. Verlag, Heidelberg 2001, ISBN 3-8274-0569-6, S. 239ff. In solchen Regionen befinden sich daher auch die reichsten Fundstätten. In Tälern von Gebirgsflüssen wird die Jade als Geröll aus ihren eigentlichen Entstehungsgebieten, den orogenetischen Rift- und Faltungszonen, talwärts transportiert.

mini|Jade-Geröllblock, Naturgeschichtliches Museum London mini|Neuseeland-Rohjade in Hokitika Schon lange wird Jade auch bergmännisch abgebaut und nicht nur an der Oberfläche aufgesammelt. Bevorzugt kommt Jade in kristallinen Schiefern vor. Hauptfundstätten waren und sind die Santa Rita Mountains zwischen Santa Maria und Santa Barbara sowie in weiteren Teilen Kaliforniens, das generell – vermutlich aufgrund seiner geologischen Situation an der San-Andreas-Spalte – reiche Jadevorkommen hat und wo auch Kristalle zu finden sind. Eine klassische Fundstätte ist Tharrawaw im westlichen Myanmar (Burma), woher seit dem späten 18. Jahrhundert Jade (Jadeit) importiert wurde. Weitere größere Fundstätten gibt es in Kanada, Schlesien, im japanischen Itoigawa, in Guatemala (Tal des Río Motagua), Mexiko (vor allem an der südöstlichen Golfküste Yucatans), auf Neuguinea und der Südinsel Neuseelands, in Italien und auf Sulawesi (Celebes).

Aus Xinjiang stammten die meisten in China verarbeiteten Jaden vor dem 18. Jahrhundert. Damals wurde Jade als oberflächliches Geröll vor allem aus den Flüssen Hotan und Yarkant geborgen, beide am Südarm der Seidenstraße gelegen. In deren Nebenflüssen Karakash und jenen des Yurungkash kamen bis zu 30 t schwere Blöcke vor. In Khotan wurde weiße und grüne Jade gefunden, vor allem als Kiesel und Gerölle in den aus den Kuen-Lun-Bergen nach Norden in die Takla-Makan-Wüste abfließenden Gewässern. Die Fundzonen der Flussjade lag vor allem im Bereich des Yarkant, die weiße Jade wurde insbesondere im Yurungkash, die schwarze im Karakash-Fluss gefunden. Von dort, aus dem Königreich Khotan am Südzweig der Seidenstraße, kam der größte Teil der Jade als Teil von Tributzahlungen nach China. Neuere Forschungen lassen jedoch vermuten, dass einst auch Nephrit-Lagerstätten in der Mandschurei, in Lantian und Shanxi und am Unterlauf des Yangtse-Flusses existierten. Ob allerdings Jade bereits im Neolithikum über diese enormen Distanzen (ca. 2000 bis 3000 km durch Wüsten und Hochgebirge) gebracht wurde, ist strittig. Die Seidenstraße (siehe Karte unten) jedenfalls erreichte ihre östliche Dimension erst während der Herrschaft der Han-Dynastie kurz vor der Zeitenwende, als sich unter dem Han-Kaiser Han Wudi (141–87 v. Chr.) in Abwehr der ständigen Grenzbedrohungen die Größe des Han-Reiches fast verdoppelte und der Sieg über die Xiongnu-Reiternomaden endgültig die Kontrolle über Zentralasien brachte. Damit verbunden war auch die Kontrolle über die dortigen Jade-Lagerstätten.

Aus anderen Mineralen bestehende Varietäten von geringerem Wert finden sich unter anderem in Südafrika (Transvaal-Jade) und Griechenland. Das in der Literatur häufig genannte Yunnan ist hingegen keine Fundstätte von Jadeit, denn es war nur der seit dem späten 18. Jahrhundert aus Burma importierte Jade, auf den die Chinesen lange Zeit ein Monopol besaßen und der dort in großem Stil auch als Exportgut gehandelt wurde, wobei es durchaus fabrikartige Herstellungsprozesse gegeben haben dürfte.

Die Jahresproduktion in Myanmar lag 1993 bei 300 Tonnen Material und ist heute (2009) wegen schlechter Abbaubedingungen und wegen der politisch bedingten Marktlage dort (Militärdiktatur) auf ca. 150 Tonnen zurückgegangen.

Geschichte und Kulturgeschichte mini|Anbetung des Mondgottes. Abdruck eines Grünstein-Zylindersiegels des Khashkhamer, Gottkönig von Ishkun-Sin (Nordbabylonien), und Vasall von Ur-Engur, König von Ur (ca. 2400 v. Chr.)

Jade gilt sowohl als Schmuckstein wie auch wegen seiner kulturhistorischen Bedeutung bis hin zum Glauben an seine heilende Wirkung, als eines der bemerkenswertesten Minerale überhaupt. Dabei handelt es sich nicht einmal um ein Mineral im engeren Sinne. Zur Verwendung als Rohmaterial für Werkzeuge ist Jade zu wertvoll und zu schwer zu bearbeiten. Bereits die Herstellung eines einfachen Amuletts kann Tage dauern. Daher wurden nur zeremonielle Waffen und ebensolche Werkzeuge daraus hergestellt, wie die in Mitteleuropa, Frankreich, der Schweiz und England gefundenen Jadeäxte. Ansonsten wurde und wird Jade häufig zu Schmuck verarbeitet, im Kunsthandwerk verwendet und aufgrund der dem Material teils zugesprochenen – im weitesten Sinne – magischen Qualitäten zu entsprechenden kultischen bzw. magischen Ritualen eingesetzt.

Im Folgenden werden daher zunächst die Kulturzonen und -perioden ausführlicher dargestellt, in denen Jade entweder von eigenständiger künstlerischer Bedeutung war und die Jadeverarbeitung eigene Stile ausgebildet hat oder wo eine geistig-religiöse Vorstellungswelt entstand, die Jade zum Gegenstand hatte. Jade als begehrtes und kostbares Handelsgut war sporadisch auch in anderen Kulturzonen als den anschließend dargestellten präsent, hat dort jedoch meist keine gesonderte oder nur sekundäre Bedeutung erlangt, wie zum Beispiel in Ägypten, wo er möglicherweise für Amulette und Ringe verwendet wurde. Im gesamten antiken Mittelmeerraum war er zudem ein seltenes Luxusgut. Jade ist für verschiedene, meist dekorative und Status-Zwecke verwendet worden, weil sie besonders selten, wertvoll und schwer zu bearbeiten war. Doch verbindet sich mit ihr in diesen Kulturräumen keine nachweisbare Vorstellungswelt religiös-philosophischer Art, allenfalls möglicherweise in Rom ab dem ersten nachchristlichen Jahrhundert als modisch-eklektische Übernahme aus anderen Kulturen.Weltatlas der alten Kulturen: Rom