Horst Schimanski ist eine fiktive Figur aus der ARD-Fernsehreihe Tatort, die vom 28. Juni 1981 an in 29 Folgen (inklusive zweier Kinofilme) als Kriminalhauptkommissar in Duisburg ihren Dienst tat. Schimanski wurde dabei von dem Berliner Schauspieler Götz George (1938–2016) dargestellt.
Nach einer Pause von 1991 bis 1997 trat er in einer eigenständigen Krimi-Serie Schimanski bis 2013 wieder regelmäßig in Aktion. Schimanski wurde in einer von Emnid 2008 durchgeführten Beliebtheitsumfrage anlässlich der 700. Sendung der Reihe auf den ersten Platz aller Tatort-Kommissare gewählt.Schimanski bleibt der Beste, Spiegel Online vom 18. Mai 2008, abgerufen am 24. Juni 2012.
Figur Die Figur Schimanski wurde von den Drehbuchautoren Bernd Schwamm, Martin Gies, dem Regisseur Hajo Gies und dem Schauspieler Götz George entworfen. Sein Markenzeichen war seine beige-graue M65-Feldjacke, seither umgangssprachlich auch „Schimanski-Jacke“ genannt.
Hauptkommissar Schimanski markierte eine Wende in der Reihe der gradlinigen Tatort-Kommissare (ausgenommen Kressin). Zum ersten Mal wurde ein Kriminalbeamter gezeigt, der keinen Tagesrhythmus hatte, der fluchte, prügelte, mehr als in Maßen Alkohol trank, Currywurst zum Grundnahrungsmittel machte und seine Frauengeschichten ohne Hemmungen offenlegte. Auch machte er oft mobil gegen ausländerfeindliche Vorurteile und pflegte freundschaftliche Beziehungen zu Gastarbeitern, was ihn aus Sicht seiner Chefs zum Spezialisten in Kriminalfällen in diesem Milieu machte. Zur Seite gestellt wurden ihm der stets korrekte und dienstbeflissene Ermittler Kriminalhauptkommissar Thanner sowie später der Niederländer Hänschen (als Personifizierung des westlichen Auslands).
Schnell stürzten sich die Medien auf ihn. Die einen verdammten ihn als „Ruhrpott-Rambo“, die anderen lobten ihn als frischen Wind in den verstaubten ARD-Anstalten. Sogar mit James Bond wurde er verglichen. Schimanski wurde der Actionheld der Deutschen für eine Generation, die statt Krieg und Gehorsam nur Frieden und Konsum kannte. Zehn Jahre ermittelte er und machte die Fäkalsprache, insbesondere das Wort „Scheiße“ salonfähig, sodass Bild 1991 sogar dessen Häufigkeit zählte. Nach seiner Ära versuchte man Nachfolger zu finden, die so ermitteln sollten wie er. Zumindest hat Horst Schimanski das Bild des „Fernsehkommissars“ in Deutschland sehr verändert.
In den restaurierten, der in den Jahren 2021 und 2022 im WDR ausgestrahlten Wiederholungen wird vor Beginn einiger Folgen (beispielsweise Duisburg-Ruhrort) ein Vorspann mit folgendem Text eingeblendet: „Das folgende fiktionale Programm wird, als Bestandteil der Fernsehgeschichte, in seiner ursprünglichen Form gezeigt. Es enthält Passagen mit diskriminierender Sprache und Haltung“.
Werdegang Geboren wurde die Figur Schimanski am 9. Oktober 1938 in Stettin (Folge Bis zum Hals im Dreck, 1991) und ist somit gleich alt wie Götz George. Dieses Alter deckt sich mit seiner Altersangabe von 60 Jahren in der Folge Geschwister von 1998. Davon abweichend wurde vier Jahre früher in der Folge Zabou (1987) ein anderes Datum genannt: Bei Einlieferung in ein Krankenhaus werden aus dem Off seine Ausweisdaten vorgelesen, denen zufolge er am 2. November 1943 in Breslau geboren wurde. In der Folge Muttertag ist er 1948 geboren. Im Berliner Filmmuseum ist als Filmrequisite ein Personalausweis ausgestellt, dem zufolge Schimanski am 11. August 1947 in Duisburg geboren ist. Sein vollständiger Name ist laut einer Standesbeamtin zu Beginn der Folge Kinder der Hölle Horst Karl Georg Schimanski.
Auch die restliche Biografie variiert häufig. Schimanski wuchs ohne Vater in einfachsten Verhältnissen in einem Arbeiterviertel in Duisburg-Homberg auf, lebte zeitweise auf einem Bauernhof sowie auch in einem Kinderheim. Laut Das Mädchen auf der Treppe ist sein Vater im Krieg gefallen. In großen Teilen floss Götz Georges eigene Biografie in Schimanskis Lebensweg ein.
Durch Folgen wie Freunde (1986) ist bekannt, dass Schimanski fast auf die schiefe Bahn geraten wäre. Königsberg erwähnt einmal bei einer Festnahme die Vermutung, dass Schimanski bei einem Autodiebstahl der Komplize gewesen sei. Dennoch habe er Schimanski zur Laufbahn als Polizist geraten. In Blutsbrüder und Asyl der neuen Serie wird dies zum Teil auch bekräftigt.
Im Roman „Schimanski“ breitet Felix Huby eine Biografie aus, die sich von den Tatortfolgen grundlegend unterscheidet. Demnach habe sich Schimanskis Vater Georg nach dem Krieg von seiner Familie abgesetzt. Ende der 1960er Jahre habe Schimanski kurzzeitig Jura studiert, aber das Studium während der politischen Studentenunruhen abgebrochen, um sich an den Straßenkämpfen zu beteiligen.
Nach seinem Abschied vom Polizeidienst 1991 wanderte Schimanski nach Belgien aus. Dort lernte er seine Lebensgefährtin Marie-Claire (Denise Virieux) kennen, lebte auf einem Hausboot und betätigte sich als Boxtrainer. Nachdem Thanner 1997 ermordet worden war, wurde Schimanski von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft erstmals wieder nach Duisburg gerufen. Als freier Ermittler sollte er den Mord an Thanner aufklären. Seit 2006 lebt Schimanski wieder in Duisburg.
Wiederkehrende Nebenfiguren
Kriminalhauptkommissar Christian Thanner Thanner war Schimanskis Partner (laut der Folge Moltke) seit 1977 und starb in der Folge Die Schwadron (1997), nachdem ihn ein Betonmischer-Lkw in der Telefonzelle niedergewalzt hatte. Die Rolle wurde von 1981 bis 1991 von Eberhard Feik verkörpert. Da Feik 1994 verstorben war, musste Thanner in der ersten neuen Schimanski-Serienfolge (mittels eines Doubles) den Serientod sterben. Thanner war das genaue Gegenteil von Schimanski. Er war intellektuell, hielt sich fast peinlich genau an Dienstvorschriften. Er war gegenüber Schimanski der ausgleichende Part, der ruhig und sachlich und nicht impulsiv und aufbrausend war. Ebenfalls wurde die Herangehensweise, wie Fälle zu lösen sind von beiden Kommissaren unterschiedlich aufgefasst, so dass Thanner weniger investigativ auftrat oder auf eigene Faust ermittelte.
Zu Anfang hatte er eine Freundin, Sylvia, meist als Lehrerin dargestellt. Sein äußeres Markenzeichen war ein großer Schnauzbart. Er vermittelte mit seinem Auftreten das Stereotyp des Beamten, er trug zumeist Anzug, Krawatte oder Fliege. In der Folge Der Tausch wagt er sich im Lederdress in die Disco. In den Kinofilmen wirkte er etwas entschlossener oder war mit einem modischen Hut (Zabou) zu sehen. Im Gegensatz zu Schimanski war das Verhalten gegenüber Anderen meist höflich und zuvorkommend. Er konnte aber auch anders und agierte dann eher groß und bestimmend.
Kriminaloberrat Karl Königsberg Königsberg war von 1981 bis 1988 der Vorgesetzte von Schimanski und Thanner. Er war verheiratet mit Erika und half den beiden auch mal aus der Klemme oder verteidigte sie vor höheren Instanzen. Seine Mitarbeiter nannten ihn Klops (bezogen auf Königsberger Klopse). Mehrmals muss er Schimanski suspendieren. In der Folge Der Fall Schimanski hilft er ihm sogar, indem er ihn an eine Freundin als Leibwächter vermittelt. Karl Königsberg tauchte nochmals in der Folge Schimanski muss leiden der neuen Serie auf, wo er den Krebstod an seinem Geburtstag im Krankenhaus in Hamburg stirbt. Gespielt wurde er von Ulrich Matschoss.
Schubert Assistent Schubert wurde 1981 zweimal von Michael Lesch verkörpert. Er machte die Hintergrundarbeiten für das Duo Schimanski-Thanner, bevor Hänschen dazustieß. In der ersten Folge Duisburg-Ruhrort wird er von Thanner dafür gemaßregelt, dass er die Dienstwaffe bei einem Fluchtversuch einsetzen will.
Hänschen Die Figur Hänschen (mit vollem Namen (vgl. Folge Der Fall Schimanski) Hans Scherpenzeel van Maaskant-Schoutens) ist ein niederländischer Polizist, der eigentlich an die deutsche Polizei in Duisburg ausgeliehen, dann aber zum zweiten festen Kollegen von Schimanski wurde. Er wird von Chiem van Houweninge dargestellt. Er kam 1982 in der Folge Der unsichtbare Gegner hinzu und entwickelte sich zum Hintergrund-Ermittler, der auch mal Nachtschichten schieben muss. Bereitschaftsdienste werden ihm auch gerne übertragen. Schimanski schätzt ihn als zuverlässig ein und greift auf ihn zurück, wenn er sich mit Thanner wieder einmal zerstritten hat. In den neunziger Jahren wechselt er zu Interpol. Von dort aus kam er 1999 in der Folge Sehnsucht zurück nach Duisburg und war als Hauptkommissar gemeinsam mit Hunger für die Mordermittlungen zuständig. Als alter Hase hatte er nun öfter mit Rückenproblemen zu kämpfen und versuchte, seinen Dienst in einem nunmehr ruhigeren Fahrwasser bis zur Pension zu verrichten.
Kriminalrat Kissling Kissling war von 1981 bis 1985 zweimal als Vertretung für Königsberg im Polizeirevier zugegen. Er ist ein absoluter Gegner von Polizisten wie Schimanski und versuchte seine Ermittlungsmethoden innerhalb von Dienstvorschriften zu integrieren. Er wurde von Werner Schwuchow dargestellt, der oft neben Götz George beispielsweise in Aus einem deutschen Leben oder später in den Schulz-&-Schulz-Filmen zu sehen war.
Dr. Born Ähnlich wie Kissling versuchte er, Schimanskis rauer Ermittlungsmethoden mit Dienstvorschriften und Abmahnungen Herr zu werden. Meist erschien er im Büro der Kommissare und wusste zumeist besser als sie, wie man den Fall löst. In der Folge Kuscheltiere jedoch zeigte er Mitgefühl wegen Schimanskis Suspendierung. Dargestellt wurde er von Christoph Hofrichter in den Tatort-Folgen von 1982. Eine ähnliche, etwas mehr auf Komik basierende Rolle verkörperte Hofrichter in Didi und die Rache der Enterbten als Langenhagen.
Schäfer Die Figur Schäfer wurde 1987 eingeführt. Im Film Zabou wurde Schäfer von Dieter Pfaff verkörpert. Im Kinofilm ist Schäfer ein langjähriger Streifenkollege von Schimanski, in den Tatort-Folgen (von Ludger Pistor dargestellt) ein Anfänger, der noch nie eine Leiche gesehen hat. Schäfer ist ein schüchterner Beamter, der immer zwischen Schimanskis Gespür und Thanners Genauigkeit steht.
Kriminaloberrat Ossmann Nachdem Königsberg 1988 in Pension gegangen war, wurde Kriminaloberrat Ossmann von der Sitte den beiden Ermittlern als Chef vorgesetzt. Ossmann, von Gerhard Olschewski gespielt, hat nicht viel Ahnung von den Ermittlungsmethoden in der Mordkommission und schickt beide sogar in der Folge Blutspur auf die Jagd nach einem Sexualstraftäter, der sich an Kindern vergeht, was gar nicht in ihrem Ermittlungsrahmen liegt. Durch eine missverständliche Beobachtung (er begrüßt seinen Sohn mit einem Kuss) glauben die Ermittler anfangs sogar, er sei homosexuell. Später wird er nach Köln versetzt. Schimanski und Thanner ermitteln ab 1990 ohne Vorgesetzten.
Oberstaatsanwältin Ilse Bonner Mit dem Beginn der neuen Serie Schimanski ab 1997 ist Ilse Bonner eine Staatsanwältin aus Düsseldorf, die auch im Bereich Duisburg schwere Fälle aufzuklären hat. Sie wird von Geno Lechner gespielt und wirkt wie eine Lehrerin auf Schimanski. Seinen Annäherungsversuchen kann sie immer geschickt ausweichen, und er bekommt auch schon mal eine Ohrfeige verpasst. Nach drei Folgen wurde sie ersetzt.
Krieger und Scholl Als ausführende Beamte stehen Bonner und später auch Schäfer das Duo Krieger (Matthias Redlhammer) und Scholl (Robert Viktor Minich) zur Seite, die Schimanski aufgrund ihrer meist arroganten und gleichzeitig naiven Art gar nicht leiden kann. Die beiden Figuren verschwanden ab 1999 aus der Serie.
Tobias Schrader Schrader (gespielt von Steffen Wink) war Schimanskis zugeteilter Kollege, der in der ersten Folge Die Schwadron als korrupter Polizist entlarvt werden sollte, was sich aber als falsch erwies. Er war das adrette und junge Gegenteil von Schimanski mit Laptop sowie Handy als Symbol moderner Polizeiarbeit. Es sollte ein Gegenpol zu Schimanskis altem Kollegen Thanner gebildet werden, der völlig andere Eigenschaften hatte. Steffen Wink hatte zu hohe Gagenforderungen und stieg bereits nach fünf Folgen aus.