Linksjugend solid (Eigenschreibweise Linksjugend ['solid]) ist ein politischer Jugendverband in Deutschland. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind Feminismus, Sozialismus, Basisdemokratie und Antifaschismus. Er steht der Partei Die Linke nahe und ist von dieser als Jugendorganisation anerkannt.

Der Studierendenverband Die Linke.SDS ist ein Bundesarbeitskreis der Linksjugend solid mit Sonderstatus. S. 147.

Selbstverständnis Die Linksjugend solid versteht sich selbst als antikapitalistisch, sozialistisch, antifaschistisch, basisdemokratisch und feministisch. Die Bezeichnung „['solid]“ im eigenen Namen betont dabei die Ausrichtung des Jugendverbandes als „sozialistisch, links, demokratisch“., abgerufen am 13. Oktober 2015.

Die Jugendorganisation sieht sich als eine Plattform für radikale Gesellschaftskritik und selbstbestimmte Politik, die verschiedene linke Strömungen zusammenführen soll. Dabei begreift sie sich als Teil emanzipatorischer Bewegungen und sucht auch auf internationaler Ebene die Zusammenarbeit mit gleichgesinnten politischen Jugendstrukturen. Zudem betrachtet sich die Linksjugend solid als Interessenvertretung linker Jugendlicher in und bei der Partei Die Linke.

Der Jugendverband bekennt sich zur Errichtung einer „klassenlose[n] Gesellschaft“, in der der Kapitalismus, der Rassismus und das Patriarchat überwunden sind. Banken und Konzerne sollen letztlich verstaatlicht und der Kontrolle der Beschäftigten unterstellt werden. Die Wirtschaft soll nach einem demokratisch legitimierten „gesamtgesellschaftlichen Produktionsplan“ gelenkt werden. Dennoch soll in „kritisch-solidarischer“ Zusammenarbeit mit der Partei Die Linke auch für grundlegende Reformen innerhalb des kapitalistischen Systems gekämpft werden.

Die Linksjugend solid betrachtet dabei den Staat nicht als neutralen Raum, sondern als Verdichtung von Kräfteverhältnissen zwischen Klassen. Potentielle Regierungsbeteiligungen der Partei Die Linke erachtet die Linksjugend solid nur für sinnvoll, wenn ein „klarer Transformationsprozess“ erkennbar ist und „rote Haltelinien“ eingehalten werden.

Aufgrund der Entstehung aus verschiedenen Jugendverbänden und durch das pluralistische Selbstverständnis der Linksjugend solid wie auch der Partei Die Linke ist im Jugendverband ein breites Spektrum politischer Meinungen vertreten. Dies zeigt sich in verschiedenen Strömungen, vertreten durch beispielsweise den Bundesarbeitskreis BAK Shalom (proisraelische Positionen), den BAK Klassenkampf (marxistische und antiimperialistische Positionen), den BAK Libertäre Plattform (anarchistische und libertär-sozialistische Positionen) sowie den BAK Marxistisches Netzwerk (linkssozialistische Positionen).

Geschichte mini|Altes Logo Am 20. Mai 2007 wurde auf der 9. Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) von ['solid] – die sozialistische Jugend, dem PDS-nahen Jugendverband, die Linksjugend solid gegründet. An dieser Gründungsveranstaltung nahmen auch Delegierte der WASG-Jugend (z. B. Links!WASGeht Bayern) und der Jungen Linken.PDS Berlin-Brandenburg und Sachsen teil. Der Parteitag der Partei Die Linke am 16. Juni 2007 hat die Linksjugend solid als Jugendorganisation der Partei anerkannt. Der am 5. Mai 2007 gegründete Studierendenverband Die Linke.SDS wurde Teil der Linksjugend solid.

Auf dem ersten Bundeskongress (BuKo) im April 2008 in Leipzig beschloss der Jugendverband sein Grundsatzprogramm.

mini|Protestaktion der Linksjugend solid für Klimaschutzpolitik (2019) Wichtige Kampagnen der Linksjugend solid richteten sich gegen eine Reihe von Gipfeltreffen (etwa gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm 2007, den G7-Gipfel auf Schloss Elmau 2015 oder den G20-Gipfel in Hamburg 2017) und Klimakonferenzen (etwa die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009). Die Linksjugend solid beteiligte sich auch an zahlreichen „Bildungsstreiks“ und war aktiver Teil des kapitalismuskritischen Blockupy-Bündnis. 2009 initiierte die Linksjugend solid eine antifaschistische „aufmucken gegen rechts“-Kampagne. Darüber hinaus beteiligte sich die Linksjugend solid an Wahlkämpfen der Partei Die Linke. Eine Reihe von Mitgliedern der Linksjugend solid zogen über Listenplätze der Partei Die Linke in Landtage oder den Bundestag ein (etwa Victor Perli oder Niema Movassat) und kandidierten auf aussichtsreichen Listenplätzen für das Europaparlament.

Im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 rief die Linksjugend auf ihrer Webseite zur Aktion „Deutschland knicken“ auf, bei der Fahnen „eingesammelt“ werden sollen, gemeint ist damit auch das Abbrechen von an Fahrzeugen angebrachten Deutschlandfahnen. 2022 kritisierte die Linksjugend solid den Umgang mit sexualisierter Gewalt innerhalb der Partei Die Linke.

Aufgrund ihres antifaschistischen Engagements wurden mehrfach aktive Mitglieder durch Neonazis bedroht oder von solchen angegriffen – so unter anderem 2008 am Neuenhainer See durch die Freien Kräfte Schwalm-Eder, 2010 in Aachen, 2017 in Cottbus, 2019 in Eschweiler, 2022 in Schwerin und 2023 in Eisenhüttenstadt.

Liste der Bundessprecher Wahlperiode Bundessprecher Bemerkung 2007–2008 Fabian Blunck, Mariama de Brito-Henn, Katalin Gennburg, Irene Köppe, Lena Kreck, Benjamin Krüger, Sarah Nagel, Barbara Paech, Victor Perli, Karin Schnetzinger, Max Steininger, Haimo Stiemer, Colin Turner, Felix Pithan Gennburg: seit 2025 MdB, 2016–2025 MdA Berlin, 2016–2021 Mitglied des Parteivorstands von Die Linke Kreck: 2021–2023 Justizsenatorin in Berlin Perli: 2017–2025 MdB, 2008–2013 MdL Niedersachsen 2008–2009 Julia Bonk, Benjamin Brusniak, Katharina Dahme, Florian Höllen, Konstantin Löbbert, Wiebke Martens, Karin Schnetzinger, Max Steininger, Haimo Stiemer, Lisa Umlauft Bonk: 2004–2014 MdL Sachsen, 2012–2014 Mitglied des Parteivorstands von Die Linke 2009–2010 Björn Buschbeck, Marco Heinig, Katharina Jung, Steffen Kühne, Anna Merkel, Michaela Seifferth, Haimo Stiemer, Franziska Stier 2010–2011 Konstantin Bender, Björn Buschbeck, Katharina Dahme, Hannah Heyenn, Steffen Kühne, Christoph Kröpl, Norbert Müller, Juliane Pfeiffer, Jasper Prigge, Franziska Stier, Katharina Volk, Laura Wollny Müller: 2014–2021 MdB 2011–2012 Katharina Dahme, Adrian Furtwängler, Florian Häber, Josi Michalke, Felix Pithan, Juliane Pfeiffer, Jasper Prigge, Julia Range 2012–2013 Malte Fiedler, Adrian Furtwängler, Imke Grittner, Anna Kumher, Sebastian Lucke, Josi Michalke, Kai Padberg, Jasper Prigge, Julia Range 2013–2014 Lissy Bott, Wiete Fehner, Malte Fiedler, Florian Häber, Balakrishnan Koculan, Lisa Müller, Hannes Retzlaff, Miriam Strunge Strunge: seit 2015 MdBB Bremen, 2016–2018 Mitglied des Parteivorstands von Die Linke 2014–2015 Lissy Bott, Lisa Müller, Hannes Retzlaff, Karsten Stöber, Miriam Strunge, Imogen Wilkins, Julius Zukowski-Krebs 2015–2016 Malte Fiedler, Selin Gören, Josi Michalke, Thomas Popp, Carolin Tischner, Janis Walter, Imogen Wilkins, Julius Zukowski-Krebs 2016–2017 Selin Gören, Daniel Kerekeš, Saskia Spahn, Carolin Tischner, Janis Walter, Julius Zukowski-Krebs 2017–2018 Lissy Bott, Paul Gruber, Lucas Kannenberg, Jakob Migenda, Sarah Rambatz, Noro Schlorke Migenda: seit 2022 Landesvorsitzender Die Linke Hessen 2018–2019 Luisa Albrecht, Kathrin Gebel, Paul Gruber, Lucas Kannenberg, Jakob Migenda, Noro Schlorke, Sinem Ergüzel, Nadine Bendahou, Piet Jakobs, Konstantin Gräfe Gebel: seit 2025 MdB, 2022–2026 Mitglied des Parteivorstands von Die Linke Gräfe: 2021–2022 Mitglied des Parteivorstands von Die Linke 2019–2020 Kathrin Gebel, Konstantin Gräfe, Franziska Liebich, Franzi Lucke, Michael Neuhaus, Natalie Prautsch, Maximilian Schulz, Benny Schwarz 2020–2021 Charlie Birner, Carla Büttner, Sarah Dubiel, Selin Gören (nachgewählt), Rebekka Grotjohann, Michael Neuhaus, Jan Schiffer, Maximilian Schulz, Anna Westner (zurückgetreten) 2021–2022 Charlie Birner, Riley Dubiel, Jay Hammes, Gerda Krull, Felix Schattmann, Jan Schiffer, Henrik „Henno“ Spieler, Isabella Wolbart 2022–2023 Angelo D’Angelo, Maxi Basak (zurückgetreten), Momo Eich, Emma Griebel (zurückgetreten), July Kölbel, Dio Kunz (zurückgetreten), Lena Reinhardt 2023–2024 Emma Böcker, Dasha Domscheit (zurückgetreten), Momo Eich, July Kölbel, Jonna Kühl, Wanja Nitzsche (nachgewählt), Tim Roschig, Malu Ayana Uhlig (nachgewählt), Kiara Welsch 2024–2025 Nikolai Arnaudov, Johanna Brauer, Jonna Kühl, Maria Lara Moubarak, Tim Roschig, Yannic Schalk, Limes „Ly“ Schäfer, Jannik Starcke, Kiara Welsch Moubarak: seit 2026 Mitglied des Parteivorstands von Die Linke 2025–2026 Maximilian Krippner (zurückgetreten), Aster Maran (zurückgetreten), Martha Chiara Wüthrich (zurückgetreten), Maria Lara Moubarak, Selina Pfister, Limes „Ly“ Schäfer, Yannic Schalk

Organisation Der Jugendverband ist ein von der Partei rechtlich entkoppelter Verein mit verschiedenen Organen, die bundesweit agieren (siehe unten), gleichzeitig ist er der Dachverband für die Landesverbände. Die Organisationsstruktur der Landesverbände ist unterschiedlich: einige sind, wie der Bundesverband, nicht Teil der Partei (z. B. der Landesverband Brandenburg). Andere sind an die Partei angegliedert (z. B. der Landesverband Sachsen). Innerhalb der Landesverbände ist die Struktur je nach Satzung unterschiedlich. Üblicherweise bilden die Kreise und Kreisfreien Städte die kommunale Organisationsebene, innerhalb dieser kann es mehrere Basisgruppen (BG) geben.

Organe Die Organe sind auf Bundesebene der Bundeskongress (BuKo), der Bundessprecher*Innenrat (BSPR) und der Länderrat. Diese tagen grundsätzlich öffentlich.

Der Bundeskongress ist das höchste demokratische Entscheidungsorgan der Linksjugend solid. Er tagt mindestens einmal im Jahr, „um über die politischen Leitlinien für das nächste Jahr zu diskutieren und die Ausrichtung des Verbandes zu bestimmen“. In: linksjugend-solid.de

Der Bundessprecher*innenrat besteht aus 6 bis 15 gleichberechtigten Mitgliedern sowie einem Schatzmeister. Er wird jährlich neu gewählt und entscheidet zwischen den Kongressen. Er ist insbesondere für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und die Umsetzung der Beschlüsse des Bundeskongresses verantwortlich. Er hält den Geschäftsbetrieb aufrecht und koordiniert die Arbeit der Landesverbände.

Auf Landesebene existieren Vorstände, die je nach Satzung Landessprecher:innenrat (LSPR) oder Beauftragtenrat (BR) genannt werden. Sie werden auf landesweiten, basisdemokratischen Versammlungen (oft Landesjugendplenum oder Landesmitgliederversammlung genannt) gewählt und so beauftragt, sich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu kümmern, die Umsetzung der Beschlüsse des Landesjugendplenums zu koordinieren und den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Arbeitsweise Innerhalb des Bundesverbandes existieren folgende Arbeitsgruppen (AGs), die den Bundessprecher:innenrat bei der Organisation unterstützen: Propaganda, TikTok, Internationales, Bildungsnetzwerk, Antirassismus, Antisemitismuskritik, Awareness. Des Weiteren gibt es als freie und themengebundene Zusammenschlüsse die Bundesarbeitskreise (BAKs) Die Linke.SDS, Aesthetik, Antimilitarismus, Bytva, Feminismus, Hinterland, Klassenkampf, IT, Mediation, Marxistisches Netzwerk, Libertäre Plattform, Queer, Shalom, Sozialistische Wirtschaftspolitik, Teilhabe.Bundesarbeitskreise. In: linksjugend-solid.de

Auf Landesebene gibt es die Landesarbeitskreise (LAKs), in einigen Bundesländern alternativ auch Landesvorstände, Landeskoordinierungsräte oder Beauftragtenrat genannt, und Kommissionen der Landesebene. Das Gros der Arbeit findet in den über 200 Basisgruppen (BGs) statt.

Mitglieder Mitglied können alle Personen im Alter von 14 bis 35 werden. Mitglieder der Mutterpartei Die Linke im entsprechenden Alter werden automatisch zu passiven Mitgliedern im Jugendverband.

Mit ihren inzwischen über 74.200 Mitgliedern sieht sich die Linksjugend solid selbst als den „größten linksradikalen Jugendverband Deutschlands“.. Abgerufen am 10. November 2017. Von den Mitgliedern sind über 13.000 aktiv, haben also ihren Beitritt in Textform bewusst erklärt.