mini|Die Altstadt 1650 mini|Die Viertel der Altstadt Die Altstadt ist ein Stadtteil der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Sie gehört zu den größten Altstädten in Deutschland mit im Wesentlichen intakter altstädtischer Bausubstanz.

Gliederung und Geografie Die Altstadt lässt sich in drei Teile gliedern. Im Zentrum liegt der frühmittelalterliche Stadtkern, der bereits 1066 von einem ersten Mauerring im Bereich des heutigen Juri-Gagarin-Rings umgeben war. Umgeben ist dieser alte Siedlungskern von einer spätmittelalterlichen Stadterweiterung nach Norden, Osten und Süden. Ab 1350 begann man auch die Stadterweiterung mit einer Stadtbefestigung zu sichern. Dieser Prozess war um 1480 abgeschlossen. Der dritte Teil ist das Brühl, die älteste Vorstadt Erfurts. Sie liegt im Südwesten der Stadt im Tal der Gera und wurde vom zweiten Mauerring mitumschlossen. Obwohl innerhalb der Stadtbefestigung gelegen, gehört das Brühl heute administrativ nicht zum Stadtteil Altstadt, sondern zur Brühlervorstadt.

Eine weitere Untergliederung der Altstadt in Viertel wurde früher vor allem anhand der Zugehörigkeit zu einem Pfarrbezirk vorgenommen, so hieß etwa der Bereich um die Andreaskirche Andreasviertel. Heute ist die Erfurter Altstadt – wie alle Stadtteile – in statistische Blockgruppen unterteilt. Diese Blockgruppen als kleinste Einheiten von jeweils etwa 1000 Einwohnern können wiederum zu folgenden Vierteln zusammengefasst werden:

Viertel(nicht offiziell)Blockgruppen. In: erfurt.de, abgerufen am 20. November 2017 (PDF; 3,5 MB).(offiziell)Fläche (km²)Satellitenmessung mit Google Earth, dabei kann es zu geringen Abweichungen (<3 %) kommen.Einwohner (2000) (= Kommunalstatistische Hefte. Heft 41/1. Ausgabe: April 2001), S. 49. In: erfurt.de, abgerufen am 20. November 2017 (PDF; 1,3 MB).Einwohner (2007) (= Kommunalstatistische Hefte. Heft 64. Ausgabe: Juli 2008), S. 54. In: erfurt.de, abgerufen am 20. November 2017 (PDF; 937 kB).Einwohner (2015) (= Kommunalstatistische Hefte. Heft 96. Ausgabe: November 2016), S. 56 ff. In: erfurt.de, abgerufen am 20. November 2017 (PDF; 3,9 MB).BevölkerungsdichteAndreasviertel, Petersberg, Domplatz (Moritzstraße – Pergamentergasse)1110,561.3361.4771.8343.275Stadtmitte(Pergamentergasse – Augustinerstraße – Anger – Neuwerkstraße – Domstraße)112 + 113 + 1140,673.0264.3035.1397.670Huttenplatz/Johannesviertel(Moritzstraße – Augustinerstraße – Franckestraße – Flutgraben)121 + 122 + 1230,323.3283.7603.91212.225Krämpferviertel (Franckestraße – Johannesstraße – Anger – Trommsdorffstraße – Flutgraben)124 + 125 + 1330,302.9503.2603.60712.023Bahnhofsviertel(Anger – Trommsdorffstraße – Flutgraben – Löberstraße – Neuwerkstraße)132 + 1350,411.3821.7572.1355.207Kartäuserviertel(Neuwerkstraße – Löberstraße – Flutgraben – Puschkinstraße)131 + 1340,161.7061.9522.38814.925Brühladministrativ Teil der Brühlervorstadt, nicht der Altstadt(Rudolfstraße – Lauentor – Holzheienstraße – Lutherstraße – Walkmühlstraße – Bonifaciusstraße)3220,461.7832.2353.3617.307Dalbergswegadministrativ Teil der Brühlervorstadt, nicht der Altstadt(Lutherstraße – Puschkinstraße – Bahn – Pförtchen – Thomas-Müntzer-Straße – Wilhelm-Külz-Straße)3240,221.3281.6701.8918.595

So lebten 2015 auf der Fläche des mittelalterlichen Erfurts 24.267 Einwohner, davon 19.015 im Stadtteil Altstadt und 5.252 im Stadtteil Brühlervorstadt.

Der Verlauf der zweiten Stadtbefestigung wird heute etwa durch den Verlauf des Erfurter Stadtrings nachgezeichnet. Außerhalb angrenzende Stadtteile sind die Andreasvorstadt im Nordwesten (von Lauentor bis Johannestor), die Johannesvorstadt im Nordosten (von Johannestor bis Franckebrücke), die Krämpfervorstadt im Osten (von Franckebrücke bis Schmidtstedter Tor), Daberstedt im Südosten (von Schmidtstedter Tor bis Augusttor [Bahnhofstraße]), die Löbervorstadt (von Augusttor bis Pförtchen) und die Brühlervorstadt im Südwesten (von Pförtchen bis Lauentor).

Die Altstadt liegt im Talkessel der Gera; das Umland ist zu fast allen Seiten ansteigend. Topografisch treten in der Altstadt nur der Petersberg und der niedrigere Domberg als Erhebungen hervor. Zweiter prägender Faktor ist die Gera, die die Altstadt, in zahlreiche Arme aufgeteilt, durchfließt. Einige dieser Arme wurden später zugeschüttet, und einige sind bis heute vorhanden. Dazu zählen der Bergstrom und der Walkstrom, die sich bereits außerhalb der Altstadt trennen und im Bereich der Meister-Eckehart-Straße zum Breitstrom vereinigen. Die Wilde Gera floss früher dort, wo heute der Juri-Gagarin-Ring verläuft. Auch an die Hirschlache erinnert heute nur noch ein Straßenname. In Venedig im Norden der Altstadt zweigt vom Breitstrom die Schmale Gera ab, die nicht wieder in die Gera fließt, sondern in Werningshausen in die Gramme mündet. Als äußerer Wehrgraben diente früher der Flutgraben, der heute einen Großteil des Gerawassers am Rand der Altstadt entlangleitet.

Viertel mini|Blick über die Altstadt mit ihren Türmen vom Turm der Andreaskirche aus Andreasviertel

Das Andreasviertel liegt nördlich des Domplatzes zwischen der Andreasstraße und der Gera. Es ist durch kleinteilige Bebauung mit frühneuzeitlichen Wohnhäusern geprägt und war im 20. Jahrhundert wiederholt Schauplatz heftiger politischer Auseinandersetzungen um Städtebaumaßnahmen.

Domberg und Petersberg Die beiden Hügel stellen eine Keimzelle der Stadtentwicklung dar. Auf dem Domberg befinden sich der Erfurter Dom und die Severikirche. Nördlich des Dombergs liegt, durch die Lauentor-Straße getrennt, der Petersberg. Dort befand sich zunächst ein bedeutendes Kloster, bevor im 17. Jahrhundert die noch heute vorhandene Zitadelle Petersberg entstand. Sie nimmt einen erheblichen Teil der Altstadt ein, weshalb ihre Erschließung und Instandsetzung, mit der 1990 begonnen wurde, noch immer andauert. Zur Bundesgartenschau 2021 in Erfurt war der Petersberg eine der Kernflächen sein und diente der Präsentation des Freistaats Thüringen, der Eigentümer des Areals ist.

Stadtmitte Die Stadtmitte stellt heute den Kern der erhaltenen Altstadt dar. Sie ist zum überwiegenden Teil durch mittelalterliche und frühneuzeitliche Bebauung geprägt. Lediglich entlang der Hauptgeschäftsstraßen dominiert Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts. Im Bereich des Rathauses und des dahinter gelegenen Gera-Übergangs befand sich ein zweiter Ausgangspunkt der Stadtentwicklung Erfurts. Blieb dieser Teil der Stadt zu DDR-Zeiten von großen Eingriffen verschont, kam es seit 1990 wieder zu einer verstärkten Bautätigkeit. Neben neuen Kaufhäusern entstanden auch zahlreiche neue Wohnhäuser auf vorherigen Brachflächen, Hinterhöfen und Gärten oder nach dem Abriss von nicht mehr zu erhaltenen Häusern, die sich allerdings durch entsprechende Auflagen ins Stadtbild einpassen. Gleichwohl gab man in Erfurt moderner Architektur den Vorzug vor historisierenden Bauformen. Insgesamt stiegen Bebauungsdichte und Einwohnerzahl zuletzt stark an. Aus urbanistischer Sicht bedeutsam ist das Quartier zwischen Allerheiligenkirche, Michaeliskirche und Benediktsplatz, da es über etwa 800 Jahre von Stadtbränden und flächendeckender Zerstörung weitgehend verschont blieb und somit eine „steinerne Chronik“ von besonderem Wert darstellt.

Huttenplatz/Johannesviertel Der Bereich im nördlichen Teil der Altstadt ist durch eine nahezu reine Wohnnutzung geprägt. Historisch befand sich hier die Johannesvorstadt, ein dünn bebautes Gebiet mit kleinen Häusern. Nach der Beseitigung der Stadtbefestigung ist der Begriff Johannesvorstadt auf einen weiter außerhalb gelegenen Stadtteil übergegangen. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde das Johannesviertel zu großen Teilen neu bebaut, diente aber weiterhin vor allem als Wohnviertel. Ein letzter großer Eingriff fand in den 1980er-Jahren statt. Damals wurden weite Teile des südlichen und westlichen Johannesviertels abgerissen und durch Wohnbauten in Plattenbauweise ersetzt – eine Maßnahme, die damals zur Steigerung des Wohnkomforts und einer Vergrößerung des Wohnraums führte. Dieser Umbau wurde in „altstadtgerechter“ Bauweise, also viergeschossig und mit Schrägdach, durchgeführt, wofür man 1983/85 in der Johannesstraße Musterbauten errichtet hatte.Steffen Raßloff: Musterplattenbau Johannesstraße. In: Thüringer Allgemeine. 30. Juni 2012, Serie: Denkmale in Erfurt. Nr. 52. In: erfurt-web.de. 7. Februar 2014. Abgerufen am 20. November 2017.

Krämpferviertel Das Krämpferviertel im östlichen Teil der Altstadt war lange Zeit durch verschiedene Nutzungsarten geprägt. So befand sich hier seit 1385 das Große Hospital Erfurts. Auch Wohnen, Gewerbe und Gärten waren vorhanden. Ebenso wie das nördlich gelegene Johannesviertel wurde auch das Krämpferviertel im späten 19. Jahrhundert dicht mit Wohnhäusern bebaut, wobei im westlichen Teil noch ältere Bebauung vorherrschte. In den 1960er-Jahren wurde diese im Zug des Ausbaus des Juri-Gagarin-Rings abgerissen und durch Hochhäuser in Plattenbauweise ersetzt. Dieser radikale Eingriff in die Stadtstruktur prägt das Erscheinungsbild des Viertels bis heute.

Bahnhofsviertel Das Bahnhofsviertel im Südosten der Altstadt ist stärker als die anderen Viertel durch eine Mischnutzung von Wohnen und Gewerbe geprägt. Im nördlichen Teil und entlang der Bahnhofstraße finden sich viele große Geschäftshäuser aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, auch danach wurden gelegentlich noch Bauten ergänzt. Im Bereich der Schmidtstedter Straße fand diese Überbauung nicht statt, sodass dort Gebäude des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts dominieren, wobei der Anteil unsanierter Gebäude vergleichsweise hoch ist. Nach 1990 bildete sich hier ein Schwerpunkt der Einwanderung aus Südosteuropa und dem Nahen Osten, sodass es dort viele Geschäfte gibt, die entsprechende Produkte anbieten. Im westlichen Teil des Bahnhofsviertels entstanden in den 1970er- und 1980er-Jahren nach dem Abriss älterer Bebauung wiederum Plattenbau-Wohnblocks entlang des Juri-Gagarin-Rings, die am Thomaseck und dem Forum nach der Wiedervereinigung um Geschäftsbauten ergänzt wurden.

ICE-City West (Bereich Thomasstraße)