miniatur|Die Schlangensäule, die nach dem Sieg über das persische Landheer ein Jahr später vom Hellenenbund in Delphi gestiftet wurde.

Die Seeschlacht von Salamis fand am 29. September (nach anderen Quellen 23., 24. oder 25.; exaktes Datum ist umstritten)K. Bremm: Im Schatten des Desasters: Zwölf Entscheidungsschlachten in der Geschichte Europas. Books on Demand, 2008, ISBN 978-3-8334-0458-0. Das Datum der Schlacht lag drei oder vier Tage vor der Sonnenfinsternis vom 2. Oktober. 480 v. Chr. zwischen Griechen und Persern bei Salamis statt, einer Insel in der Nähe von Athen.

Diese Schlacht war eine der bedeutendsten Seeschlachten im Mittelmeerraum in der Antike. Sie wird von einigen Historikern wie Christian Meier, neben der Schlacht bei Marathon, als dasjenige Zentralereignis in der abendländischen Geschichte gewertet, das mithalf, die Zivilisationsgeschichte Europas eigenständig gegen die des Ostens zu behaupten.Christian Meier: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte. Siedler, Berlin 1993, ISBN 3-88680-128-4, S. 29–35, bes. 33.

Vorgeschichte Die staatliche Flotte des persischen Reichs wurde 525 v. Chr. von Kambyses II. aufgebaut. Die Schiffsflotte war wie die spätere römische Flotte nach 260 v. Chr. organisiert: Die Schiffe gehörten dem Staat und die Mannschaften wurden von den Bewohnern der Küsten rekrutiert. Persien war die erste westasiatische Macht, die eine eigene Flotte hatte. Wie zentral die Flotte für die persische Machtausübung im Mittelmeerraum war, zeigte sich im Kontrollverlust nach den Niederlagen der ägäischen Flotte 480/479 v. Chr. und der Etablierung des Attischen Seebunds. Sie mussten nicht nur das unmittelbar an die Ägäisküste angrenzende Gebiet aufgeben, sondern verloren auch eine viel größere Zone von tributpflichtigen Gebieten.Herman Tammo Wallinga: Xerxes’ Greek Adventure. The Naval Perspective (= Mnemosyne Supplements. Band 264). Brill, Leiden [etc.] 2005, S. 12.

Die persische Flotte bestand aus Trieren. Sie stammten möglicherweise ursprünglich aus dem Westen von Griechenland und wurden im Einflussgebiet von östlichen Königreichen weiterentwickelt, vor allem bezüglich Größe. Die Perser achteten darauf, dass die staatliche Flotte das Monopol über die Trieren hatte. Das zeigt sich am Beispiel der Insel Thasos im Ägäischen Meer 10 Jahre vor der persischen Invasion von Xerxes I. Die Bewohner hatten eine Flotte bestehend aus Trieren im Krieg gegen Histiaios gebaut.Herodot, Historien 6.46.2. perseus.tufts.edu. Obwohl die Insel „keinen Finger gegen die Perser rührten“,Herodot, Historien 6.44.1. perseus.tufts.edu. mussten sie die Trieren nach der Auseinandersetzung an die Perser abgeben.Herman Tammo Wallinga: Xerxes’ Greek Adventure. The Naval Perspective (= Mnemosyne Supplements. Band 264). Brill, Leiden [etc.] 2005, S. 16–17.

Das 483 v. Chr. beschlossene Flottengesetz von Themistokles in Athen war aus der Perspektive der Perser eine ernstzunehmende Gefahr für die stabilen Machtverhältnisse in der Ägäis unter ihrer Herrschaft, da absehbar war, dass Nachbarn wie Korinth und Ägina im Flottenbau nachziehen würden. Es ist allerdings unsicher, ob sich die Griechen bewusst waren, was der Entscheid in Athen bei den Persern auslöste. Denn die Wichtigkeit des staatlichen Monopols für die Perser ist bei den antiken Schriftstellern nur indirekt sichtbar.Herman Tammo Wallinga: Xerxes’ Greek Adventure. The Naval Perspective (= Mnemosyne Supplements. Band 264). Brill, Leiden [etc.] 2005, S. 11–12, 22–23.

Um die Flotte möglichst unbeschädigt in das Kampfgebiet zu bringen, wurde der Bau eines Kanals durch die Halbinsel Athos geplant. Doch Dareios I. starb während der Kriegsvorbereitungen 486 v. Chr. Sein Sohn Xerxes I. übernahm die Leitung der Kriegsvorbereitungen.

Der unter Dareios I. begonnene Kanal wurde zunächst fertiggestellt. Zusätzlich bauten die Perser zwei Schiffbrücken über den Hellespont, um mit einem Heer von ungefähr 70.000 bis 80.000 Soldaten vorzurücken. 480 v. Chr. waren die Vorbereitungen abgeschlossen und Xerxes I. eröffnete den Feldzug. 1000 Spartaner, Thespier und Thebaner, angeführt von Leonidas, versuchten das Eindringen des Feindes zu verhindern und wandten sich dem persischen Heer im Norden Griechenlands entgegen, wurden aber in der Schlacht bei den Thermopylen geschlagen. In Folge musste sich die attische Flotte nach dreitägigen Operationen bei Artemision an der Nordseite von Euböa angeschlagen in Richtung Athen zurückziehen. Xerxes konnte Athen und das umliegende Attika besetzen und verwüsten. Nun kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Athenern und Spartanern, da die Spartaner den Isthmus von Korinth und damit die Peloponnes verteidigen wollten. Die Athener setzten hingegen auf ihre Flotte.

Laut Thukydides verfügte Athen 483 v. Chr., kurz vor der persischen Invasion, über ein paar Schiffe mit 50 Rudern (Pentekontere).Thukydides 1.14.3. perseus.tufts.edu Im Weiteren standen private allgemeine Schiffe (Naukrariai) zur Verfügung, die für den Transport von Gütern benutzt wurden und von Athen als Verstärkung der eigenen kleinen Flotte benutzt wurden. Die eigentliche athenische Flotte bestand zu dieser Zeit aus 20 Schiffen, die aus Korinth stammten und für den Krieg gegen Ägina eingesetzt werden sollten.Herodot, Historien 6.89. perseus.tufts.edu Erst 483 v. Chr. errichtete Athen auf Veranlassung von Themistokles eine eigene staatliche Flotte für den Krieg gegen Ägina.Thukydides 1.14.3. perseus.tufts.edu Nach Angaben von Plutarch bauten die Athener 100 Schiffe,Plutarch, Themistokles 4. perseus.tufts.edu Herodot spricht von 200 Schiffen.Herodot, Historien 7.144. perseus.tufts.edu Der Flottenbau muss gleichzeitig auch den Übergang zur Trieren als Standard für Kriegsschiffe bedeutet haben.Herman Tammo Wallinga: Xerxes’ Greek Adventure. The Naval Perspective (= Mnemosyne Supplements. Band 264). Brill, Leiden [etc.] 2005, S. 7–11.

Im übrigen Griechenland waren die einzigen Flotten im Vorfeld der Invasion diejenigen von Kerkyra und Korinth. Korinth hatte bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. eine staatliche Flotte und führte zu einem unbestimmten Zeitpunkt die Trieren ein.Thukydides 1.13.2. perseus.tufts.edu Trieren wurden außerdem vor 500 v. Chr. in Eretria gebaut.Herodot, Historien 5.99.1. perseus.tufts.eduH. T. Wallinga: Xerxes' Greek adventure. The naval perspective. Leiden [etc.] 2005, S. 7–8.

Den Griechen erschien die Lage ziemlich aussichtslos, zumal sie zahlenmäßig weit unterlegen waren. Um Abhilfe zu schaffen, fragte Themistokles das Orakel von Delphi um Rat. Die Antwort des Orakels war: „Sucht Schutz hinter hölzernen Mauern!“ Diesen Ausspruch interpretierte Themistokles so, dass nur ihre Trieren Schutz gegen die Perser bieten konnten; andere glaubten, man solle die Stadtmauer ausbauen. Themistokles konnte den Rat jedoch überzeugen, die Schlacht von der Flotte austragen zu lassen. Die athenische Flotte wurde aus dem Silberbergbau Laureions finanziert. So verlagerte sich die Stadt auf das Meer. Die Männer waren auf den Schiffen und die Frauen und Kinder brachten sich in der Nähe von Salamis in Sicherheit.

Gegner Griechen Laut Herodot verfügten die Griechen über mindestens 271 Trieren, von denen 180 oder 200 mit großer Wahrscheinlichkeit aus Athen stammten. Die Führung der Flotte oblag Themistokles und Eurybiades. Der Vorteil der griechischen Trieren bestand in der größeren Wendigkeit und Schnelligkeit gegenüber den persischen Schiffen. Weiterhin besaßen Trieren einen Rammsporn, mit welchem die gegnerischen Schiffe durch Rammen versenkt werden konnten. Diese Taktik war den Griechen und den Persern gemeinsam. Die Trieren Athens waren vermutlich bis kurz vor der persischen Invasion noch im Bau. Laut Herodot sandten die Verbündeten Athens 124 Trieren und 9 Pentekonteren. Von den Verbündeten war Korinth mit 40 Schiffen die größte Macht. Aus Sparta kamen 10 Trieren. Da Sparta eine Kooperation mit Athen sonst abgelehnt hätte, wurde dem Spartaner Eurybiades das Oberkommando über die Flotte übergeben.

Perser Die persischen Streitkräfte bestanden aus einem großen Heer und einer Flotte. Herodot verweist auf 1107 Trieren und berichtet von über 3000 zusätzlichen Schiffen. Insgesamt soll die Trierenflotte aus 300 phönikischen, 200 ägyptischen, 150 zyprischen, 100 kilikischen, 30 pamphylischen, 50 lykischen, 30 dorischen, 70 karischen, 100 ionischen, 60 äolischen und 17 ägäischen Schiffen bestanden haben. Allerdings sieht die Wissenschaft die Zahl der Schiffe als übertrieben an. Dem Herrschaftsbereich nach waren fast die Hälfte der Besatzungen griechisch. Um das Landheer versorgen zu können, fuhr die Invasionsflotte in enger Berührung mit dem Heer der Küste entlang. Durch den Kanal im Athosgebirge wandte sich die Armada nach Thermai, um der hafenlosen Küste von Magnisia zu folgen. Bevor die Flotte im Hafen von Aphetai ankam, geriet sie in einen heftigen Sturm und verlor laut Herodot rund 400 Schiffe.

Schlachtverlauf Nach Herodot Laut Herodot brach die persische Flotte in die Bucht von Salamis auf, um die Griechen anzugreifen. Xerxes I. war der Überzeugung, dass die Niederlage seiner Flotte vor Artemision auf seine Abwesenheit zurückzuführen sei. Nun wollte er persönlich zusehen. Vom allgemeinen Schlachtverlauf weiß man nur sehr wenig. Am ersten Tag sei es zu keiner Schlacht mehr gekommen, da bei der Ankunft der Perser bereits die Nacht hereinbrach. Die Griechen hatten Angst und die Soldaten der Peloponnes neigten dazu zurückzukehren, um sich mit dem Landheer zu vereinigen und ihre Heimat zu verteidigen. In derselben Nacht brach das persische Landheer in Richtung Peloponnes auf. Am Isthmus von Korinth hatte der Bau einer Mauer bereits begonnen, nachdem Leonidas bei den Thermopylen besiegt worden war. Viele Zehntausende waren unter dem Oberbefehl des Kleombrotos bereit, den Isthmus zu verteidigen. Hierfür entsandten folgende Stämme ihre Soldaten: die Lakedaimōnier (Spartaner), Arkader, Eleier, Korinther, Sikyonier, Epidaurier, Phliasier, Troizener und Hermonien.

Laut Herodot legten die Griechen nur wenig Wert auf einen Sieg auf See. Aus diesem Grund kam es zu einer Versammlung. Einige wollten zur Peloponnes absegeln und sich mit dem Landheer vereinigen; die Athener, Megarer und Aigineten wollten aber auf See kämpfen. Da Themistokles von der Versammlung überstimmt wurde, sandte er Sikinnos – den Lehrer seiner Kinder – in einem Boot zu Xerxes. Sikinnos berichtete diesem, dass Themistokles auf der Seite des Königs stehe, die Griechen uneinig seien, flüchten wollten und sich trennen würden. Xerxes glaubte dieser Botschaft und schloss die Griechen ein. Laut Herodot wussten die Griechen nichts vom Vorrücken der Perser und hielten weiterhin Rat. Nun traf Aristeides aus Aigina ein, welcher Themistokles vom Rat herausrufen ließ und ihm über den strategischen Einschluss der Flotte und den versperrten Fluchtweg berichtete. Zwar war Aristeides ein Gegner des Themistokles und durch den Ostrakismos (Scherbengericht) verbannt worden, doch in der Notlage ließ er die Differenzen ruhen. Die von Aristeides dem Rat geschilderte ausweglose Lage wurde von einem Schiff aus Tenos bestätigt.

Die Griechen waren nun mit ihren 380 Schiffen zum Kampf bereit und lichteten die Anker. Der Angriff der Perser erfolgte nur wenig später. Nun nahm die Schlacht ihren Lauf und fast alle persischen Schiffe wurden versenkt. Als Grund für den Sieg nennt Herodot die gute Schlachtordnung der Griechen. Viele Perser wie der Feldherr Ariabignes kamen ums Leben, weil sie nicht schwimmen konnten. Die Verluste unter den griechischen Schiffsbesatzungen waren weit geringer, da sie sich schwimmend nach Salamis hinüberretten konnten. Laut Herodot seien die Aigineten die ruhmreichsten Griechen gewesen und nach ihnen die Athener. Nach der Schlacht rüsteten sich die Griechen zu einer zweiten Angriffswelle, zu der es nicht mehr kam. Da Xerxes Angst hatte, die Griechen könnten die Brücke am Hellespont zerstören, zog er sich nach Sardes zurück.

Nach Diodor