mini|hochkant|Teatro della Pergola (Fassade) Das Teatro della Pergola in der Via della Pergola im Zentrum von Florenz ist ein historisches Theatergebäude. Es gilt als eines der ältesten noch bespielten Opernhäuser seiner Art in Italien und nimmt eine Schlüsselstellung in der Entwicklung des europäischen Theaterbaus ein.
Baugeschichte und Architektur mini|hochkant|Eingangsbereich des Teatro della Pergola mini|Zuschauerraum des Teatro della Pergola
Der erste Bau wurde 1656 im Auftrag der Adelsvereinigung Accademia degli Immobili vom Architekten Ferdinando Tacca als Holzkonstruktion errichtet. Die Eröffnung fand während des Karnevals 1657 mit der Uraufführung der Opera buffa Il podestà di Colognole statt, deren Libretto von Giovanni Andrea Moniglia verfasst und von Jacopo Melani vertont worden war.
Architekturgeschichtlich gilt das Teatro della Pergola als der entscheidende Prototyp des italienischen Logentheaters (Teatro all'italiana). Es war das erste Bauwerk, bei dem die hufeisenförmige Anordnung von drei säulengetragenen Logenrängen und einer darüber liegenden Galerie fest in die Gebäudestruktur integriert wurde. Diese Bauweise trennte die Zuschauer erstmals in voneinander isolierte Privatlogen, was im 17. und 18. Jahrhundert maßgebend für die europäische Theaterarchitektur wurde.
Im Jahr 1755 wurde die Holzstruktur unter der Leitung des Architekten Giulio Mannaioni durch massives Mauerwerk ersetzt, um die Brandgefahr zu minimieren. Im 19. Jahrhundert folgte eine Modernisierung im neoklassizistischen Stil, bei der eine Kassenhalle mit Granitsäulen nach Entwürfen von Bartolomeo Silvestri angefügt wurde. Der Zuschauerraum fasst rund 1000 Personen. Der Fußboden besitzt einen von Cesare Canovetti konstruierten Hebemechanismus, mit dem er auf das Niveau der Bühne angehoben werden kann, um den Raum in einen durchgehenden Ballsaal zu verwandeln. Im Jahr 1925 wurde das Gebäude zum nationalen Baudenkmal (Monumento nazionale) erklärt.
Institutionelle und künstlerische Geschichte Das Haus diente zunächst ausschließlich als Hoftheater des Hauses Medici und wurde erst nach 1718 für das zahlende Publikum geöffnet. Im Jahr 1788 fand hier die italienische Erstaufführung von Mozarts Le nozze di Figaro statt. Das Theater war zudem Ort zahlreicher bedeutender Uraufführungen, darunter Donizettis Parisina (1833) und Rosmonda d’Inghilterra (1834), Verdis Urfassung von Macbeth (1847), Mascagnis I Rantzau (1892) sowie Dallapiccolas Volo di notte (1940).
Nach der Auflösung der Accademia degli Immobili ging das Theater 1942 in Staatsbesitz über und wurde vom Ente Teatrale Italiano (ETI) verwaltet. Seit der Auflösung des ETI im Jahr 2010 wird das Haus von der Stiftung Fondazione Teatro della Toscana betrieben. Es hat heute den Status eines Teatro di Rilevante Interesse Culturale (Theater von bedeutendem kulturellem Interesse) und wird primär als Sprechtheater sowie für Gastspiele genutzt.
Nebenräume Der ehemalige Ballsaal Saloncino, der sich im ersten Stock befindet, verfügt über 324 Plätze. Er entwickelte sich ab den 1860er Jahren durch die Aktivitäten der Società del Quartetto zu einem Zentrum der florentinischen Kammermusikpflege. Im Untergeschoss des Gebäudes ist ein Museum eingerichtet, das Dokumente, Kostüme und historische Requisiten zur Theatergeschichte zeigt.
Kuriosität Im Jahr 1834 installierte der spätere Erfinder Antonio Meucci, der zu dieser Zeit als Bühnentechniker an dem Haus tätig war, ein akustisches Rohrtelefonsystem. Die Anlage verband die Bühne mit den Schnürboden in rund 20 Meter Höhe und ermöglichte dem Personal die lautlose Kommunikation während der Aufführungen, ohne das Publikum akustisch zu stören. Das originale Endgerät ist im Museum des Theaters erhalten geblieben.
Weblinks
Website des Teatro della Pergola (italienisch)
Einzelnachweise
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