mini|Jupiter (römische Kamee) Jupiter (lateinisch , seltener , , auch , , Genitiv , , auch ) ist der Name der obersten Gottheit der römischen Religion. Eine ältere Namensform ist Diēspiter. Er wurde oft als bezeichnet („bester und größter Jupiter“), in Inschriften meist abgekürzt zu IOM. Jupiter entspricht dem griechischen „Himmelsvater“ Zeus.
Name Der ältere Name Diēspiter setzt sich aus dieis (lateinisch „Tag“) und (lateinisch „Vater“) zusammen (vgl. auch altindisch Dyaus pitar) und bedeutet demnach „Himmelsvater“. Das iu in Iuppiter und der Name Zeus gehen auf dieselbe indoeuropäische Wurzel *diu für „hell“ zurück, welche die Haupteigenschaft Jupiters (bzw. Zeus’) als alter Himmels- und Wettergott bezeichnet, der auch als Lichtbringer verstanden wurde (Indogermanische Religion). Entsprechend ist eine Nebenbedeutung von Iuppiter auch einfach „Himmel“ oder „Luft“; sub Iove bedeutet dementsprechend „unter offenem Himmel“ oder „im Freien“.Michiel de Vaan: Etymological Dictionary of Latin and the other Italic Languages. (= Leiden Indo-European Etymological Dictionary Series, 7) Brill, Leiden / Boston 2008, ISBN 978-90-04-16797-1, S. 315–316.
Die Aussprache wandelte sich um Christi Geburt von [] zu [].Gerhard Meiser: Historische Laut- und Formenlehre der lateinischen Sprache. 2., unv. Aufl. Darmstadt 2006, S. 77 § 57, 5. Der Name kommt auf römischen Inschriften hauptsächlich abgekürzt vor; wurde er ausgeschrieben, so schrieb man in der Antike, je nach Aussprache, ivpiter oder ivppiter – die Römer unterschieden in der Schreibung nicht zwischen /i/ und /j/ bzw. /u/ und /v/. In der Neuzeit wurde der Name meist „Jupiter“ geschrieben, seltener „Juppiter“ (so z. B. das Zedlersche Universallexikon, aber auch noch Georg Wissowa in seinem Werk Religion und Kultus der Römer).
In der deutschen Altphilologie verbreitete sich im Laufe des 19. Jahrhunderts auch die originalsprachliche Schreibung mit der Folge, dass man in wissenschaftlichen Texten neben „Jupiter“ auch zunehmend „Iuppiter“ schrieb. Die Änderung der Terminologie wurde von der germanischen Altertumswissenschaft nicht nachvollzogen; daher wird beispielsweise in deutschsprachigen vorgeschichtlichen Arbeiten weiterhin vorwiegend „Jupiter“ geschrieben. In der Lehre, in Lateinwörterbüchern, allgemeinen Lexika und mythologischer Fachliteratur, in populären Texten etc. wird im Deutschen weiterhin „Jupiter“ geschrieben; dies ist auch die beispielsweise vom Duden vorgeschlagene Schreibweise.Eintrag „Jupiter“ im Online-Duden.
Kult mini|Bronzestatue des Jupiter (2. Jahrhundert, Passau) Beinamen mini|Auf einem Weihestein aus Cumae wird Jupiter Flazo (oder Flazzus/Flazius) genannt Wie viele andere antike Götter wurde Jupiter mit verschiedenen Beinamen verehrt, die jeweils bestimmte Aspekte betonten oder mit einzelnen Örtlichkeiten verbunden waren bzw. örtliche Götter vereinnahmten. Als Jupiter Latiaris wurde er von den Latinern als Schutzgottheit ihres erst später von Rom dominierten Städtebundes verehrt, sein Tempel befand sich daher außerhalb Roms in den Albaner Bergen. Als Staatsgott der Römer war er Jupiter Optimus Maximus, als oberster Gott der im Tempel auf dem Kapitol verehrten Kapitolinischen Trias war er Jupiter Capitolinus.
Weitere Beinamen gehen auf alte Kulte zurück, wie Iupiter Feretrius („der Edelbeuteträger“) oder Iupiter Stator („der die Feinde zum Stehen bringt“). Andere erlangten erst in der Kaiserzeit Bedeutung, so der Kult des Jupiter Tonans („der Donnerer“), der eigentlich eine Übertragung des griechischen Zeus Bronton ist. Als Jupiter PluviusOvid Epistulae ex ponto 2,1,68. („der Regnende“) wurde er zur Beendigung sommerlicher Dürren angerufen.
Festtage und Kalender Die Iden jedes Monats, die ursprünglich dem Vollmond entsprachen, also solche Tage, an denen es keine völlige Dunkelheit gab, waren feriae Iovis „Festtage des Jupiter“.Macrobius Convivia primi diei Saturnaliorum 1,15,14. An diesem Tag wurde ein ihm geweihtes weißes Schaf in feierlicher Prozession über die Via Sacra auf das Kapitol geführt und dort geopfert.Varro De lingua latina 5, 47; Ovid Fasti 1, 56. 1, 588; Macrobius Convivia primi diei Saturnaliorum 1, 15, 16. Auch die Stiftungstage der Jupitertempel fielen auf die Iden: Jupiter Optimus Maximus bzw. Jupiter Capitolinus: 13. September Jupiter Victor: 13. AprilOvid Fasti 4,621. Jupiter Invictus: 13. JuniOvid Fasti 6,650. Jupiter Stator: vermutlich 13. Januar. Epulum Iovis: 13. November Die dem Jupiter geweihten großen Festmähler, die epula Iovis, fanden ebenfalls an den Iden statt, eines am 13. September und ein anderes am 13. November.
Weiter dem Jupiter geweihte Feste waren die Weinfeste, die beiden Vinalia (Vinalia Priora am 23. April und Vinalia Rustica am 19. August) und vermutlich auch die Meditrinalia am 11. Oktober. Auch die Weinlese, die je nach Reife der Trauben zu wechselnder Zeit begann, wurde mit der Opferung eines Lammes durch den Flamen Dialis, den Staatspriester des Jupiter, eröffnet.
Nach Jupiter wurde der fünfte (heute vierte) Wochentag genannt, daher italienisch ,Ottorino Pianigiani: Vocabolario Etimologico della Lingua Italiana. Albrighi, Segati e C., Rom 1907 (und zahlreiche Neuauflagen), s. v. (online). spanisch (PDF; 48 kB), S. 7. und französisch Zeitschrift für neusprachlichen Unterricht 15–16, 1916, S. 84 (online). „Donnerstag“. Die Germanen setzten ihn mit Donar, skandinavisch Thor, gleich, daher deutsch DonnerstagFriedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. Bearbeitet von Elmar Seebold. Berlin/Boston 2011, s. v. und englisch Thursday.The Oxford Dictionary of English Etymology. Hrsg. von C. T. Onions. Clarendon Press, Oxford 1966 (und zahlreiche, teilweise korrigierte Neuauflagen), s. v.
Außerdem entsprach ihm der Planet Jupiter.Cicero De natura deorum 2,52.
Heiligtümer und Einzelkulte mini|Rekonstruierte Ansicht Roms mit Kapitol im Hintergrund Das zweifellos bedeutendste Heiligtum des Jupiter und der Sitz des Staatskultes befand sich auf dem Kapitol. Der nördliche, höhere Gipfel des Kapitols hieß arx („Burg“). Hier endete die Prozessionsstraße Via sacra und hier befand sich die Beobachtungsstätte der Auguren, von der aus sie den Flug der Vögel verfolgten (Auspizien).
Jupiter Feretrius Auf dem Südgipfel befand sich der Tempel des Jupiter Feretrius, das älteste Heiligtum des Gottes in der Stadt, der Sage nach von Romulus selbst gestiftet. Der Tempel enthielt kein Kultbild; hier wurde aber ein heiliger Stein aufbewahrt, der sogenannte silex oder lapis. Beide Wörter bedeuten „Stein“, silex bezeichnet eher den harten Stein, lapis eher den größeren Stein oder Felsbrocken. Falls es sich bei dem silex um ein zu Opferzwecken verwendetes Steinmesser gehandelt hat, kommen als Material nur Feuerstein und Obsidian in Frage. Über die Rolle des silex beim Opfer herrscht jedoch keine Klarheit, und seine Beschaffenheit ist strittig.Aust: Iuppiter in Roscher: Lexikon 1894, Sp. 674 ff. Nach diesem Stein wurde der Gott des Heiligtums auch Jupiter Lapis („Jupiter vom Stein“) genannt. Ein Schwur bei diesem Gott war besonders feierlich und wurde bei völkerrechtlichen Vereinbarungen gebraucht.
Der Name Jupiter Feretrius („der Edelbeuteträger“) geht darauf zurück, dass in diesem Tempel die Spolia opima, die „reiche Beute“, dem Gott geweiht wurde. Die Spolia opima war die Rüstung eines feindlichen Heerführers, die ihm in der Schlacht von einem römischen Heerführer abgenommen wurde. Der beste Teil dieser reichen Beute, die prima spolia, wurde dem Jupiter Feretrius geweiht. Es ist klar, dass aufgrund der hohen Anforderungen an den Erwerb der Weihgeschenke es im Lauf der römischen Geschichte nur wenige Male zu einer solchen Weihung kam, das erste Mal der Sage nach durch den Stifter des Heiligtums, Romulus selbst.
Jupiter Capitolinus
mini|Rekonstruktion des römischen Capitoliums Außer dem altehrwürdigen Tempel des Jupiter Feretrius befand sich der eigentliche Haupttempel Jupiters in seiner Eigenschaft als römischer Staatsgott auf dem Südgipfel, genauer der Tempel der Kapitolinischen Trias, bestehend aus Jupiter Optimus Maximus, Juno und Minerva. Dieser Tempel, das Capitolium von Rom, war der Sage nach noch weitgehend von Lucius Tarquinius Superbus, dem letzten König Roms, errichtet worden, eingeweiht wurde es aber im ersten Jahr der römischen Republik am 13. September 509 v. Chr.Dionysios von Halikarnassos Antiquitates Romanae 4,61; 5,35,3; Livius Ab urbe condita 1, 55–56, 1; 2, 8, 6.
Im Tempel befanden sich die Kultbilder der Trias jeweils in einer eigenen Cella. Die Cella des Jupiter Optimus Maximus befand sich in der Mitte, Juno auf der linken und Minerva auf der rechten Seite. Darüber hinaus gab es weitere Kultbilder, vor allem solche mit Jupiter eng verbundener Götter, so z. B. des Summanus. Auf dem Dach befand sich als Akroterion ein Bildnis von Jupiter, der eine Quadriga lenkt.
Das Capitolium war im Lauf der Geschichte mehrfach abgebrannt bzw. zerstört worden, wurde aber stets wieder auf den gleichen Fundamenten errichtet.
Jupiter Elicius Nach der Sage von Jupiter Elicius („herabgezogener Jupiter“) gelang es König Numa Pompilius mit Unterstützung der Nymphe Egeria und der Götter Picus und Faunus, Jupiter aus dem Himmel „herabzuziehen“ (d. h. einen magischen Gotteszwang zu bewirken) und ihn zu veranlassen, Numa die Mittel und Riten der Blitzsühnung zu verraten. Zudem erhielt Numa von Jupiter damals die Ancile, altertümliche Schilde und Symbole römischen Machtanspruchs.Ovid Fasti 3,310–384. Das Heiligtum des Jupiter Elicius befand sich auf dem Aventin, der auch Schauplatz der Sage ist.Varro De linua latina 6,95; Livius Ab urbe condita 1,20,5 ff.
Jupiter Fulgur mini|Takenplatte des Jupiters mit Donnerkeil, Blitzen und Adler Mit Jupiter Elicius verknüpft ist der Kult des Jupiter Fulgur („Jupiter Blitz“) mit Heiligtum auf dem Campus Martius, bei dem Jupiter in Gestalt des Blitzes verehrt wurde. Ihm waren die Bidentalia heilig, die Orte, an denen ein Blitz in die Erde schlug (Blitzmale). Geschah das auf öffentlichem Boden, so wurde an der Stelle ein Sühneopfer vollzogen und die Stelle mit einem sogenannten Puteal eingegrenzt, einer kreisförmigen Ummauerung, die verhindern sollte, dass der vom Blitz versengte und dadurch geheiligte Boden berührt oder betreten wurde. Dabei wurde unterschieden zwischen Blitzen, die bei Tag einschlugen und solchen, die bei Nacht einschlugen. Nur die tagsüber erfolgten Blitzschläge wurden Jupiter selbst zugeordnet, die nächtlichen einer ihm eng verbundenen Gottheit namens Summanus.Plinius Naturalis historia 2,138; Augustinus De civitate dei 4,3. Die Inschriften der Blitzgräber lauteten entsprechend fulgur Dium conditum; ; . bzw. fulgur Summanum conditum. (etwa „hier ist der Blitz des Jupiter/Summanus begraben“). Entsprechend wurden Blitzbündel bzw. Donnerkeile ein Attribut in der künstlerischen Darstellung Jupiters.
Jupiter Tonans mini|Statue des Jupiter Tonans Von Jupiter Fulgur zu unterscheiden ist Jupiter Tonans („donnernder Jupiter“). Der Kult stammt aus augusteischer Zeit und geht auf ein Ereignis zurück, bei dem Augustus während eines Feldzuges gegen die Kantabrer beinahe vom Blitz erschlagen worden wäre. Zum Dank gelobte er dem Jupiter einen Tempel auf dem Kapitol.Sueton Augustus 29. Dieser Tempel auf dem Südhügel des Kapitols wurde besonders aufwändig gestaltet mit Wänden aus Marmorquadern und reichem Bildschmuck.Plinius Naturalis historia 36,10; 34,78; Monumentum Ancyranum 4,5. Das Heiligtum wurde am 1. September 22 v. Chr. geweiht.Cassius Dio 54,4.