mini|Ortschaft Burg-Reuland mit der Burg im Hintergrund
Burg-Reuland, benannt nach der Burg Reuland, ist die südlichste Gemeinde der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien. Sie liegt im äußersten Südosten der Provinz Lüttich südlich von Sankt Vith im Tal der Our.
Gemeindestruktur Die Gemeinde Burg-Reuland besteht aus 26 weit verstreuten Dörfern und Weilern. Verwaltungssitz der Gemeinde ist Thommen.
Einwohnerzahlen der Dörfer, Weiler und Einzelhöfe (Stand: 31. Dezember 2025):
Geographische Lage Die Gemeinde liegt in der belgischen Eifel, östlich des Plateau des Tailles, der mit 652 m höchsten Erhebung der Ardennen. Im Osten liegen die Ortsteile Auel, Steffeshausen und Weweler im Tal der Our ( Ur). Der Ort Reuland mit der namengebenden Burg liegt im Tal des Our-Zuflusses Ulf, der mehr als drei Viertel der Gemeinde entwässert. Im Nordwesten des Gemeindegebietes entspringt der Our-Zufluss Braunlauf, der den Westen der Gemeinde St. Vith entwässert. Der südlichste Teil des Gemeindegebiets mit der Ortschaft Ouren bildet ein Dreiländereck mit Deutschland und Luxemburg.
Nachbargemeinden Im Westen grenzt Burg-Reuland an Gouvy und an den südlichsten Teil der Gemeinde Vielsalm. Nördlich liegt das Gebiet Sankt Vith. Im Osten liegen jenseits der deutsch-belgischen Grenze die Verbandsgemeinden Prüm sowie Arzfeld und im Süden das Großherzogtum Luxemburg mit den Gemeinden Ulflingen (Troisvierges) und Weiswampach.
Geschichte Das Gebiet der heutigen Gemeinde Burg-Reuland gehörte bis 1795 zum Herzogtum Luxemburg und war im Wesentlichen in zwei Herrschaftsbereiche gegliedert, den Hof Thommen und die Herrschaft Reuland. Mit dem Einmarsch französischer Truppen fanden diese alten Herrschaftsstrukturen ein Ende.
Das Gemeindegebiet wurde 1815 auf dem Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugeschlagen und gehörte später zur Rheinprovinz. Durch den Friedensvertrag von Versailles kam das Gebiet 1920 an Belgien.
Am 10. Mai, dem ersten Tag des Westfeldzugs, versuchte ein Trupp Brandenburger (eine Spezialeinheit der Wehrmacht) vergeblich, die von belgischen Verteidigern vorbereitete Sprengung der Our-Brücke im Stadtteil Maldingen zu vereiteln.Etienne Verhoeyen: Spionnen aan de achterdeur: de Duitse Abwehr in België, 1936–1945. 2011, S. 281 f. (online).
Die heutige Gemeinde Burg-Reuland entstand am 1. Januar 1977 durch die Gemeindefusion aus den damaligen Gemeinden Reuland und Thommen.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1930 Jahr Einwohner Anmerkungen 1816 353 sämtlich Katholiken (ein Schullehrer oder eine Schullehrerin)Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 360–367, Ziffer 583. 1818 360 Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 4: P–S, Halle 1823, S. 139, Ziffer 1361. 1821 343 in 68 Privatwohnhäusern 1852 511 Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 508. 1875 2216 1880 2203 1905 2173 Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 16, Leipzig/Wien 1908, S. 836., nach anderen Angaben 2175 Einwohner 1910 2215 am 1. DezemberBurg Reuland, an der Ur, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und einer historischen Landkarte der Umgebung von Burg Reuland an der Ur) 1930 2246
Bürgermeister der Gemeinde Burg-Reuland (seit 1977) Amtszeit Bürgermeisterseit 2024Alain Stellmann2017–2024Marion Dhur2004–2017Joseph Maraite1988–2003Peter Stellmann1977–1988René Greven
Gemeinderat Der Gemeinderat von Burg-Reuland besteht aus 13 Mitgliedern. Nach der Kommunalwahl 2024 ergibt sich nebenstehende Sitzverteilung:
+ Gemeindekollegium von Burg-Reuland (seit 2024) Funktion Name Zuständigkeitsbereiche Bürgermeister Alain Stellmann Allgemeine Verwaltung, Standesamt, öffentliche Sicherheit, Gesundheitsfürsorge, Raumordnung und Urbanismus, Kommunikation, Energie, Tourismus 1. Schöffe Serge Dollendorf Finanzen, Wasserversorgung, Umwelt, Müllentsorgung, Wirtschaftsförderung 2. Schöffin Schulwesen, Familie und Jugend, Kultur, Ehrenamt, Kultus 3. Schöffe Jean Lafleur Öffentliche Arbeiten, Soziales, Seniorenpolitik, Sport
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen Im Kulturhaus Burg-Reulands – der ehemaligen Schule des Ortes – ist ein Heimatmuseum beheimatet, das Alltagsgegenstände ländlichen Lebens zeigt. Dazu gehören Haushaltsgeräte, Werkzeuge alter Berufe und landwirtschaftliche Gerätschaften. In diesem Gebäude ist auch das Paul-Gérardy-Museum untergebracht. Dort sind Ausstellungsstücke zum Leben und Werk des Schriftstellers zu sehen.
Bauwerke mini|Die Burg Reuland Im Ort Reuland steht die Burg Reuland, eine der größten Burgruinen der Eifel.
Im Ortsteil Bracht steht die kleine Rektoratskirche der Schmerzhaften Mutter sowie das 1782 erbaute Schloss Bracht.
Das Europadenkmal in Ouren steht inmitten eines kleinen Parks und wurde im Oktober 1977 eingeweiht.
In der Gemeinde Burg-Reuland gibt es insgesamt 19 Kirchen und Kapellen. Mit der Peterskirche in Ouren, der St.-Hubertus-Kapelle in Weweler, der St. Stephanus-Kirche in der Ortschaft Reuland sowie der St. Remaklus-Kirche in Thommen stehen vier von ihnen unter Denkmalschutz.
Natur Das ländliche Gemeindegebiet wird durch das Tal der Our geprägt. Es ist ein beliebtes Ziel für Wanderer sowie Mountainbiker und das wichtigste Standbein des dortigen Tourismus.
Infrastruktur Die Einkaufsmöglichkeiten in der Gemeinde beschränken sich auf Bäckereien und Schlachtereien. Die Gemeinde gehört durch ihre Grenzlage zum Einzugsbereich mehrerer Einkaufszentren im Norden Luxemburgs. Der nächste Bahnhof befindet sich ebenfalls in Luxemburg, in Ulflingen (/).
Von 1889 bis 1952 führte eine Zweigstrecke der Vennbahn durch Reuland. Sie verband Aachen mit Luxemburg, war also von überregionaler Bedeutung. In Troisvierges hatte sie Anschluss an die luxemburgische Nordbahn (Bahnstrecke Luxemburg–Spa). Zwischen dem Burg-Reulander Ortsteil Lengeler und dem Ulflinger Ortsteil Wilwerdingen führte sie durch einen 700 m langen Tunnel. Bei der Ardennenoffensive in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs wurde die Strecke von der deutschen Wehrmacht durch Brückensprengungen unterbrochen. Danach wurde bis zur Stilllegung nur noch das Teilstück von Reuland nach Troisvierges befahren. Die Trasse wurde Stück für Stück als Teil des RAVeL-Netzes für Radler und Wanderer hergerichtet, der wiederum ein Abschnitt des Vennbahnradweges ist.
Bildung In der Gemeinde Burg-Reuland sind 8 kommunale Schulen angesiedelt, von denen jede über die beiden Abteilungen Kindergarten und Primarschule verfügt.
Persönlichkeiten Anna von Palant (um 1550–1599), deutsche Humanistin und neulateinische Dichterin. Adam Thomas (1799–1877), „Den Allijer Hähr“, Pastor in Aldringen. Wilhelm Koep (1905–1999), Architekt Joseph Maraite (1949–2021), ehemaliger Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und Bürgermeister der Gemeinde.
Weblinks Offizielle Website der Gemeinde
Einzelnachweise
Kategorie:Ardennen
Kategorie:Ort in der Eifel Kategorie:Gemeindegründung 1977