Der ASA 1000 GT ist ein Sportwagen des ehemaligen italienischen Automobilherstellers Autocostruzione SpA, kurz ASA. Er wurde 1962 vorgestellt und von 1964 bis zur Schließung des Unternehmens 1967 gebaut.
Geschichte 1959, Ferrari 854 Im Dezember des Jahres 1959 stellte Ferrari auf einer Pressekonferenz das Projekt 854 vor. Unter dieser Bezeichnung wollte Ferrari ein kleines Sportcoupé mit einem Vierzylindermotor und einem Hubraum von 850 cm³ auf den Markt bringen. (Daher auch die Bezeichnung 854 – 850 cm³ und 4-Zylinder) Vorgesehen war die Produktion von 3000 bis 5000 Einheiten pro Jahr zu einem Preis ab Werk von 1.600.000 Lire pro Stück. Zu diesem Zweck hatte Ferrari bereits einen Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor mit einer Bohrung von 65 mm und einem Hub von 64 mm (entspricht einem Hubraum von 849 cm³) entwickelt. Er besaß eine obenliegende Nockenwelle und leistete, mit einem Solex-Vergaser und einer Verdichtung von 9:1, 75 PS bei 6800/min. Ein Motorsportjournalist wies 1960 auf das Potenzial des Motors hin, wenn er mit anderen Vergasern und höherer Verdichtung ausgestattet werden würde und wenn dann auch noch eine leichte Karosserie mit entsprechendem Fahrgestell zum Einsatz käme, dann würde er eine große Gefahr für die dominanten Fiat Abarth 850Beim Fiat Abarth 850 aus der Zeit um 1960 handelt es sich um eine auf dem Fiat 600 beruhende Entwicklung. Er ist nicht verwandt mit dem Fiat Abarth OT 850. darstellen.N. N.: Ferrari for the Masses. Sports Cars Illustrated (November 1960) in Car and Driver on Ferrari 1955–1962, Brooklands Books, Cobham, ISBN 0-946489-93-9, S. 75.Lowell Paddock: La Ferrarina in automobile Quarterly Volume XXI Number 3, Automobile Quarterly Inc., Kutztown, 1983, S. 284–291.Bernard Cahier: Road Test / 1-63 Ferrari „ASA 1000 GT“. Sports Car Graphic, Januar 1963, S. 32–35, 77.
1960, Pininfarina Coupé Kurze Zeit nach der Vorstellung des Ferrari 854 entschied Ferrari das Auto nicht in seiner Firma herzustellen und das Konzept an eine außen stehende Firma zu vergeben. Um die Idee und ihr Potenzial besser präsentieren zu können, ließ er den Motor in ein entsprechend modifiziertes Fiat-1200-Fahrgestell einbauen. Der Radstand betrug 2210 mm und die Spur 1283 mm. Zu dem designte Pininfarina ein zweisitziges Stufenheckcoupé. Weitere Ausstattungsmerkmale waren 13-Zoll-Räder und ein Vierganggetriebe mit Overdrive von Laycock-de Normanville für die Gänge drei und vier. Das Leergewicht betrug etwas über 700 kg. Interessant waren die angebrachten Markenzeichen. Auf dem Kühlergrill war ein Symbol eines Maschinengewehrs und auf der Motorhaube ein Stern, den die US-amerikanische Zeitschrift Sports Cars Illustrated mit einem Sheriffstern verglich, angebracht. Über die Bedeutung der Embleme kann nur spekuliert werden, da Ferrari keine Auskunft dazu gab.
Mitte 1960 wurde das Projekt erweitert. Das Fahrzeug sollte nun einen Motor mit drei Leistungsstufen bekommen. Die sich daraus ergebende Modellpalette sollte eine Touringversion mit 64 PS, eine GT-Version mit 72 PS und eine Sportversion mit 84 PS beinhalten. Entsprechende Motorentests begannen ebenfalls zu dieser Zeit.
1961, Bertone Mille 1960 und 1961 benutzte Enzo Ferrari das Pininfarina Coupé immer wieder als persönliches Transportmittel. So fuhr er mit dem Wagen oft zu Sportveranstaltungen und präsentierte es gern Interessenten. In dieser Zeit waren in der Presse auch immer wieder Berichte über Verhandlungen mit potenziellen Firmen zu lesen, bei denen es um den Bau des kleinen Sportwagens ging, doch es kam nie zu einer Vereinbarung. Die US-amerikanische Zeitschrift Sports Car Graphic schrieb einmal dazu:
1961 unternahm Ferrari einen weiteren Versuch, die Attraktivität des Projekts darzustellen. Zu diesem Zweck ließ er von Giotto Bizzarrini ein Fahrgestell entwickeln. Bizzarrini ließ dabei seine Erfahrung beim Bau des Ferrari 250 GTO mit einfließen. Er konstruierte ein Rohrrahmengestell mit zwei ovalen Längsträgern. Die Vorderradaufhängungen hatten röhrenförmige Doppelquerlenker, Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfer und die Hinterradaufhängung bestand aus einer Starrachse mit Halbelliptikfedern und Teleskopstoßdämpfern. An allen Rädern gab es Scheibenbremsen von Dunlop. Mit dem Bau der Karosserie wurde Bertone beauftragt. Der damals noch für Bertone arbeitende Giorgio Giugiaro entwarf ein Fließheckcoupé mit aerodynamisch verkleideten Scheinwerfern. Bei seinem Entwurf nutzte er bewusst Stilelemente von Ferrari, sodass die Beteiligung Ferraris an dem Sportwagen gut zu erkennen war, auch wenn er nicht das Ferrari-Emblem trug. Der Vierzylindermotor hatte eine obenliegende Nockenwelle und einen Hubraum von 1000 cm³. Da die Motorhaube während der Ausstellung nicht geöffnet wurde und keine offiziellen Aussagen über die Abmessungen des neuen Motors bekanntgegeben wurden, spekulierte die Automobilpresse, dass es sich um ein Drittel eines Ferrari-250-V12-Motors handelte, wodurch sich aus 73 mm Bohrung und 58,8 mm Hub einen Hubraum von 984 cm³ ergeben würde. Mit zwei Vergasern vom Typ Weber 38 DCO ausgestattet und einer Verdichtung von 9:1 leistete der Motor 98 PS (72 kW) bei 6800/min. Die Auspuffanlage stammte von Abarth und das Vierganggetriebe von Sunbeam mit einem Overdrive von Laycock-de Normanville für die Gänge drei und vier.Bernard Cahier: Show Time – London – Goodwood Test Day – Torino. Sports Car Graphic, Februar 1962, S. 69.
Bertone stellte diesen Sportwagen als Bertone Mille (dt. Bertone Tausend) auf dem Turiner Autosalon im Oktober 1961 aus. Zu dem Zeitpunkt war zwar entschieden bei wem das Auto gebaut wird, aber noch nicht mit welchem Namen.
1962, ASA 1000 GT Mit der Gründung des Unternehmens Autocostruzione, kurz ASA, am 5. April 1962 in Mailand, wurde bekannt, wer der Hersteller des „Ferrarina“ sein wird. Die Leitung übernahmen Oronzio de Nora und sein Sohn Niccolò. Webseite von INTERNATIONAL ASA REGISTER. Abgerufen am 12. Juni 2019. Beide leiteten auch den mailändischen Elektrochemiekonzern de Nora, in dem die Produktion des Autos stattfinden sollte. Zudem beteiligten sich noch verschiedene Rennfahrer und Giotto Bizzarrini, der 1961 Ferrari verlassen hatte, an dem Unternehmen. Einen großen Einfluss auf das Zusammentreffen von Ferrari und de Nora soll Luigi Chinetti (Senior) ausgeübt haben, der mit beiden gut bekannt war.
Den ersten Auftritt hatte der ASA 1000 GT auf dem Turiner Autosalon im Herbst 1962. Auf ihrem Stand präsentierte Autocostruzione ein Coupé und einen Spider. Die Coupékarosserie war eine etwas veränderte Version des Bertone Mille. So waren z. B. die Scheinwerfer weiter nach vorn gerückt und nicht mehr aerodynamisch verkleidet. Hergestellt wurde diese aus Stahlblech gefertigte Karosserie von der Carrozzeria Touring. Der Spider hatte die gleiche Linienführung wie das Coupé von Touring, war aber aus FiberglasAus dem Verkaufsprospekt des Spiders von ca. 1964. und wurde von der Carrozzeria Corbetta gefertigt. Gegen Aufpreis konnte für ihn ein Leichtmetall-Hardtop geordert werden.
1963, ASA GTC In diesem Jahr blieb es ruhig um den kleinen Sportwagen. Es gab zwar einige kleine Zeitungsartikel und verschiedene Fahrzeugtests mit Vorserienfahrzeugen,Charles Bulmer: Driving the ASA 1000 G.T. – Once a Ferrari, always a Ferrari. The Motor (6. Februar 1963) in Ferrari Collection No. 1 1960–1970, Brooklands Books, Cobham, ISBN 0-907073-10-7, S. 20–21. aber von einer Auslieferung der Serienproduktion war nichts zu erkennen. Nur Giotto Bizzarrini und Piero Drogo überraschten die Motorsportwelt mit dem ersten vom ASA 1000 GT abgeleiteten Rennwagen, den ASA GTC. GT steht dabei für Gran Turismo und C für Competizione (dt. Wettkampf). Bizzarrini, der die technische Entwicklung des GTC ausführte, übernahm im Wesentlichen das Fahrgestell des 1000 GT. Verringerte den Hubraum des Vierzylinder-SOHC-Motors auf 998 cm³ und baute ein Fünfganggetriebe ein. Als Leistung wurden 92 PS angegeben. Die Räder waren mit Amadori-Scheibenbremsen ausgerüstet. Drogo entwickelte eine Coupékarosserie mit Frontmotor und Fließheck das eine Höhe von ca. 1090 mm hatte. Das komplette Rennauto hatte ein Gewicht von ca. 600 kg. Zum Einsatz sollte der GTC in Sebring und Le Mans kommen, was allerdings nicht geschah.Jerry Titus: ASA GTC. Sports Car Graphic, September 1963, S. 62–63.Automobil Revue Katalog 1963, Letzte Neuheiten Seite 2
1964 Nachdem 1963 sich keine Serienproduktion abzeichnete, wurde durch die Autopresse der Verdacht geäußert, dass sich ASA in Anbetracht der Konkurrenz von Alfa Romeo und Abarth langsam wieder vom Markt zurückziehen würde. Doch Anfang des Jahres 1964 wurden die ersten Fahrzeuge ausgeliefert. Dabei stellte sich heraus, dass das Auto erheblich teurer war als ursprünglich veranschlagt. Die 1960 angegebenen 1.600.000 LireZum besseren Vergleich mit den Angaben zum US-Markt: 1.600.000 Lire entsprachen 1960 ca. $2600. ab Werk wurden mit 2.520.000 LireZum besseren Vergleich mit den Angaben zum US-Markt: 2.520.000 Lire entsprachen 1964 ca. $4000. im Jahr 1964 um gut 57 % überschritten. Für den für den Absatz wichtigen US-Markt bedeutete es, dass ein ASA 1000 GT dem Käufer für ca. $6000 angeboten wurde. Dieser Preis lag gut 30 % über dem einer Corvette 427, welche für ca. $4500 zu haben war.Sergio D’Angelo: World Car Catalogue 1966, published annually by The Automobile Club of Italy, published in Great Britain in 1966 by ILIFFE BOOKS LTD, London, S. 46, 47, 626, 702.
Laut dem 1966 erschienenen World Car Catalogue des italienischen Automobilclubs ACI wurden 1964 52 Autos gebaut.
1965, ASA 411 In diesem Jahr begann ASA auch Motorsporteinsätze zu unternehmen. Zu diesem Zweck wurden für die Targa Florio 1965 zwei ASA 1000 GT renntauglich umgebaut. Für den ersten EinsatzWarum die beiden Autos als ASA RB613 in der Meldeliste stehen, ist unklar. Der RB613 wurde erst 1966 in Genf vorgestellt. waren die beiden Fahrzeuge sehr erfolgreich. Sie belegten die Plätze fünf und sechs in der Prototypenklasse bis 1600 cm³.Photogallery Targa Florio 1965 – Targa Florio 1965 – ASA Webseite von Targapedia. Abgerufen am 12. Juni 2019.
Im Herbst des gleichen Jahres stellte ASA den 411 vor. Der ASA 411 war eine weitere Rennwagenableitung des 1000 GT. Die Karosserie hatte das gleiche Design wie das Coupé von Touring, wurde aber bei der Carrozzeria Marazzi hergestellt. Äußerliche Unterschiede waren vor allem die nach hinten geneigten Streuscheiben der Scheinwerfer, der Tankstutzen mit Schnellverschluss, eine Lufthutze auf der Motorhaube und keine Luftauslässe in den Kotflügeln. Zur Gewichtseinsparung war die Karosserie aus Leichtmetall und hatte Seitenscheiben und Heckscheibe aus Kunststoff. Um besser in Rennklassen bis 1100 cm³ konkurrieren zu können, war der Motor auf 1,1 l vergrößert worden.Lot 237 – 1965 ASA 411 GT COUPE Collection De Nora Webseite von Artcurial. Abgerufen am 12. Juni 2019.Automobil Revue Katalog 1966. S. 178, 179.
Für 1965 gab der italienischen Automobilclub in seinem World Car Catalogue von 1967 die Anzahl der gebauten Autos mit 190 an.Sergio D’Angelo: World Car Catalogue 1967, published annually by The Automobile Club of Italy, published in Great Britain in 1967 by ILIFFE BOOKS LTD, London, S. 38, 39, 546, 596.
1966, ASA Roll-Bar