mini|Polizeifoto von John Gotti, aufgenommen am 11. Dezember 1990 vom FBI in New York John Joseph Gotti (* 27. Oktober 1940 in der Bronx, New York City; † 10. Juni 2002 in Springfield, Missouri) war ein hochrangiger Mobster in New York City und Oberhaupt der Gambino-Familie.
Aufgrund seiner zahlreichen Anklagen wurde er zu einem der bekanntesten Mitglieder der US-amerikanischen Cosa Nostra nach Al Capone. Da diese Anklagen jedoch über lange Zeit nicht zu einer Verurteilung im Sinne der Anklage führten, erhielt er den Spitznamen „Teflon-Don“. Aufgrund seines eleganten Auftretens in der Öffentlichkeit (darunter bei den Gerichtsverhandlungen) mit eleganten Maßanzügen gaben die Medien ihm auch den Spitznamen „Dapper Don“ (der adrette Don).
Er war der erste zeitgenössische Mobster, der in den Medien umfassend präsent war. Er schaffte es auf die Titelseiten von Time, People und dem New York Times Magazine. Den Prozess, in dessen Verlauf er schließlich verurteilt wurde, kommentierte die Presse regelmäßig in mehreren Kolumnen, und seine Beisetzung wurde von zahlreichen Fernsehreportern von Hubschraubern aus gefilmt.
Leben Frühe Jahre John Gotti war das fünfte von 13 Kindern und wuchs mit ihnen in der Bronx und in Brooklyn, New York City, auf. Schon früh schlug John eine kriminelle Laufbahn ein, worin ihm alle seine Brüder folgten. Geradezu prädestiniert für Verbrecher war dabei der nahegelegene JFK-Flughafen, dessen Zulieferer und Lagerhäuser immer wieder ausgeraubt und bestohlen wurden, wobei oft korrupte Gewerkschafts- und Wachbeamte behilflich waren. 1973 war Gotti an der Ermordung des irischstämmigen Gangsters James McBratney beteiligt und wurde 1974 verhaftet, da ihn ein Augenzeuge identifiziert hatte. Sein Anwalt konnte erwirken, dass er lediglich wegen Beihilfe zum Totschlag verurteilt wurde. Innerhalb der Mafia brachte die Tat Gotti zusätzliches Ansehen ein. Nach 2 Jahren wurde er aus der Haft entlassen und stieg rasch zu einem geachteten Mitglied der Gambino-Familie auf.
Drogenhandel Seine Leute, insbesondere sein Bruder Gene, waren alle als Drogenhändler bekannt, was mehrmals zu Konflikten mit Paul Castellano, dem Boss der Familie, führte, der seinen Leuten den Handel mit Heroin und Kokain untersagt und stattdessen der sizilianischen Mafia überlassen hatte, die ihn dafür am Gewinn beteiligte (Pizza Connection). Aniello Dellacroce, Castellanos zweiter Mann, unterstützte hingegen Gotti. Er verstarb allerdings im Dezember 1985.
Angesichts der drohenden Gefahr, dass Castellano nun gegen die Überreste der Dellacroce-Gotti-Crew vorgehen könnte, und weil Castellano zu diesem Zeitpunkt viele Gangster gegen sich aufgebracht hatte, ergriff Gotti selbst die Initiative, und plante die Beseitigung seines Bosses. So ließ er Castellano und dessen neu ernannten Stellvertreter Thomas Bilotti, der nach Dellacroces Tod zum neuen Unterboss bestimmt worden war, am 16. Dezember 1985 vor dem Sparks Steak House in Manhattan, wo sich Castellano vermutlich mit John Gotti wegen einer Aussprache treffen wollte, erschießen. Tatkräftige Hilfe bei der Planung erhielt Gotti dabei von den Capos James „Jimmy Brown“ Failla und Frank DeCicco, welche ursprünglich loyal zu Castellano standen, jedoch von Gotti zur Beseitigung überredet werden konnten, indem er ihre Unzufriedenheit über die Führungsweise Castellanos schürte. Ob Failla wirklich an dem Attentat beteiligt war, ist allerdings unklar.
Beim Anschlag zählte das eigentliche Team vermutlich elf Angreifer. Während Gotti und Sammy Gravano das Attentat aus einem Auto auf der gegenüberliegenden Seite beobachteten, bestand das 4-köpfige hit team vermutlich aus Vincent Artuso, Salvatore „Fat Sally“ Scala, Edward Lino und John Carneglia. Als Rückhalt für eventuelle Probleme standen wahrscheinlich Dominick Pizzonia, Angelo Ruggiero, Joseph Watts, Richard „The Iceman“ Kuklinski und Anthony „Tony Roach“ Rampino bereit. Polizeiquellen vermuten, dass Carneglia die tödlichen Castellano-Schüsse abgegeben hat, während Rampino Thomas Bilotti ermordete. Der Mord ging als „Steakhouse Massacre“ in die Kriminalgeschichte ein.
Gotti als Pate John Gotti, der zusätzlich mit einigen unzufriedenen Capos der Familie wie Salvatore Gravano verbündet war, wurde nun einstimmig zu Castellanos Nachfolger ernannt. Er machte DeCicco zum Dank für dessen Beteiligung zu seinem Unterboss und Gravano 1990 zum Consigliere. Seinen Bruder Gene beförderte er zum Capo.
Die Art, wie Gotti zum Oberhaupt der Familie geworden ist, wurde von den anderen vier Familien (Bonanno, Colombo, Genovese und Lucchese) nicht befürwortet; Morde an Führungskräften bedurften eigentlich der Abstimmung innerhalb der Kommission des National Crime Syndicate. Vittorio Amuso, Boss der Lucchese-Familie, sein gefürchteter „Unterboss“ Anthony „Gaspipe“ Casso und Vincent Gigante von der Genovese-Familie planten deshalb Gottis Tod. Am 13. April 1986 wurde Frank DeCicco mit seinem Auto in die Luft gesprengt, Gotti jedoch nicht erwischt. Dieser Anschlag löste eine blutige Fehde aus, die zu vielen Toten innerhalb der drei beteiligten Familien führte.
Gotti, der öffentliche Auftritte liebte, sich gerne in den Zeitungen sowie im Fernsehen zeigte und dadurch die öffentliche Aufmerksamkeit auf die illegalen Aktivitäten der Familien lenkte, steigerte dadurch seine Unbeliebtheit in Kreisen der Cosa Nostra. Zeitweise ließ Gotti sich fast jeden Abend vor dem Ravenite Club (Treffpunkt der Gambino-Familie) von Reportern filmen. Zudem wurde sein Bekanntheitsgrad aufgrund der Vielzahl an Gerichtsprozessen immer größer. Eine Unart von Gotti war u. a. die Aufforderung an die Strafverfolgungsbehörden, ihm endlich etwas nachzuweisen. Allerdings war es Gottis Gegnern dadurch nur schwer möglich, ihn unter dieser massiven öffentlichen Beobachtung gewaltsam zu beseitigen.
Pentiti Eine der wichtigsten Regeln der Mafia ist die Omertà, d. h. die Schweigepflicht der Mitglieder und Assoziierten. Mobster, die dagegen verstoßen und als Kronzeugen für die Justiz auftreten, werden als Pentito (italienisch für „Reuiger“) bezeichnet.
Durch interne Auseinandersetzungen innerhalb der Lucchese-Familie wurde schließlich eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die letztendlich zu einer ganzen Reihe von Pentiti führte: Amuso und Casso hatten ihren „Mafia-Außenposten“ in New Jersey kaltgestellt, wodurch die betroffenen Mitglieder mit ihrer Ermordung rechnen mussten. Insbesondere Alphonse D’Arco sagte nun bei den Behörden aus, was wiederum u. a. zur Verhaftung von Sammy Gravano führte. Dieser sagte wiederum gegen Vincent Gigante, John Gotti und dessen Consigliere Frank LoCascio aus. 1991 wurden Amuso, 1992 John Gotti und 1994 Casso verhaftet und angeklagt.
Gravanos Aussage war besonders belastend, sodass Gotti zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde; Gravano erhielt zunächst durch das US-amerikanische Zeugenschutzprogramm eine neue Identität in Arizona, bis er erneut wegen Drogenhandels inhaftiert wurde.
Unfalltod seines Sohnes Am 18. März 1980 überfuhr der Möbelhändler John Favara (51) den damals 12-jährigen Frank Gotti, John Gottis jüngsten Sohn. Favara erhielt daraufhin Morddrohungen, die er aber zunächst nicht ernst nahm. Vier Monate später, im Juli 1980, wurde er von mehreren Männern abgefangen, die ihn in die Beine schossen und entführten. Seine Leiche wurde nie gefunden. Laut späteren Zeugenaussagen wurde sie in einem Säurefass aufgelöst.https://www.express.de/sonstiges/weil-der-seinen-sohn-ueberfuhr-mafia-boss-entsorgt-nachbarn-im-saeurefass-58118https://www.20min.ch/story/mafia-pate-entsorgte-nachbar-in-saeure-fass-100481947800
Nachspiel Gotti wurde nach seiner Verurteilung zur Verbüßung seiner Haftstrafe ins Bundesgefängnis United States Penitentiary in Marion, Illinois, gebracht. Dort saß er 23 Stunden am Tag in Einzelhaft.John Gotti Dies in Prison at 61 – Mafia Boss Relished the Spotlight In: New York Times. Auch in Haft blieb er formales Oberhaupt der Gambino-Familie, was er durch die Beförderung seines Bruders Richard zum Capo weiter festigte. Der Gambino-Clan zerfiel rapide unter der Führung seines gleichnamigen Sohnes John A. Gotti (auch „Junior“ Gotti genannt) und seines Bruders Peter Gotti in den 1990er-Jahren.
Zwischenzeitlich hat die Gambino-Familie kaum mehr eine Rolle in der Cosa Nostra gespielt, insbesondere als seine Brüder Richard und Peter am 13. März 2003 eine 16-jährige Haftstrafe antreten mussten. Allerdings kehrte ein hochrangiges Mitglied der Gambino-Familie, John D’Amico, nach einer langjährigen Haftstrafe nach Brooklyn zurück und galt ab 2002 – nach Einschätzung des FBI – als neues Oberhaupt der Gambino-Familie und somit als Nachfolger von John Gotti. Ihm gelang im weiteren Verlauf eine gewisse Stabilisierung der Familie.
Am 10. Juni 2002 starb John Gotti im United States Medical Center for Federal Prisoners in Springfield, Missouri, an Kehlkopfkrebs.
Familienverhältnisse John Gotti war einer von fünf Söhnen (Richard V., John, Gene, Peter und Vincent) des Ehepaars John Gotti, Sr. und dessen Frau Fannie, die alle Mitglieder der Cosa Nostra wurden.
So ist z. B. Richard V. Gotti (* 1942 in Brooklyn), ein jüngerer Bruder Johns, etwa seit 1962 für die Cosa Nostra tätig und seit 1988 Mitglied der Familie. In der Haft ernannte ihn John Gotti zum Capo, um seine Position als Oberhaupt der Gambino-Familie zu festigen. Auch sein Sohn Richard G. Gotti (* 30. November 1967) gilt ab 1992 als Mitglied der Gambino-Familie, für die er mit Beginn der 1980er Jahre tätig war.
Am 13. März 2003 musste Richard V. zusammen mit seinem Sohn Richard G. und Bruder Peter Gotti eine 16-jährige Haftstrafe wegen Erpressung antreten.US Department of Justice, 4. Juni 2002
Filme und Dokumentationen 1994: Allein gegen die Unterwelt (OT: Getting Gotti); Fernsehfilm von CBS, in dem Gotti von Anthony John Denison dargestellt wird. 1996: Der Todeskuss der Cosa Nostra (OT: Iron Rules – Nach eisernen Regeln oder Gotti: The Rise and Fall of a Real Life Mafia Don) Fernsehfilm von HBO. Gotti wird von Armand Assante dargestellt. 1998: The Mob – Der Pate von Manhattan (OT: Witness to the Mob); Fernsehfilm von NBC. Gotti wird von Tom Sizemore dargestellt. 2004: Der Pate von New York (OT: Boss of Bosses); Fernsehfilm von TNT. Gotti wurde von Sonny Marinelli dargestellt. 2005: Die Paten in der Klemme; Episode aus der Dokureihe Die Mafia über John Gotti und Salvatore „Totò“ Riina. 2006: Getting Gotti; Episode aus der Dokureihe „The Final Report“. 2008: John Gotti; Episode von der Dokureihe Mobsters. 2010: Sinatra Club – Der Club der Gangster; Low-Budget-Film über den jungen John Gotti, der versucht, die verfeindeten fünf Familien bei einem gemeinsamen Überfall zu vereinigen. 2012: Der Medienstar: John Gotti; Episode aus der Dokureihe Im Netz der Mafia – Die Geheimakten des FBI. 2014: Rob the Mob – Mafia ausrauben für Anfänger; in diesem Film wird oft Bezug auf Gotti und den großen Gerichtsprozess genommen, in welchem Sammy Gravano gegen ihn aussagt. 2018: John Gotti: Das Erbe eines Mafioso (OT: Gotti: Godfather and Son); 4-teilige Dokureihe des Privatsenders A&E Network über das Leben und das Umfeld von John Gotti. 2018: Gotti; Film über das Leben des berüchtigten Mafiosos John Gotti während seines Aufstieges und Falls in den Reihen der Gambino-Familie. 2018: John Gotti; Episode aus der Dokureihe Kingpin – Die größten Verbrecherbosse.
Musik In ihrem Lied King Of New York auf dem Konzeptalbum Come Find Yourself erzählen die Fun Lovin’ Criminals die Geschichte John Gottis.
Der deutschsprachige Rapper Kollegah veröffentlichte 2015 einen Song mit dem Titel John Gotti.
Literatur
Howard Blum: Gangland: How The FBI Broke the Mob. Simon & Schuster, New York 1993, ISBN 0-671-68758-1 (deutsch: Gangland – Die Jagd auf den Paten John Gotti. Knaur, München 1996, ISBN 3-426-77232-9) Jerry Capeci, Gene Mustain: Mob Star: The Story of John Gotti. Penguin, New York 1988. ISBN 0-02-864416-6