Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Ulm Fläche: km² Gliederung: 33 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: 56.522 (2016) Adresse desDekanatamtes: Pfarrstr. 4573033 Göppingen Dekan: Hartmut Zweigle Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Göppingen innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg
Der Evangelische Kirchenbezirk Göppingen war einer von 43 Kirchenbezirken bzw. Kirchenkreisen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet war deckungsgleich mit dem Dekanat Göppingen. Zum 1. Januar 2025 fusionierte er mit dem Kirchenbezirk Geislingen an der Steige zum Kirchenbezirk Geislingen-Göppingen.
Geografie Der Kirchenbezirk Göppingen lag im Osten der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasste überwiegend das untere Tal der Fils. Seine Kirchengemeinden gehörten zu den politischen Städten und Gemeinden Adelberg, Aichelberg, Albershausen, Bad Boll, Birenbach, Börtlingen, Dürnau, Ebersbach an der Fils, Eislingen/Fils, Gammelshausen, Göppingen, Hattenhofen, Heiningen, Ottenbach, Salach, Schlat, Schlierbach, Uhingen, Wäschenbeuren, Wangen und Zell unter Aichelberg im Westen des Landkreises Göppingen.
Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Göppingen grenzte an folgende Kirchenbezirke (im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten): Schwäbisch Gmünd und Geislingen an der Steige (beide Prälatur Ulm), Kirchheim unter Teck (Prälatur Stuttgart) sowie Schorndorf (Prälatur Heilbronn).
Geschichte Das Dekanat Göppingen (damalige Bezeichnung Spezialsuperintendentur) wurde schon 1532, kurz nach der Reformation in Württemberg errichtet und gehört somit zu den ältesten Dekanaten der Landeskirche. Zum Dekan wurde der Pfarrer der Stadtkirche in Göppingen ernannt. Im 16. Jahrhundert war zeitweise der Dekanssitz in Ebersbach, weil der Göppinger Pfarrer zugleich Generalsuperintendent war. Das Dekanat Göppingen veränderte seine Grenzen mehrmals und zu Beginn des 19. Jahrhunderts war sein Gebiet identisch mit dem alten württembergischen Oberamt Göppingen. Es gehört zunächst zum Generalat Adelberg, ab 1598 zum Generalat Denkendorf, ab 1810 zum Generalat Urach und seit 1823 zum Generalat Ulm, aus dem die heutige Prälatur Ulm hervorging.
Infolge der Auflösung einiger Kreise bzw. Oberämter in Württemberg 1939 wurden auch die kirchlichen Verwaltungsbezirke teilweise neu gegliedert. So wurde mit Wirkung vom 1. April 1939 die Kirchengemeinde Reichenbach an der Fils in den Kirchenbezirk Esslingen umgegliedert. Mit Wirkung vom 1. April 1961 wurde die Kirchengemeinde Roßwälden vom Kirchenbezirk Kirchheim unter Teck in den Kirchenbezirk Göppingen umgegliedert, während die Kirchengemeinden Auendorf und Gruibingen mit Wirkung vom 1. Januar 1972 in den Kirchenbezirk Geislingen und gemäß Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 13. Februar 1975 die Kirchengemeinde Degenfeld unter Abtrennung ihrer bis dahin zugehörigen Orte Nenningen und Weißenstein in den Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd umgegliedert wurde. Nenningen und Weißenstein hingegen wurden 1975 ebenfalls in den Kirchenbezirk Geislingen umgegliedert und der dortigen Kirchengemeinde Donzdorf zugeordnet.
Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks oblag der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan, der zugleich einer der Pfarrer an der Stadtkirchengemeinde Oberhofen in Göppingen war. Der Sitz des Dekanats war im Haus der Evangelischen Kirche in der Pfarrstraße 45 in Göppingen.
Dekane des Kirchenbezirks Göppingen seit 1803 1803–1811: Georg Friedrich Fischhaber 1812–1840: Erhard Wilhelm Gottfried Burk 1840–1870: Johann Ernst Osiander 1870–1886: Karl Friedrich Klaiber 1887–1889: Karl Ludwig Kalchreuter (1827–1889) 1889–1901: Karl August Schnaidt (1837–1902) 1902–1912: Karl Heinrich Adolf Hoffman (1844–1912) 1912–1913: Paul Hornberger 1913–1928: Julius Karl August Kalchreuter (1857–1943) 1928–1946/47: Otto Stahl (1876–1972) 1947–1950: Gotthilf Weber (1900–1987) 1950–1967: Gerhard Pfänder (1901–1981) 1967–1979: Karl Philippi (1914–1998) 1979–1991: Frieder Mörike (1929–2015) 1992–2008: Dieter Kunz (* 1944) 2008–2019: Rolf Martin Ulmer (* 1958) Seit 2020: Hartmut Zweigle (* 1962)
Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Göppingen gibt es insgesamt 31 Kirchengemeinden. Das Gebiet des Kirchenbezirks Göppingen gehört überwiegend zum alten Kernland Württemberg, wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Diese Gebiete sind daher überwiegend evangelisch und es gibt meist alte evangelische Kirchen und Kirchengemeinden.
Adelberg Die Kirchengemeinde AdelbergWebsite der Kirchengemeinde Adelberg umfasst die Gemeinde Adelberg. Der Ort in der Nähe des Klosters hieß bis 1851 Hundsholz. Das kirchliche Leben in Adelberg beginnt mit der Gründung des Klosters Adelberg 1178. Klostervogt war der jeweilige Herr der Burg Hohenstaufen, der Herzog von Schwaben. Das 1188 errichtete Frauenkloster wurde 1476 nach Lauffen am Neckar verlegt. 1361 brannte das Kloster zum Großteil ab. Danach unterstand es als Reichspfand Württemberg. Es wurde wieder aufgebaut und konnte ein bescheidenes Umland zugewinnen, darunter zehn Dörfer und 19 Weiler. 1525 wurde das Kloster im Bauernaufstand teilweise zerstört. Bis zur Reformation wurde es teilweise wieder aufgebaut und noch bis 1565 gab es katholische Äbte. Danach wurde das Kloster Adelberg von einem Klosteramt verwaltet, im Kloster selbst eine Klosterschule eingerichtet, die bis 1629 bestand. Die mittelalterliche Klosterkirche St. Maria und Ulrich ging im 16. Jahrhundert ebenso wie das Konventsgebäude und einige Wirtschaftsgebäude ab. Erhalten ist die ehemalige Ulrichskapelle und die einstige Prälatur, ein Fruchtkasten sowie das Forstamt. Die Ulrichskapelle wurde um 1500 unter Abt Berthold Dürr erbaut und von dessen Nachfolger mit einem Hochaltar von Bartholomäus Zeitblom kostbar ausgestattet. Im Ort Adelberg ist die Dorfkirche von 1490 heute Pfarrkirche der evangelischen Kirchengemeinde Adelberg, wo in der Regel der sonntägliche Gottesdienst der Gemeinde stattfindet. Sie besitzt eine Predella, die ebenfalls der Zeitblom-Werkstatt zugeschrieben wird. Die gesamte farbige Fensterverglasung stammt von 1972, das mittlere der fünf Chorfenster zeigt das „Licht in der Finsternis“. Ein Passionszyklus-Gemälde von 1980 des Adelberger Künstlers Ernst Lutz (1941–2008) ist als Dauerleihgabe der Kommune in der Kirche ausgestellt.
Bis 1859 gehörte auch Oberberken und bis 1970 auch Unterberken zur Kirchengemeinde Adelberg, bevor 1859 in Oberberken eine eigene Filialkirchengemeinde errichtet wurde. Dieser wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1970 auch Unterberken zugeordnet. Bis 1992 war die Kirchengemeinde Adelberg zum Kirchenbezirk Schorndorf zugeordnet und wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1993 in den Kirchenbezirk Göppingen umgegliedert.
Albershausen Die Kirchengemeinde AlbershausenWebsite der Kirchengemeinde Albershausen (1.772) umfasst die Gemeinde Albershausen. Eine Kirche wurde in Albershausen 1275 erstmals erwähnt. Das Patronat kam über das Stift Wiesensteig an Württemberg. Die spätgotische Johanneskirche wurde um 1455 erbaut und 1701, 1800, 1869–87, 1953 und 1971 erneuert. Sie hat einen Chor mit Kreuzrippengewölbe, in dem sich bis 1971 eine Orgelempore befand. Der Westturm wurde nach einem Brand von 1781 neu erbaut. Das Weilheimer Künstlerehepaar Gisela Dreher-Richels und Gerhard Dreher waren 1971/1972 für die künstlerische Renovierungskonzeption und die ornamentale Chorverglasung (Ausführung: Kunstglaserei Hack in Weilheim) verantwortlich.
Bis 1970 gehörte auch die Filialkirchengemeinde Bünzwangen zu Albershausen, bevor diese mit Wirkung vom 1. Januar 1971 von Albershausen getrennt und der neu gebildeten Gesamtkirchengemeinde Ebersbach als vierte Teilkirchengemeinde angegliedert wurde. 1990 wurde Bünzwangen wieder von der Gesamtkirchengemeinde Ebersbach getrennt und ist seitdem selbstständig.
Bad Boll Die Kirchengemeinde Bad BollWebsite der Kirchengemeinde Bad Boll (bis 2007 nur Boll) umfasst die Gemeinde Bad Boll mit ihrem Ortsteil Eckwälden. Eine zur Stauferfamilie gehörige Berta von Boll gründete in Boll ein Stift, das 1155 dem Hochstift Konstanz zinspflichtig wurde und 1464 dem Stift Oberhofen in Göppingen inkorporiert wurde. Die ehemalige Stiftskirche ist heute Pfarrkirche Bad Bolls. Sie wurde 1286 als St. Cyriakuskirche erwähnt. Es handelt sich um eine romanische Pfeilerbasilika, unter der sich eine Krypta aus dem 11. Jahrhundert befindet. Das Schiff wurde später verlängert. Der Turm befindet sich an der Südwestecke des Schiffs. Im Innern ist manche bemerkenswerte Bildhauerarbeit zu sehen: das romanische tiefe Taufbecken, 1902 nachbearbeitet, aus der Gotik die Maßwerkfenster und die Steinkanzel am mittleren Pfeiler der Nordseite mit Rebstockrelief am Treppengeländer, und schließlich der farbig gestaltete Barock-Schalldeckel. Im Rahmen der Kirchenrenovierung 1902 erhielt die Stiftskirche von Christoph Blumhardt zwei 1889 für das Kurhaus Boll von Jakob Grünenwald entworfene Glasgemälde (Mose und Christus). Das Christusfenster im Chor wurde 1957 entfernt zugunsten der Arbeit Offenbarung des bekannten Glasmalers Hans Gottfried von Stockhausen, das Mosefenster verblieb im nördlichen Seitenschiff.
Der zu Bad Boll gehörige Ortsteil Eckwälden gehörte bis 1933 als Nebenort zur Kirchengemeinde Zell unter Aichelberg im Kirchenbezirk Kirchheim unter Teck. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 18. März 1933 wurde Eckwälden der Kirchengemeinde Boll (Kirchenbezirk Göppingen) angegliedert. In Eckwälden gibt es keine Kirche. Zum 1. Januar 1976 wurde dann auch Zell unter Aichelberg in den Kirchenbezirk Göppingen umgegliedert.
Nachdem die Gemeinde Boll den Zusatz Bad verliehen bekommen hatte, wurde auch die Evangelische Kirchengemeinde Boll mit Wirkung vom 18. Juli 2007 in Kirchengemeinde Bad Boll umbenannt.
Im Ortsteil Bad Boll-Bad befindet sich seit 1920 einer der beiden Sitze der Herrnhuter Brüdergemeine (der andere ist in Herrnhut in Sachsen). Ferner hat die Evangelische Akademie Bad Boll der Evangelischen Landeskirche in Württemberg hier ihren Sitz.
Bartenbach Die Kirchengemeinde BartenbachWebsite der Kirchengemeinde Bartenbach umfasst den Stadtteil Bartenbach der Stadt Göppingen. Kirchlich gehörte Bartenbach zur Oberhofenkirche später zur Stadtkirche Göppingen. 1920 wurde Bartenbach eigene Pfarrei. Eine Kapelle St. Otmar und Maria wurde in Bartenbach 1404 erwähnt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie zerstört. An gleicher Stelle wurde 1651 die heutige Kirche als Querkirche erbaut. 1974 erbaute sich die Gemeinde mit Architekt Gerhard Fetzer (Grunbach) ein neues Gemeindezentrum, in dem heute die Gottesdienste gefeiert werden. Das Bronze-Altarkreuz mit Leuchtern wurde 1974 vom Hohenstaufener Künstler Hermann Schwahn (1927–2003) und die Farbverglasung 1980 von der Stuttgarter Glaskünstlerin Anna-Dorothea Kunz-Saile geschaffen.
Die alte evangelische Dorfkirche wird seitdem als Heilig-Kreuz-Kirche von der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg genutzt und ging mit Vertrag vom 18. Dezember 2018 in deren Eigentum über.
Zur Kirchengemeinde Bartenbach gehörten zunächst auch die evangelischen Bewohner im benachbarten Rechberghausen, die dort überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogen waren. Für diese wurde dann durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 13. Januar 1955 eine Filialkirchengemeinde von Bartenbach errichtet. Durch Bekanntmachung vom 17. Oktober 1974 wurde diese dann von der Mutterkirchengemeinde Bartenbach getrennt und zur selbständigen Kirchengemeinde erhoben.
Bezgenriet