Mudau ist eine zum Neckar-Odenwald-Kreis gehörende Gemeinde in Baden-Württemberg. Sie gehört zur europäischen Metropolregion Rhein-Neckar.

Geographie Lage Die Gemeinde liegt im südöstlichen Odenwald zwischen Neckar und Main in der nördlichen Ecke des Neckar-Odenwald-Kreises an der Landesgrenze zu Hessen und Bayern (Dreiländereck). Das von ausgedehnten Wäldern bedeckte Gemarkungsgebiet liegt auf der sanft in Richtung Südosten zum Bauland hin abfallenden Buntsandstein-Hochfläche zwischen 240 m (Reisenbacher Grund) und 580 Höhe. Die höchsten Erhebungen befinden sich mit der Hart und dem Salzlackenkopf westlich von Reisenbach.

Viele Bäche entspringen hier auf der Wasserscheide zwischen Neckar und Main, darunter die Mud, die dem Marktflecken auch den Namen gegeben hat. In ihrem Unterlauf haben sie sich teils bis zu 200 m tief in den Buntsandstein eingegraben. Der Gabelbach, die Mud und das Steinbächlein fließen zum Main, der Reisenbach, der Trienzbach und die Elz zum Neckar.

Die Gemeinde hat ein eigenes Wasserversorgungssystem. Das Frischwasser wird aus vier Tiefbrunnen gefördert, mechanisch entsäuert und ohne sonstige Aufbereitung direkt an den Verbraucher weitergegeben. Der Ortsteil Mudau ist seit 1996 ein staatlich anerkannter Erholungsort im Naturpark Neckartal-Odenwald. Im Regionalplan ist Mudau als Kleinzentrum ausgewiesen.

Die nächstgelegenen Großstädte sind im Norden Frankfurt am Main, im Osten Würzburg, im Süden Heilbronn und im Westen Heidelberg und Mannheim. Mittelzentren wie Mosbach, die Kreisstadt des Neckar-Odenwald-Kreises, befinden sich etwa 20 km südlich, Eberbach gut 20 km westlich, Buchen rund 10 km östlich und Amorbach ungefähr 13 km nördlich entfernt.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Mudau besteht aus den neun Ortsteilen Donebach (), Langenelz (), Mörschenhardt (), Mudau (), Reisenbach (), Rumpfen (), Scheidental (), Schloßau () und Steinbach ().

Zum Ortsteil Donebach gehören das Dorf Ünglert () und die Hofreite Ünglert, die zum Teil auch im Ortsteil Steinbach liegt. Zu den Ortsteilen Langenelz und Rumpfen gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zum Ortsteil Mörschenhardt gehören das Dorf Mörschenhardt, der Weiler Ernsttal () und das Schloss Waldleiningen. Zum Ortsteil Mudau gehören das Dorf Mudau und der aufgegangene Weiler Untermudau sowie die Siedlung „Neue Heimat“. Zum Ortsteil Reisenbach gehören das Dorf Reisenbach, der Weiler Reisenbacher Grund () und seit 1977 ein Teil der Wüstung Unterferdinandsdorf (). Zum Ortsteil Scheidental gehören die Dörfer Oberscheidental und Unterscheidental. Zum Ortsteil Schloßau gehören die Dörfer Schloßau und Waldauerbach (historisch auch Auerbach, ). Zum Ortsteil Steinbach gehören das Dorf Steinbach und ein Teil des Weilers Ünglert.

Einwohner und Gemeindegröße Die Anzahl der Einwohner beträgt 4.915, was einer Einwohnerdichte von 47,6 EW/km² entspricht. Die Gemeindegröße ist 10.756 ha (Stand 04/2019). Damit ist Mudau flächenmäßig die zweitgrößte Gemeinde im Neckar-Odenwald-Kreis und eine der am dünnsten besiedelten Gemeinden von Baden-Württemberg.

Geschichte Römische Vergangenheit Zur Zeit der Römerherrschaft (etwa 98 bis 260) lag das Gemeindegebiet in der Provinz Obergermanien. Überreste des Neckar-Odenwald-Limes sind heute bei Schloßau und Scheidental zu sehen. Zur römischen Vergangenheit Mudaus siehe auch die separaten Artikel Kastell Oberscheidental sowie die Artikel zum Kastell Schloßau, dem Kleinkastell Seitzenbuche und dem Kleinkastell Zwing unweit von Schloßau gelegen. Die römische Herrschaft währte bis zum Eindringen der Alamannen (um das Jahr 260), die in der Folgezeit das Land zwischen Main und Neckar besiedelten und beherrschten, jedoch zu Beginn des 6. Jahrhunderts ihrerseits unter die Herrschaft der Merowinger und später des Fränkischen Reichs gerieten. mini|Kastell Oberscheidental

Mittelalter und Frühe Neuzeit Um das Jahr 1050 erwarb das Benediktiner-Kloster Amorbach ein Gebiet im Gau Wingarteiba im östlichen Odenwald, die „silva Otinwalt“ und ließ Rodungssiedlungen im Waldgebiet südlich von Amorbach anlegen. Die Ortschaften fanden hierdurch ihren Ursprung, unterstanden ab dem 12. Jahrhundert der Vogtei der Herren von Dürn und waren der nahe gelegenen Burg Wildenberg zugeordnet.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Mudau am 19. Mai 1271 anlässlich des Verkaufs der Burg Wildenberg mit den zugehörigen Dörfern Kirchzell, Buch, Preunschen, Donebach, Mörschenhardt, Schloßau und Mudau durch Ulrich von DürnZu Ulrich III. von Dürn siehe Dürn, Adelsfamilie in Historisches Lexikon Bayerns und seine Gemahlin Adelheid an das Erzstift Mainz.Fränkische Nachrichten, 20. Mai 2019, Mudau, Urkunde übergeben – Heimat- und Verkehrsverein war im Staatsarchiv in Würzburg, Verkauf der Burg Wildenberg besiegelt. online.Staatsarchiv Würzburg, MU (Mainzer Urkunde) 3381, 19. Mai 1271. Dazu gehörten auch der Atzhof (ein Fronhof) und der Gutshof Neuhof, der inzwischen abgegangen ist .Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 301–304.

Mudau wurde Mittelpunkt des oberen Zent mit eigenem Verwaltungs- und Gerichtsbezirk, während Amorbach Sitz des unteren Zent war. Der obere Zent umfasste 27 Dörfer an dessen Spitze der Zentgraf stand, bei Gericht standen ihm 14 Schöffen aus den einzelnen Zentorten zur Seite. Im Jahre 1426 wurde Mudau von der Mutterpfarrei Hollerbach abgetrennt und eigenständiger kirchlicher Mittelpunkt mit 13 Filialen. Im Bauernkrieg von 1525 wurde das nahe gelegene Kloster Amorbach vom hellen Haufen um Götz von Berlichingen geplündert und die unverteidigte Burg Wildenberg zerstört. Im Dreißigjährigen Krieg marschierten Soldaten des Schwedenkönigs durch Mudau, nahmen hier Quartier und verursachten von 1632 bis 1634 große Schäden, infolge derer viele Mudauer an Hunger starben. Die Bevölkerung ging bis zum Ende des Krieges um gut zwei Drittel zurück: In Mudau waren von vormals 80 erwachsenen Männern nur noch 14 vorhanden, in Schlossau von 46 Mann nur noch vier, in Steinbach von 30 nur noch 1, in Steinbach von 15 nur noch drei, in Auerbach von zwölf nur noch vier, in Unterscheidenthal von elf oder zwölf nur noch einer, in Langenelz von 16 nur noch fünf und in Rumpfen waren nur noch zwei Bauern wohnhaft.

Ein früher, harter Winter im Jahr 1708/1709 sorgte im darauf folgenden Jahr in weiten Teilen Europas für Missernten und Hungersnot, so auch in Mudau.

In sehr vielen größeren Orten wurden Schulen ins Leben gerufen. Verbürgte Nachrichten von einer regelmäßigen Volksschule finden sich zum Beispiel zu Steinbach erst seit Ende des 17. Jahrhunderts, als Kinder vom sechsten bis zum zwölften Lebensjahr per Verordnung von 1692 für schulpflichtig erklärt wurden.

Die Untertanen empfanden in dieser Zeit von allen zu leistenden Verpflichtungen das Fronwesen als das am bedrückendste. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts konnte dies abgelöst werden, als eine Landesgesetzgebung eingriff und Abhilfe schuf.

19. Jahrhundert Durch die Säkularisation gelangte Mudau 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss kurzzeitig an das Fürstentum Leiningen und war bis 1805 hochfürstliches leiningisches Justizamt, wurde jedoch 1805 mit seiner Zent dem Rentamt Buchen zugeschlagen. Dadurch verlor Mudau seine bis dahin bedeutende Stellung als Amtsort. Nach der Mediatisierung 1806 und dem Vertrag zur Rheinbundakte wurde Mudau ab 1807 formal Bestandteil des vergrößerten Großherzogtums Baden. In den nächsten Jahren trafen drei große Agrarkrisen die Region hart, von denen zwei Hungersnöte auslösten. Durch den Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien kam es zum Jahr ohne Sommer das 1816 und 1817 zu großen Hungersnöten. Erst ab 1818 besserte sich die Situation wieder und führte bis 1821 zu sehr guten Ernteerträgen. Die Überproduktion von Nahrungsmitteln ließ die Marktpreise in der Zeitspanne von 1820 bis 1830 rapide sinken. Die zweite große Hungersnot fiel in die Jahre 1846 und 1847 und hatte ihren Grund im Auftreten der Kartoffelfäule und wetterbedingter Missernten. In der Märzrevolution von 1848 wurden das leiningische Hofgut Marienhöhe bei Buchen und das Rentamt in Ernsttal in Brand gesteckt. Die Rathäuser wurden gestürmt. 1849 wurden durch einen Großbrand – ausgehend von der Hauptstraße – 109 Gebäude zerstört, zwei Drittel von Mudau standen nicht mehr und 800 Einwohner waren obdachlos geworden. Die Bevölkerung war zwischen 1800 und 1847 um 52 % stark angewachsen, und die begrenzten landwirtschaftlichen Anbauflächen konnten viele Einwohner kaum noch ernähren. Das vorherrschende System des Anerbenrechts verstärkte die Not einzelner noch. Eine Vielzahl von Mudauer Familien wollte der Verelendung oder Hoffnungslosigkeit entkommen und suchte ihr Glück in der Fremde (Heidelberg, Mannheim oder Frankfurt) oder durch Auswanderung nach Afrika, Brasilien und Nordamerika. So gaben allein 765 Auswanderer aus dem Gemeindegebiet zwischen 1851 und 1870 ihre badische Staatsangehörigkeit auf. Finanziert wurde die teure Reise nach Übersee zum Teil aus Gemeindemitteln. Der preußisch-österreichische Krieg von 1866 brachte nach gut 50-jähriger Pause wieder Soldaten in die Gemarkung, ehe 1870/71 gut vier Dutzend Männer aus Mudau am Deutsch-Französischen Krieg teilnahmen. Um die Jahrhundertwende verbesserte sich das Gesundheitswesen und die allgemeine wirtschaftliche Lage deutlich. Eine Reihe von Schul- und Rathausneubauten in den Ortschaften wurden initiiert. Daneben setzte eine wirtschaftliche Umstrukturierung der Bevölkerung ein, neben den traditionellen Gruppen der Selbständigen vergrößerte sich die Schicht der lohnabhängigen Arbeiter.

20. Jahrhundert