mini|Sortenreine Kunststoffabfälle mini|Gelbe Säcke mit Kunststoffabfällen mini|hochkant|Kunststoffabfälle am Strand des Roten Meeres (nahe Safaga, Ägypten) Kunststoffabfälle sind Kunststoffe, die keinen unmittelbaren Verwendungszweck mehr erfüllen. Diese können in der Regel nicht durch biologische Abbauprozesse in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden. Aber auch wenn sie biologisch abbaubar sind, können sie auf ihre Umwelt toxisch wirken und zum Beispiel Stoffwechselvorgänge von lebenden Organismen stören.Dannielle S. Green, Thomas J. Colgan, Richard C. Thompson, James C. Carolan: Exposure to microplastics reduces attachment strength and alters the haemolymph proteome of blue mussels (Mytilus edulis). In: Environmental Pollution. 246, 2019, S. 423, doi:10.1016/j.envpol.2018.12.017. Um Schäden an der Umwelt zu verhindern, müssen Abfälle deshalb beseitigt, verwertet oder recycelt werden.

Generell kann die Verwertung von Kunststoffabfällen werkstofflich, rohstofflich und energetisch erfolgen, wobei die Reinheit ausschlaggebend ist. So werden z. B. Produktions- und Verbrauchsabfälle sowie saubere, sortenreine und vermischte, verschmutzte Abfälle unterschieden.

2022 fielen weltweit 267,7 Mio. t Plastikmüll an. Davon wurden 103 Mio. t auf Deponien entsorgt, 90 Mio. t wurden verbrannt und 30 Mio. t gelangten in die Umwelt. Geo, Trotz funktionierender Mülltrennung: Recycling erfasst nur Bruchteil der Plastikabfälle, 14. April 2025 Khaoula Houssini, Jinhui Li & Quanyin Tan, Complexities of the global plastics supply chain revealed in a trade-linked material flow analysis in Communications Earth & Environment 6, 10. April 2025, https://doi.org/10.1038/s43247-025-02169-5

Abfallaufkommen und Verwertung in Europa mini|300px|Das Aufkommen an Kunststoffabfällen in der EU pro Kopf, 2016. Malta, Litauen, Zypern, Griechenland und Rumänien: Werte von 2015Plastikatlas 2019 - Daten und Fakten über eine Welt voller Kunststoff, 6. Auflage 2021 (PDF; 6,3 MB) dort auf S. 13 Das Aufkommen an kunststoffreichen Verbrauchsabfällen in den EU-25-Staaten sowie Norwegen und der Schweiz betrug im Jahr 2005 rund 22 Millionen Tonnen. Davon ca. 19,7 Millionen Tonnen in den EU-15-Staaten und ca. 2,3 Millionen Tonnen in den neuen EU-Mitgliedern (ohne Bulgarien und Rumänien).Post-Consumer Plastic Waste Management in European Countries. Consultic, 2006. Den größten Anteil am damaligen Abfallaufkommen bildeten mit fast 62 % (ca. 13,6 Millionen Tonnen) Verpackungen, gefolgt von Bau-, Automobil- und Elektro-/Elektronik-Industrien mit jeweils 7 %, 5 % und 4 % (entsprechend ca. 1,5, 1,1 und 0,9 Millionen Tonnen).

Diese Abfälle wurden zu ca. 46 % (ca. 10 Millionen Tonnen) verwertet, zu 1,6 % (353.000 Tonnen) zwischengelagert (für eine energetische Verwertung) und zu ca. 53 % (ca. 11,6 Millionen Tonnen) beseitigt. Die Verwertungsquote setzt sich folgendermaßen zusammen: ca. 27 % energetische Verwertung (wobei ca. 25 % der Abfälle in Müllverbrennungsanlagen (MVA) mit Energieauskopplung und 2 % in anderen Anlagen – wie z. B. Kraft- oder Zementwerke – verwertet wurden) ca. 18 % stoffliche Verwertung (wobei 16,7 % der Abfälle werkstofflich verwertet wurden und 1,0 % rohstofflich).

Die Verwertungsquoten unterscheiden sich in einzelnen europäischen Ländern stark voneinander: von ca. 1 % in Griechenland bis größer 95 % in Dänemark und Schweden. In Deutschland werden ca. 77 % kunststoffreicher Verbrauchsabfälle verwertet (Stand: 2005).

2024 fielen in Europa 26 Millionen Tonnen Plastikabfall an.Weniger Plastikmüll, sauberere Strände, Europäische Kommission, Presseartikel 14. August 2024 Im Jahr 2023 hatte die Kapazität der Verwertungsfirmen in Europa rund 13 Millionen Tonnen betragen. 30.000 Menschen waren in den Recyclingfirmen beschäftigt.PLASTICS RECYCLING INDUSTRY FIGURES 2023

Deutschland

mini|Typen von Kunststoff nach Verwendung und Recyclingkennzeichnung in Deutschland 2017 Im Jahr 2017 fielen in Deutschland 6 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Die Hälfte davon ging auf Verpackungsmüll zurück. Die andere Hälfte stammte von Gebrauchsgegenständen, aus Elektronikbauteilen, aus dem Bau sowie dem Verkehrssektor. Etwa die Hälfte aller Kunststoffabfälle soll recycelt worden sein, während der Rest energetisch (thermisch) verwertet wurde. Demgegenüber steht folgendes Bild, was den Umgang mit dem Kunststoffabfallaufkommen (aus privaten Haushalten und aus dem Gewerbe) angeht: circa 60,1 % wird „energetisch verwertet“, also in speziellen Prozessen (wie etwa in Zementfabriken) verbrannt. Circa 13,3 % wird exportiert. Und circa 26,6 % geht als Input in Recyclinganlagen, wobei circa 9,6 % als zu stark verschmutzt oder (wie etwa bei Schichtverbundmaterialien) als unverwertbar wieder aussortiert und verbrannt wird, während die übrigen circa 17 % tatsächlich in Rezyklat, also in recyceltes Plastik umgewandelt wird. Als Absolutmasse an Rezyklat werden so pro Jahr etwa 0,9 Mio. Tonnen gewonnen (Stand: circa 2018/19).Juliane Fliegenschmidt: Abfallentsorgung: Von Wegen Recycling-Weltmeister. tagesschau.de-Internetportal, 5. Februar 2020 Die Rezyklate werden vor allem im Bau-Bereich eingesetzt, bei der Herstellung von Verpackungen sowie in der Landwirtschaft, im Fahrzeugbereich oder in der Elektro-/Elektronik-Industrie. Für den Lebensmittelbereichen kommen so gut wie keine Rezyklate zum Einsatz, da sie, mit Ausnahme von recyceltem PET (rPET), die von der europäischen Verordnung EG 282/2008 formulierten Bedingungen für diesen Verwendungsbereich nicht erfüllen.

Bis in die 1980er-Jahre gelangten Kunststoffabfälle mit normalen industriellen oder häuslichen Abfällen (Hausmüll) zur gemeinsamen Entsorgung in Müllverbrennungsanlagen oder auf Abfalldeponien. Durch entsprechende Gesetze wurde 1990 in Deutschland (Duales System Deutschland) die getrennte Sammlung eingeführt. Dadurch entstand eine flächendeckende Dienstleistungsindustrie, welche die Aufgabe des Einsammelns, Sortierens und Verwertens von Kunststoffabfällen übernahm. Durch weitere Verordnungen für Verpackungen und Getränkeflaschen wurde das System weiter optimiert (z. B. Getränkeflaschen-Rücknahme).

Laut dem Bundesumweltamt wurden im Jahr 2019 von den Abfällen aus der Kunststofferzeugung 82 % stofflich verwertet, von den Abfällen aus der Kunststoffverarbeitung 94 %, von den Kunststoffabfällen aus dem gewerblichen Endverbrauch 47 % und von den Kunststoffabfällen aus privaten Haushalten 33 %.

Mit Hilfe von fortschrittlichen Laser- oder Infrarot-Sortiertechniken ist es inzwischen möglich, Kunststoffe aus Hausmüll nahezu sortenrein zu sortieren.

Österreich 2023 wurde 27 % Kunststoff recycelt, obwohl die EU nur 22 % verlangte. 2025 ist die EU-Vorgabe 50 %. Das Plastikpfand und der „Gelbe Sack“ (Metall- und Leichtverpackungsammlung) sollen diese fast doppelt so hohe Sammelquote ermöglichen.

Schweiz Die Schweiz verursacht jährlich rund 790 000 Tonnen Plastikabfälle. Noch im Jahr 2022 wurden weniger als 10 Prozent dem Recycling zugeführt. Das Sammelgut aus dem Kanton Bern wurde auch noch 2025 zur Sortierung nach Österreich transportiert, rund die Hälfte davon wird jedoch in Kehrichtverbrennungsanlagen und in Zementwerken verbrannt. Der im November 2021Ein Sack soll das Plastikrecycling voranbringen, Tages-Anzeiger, 20. Januar 2025, S. 4 gegründete Branchen-Verein Recypac will bis 2030 ein schweizweites Sammelsystem aufbauen. In der Stadt Bern wurde das vom Verein lancierte kostenpflichtige System RecyBag im Januar 2025 eingeführt. Einige weitere Gemeinden folgten, der Verein braucht von jeder Gemeinde eine Konzession. Die Grossverteiler Migros und Coop traten Recypac bei, nachdem sie versuchsweise regional eigene Angebote am Laufen hatten, aber keine genügend hohe Recycling-Quote erreichen konnten. Das Sammelsystem soll bis 2030 55 Prozent der Plastikverpackungen und 70 Prozent der Karton-Getränkeverpackungen rezyklieren, was der Zielvorgabe der EU entspräche. Um 2025 bestanden neun verschiedene Anbieter, darunter das System von sammelsack.ch, das in über 600 Gemeinden Separatsammlungen von Plastik-Verpackungen organisierte. In den Entsorgungssäcken von sammelsack.ch konnte man nach der Einstellung der Separatsammlungen für Getränkeverpackungen auch diese mit geben. Deren Sammlung war zuvor von den Herstellerfirmen Tetra Pak, SIG Combibloc und Elopak getragen worden.Beliebte Gratisentsorgung von Getränkekartons eingestellt, Tages-Anzeiger, 20. Juni 2025

Der Bundesrat gab im Juni 2025 eine Verordnung in die Vernehmlassung, welche die geltende Verordnung über Getränkeverpackungen und deren Geltungsbereich erweitert. Der Geltungsbereich dieser Verordnung umfasste grundsätzlich sämtliche Verpackungstypen und -materialien. Teil der Verordnung war die Schaffung einer schweizweiten Separatsammlung von verwertbaren Kunststoffverpackungen.Bundesrat schickt angepasste Verordnungen zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft in die Vernehmlassung, Medienmitteilung auf dem Portal der Schweizer Regierung, 25. Juni 2025

Export mini|Sammeln von Kunststoffabfällen in China Rund 2,5 Millionen Tonnen Kunststoffabfall pro Jahr wurden aus Europa nach China exportiert, bis China Anfang 2018 den Import von Kunststoffabfällen mit einem Verschmutzungsanteil von mehr als 0,5 Prozent verbot.Plasticmüllströme nehmen neue Wege, NZZ, 22. Juni 2018, Seite 24 Wegen des Verbots in China wurden die Kunststoffabfälle vermehrt im südostasiatischen Raum entsorgt. Seit 2019 schicken einige Länder wie die Philippinen und Malaysia den falsch deklarierten Sondermüll in die Herkunftsländer zurück.

Verwertung sortenreiner Abfälle Saubere, sortenreine Abfälle (meistens Produktionsabfälle aus der Industrie) werden – gegebenenfalls nach einer Reinigung mit Wasser – hauptsächlich mit üblichen Verfahren der Kunststoffverarbeitung aufbereitet. Zu diesen Verfahren gehören z. B. Extrusion, Spritzgieß- bzw. Spritzpressverfahren, Intrusion und Sinterpressverfahren.

Plastic-to-Liquid

Eine relativ neue Methode der Gewinnung von Mineralöl ist das Plastic-to-Liquid-Verfahren (PtL), bei dem sortenreine Kunststoffabfälle durch Pyrolyse (Erhitzen unter Sauerstoffausschluss) wieder in ihre chemischen Bestandteile zerlegt werden. Das resultierende Pyrolyseöl ist ein synthetisches Rohöl, aus dem erneut Mineralöl raffiniert werden kann.

Extrusion

Für die Verarbeitung sauberer sortenreiner Kunststoffabfälle zu Rezyklaten werden konventionelle Ein- oder Doppelschneckenextruder verwendet. Um hierbei den hohen Qualitätsansprüchen zu genügen, kommt der Polymerreinheit eine große Bedeutung zu. Um möglichst alle Verunreinigungen zu erfassen, geschieht die Trennung im Schmelzstrom (Schmelzefiltration) zwischen Extruder und Extrusionswerkzeug.J. Brandrup, M. Bittner, W. Michaeli, G. Menges (Hrsg.): Die Wiederverwertung von Kunststoffen. Carl Hanser Verlag, München / Wien 1995, ISBN 3-446-17412-5. Oft werden auch verschiedene Trenntechniken vorab benutzt, um Sortenreinheit zu erzielen. Bei der Extrusion können durch Additivierung die Eigenschaften der Kunststoffe verbessert werden durch Polymerentgasung Abbauprodukte und Wasser entfernt werden.

Spritzgieß- bzw. Spritzpressverfahren Beim Spritzgießen werden Kunststoffpartikel über einen Trichter in den Massezylinder eingeführt. Das Material wird dort aufgeschmolzen und bis zur vollständigen Plastifizierung homogenisiert, wobei Entmischung durch unterschiedliche Wärmebeständigkeit, Viskosität und Verarbeitungstemperatur zu vermeiden ist. Nach dem Verdichten der Schmelze durch die Förderschnecke wird der Kunststoff unter hohem Druck (meist zwischen 500 und 2000 bar) über eine Düse in das geschlossene Werkzeug gepresst. Nach dem Erkalten kann das Formteil aus dem Werkzeug entnommen werden. Wie bei der Extrusion wird auch beim Spritzgießen die Schmelzefiltration zwecks Vermeidung von Verunreinigungen eingesetzt. Mit diesem Verfahren lassen sich dünnwandige Paletten, Pflanztöpfe, Beetumrandungen aber auch Stoßfänger für Automobile herstellen.