mini|Alternatives Logo OS/2 (Operating System/2 – anfangs bei IBM Deutschland auch BS/2 für Betriebssystem/2) ist ein multitaskingfähiges Einzelbenutzer-Betriebssystem für Personal Computer mit x86-Prozessor, später auch PowerPC-Prozessoren. Es wurde ursprünglich als Nachfolger für DOS von IBM und Microsoft gemeinsam entwickelt. Nachdem Microsoft 1991 die Kooperation beendet hatte, um sich stattdessen der Windows-Weiterentwicklung zu widmen, entwickelte IBM OS/2 allein weiter. 2005 wurden der Vertrieb und die Basisentwicklung von IBM eingestellt, unter der Markenbezeichnung eComStation wurde das Betriebssystem seitdem von Dritten weiterentwickelt. 2017 übernahm die Firma Arca Noae die Weiterentwicklung von OS/2 und bringt bis heute neue Versionen unter dem Namen ArcaOS heraus.Website des Unternehmens Arca Noae
Geschichte Vorgeschichte Im Januar 1983 begann Microsoft die Entwicklung an einer Version von MS-DOS, die nicht nur ein Programm, sondern mehrere Programme gleichzeitig ausführen konnte. Dieses wurde später unter der Bezeichnung MS-DOS 4.0 veröffentlicht. Allerdings hatte diese Version von MS-DOS einige Einschränkungen. Die Multitaskingfähigkeiten beschränkten sich auf Anwendungen, die speziell für diese Version von MS-DOS entwickelt wurden; ansonsten konnte nur eine herkömmliche MS-DOS-Anwendung ausgeführt werden. Zudem mussten, da das Betriebssystem im Real Mode lief, alle Anwendungen sich den konventionellen Speicher von 640 KiB teilen. Aufgrund dieser Einschränkungen erschien diese Version von MS-DOS nicht im Handel, sondern wurde ausschließlich an bestimmte OEMs lizenziert.
Microsoft entwickelte das Betriebssystem anschließend weiter. Um die Einschränkungen der vorherigen Version zu beheben, sollte der Schutzmodus des 80286-Prozessors ausgenutzt werden. Microsoft unterzeichnete dazu einen Vertrag mit IBM, in dem beide Unternehmen sich einigten, das Betriebssystem, nun unter dem Namen CP/DOS bekannt, gemeinsam weiterzuentwickeln. Zum Ende der Entwicklung hin erfuhr das Betriebssystem eine erneute Namensänderung und hieß fortan OS/2.
Der 80286 hatte ein großes Problem: Zwar konnte der Prozessor vom Real-Mode in den Schutzmodus wechseln, der umgekehrte Weg, also vom Schutzmodus wieder zurück in den Real-Mode zu wechseln, war jedoch nicht vorgesehen und konnte nur durch einen Reset des 80286 bewerkstelligt werden. Diese Umschaltung in den Real-Mode war allerdings notwendig, um weiterhin die Kompatibilität zu DOS-Anwendungen aufrechtzuerhalten, die nur im Real Mode lauffähig sind.
Am 2. April 1987 kündigten Microsoft und IBM das neue Betriebssystem offiziell an. Die erste Version sollte wie DOS textbasiert sein, eine spätere Version sollte dann eine von Windows abgeleitete grafische Benutzeroberfläche namens Presentation Manager beinhalten. Gleichzeitig kündigte Microsoft ein Entwicklungskit für das neue Betriebssystem an, welches für 3.000 US-Dollar erhältlich sein sollte, dieses erschien zwei Monate später.
OS/2 1.x Früher als zunächst angekündigt veröffentlichte IBM die erste Version von OS/2 am 4. Dezember 1987 zum Preis von 325 US-Dollar. Knapp zwei Wochen später erschien auch Microsofts Version von OS/2. Während IBM OS/2 direkt vertrieb, lizenzierte Microsoft das Betriebssystem an OEMs weiter, die es mit ihren Computern auslieferten und entsprechend anpassten. Die Systemanforderungen des auf vier Disketten erschienenen Betriebssystems waren ein 80286-Prozessor mit mindestens 2 MiB Arbeitsspeicher und 5 MiB Festplattenspeicher. Die erste Version sah aufgrund der fehlenden grafischen Benutzeroberfläche DOS sehr ähnlich; darunter verbarg sich jedoch ein multitaskingfähiges Betriebssystem, das bis zu zwölf OS/2-Sitzungen zur selben Zeit verwalten kann und bis zu 16 MiB Arbeitsspeicher unterstützt. Daneben bot OS/2 eine weitere Sitzung, in der die meisten DOS-Anwendungen ausgeführt werden konnten. Im Juli 1988 brachte IBM die OS/2 Extended Edition zum Preis von 795 US-Dollar heraus, die zusätzliche Datenbank- und Kommunikationsprogramme enthielt.
Allerdings gab es auch Kritik. So sei es zwar angesichts der großen Zahl an Computern mit 80286-Prozessoren verständlich, dass OS/2 für diesen Prozessor entwickelt wurde, jedoch war zwischenzeitlich bereits der 80386 erschienen, der zahlreiche Vorteile gegenüber dem 80286 bot. Außerdem fehle dem Betriebssystem ein leistungsfähiges Dateisystem – OS/2 benutzte weiterhin das aus DOS übernommene FAT16-Dateisystem, das keine langen Dateinamen unterstützte und in der damaligen Version auf eine maximale Partitionsgröße von 32 MiB beschränkt war. Generell hieß es, dass OS/2 gegenüber DOS keine Vorteile biete, solange es keine Software für das neue Betriebssystem gebe.
Am 31. Oktober 1988 erschien die Version 1.1 von OS/2, die erstmals die langersehnte grafische Benutzeroberfläche enthielt. Diese war jedoch nicht die einzige Neuheit: OS/2 unterstützte nun Partitionen, die größer als 32 MiB sind. Zu den ersten Anwendungen für die neue Benutzeroberfläche zählte Borlands Softwarepaket SideKick, die von November an dem Betriebssystem beilag. Das nunmehr auf fünf Disketten angewachsene OS/2 1.1 hatte ähnliche Systemvoraussetzungen wie die vorherige Version, benötigte aber 8 MiB an Festplattenspeicher. Einer flächendeckenden Verbreitung des Betriebssystems standen zu dieser Zeit hauptsächlich fehlende Treiber im Weg; vor allem Druckertreiber lagen dem Betriebssystem nur sehr spärlich bei. Die „Erweiterte Version“ 1.1 auf elf Disketten, die nur über IBM-Vertriebskanäle verkauft wurde, beinhaltet zusätzlich den Kommunikations- und den Datenbank-Manager. Der Kommunikations-Manager unterstützt diverse Kommunikationsprotokolle wie APPC und ECF zur Verbindung mit IBM-Großrechnern und SDLC, Async, PC Network und Token Ring für lokale Netzwerke, sowie Terminalemulatoren u. a. für 3270 und VT100. Der Datenbank-Manager ist Teil der SAA und erweitert das Betriebssystem um eine relationale SQL-Datenbank.
OS/2 1.2 folgte im September 1989. Diese Version bot erstmals die Möglichkeit der sogenannten installierbaren Dateisysteme, die ähnlich wie Gerätetreiber beim Systemstart geladen werden und im Prinzip den Zugriff auf beliebige Dateisysteme ermöglichen können. Eines dieser installierbaren Dateisysteme, HPFS, ist im Lieferumfang von OS/2 1.2 enthalten: HPFS ist effizienter als das bisherige FAT-Dateisystem, zudem unterstützt es lange Dateinamen und Partitionen, die größer als 2 Gigabyte sind. Außerdem können beliebige Daten, sogenannte erweiterte Attribute, an Dateien angehängt werden. Allerdings gibt es keinerlei Abwärtskompatibilität; DOS kann auf HPFS-Partitionen nicht zugreifen, und für DOS- und ältere OS/2-Anwendungen sind Dateien, die lange Dateinamen benutzen, nicht sichtbar. Außerdem enthält OS/2 1.2 eine überarbeitete Benutzeroberfläche sowie einige zusätzliche Anwendungen.
+ Hardware-Mindestanforderungen für OS/2 1.2 Komponente x86-Architektur Prozessor kompatibel zu Intel-80286-Prozessor Arbeitsspeicher mind. 3,5 MB RAM Diskette mind. ein 3½″-Diskettenlaufwerk Festplatte mind. 30 MB freier Speicherplatz Formal unterstützte Modelle: IBM PC/AT (5170), Modelle 239, 319, 339 Personal System/2 Modelle 30, E01 (mit 30-MB-Festplatte), 50 (mit 60-MB-Festplatte), 50Z, 55SX, 60, 70, P70, 80 IBM Industrial Computer 7531/7532 Modelle 041 und 111 (mit 40-MB-Festplatte), 7541/7542 Modelle 111, 7552 Modell 540 (mit 20-MB-Festplatte), 7561/7562 Modelle 111
Version 1.3 vom November 1990 enthielt kaum Neuerungen, sondern war lediglich eine verbesserte Version von OS/2 1.2, die geringere Systemvoraussetzungen hatte und kürzere Ladezeiten sowie eine schnellere Videoanzeige bot. Außerdem beinhaltete sie mehr Treiber. Die Skriptsprache REXX ist nun in allen Ausführungen von OS/2 1.3 enthalten. Die minimalen Systemanforderungen waren zwar mit 2 MB RAM deutlich niedriger als noch bei der Vorversion, für produktives Arbeiten ist mit 4 MB aber annähernd gleich viel Arbeitsspeicher notwendig. Die Resonanz auf diese Version war jedoch gering.
Trennung der beiden Entwicklungspartner Schon von Anfang an war die Beziehung zwischen den beiden Unternehmen angespannt. IBM und Microsoft waren zwei verschiedene Firmen, die unterschiedliche Ziele verfolgten. Microsoft wollte OS/2, ähnlich wie DOS und auch Windows, als Softwareplattform für viele verschiedene PCs verfügbar machen, IBM hingegen wollte mit OS/2 den Verkauf der eigenen Rechner, allen voran die PS/2-Produktreihe, ankurbeln. Auch die Entwickler beider Firmen waren häufig in gegenseitige Konflikte verwickelt. IBM nutzte Lines of Code als Maßeinheit für die Produktivität von Entwicklern; Microsofts Entwickler schrieben hingegen kurzen und effizienten Code und galten dadurch aus IBMs Sicht als unproduktiv. Microsofts Entwickler wiederum beschwerten sich über die Bürokratie von Seiten IBMs. Microsoft wollte OS/2 zügig an den 80386-Prozessor anpassen, aber IBM hielt aufgrund von Kundenversprechen dagegen und propagierte weiterhin die 80286-Version.
Die Spannungen entluden sich schließlich, als Windows 3.0 erschien und ein großer Erfolg wurde. Innerhalb von vier Jahren verkaufte sich OS/2 nur 300.000 Mal, Windows 3.0 hingegen erreichte nach einem Jahr bereits 3 Millionen Kopien. Zunächst hieß es, dass IBM die alleinige Federführung an der nächsten Version von OS/2, die Version 2.0, erhalten sollte, während Microsoft die übernächste Version 3.0 entwickelte. Schließlich gab Microsoft die Entwicklung an OS/2 völlig auf und nutzte die Ressourcen zur Entwicklung eines neuen Betriebssystems mit der Bezeichnung Windows NT.
OS/2 2.x Das nun auf sich alleine gestellte IBM veröffentlichte OS/2 2.0 am 1. April 1992, begleitet von einer großen Werbekampagne. Das Unternehmen bezeichnete OS/2 als . OS/2 war nun ein 32-Bit-Betriebssystem, das die Fähigkeiten des 80386 ausnutzte, wenngleich das Betriebssystem weiterhin große Teile an 16-Bit-Code enthielt. Das Betriebssystem konnte erstmals mehrere DOS-Anwendungen parallel ausführen und bot zudem die Möglichkeit, Windows-Anwendungen in einer speziellen Win-OS/2-Umgebung zu starten, die entweder direkt als Fenster in die OS/2-Umgebung eingebettet oder im Vollbild-Modus ausgeführt werden konnte. Der Vollbild-Modus war zwar schneller, aber wegen der fehlenden Unterstützung für Grafikkartentreiber auf 640×480 und 16 Farben beschränkt. Zudem unterstützte die Win-OS/2-Umgebung nur den Standard-Modus, was Anwendungen, die den 386-erweiterten Modus benötigten, ausschloss.
OS/2 2.0 ersetzte den Präsentations-Manager durch die neue Workplace Shell. Das Konzept der Workplace Shell folgt dem Paradigma, dass alles ein Objekt ist, wie etwa Icons, Fenster oder auch der Desktophintergrund, und durch Verfahren wie Drag and Drop angepasst werden kann. So können etwa Schriftarten und -größen sowie Farben jedes Teils einer Anwendung von außen dauerhaft individuell verändert werden. Die Benutzeroberfläche galt als äußerst flexibel, gleichzeitig aber für damalige Verhältnisse als schwierig zu erlernen. Die Workplace Shell merkte sich zudem auf Wunsch die offenen Anwendungen beim Herunterfahren und startete diese wieder, sobald das Betriebssystem wieder hochfuhr.