Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Ulm Fläche: km² Gliederung: 15 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 27.000 (2024) Adresse desDekanatamtes: Oberbettringer Str. 2173525 Schwäbisch Gmünd Dekan: Vertretung Dr. Joachim Kummer Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Schwäbisch Gmünd innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg
Der Evangelische Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd war einer der Kirchenbezirke der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet war deckungsgleich mit dem Dekanat Schwäbisch Gmünd. Zum 1. Januar 2026 fusionierte er mit dem Kirchenbezirk Aalen zum Kirchenbezirk Ostalb.
Geografie Der Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd lag im Osten der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasste überwiegend das obere Tal der Rems und Teile des Welzheimer Waldes und entspricht dem des 1973 aufgelösten Landkreises Schwäbisch Gmünd. Seine Kirchengemeinden gehörten zu den politischen Städten und Gemeinden Bartholomä, Böbingen an der Rems, Durlangen, Eschach, Göggingen, Leinzell, Lorch, Mögglingen, Mutlangen, Ruppertshofen, Schwäbisch Gmünd, Spraitbach, Täferrot und Waldstetten im Ostalbkreis.
Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd grenzte an folgende Kirchenbezirke (im Uhrzeigersinn beginnend im Osten): Aalen, Heidenheim, Geislingen-Göppingen (alle Prälatur Ulm) sowie Schorndorf und Gaildorf (Prälatur Heilbronn).
Geschichte Im Gegensatz zu den meisten Dekanaten der württembergischen Landeskirche, die schon bald nach der Reformation errichtet wurden, ist der Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd eine Neugründung aus den 1950er Jahren. Infolge des vermehrten Zuzugs evangelischer Bewohner in den überwiegend katholischen Raum Schwäbisch Gmünd insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg wurde damals der Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd gegründet. Er entstand am 1. April 1951 aus den westlichen Gebieten des Kirchenbezirks Aalen (damals die fünf Kirchengemeinden Schwäbisch Gmünd, Bartholomä, Heubach, Oberböbingen und Waldstetten), vier Kirchengemeinden des Kirchenbezirks Gaildorf (Eschach, Göggingen, Ruppertshofen und Spraitbach) und zwei Kirchengemeinden des Kirchenbezirks Welzheim (Lindach und Täferrot). Er wurde der Prälatur Ulm zugeordnet.
Mit Wirkung vom 1. Januar 1978 wurde der Kirchenbezirk Welzheim aufgelöst. Dabei wurden die vier Kirchengemeinden Großdeinbach, Lorch, Weitmars und Waldhausen dem Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd zugeordnet. Durch die Aufteilung der Kirchengemeinde Schwäbisch Gmünd und die Bildung neuer Kirchengemeinden erhöhte sich die Gesamtzahl der Kirchengemeinden des Kirchenbezirks Schwäbisch Gmünd auf heute 20.
Zum 1. Januar 2026 fusionierten die beiden Kirchenbezirke Schwäbisch Gmünd und Aalen zum neuen Kirchenbezirk Ostalb. Dies haben die Bezirkssynode Aalen am 28. April 2023Ulrike Schneider: Gelingt die Fusion zum neuen Ostalbdekanat?. In: Schwäbische Post, 30. April 2023, abgerufen am 10. März 2024. und die Bezirkssynode Schwäbisch Gmünd am 5. Mai 2023 beschlossenMichael Länge: Synode sagt Ja zur Fusion mit Aalen In: Gmünder Tagespost, 5. Mai 2023, abgerufen am 10. März 2024..
Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks oblag der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan. Die Aufgabe des Dekans wurde ab 2023 bis zur Fusion der Kirchenbezirke vom Dekan des Kirchenbezirks Aalen, wahrgenommen (zunächst Ralf Drescher, seit Oktober 2025 Dr. Joachim Kummer).
Dekane des Kirchenbezirks Schwäbisch Gmünd seit 1951 noch nicht komplett 1951–1955 Wilhelm Teufel (bereits seit 1936 erster Stadtpfarrer in Schwäbisch Gmünd) 1955–1966 Heinrich Lang (* 1900, † 1976) 1979–1998 Werner Frank (* 1935) 1998–2003 Martin Büser (* 1945) 2003–2015 Immanuel Nau (* 1951) 2015–2023 Ursula Richter (* 1958)Gise Kayser-Gantner: Die Dekanin hinterlässt große Spuren In: Gmünder Tagespost, 24. September 2023, abgerufen am 5. März 2024.
Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd gab es zuletzt 15 Kirchengemeinden. Davon haben sich fünf Kirchengemeinden zur Gesamtkirchengemeinde Schwäbischer Wald zusammengeschlossen, bleiben jedoch weiterhin rechtlich selbständig. Das Gebiet des Kirchenbezirks Schwäbisch Gmünd gehörte vor 1800 überwiegend zur Reichsstadt Schwäbisch Gmünd, die nach der Reformation katholisch blieb. Hier zogen seit dem 19. Jahrhundert bzw. überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg auch evangelische Bewohner zu, so dass die evangelischen Kirchengemeinden hier relativ jung sind. Die Gebiete um die Städte Heubach und Lorch gehören jedoch zum alten Kernland Württemberg (alte Oberämter Heubach und Lorch, später Welzheim), wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Diese Gebiete sind daher überwiegend evangelisch und es gibt meist alte evangelische Kirchen und Kirchengemeinden. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf das Jahr 2005 und sind gerundet.
Kirchengemeinde Bartholomä miniatur|Evang. Kirche Bartholomä Die Kirchengemeinde Bartholomä (ca. 800) umfasst die Gemeinde Bartholomä. Eine Kirche St. Bartholomäus in Laubenhart, wie die Gemeinde noch bis ins 16. Jahrhundert hieß, ist 1484 erwähnt. Über die Herren von Rechberg gelangte sie an die von Woellwarth, welche die Reformation einführten. Die Kirche ist eine romanische Chorturmanlage, die 1510 einen Anbau erhielt. 1741 und 1958 wurde sie renoviert. Das Altarkruzifix stammt von 1490. Die Link-Orgel von 1975 wurde von Helmut Bornefeld konzipiert und steht unter Denkmalschutz. Die Kirchengemeinde hat einen Posaunenchor und einen Gospelchor („One Voice“).
Kirchengemeinde Degenfeld-Weiler-Unterbettringen Die Kirchengemeinde Degenfeld-Weiler-Unterbettringen (ca. 1.150) umfasst die Stadtteile Degenfeld, Unterbettringen und Weiler in den Bergen der Stadt Schwäbisch Gmünd. In Degenfeld wurde eine Kirche bereits 1275 genannt. Das Patronat hatte ab 1597 Württemberg, das in seinem Gebiet die Reformation einführte. Die Rechbergischen Anteile des Ortes blieben katholisch. Die Kirche St. Sebastian und Walburga steht in einem früher befestigten Kirchhof. Sie wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Das Schiff wurde später verlängert. Die Decke wurde im 17. Jahrhundert eingezogen. Der Oberbau des Turmes datiert aus dem 16./17. Jahrhundert. 1936 wurde die Kirche erneuert.
Bis 1917 gehörte die Kirchengemeinde Degenfeld zum Kirchenbezirk Aalen. Durch Bekanntmachung des Konsistoriums vom 9. Mai 1917 wurde die Kirchengemeinde Degenfeld in den Kirchenbezirk Göppingen umgegliedert. Gemäß Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 13. Februar 1975 wurde die Kirchengemeinde Degenfeld dann unter Abtrennung ihrer bis dahin zugehörigen Orte Nenningen und Weißenstein in den Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd umgegliedert. Nenningen und Weißenstein hingegen wurden der Kirchengemeinde Donzdorf im Kirchenbezirk Geislingen angegliedert. Der Kirchengemeinde Degenfeld wurden auch die evangelischen Bewohner der Schwäbisch Gmünder Stadtteile Unterbettringen und Weiler in den Bergen zugeordnet, die bis dahin zur Kirchengemeinde Waldstetten gehörten. Beide Orte blieben nach der Reformation katholisch. Überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zogen auch evangelische Bewohner zu, die zunächst der Kirchengemeinde Degenfeld zugeordnet waren. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 30. Januar 1984 wurde die Kirchengemeinde Degenfeld dann in Kirchengemeinde Degenfeld-Unterbettringen umbenannt. Heute gibt es auch in Unterbettringen eine eigene Kirche, die 1967 erbaute Versöhnungskirche. Die Kirchengemeinde Degenfeld-Unterbettringen ist Träger eines Kindergartens. Sie hat auch einen Kirchenchor.
Kirchengemeinde Großdeinbach Die Kirchengemeinde Großdeinbach (ca. 1.330) umfasst den Stadtteil Großdeinbach und einige zugehörige Weiler der Stadt Schwäbisch Gmünd. Kirchlich gehörte Großdeinbach und das Umland zu Lorch. 1897 wurde für Großdeinbach und einige Weiler eine eigene Pfarrei errichtet. Pfarrkirche wurde die 1496 erbaute, 1671 abgebrochene und anschließend neu erbaute Kapelle zu den Hl. Maria, Bernhard und Katharina. Diese wurde 1900 durch den heutigen Bau des Architekten Dolmetsch ersetzt. Einige zum Stadtteil Großdeinbach gehörigen Weiler gehören bis heute noch zur Kirchengemeinde Lorch, Waldau zu Waldstetten. Der zu Großdeinbach gehörige Weiler Radelstetten wurde mit Wirkung vom 1. Juli 1993 zusammen mit dem Sachsenhof von der Kirchengemeinde Lorch in die Weststadtkirchengemeinde Schwäbisch Gmünd umgegliedert.
Bis 1961 gehört auch der Schwäbisch Gmünder Stadtteil Wetzgau zur Kirchengemeinde Großdeinbach. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 10. Januar 1961 wurde Wetzgau der damaligen Kirchengemeinde Schwäbisch Gmünd (heute Martin-Luther-Kirchengemeinde) zugeordnet.
Kirchengemeinde Heubach Die Kirchengemeinde Heubach (ca. 3.550) umfasst die Stadt Heubach und den Stadtteil Bargau der Stadt Schwäbisch Gmünd. Die Pfarrkirche St. Ulrich in Heubach wurde erstmals 1332 erwähnt. 1358 gelangte sie an das Kloster Königsbronn, dem sie 1388 inkorporiert wurde. 1553 bis 56 kaufte Württemberg das Patronatsrecht vom Kloster Königsbronn und führte die Reformation ein. Neben der Pfarrkirche gab es noch eine Afrakapelle und eine Bernhardskapelle. Zur Pfarrei gehörten damals neben den heutigen Orten auch Oberböbingen. Die Kirche St. Ulrich in Heubach, eine ehemalige Wehrkirche, war zunächst eine zweischiffige Pfeilerbasilika. Der rippengewölbte Chor wurde um 1441 erbaut. Nach dem Brand von 1634 wurde sie mit einer flachen Holzdecke versehen. 1968/69 wurde die Kirche renoviert. Dabei wurde an der Nordwand ein Fresko des 16. Jahrhunderts freigelegt.
Die Heubacher Stadtteile Beuren, Buch und Lautern sowie der Schwäbisch Gmünder Stadtteil Bargau blieben nach der Reformation katholisch. Lediglich Lautern gehörte teilweise den von Woellwarth, welche die Reformation einführten. In diese Orte zogen jedoch überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg evangelische Bewohner zu. Sie wurden der Kirchengemeinde Heubach zugeordnet, Lautern jedoch erst mit Wirkung vom 1. Januar 1980. Zuvor gehörten die evangelischen Bewohner von Lautern zur Kirchengemeinde Lauterburg im Kirchenbezirk Aalen. Seit einigen Jahren werden in Bargau im katholischen Gemeindehaus und in Lautern im Dorfhaus auch evangelische Gottesdienste gefeiert.
Kirchengemeinde Lindach-Mutlangen Die Kirchengemeinde Lindach-Mutlangen (ca. 2.700) umfasst den Stadtteil Lindach der Stadt Schwäbisch Gmünd und die Gemeinde Mutlangen sowie die Weiler Amandusmühle und Durlanger Mühle der Gemeinde Durlangen. Lindach gehörte kirchlich zunächst zu Iggingen. Eine Kapelle St. Nikolaus wurde 1356 erwähnt. Württemberg führte als Lehnsherr derer von Laymingen die Reformation ein. Danach wurde eine gemeinsame Pfarrei mit Täferrot eingerichtet. Durch Bekanntmachung des Konsistoriums vom 12. Januar 1909 wurde für Lindach wieder eine eigene Pfarrverweserei errichtet. Die Kirche in Lindach wurde 1524 verändert, indem ein gotischer Turm an die mittelalterliche Kapelle angebaut wurde. Das Schiff wurde 1903 abgebrochen und unter dem Architekten Dolmetsch neu erbaut. Erhalten blieb aber der netzrippengewölbte Chor des Vorgängerbaus.
Mutlangen mit Pfersbach sowie Durlangen und seine Ortsteile blieben nach der Reformation katholisch.