mini|hochkant=1.2|Drachen in Sternform. Luft strömt durch die Öffnung an der Vorderseite des oberen Zackens ein und bläht das Kissen auf. Eine Leine hält in Fäden aufgefächert den Drachen schwerpunktmäßig etwas oberhalb des Zentrums. Drei weitere Leinen greifen an den oberen drei Zacken an. An den unteren zwei Zacken hängen stabilisierende Schwänze. mini|hochkant=1.2|Großdrachen bei einem japanischen Drachenfest mini|Viele verschiedene Drachen am Himmel
Ein Drachen (nach chinesischen, als Drachenbilder ausgeführten Drachen),Elmar Seebold (Hrsg.): „Kluge“, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 2002, S. 212. Fesseldrachen oder auch Kite (englisch) ist ein Spiel- und Sportgerät, das mit Wind betrieben wird. Er besteht in der einfachsten Ausführung aus einem Segel, das in der Regel durch ein Gestänge aufgespannt wird und einer am Gestänge befestigten Leine, die die Person hält, die den Drachen steigen lässt (im Drachensport Pilot). Der Drachen wird so in den Wind gestellt, dass durch die Anströmung der Luft gegen das Drachensegel dynamischer Auftrieb entsteht und der Drachen nach oben steigt.
Es gibt auch ein Drachenfliegen ohne Wind, bei dem die Luftanströmung nur durch Fortbewegung der Leine durch den des Piloten erzielt wird, etwa durch Gehen oder Laufen. Auf diese Weise kann – typisch mit kleinen und sehr kleinen Drachen – bei Windstille oder in geschlossenen Räumen geflogen werden. Dabei ist die Leine oft am Ende eines Stabs oder auch an einer biegsamen Angelrute befestigt.
Funktionsweise Ein Drachen bezieht seine Auftriebsenergie aus dem Wind, der über die Segelfläche gelenkt wird. Er fängt den Wind nicht ein wie ein Fallschirm, sondern er leitet den Wind über seine Auftriebsflächen und legt sich auf die Strömung oder lässt sich vom Unterdruck über der Segelfläche emporziehen. Dazu muss ein Drachen eine Strömungsrichtung definieren und sich in die geeignete Richtung in den Wind drehen. Kastendrachen erreichen dies mit den senkrechten Flächen des Kastens, die den Drachen in die Richtung mit dem kleinsten Widerstand rücken. Flachdrachen leiten die Windströmung von der Mitte nach außen ab, indem sie sich im Winddruck beugen, also die äußeren Segelspitzen nach hinten biegen. Um auch bei geringen Windgeschwindigkeiten stabile Fluglagen zu erzielen, ist in der Regel das Quergestänge bereits gewinkelt angebracht.
Geschichte Ursprung der Drachen
Die vermutlich älteste Drachen-Darstellung ist in einer 11.000 Jahre alten indonesischen Höhlenmalerei enthalten.
Han Fei schreibt im 3. Jahrhundert v. Chr. die Erfindung des Drachens Mo Ti, der im 5. Jahrhundert v. Chr. lebte, zu. Seit dieser Zeit wurde in China eine Vielzahl von Drachen-Typen entwickelt und hergestellt. Chinesen bauten Kommunikations-, Propaganda-, Pfeif- und buddhistische Kontemplationsdrachen. Dies führte zu bemannten Drachen. Über bemannte Drachenflüge wird im Zizhi Tongjian berichtet; Gao Yang († 559), Kaiser der Nördlichen Qi-Dynastie hatte sie als Strafe erzwungen.
Drachen in Asien
mini|Chinesischer Drachen – Centipede (= Hundertfuß)
Die ersten Drachen, die in China im 5. Jahrhundert v. Chr. auftauchten, bestanden hauptsächlich aus Bambusstäben und Seide. Weil Letztere teuer war, verbreitete sich der Drachen nur langsam. Das änderte sich, als das erste Papier entwickelt wurde. Man vermutet, dass die Drachen durch buddhistische Missionare und über den Handel mit Papier im 2. Jahrhundert v. Chr. schließlich auch Japan und Korea erreichten.
Der im Bild zu sehende Centipede-Drachen war ursprünglich ein traditioneller Drachen, der nur für den Kaiser aus Seide und Bambus gebaut wurde, und den nur er fliegen lassen durfte. Er galt als ein Glückssymbol und in der Qing-Dynastie (1644–1911) ließ man ihn so hoch wie möglich fliegen, um dann die Leine zu kappen und den Drachen dem Wind zu überlassen. Die Chinesen glaubten, dass damit auch alle Sorgen und Gefahren davonfliegen.
In Japan sind über 300 verschiedene Drachentypen bekannt. Dabei unterscheiden sich die verschiedenen Modelle oft je nach Geographie und Materialverfügbarkeit. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts haben sich die Bemalung und Bauart wenig verändert.
So entstanden im Laufe der Zeit viele Volksfeste, bei denen Drachen eine zentrale Bedeutung erhielten. Ein Beispiel ist hier das japanische Neujahrsfest.
Auch in Afghanistan spielen Drachen insbesondere im Herbst und in den Wintermonaten eine große Rolle. Doch der Höhepunkt des Drachensteigens ist während des traditionellen Neujahrsfestes, Nouruz, das seit jeher am Frühlingsanfang zelebriert wird.
Drachen im Westen
mini|Reiter mit Drachen in Konrad Kyesers Techniktraktat Bellifortis (ca. 1405)
Die Römer ließen zu besonderen Anlässen wie militärischen Siegen oder Volksfesten bunt verzierte Windsäcke fliegen. Das Militär verwendete ab 300 n. Chr. als Feldzeichen die Dracostandarte, die aus einem stilisierten Drachenkopf und einer im Wind flatternden Tuchröhre bestand. Hier liegen auch die etymologischen Wurzeln für den mit einem langen Schweif versehenen (Spielzeug-)Drachen.
Die echten Drachen kamen aber erst im 16. Jahrhundert über holländische, portugiesische und englische Kaufleute nach Europa, die Handel mit Fernost betrieben. Giambattista della Porta beschreibt 1589 in Band 20 seines Werkes „Magia naturalis“ den Bau eines Fesseldrachens.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren die Drachen schließlich als Kinderspielzeug im ganzen Westen verbreitet. Jetzt erst erkannte die Wissenschaft, welche forschungstechnischen Möglichkeiten der Drachen bot. Die Experimente konzentrierten sich zu Beginn auf meteorologische Untersuchungen. So untersuchten zum Beispiel Thomas Melvill (1726–1753) und Alexander Wilson mit einem Drachen Temperaturunterschiede zwischen den einzelnen Höhenlagen. Ein bekanntes Experiment dieser Zeit wurde von dem amerikanischen Diplomaten und Wissenschaftler Benjamin Franklin durchgeführt. Franklin untersuchte mit Drachen die Wirkung elektrischer Blitze. Der am Himmel schwebende Drachen trug in dieser Zeit stark zum beständigen Wunsch der Menschheit bei, fliegen zu können, und beeinflusste so maßgeblich die Entwicklung der ersten Flugmaschine.
Im heutigen Griechenland ist das Fliegenlassen von selbstgebauten Papierdrachen fester Bestandteil des Kathara Deftera, dem Montag, an dem die Fastenzeit beginnt und die Karnevalszeit endet. An diesem gesetzlichen Feiertag stehen bei geeignetem Wind Hunderttausende von Drachen über ganz Griechenland, wobei laut dem Volksglauben eine große erreichte Höhe des Drachens Glück für das kommende Jahr verheißt.
Militärischer Einsatz
mini|Cody’s Mankite beim Einsatz als manlifter
Der Drachen fand auch Anwendung im militärischen Bereich. Aus der Frühzeit und dem Mittelalter sind die folgenden Verfahren überliefert: Im alten Japan verwendeten Heerführer Drachen zur psychologischen Kriegsführung. Sie befestigten Apparaturen zur Geräuscherzeugung an den Drachen und ließen sie nachts über den feindlichen Truppen steigen. Die Krieger glaubten so, sie würden von bösen Geistern attackiert. Es gibt Aufzeichnungen über riesige Drachen, die Bogenschützen trugen.
In Korea wurden mittelalterliche Schlachten mit Signaldrachen koordiniert, deren Zeichnung Befehle an die Truppen übermittelten. Die Drachen waren auch aus bewaldeten Stellungen gut auszumachen, sodass die verbildlichten Anweisungen schnell die verschiedenen Truppen erreichen konnten.
Im europäischen Raum wurde bei Belagerungen mit Drachen die Entfernung zu den feindlichen Stellungen ausgemessen. Dabei ließ man den Drachen abstürzen und maß die Länge der ausgegebenen Schnur.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts experimentierte der Amerikaner Samuel Franklin Cody mit seinem man lifting system – bekannt geworden und 1903 patentiert als Cody’s Mankite – für die britische Armee. Ziel der Experimente war es, einen Drachen zu konstruieren, der einen Menschen in die Lüfte heben konnte. Das Militär des Deutschen Reiches setzte Drachen als Luftdrahtträger in der Funktelegrafie ein, etwa im Krieg gegen die Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika.Reinhard Klein-Arendt: ”Kamina ruft Nauen!“ Die Funkstellen in den deutschen Kolonien 1904–1918. 3. Auflage, Wilhelm Herbst Verlag, Köln 1999, ISBN 3-923-925-58-1, S. 32.
Während der Weltkriege fanden Drachen hauptsächlich in Bereichen der Luftüberwachung und Schützentraining ihren Einsatz, wurden jedoch bald durch neuere Technologien ersetzt. Die Plüschtier- und Spielzeugfirma Steiff überstand den Krieg durch ihren Roloplan-Spielzeugdrachen. Er wurde vom Militär zum Justieren der Flak genutzt. Auch zur Abwehr von Tieffliegerangriffen wurden Drachen vielfach eingesetzt. Mit den sogenannten Sauls (Luftabwehrdrachen) wurden alliierte Geleitzüge vor angreifenden Flugzeugen geschützt.
Im Zweiten Weltkrieg kam der Drachen Gibson Girl zum Einsatz. Er war Teil der Seenotrettungsausrüstung für Flugbesatzungen, die notwassern mussten. Der Drachen trug eine dünne Notantenne in den Himmel, die mit einem Funkgerät verbunden war. Ein handbetriebener Generator erlaubte der Flugbesatzung, SOS zu funken.
mini|Feuerdrachen, der vom Gazastreifen mit brennenden Gegenständen an der Schwanzspitze versehen wurde, um Brände in den Feldern des Bezirks Eschkol im nordwestlichen Negev in Israels Südbezirk zu verursachen.
Seit dem 30. März 2018 setzt eine Gruppe von Hamas-Terroristen in Israel Drachen, an denen Granaten oder andere, unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen befestigt sind, ein. Bisher wurden mehr als 800 Drachen entsandt und damit über 1000 Brände entfacht. Es verbrannten zahlreiche in der früheren Wüstenlandschaft aufgebaute Landwirtschaftsflächen im westlichen Negev und den Ortschaften östlich des Gaza-Streifens, darunter Getreidefelder, Obstplantagen, Wald und Buschland, sowie Bewässerungsanlagen und landwirtschaftliche Geräte. Über 400 Feuerdrachen wurden von den Abwehreinheiten der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) abgefangen. Israel versucht mithilfe von Drohnen die Feuerdrachen zu neutralisieren, was angesichts der Menge ein schwieriges Unterfangen ist.
Zivile Verwendung
mini|Meteorologischer Drachen der U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration mini|Von Drachen auf Höhe gebrachte Rotorenkette mini|Rotierender Drachen am Südstrand von Sylt mini|Großer Drachen in Japan
Neben der Verwendung als Kinderspielzeug und Sportgerät können Drachen auch zum Transport verwendet werden. Ein Beispiel hierfür ist Skysails, ein computergesteuertes Drachensystem zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs von Schiffen. Dabei wird ein Lenkdrachen mit einer Fläche von bis zu 600 m² an einem Schiff befestigt und dient so als zusätzlicher Antrieb.
Drachen können auch als Antennenträger in großer Höhe dienen. So ist es möglich, die Drachenschnur in Form eines Kabels auszuführen, das als Antenne für Längstwelle, Langwelle oder Mittelwelle dient.
Im Jahr 1889 wurde erstmals mit einer Kamera fotografiert, während diese von einem Drachen getragen wurde. 1906 entstand ein großformatig aufgenommenes Bild von San Francisco aus gut 600 m Höhe. Dies wird international als Kite Aerial Photography (kurz KAP) bezeichnet. In den letzten Jahren wurde auch das Drehen von Videofilmen von Drachen aus praktikabel.
In der Aerologie wurden Drachen für den Transport registrierender Messinstrumente in die freie Atmosphäre genutzt. Am 4. August 1894 gelang es Abbott Lawrence Rotch und William Abner Eddy (1850–1909), einen Thermografen per Drachen auf eine Höhe von 436 Metern zu befördern.Walter Diem, Werner Schmidt: Wetterdrachen. Von Benjamin Franklin bis Rudolf Grund. Books on Demand, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8391-7628-3, S. 29. Am Aeronautischen Observatorium in Lindenberg wurde am 1. August 1919 der noch heute gültige Höhenrekord für Drachen von 9.740 m unter dem Aufstiegsleiter Georg Stüve (1888–1935) erreicht. Dabei wurde eine Drachenkette aus acht Schirmdrachen verwendet.