Mattachine Society war die erste Homosexuellen-Organisation in den Vereinigten Staaten.
Die Organisation wurde von Harry Hay mit einigen Freunden gegründet. Die erste Gruppe traf sich am 11. November 1950 in Silver Lake in Los Angeles. Zu dieser Gruppe gehörten Harry Hay, Rudi Gernreich, Bob Hull, Chuck Rowland und Dale Jennings. Die Organisation wurde erst 1954 rechtlich eingetragen, als eine andere Gruppe die Leitung übernahm.
Mehrere andere verbundene Organisationen wurden kurz danach in anderen Städten wie San Francisco, New York City, Boston, Chicago, Denver, Philadelphia und Washington gegründet. Das vorrangige Ziel war öffentliche Akzeptanz für Homosexualität in der Gesellschaft zu erreichen. Im Manifest der Organisation schrieben die ersten Mitglieder:
Die Organisation publizierte das Magazin The Mattachine Review.
Namensgebung
Der Name der Organisation Mattachine Society stammt von Harry Hay. Nach Angaben Hays beruht dieser auf einer französischen Gruppe von Maskierten der Renaissance und des Mittelalters, die er zu jener Zeit studierte, während er sich auf einen Kurs über die Geschichte populärer Musik vorbereitete. 1976 wurde Hay in einem Interview mit Jonathan Ned Katz nach dem Hintergrund des Namens befragt. Hay erwähnte die in der Renaissance bestehende französische Gruppe Sociétes Joyeux:
Diese französische Gruppe war benannt nach Mattaccino (in englischer Sprache Mattachino), einem Charakter im italienischen Theater. Mattaccino war eine Art von Narr, der die Wahrheit vor dem König aussprach, wenn es kein anderer wagte. Die mattachin (vom arabischen Wort mutawajjihin – „Maskenträger“) waren ursprünglich maurische Schwert-Tänzer, die farbenreiche Kostüme und Masken trugen.
Die Mattachine Society benutzte sogenannte Harlekin-Rauten als ihr Emblem.
Ziele der Organisation
Die Mattachine Society wollte die Gesellschaft in den Vereinigten Staaten zu mehr Akzeptanz gegenüber Homosexualität liberalisieren und bot eine Reihe von Dienste und Beratungen für die schwule Community an. Die Organisation betrieb auch Lobbyarbeit, um die Aufhebung der Strafbarkeit von Homosexualität in den Bundesstaaten der Vereinigten Staaten zu erreichen.
Verbindungen und Entwicklung der Organisation bis Stonewall
Viele der Gründungsmitglieder von Mattachine Society waren mit dem Kommunismus verbunden. Die Organisation basierte am Anfang ihrer Entstehung auf der Zellstruktur der Kommunistischen Partei der USA. Als die Auswirkungen der McCarthy-Ära sich in den Vereinigten Staaten sich verstärkten, waren einige Mitglieder wie auch Unterstützer über die Assoziierung von Mattachine Society mit dem Kommunismus besorgt. Hay, seit 15 Jahren ein ausgewiesenes Mitglied der Kommunistischen Partei der USA, legte daraufhin den Vorsitz in der Mattachine Society nieder. Die Leitungsstruktur wurde in den Folgejahren weniger stark vom Kommunismus beeinflusst und stärker von einer gemäßigten Ideologie geprägt, die ähnlich sich ausprägte, wie die damals bestehenden Bürgerrechtsbewegungen der Afroamerikaner.
Obgleich Harry Hay erklärte, er habe zuvor nie von der ersten jemals existierenden Schwulenbewegung in Deutschland (siehe deutsche Aktivisten wie Adolf Brand, Magnus Hirschfeld, und Leontine Sagan) gehört, ist bekannt, dass er mit deutschen Immigranten in den Vereinigten Staaten, wie unter anderem Rudi Gernreich, darüber sprach.
Zunächst bestand Mattachine Society als einzelne, nationale Organisation mit Sitz in Los Angeles. Ab 1956 entwickelten sich weitere Gruppen: zunächst in San Francisco, dann folgten Gruppen in New York City, Washington, Chicago und weiteren Orten. 1961 kam es zu einem inneren Konflikt in der Organisation. Die Gruppe aus New York City trennte sich und benannte sich um in "Mattachine Society of New York, Inc."
Aus einem weiteren internen Konflikt innerhalb der Organisation resultierte die Gründung einer weiteren neuen Organisation mit dem Namen ONE, Inc. ONE unterstützte auch Frauen und gemeinsam mit Mattachine halfen sie der lesbischen Organisation Daughters of Bilitis 1956 das Journal The Ladder herauszubringen. Daughters of Bilitis war der lesbische Gegenpart zu Mattachine Society und bei verschiedenen Kampagnen arbeiteten die beiden Organisation zusammen. Unter einer veränderten neuen Leitung gerieten aber die Daughters of Bilitis in den frühen 1970ern in heftige Kritik durch die neuen feministischen Organisationen, da diese die Zusammenarbeit von Daughters of Bilitis und Mattachine Society nicht unterstützten. Des Weiteren arbeitete Mattachine Society in den 1960ern mit anderen Gruppen im ECHO (East Coast Homophile Organizations) zusammen.
Weitere Entwicklung nach Stonewall
Ab Mitte der 1960er und insbesondere nach Stonewall verlor Mattachine Society innerhalb der Community an Einfluss. Die Organisation galt insbesondere jüngeren LGBT-Aktivisten als zu angepasst, veraltet und harmlos, da diese nach Ansicht dieser neuen Generation nicht genug auf Konfrontation zur Gesellschaft ging. Eine neuere kämpferische Generation von Aktivisten (infolge des Vietnamkrieges, der sexuellen Revolution) entstand.
Weiterführende Literatur
Weblinks Before Stonewall Activists for Gay and Lesbian Rights in Historical Context The Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender Historical Society
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