mini|hochkant|Schwere, tief klingende Handzimbeln (tala), mit denen der Spielleiter des südindischen Tanztheaters Yakshagana den Takt angibt. Durchmesser 5,5 cm Zimbel (aus über ) und aus demselben Stamm abgeleitete Wortbildungen bezeichnen unterschiedliche Musikinstrumente oder Teile davon. Über das Wortumfeld „Zimbel“ sind Idiophone und Saiteninstrumente sprachlich und in gewisser Weise in ihrer Entwicklungsgeschichte miteinander verbunden:

verschiedene, aus kreisrunden aufgebogenen Metallplatten oder ausgehöhlten Metallgefäßen bestehende Idiophone, wobei Zimbel synonym zu kleinen Becken verwendet wird, im europäischen Mittelalter mit einem Hämmerchen angeschlagene Reihen von gestimmten Glocken Saiteninstrumente wie das Cembalo und das Zymbal (auch Zimbal, ungarisch cimbalom), ein ungarisches Hackbrett, zur Orgel gehörende Register und das mechanische Orgelspielwerk Zimbelstern sowie sehr kleine oder tonhohe Glocken.

Wortverbreitung Etymologisch zu lateinisch cymbalum, genauer zum Plural cymbala, gehören althochdeutsch zimbala, das im 8. Jahrhundert belegt ist, mittelhochdeutsch der oder das zimbal und zimbel sowie die zimbele. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts heißt es frühneuhochdeutsch cimbal, cymbel, zymbel und zimbel sowie parallel mittelniederdeutsch simbalum, simbel(e), zimbell, zymbel und simele. Ins Niederländische ging das Wort als cimbaal und ins Altenglische als cimbal, ins heutige Englische als cymbal ein.Wolfgang Pfeifer: Zimbel, die. In: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Digitalisiert im DWDS

Antike mini|Griechisches kymbalon aus Bronze. Die Inschrift ist die Widmung einer Frau Kamo an die Göttin Kore. 500–480 v. Chr. Archäologisches Nationalmuseum in Athen Aus der zypriotisch-archaischen Periode ist eine 600 bis 480 v. Chr. datierte Tonfigur erhalten, die stilistisch zu in biblischer Zeit in Palästina entstandenen, grob geformten Figuren von Menschen und Tieren gehört. Die Figur hält zwischen beiden Händen eine senkrechte Scheibe vor der Brust, die als Rahmentrommel gedeutet wurde, aber von der Handhaltung eher einem geschlagenen Paarbecken (Handzimbeln) entspricht.Standing tambourine player. Sammlung des Metropolitan Museum of Art, 74.51.1675 Während eine ähnliche Gruppe von Tonfiguren an ihren langen Haaren als Musikerin (Gottheit, Priesterin) erkennbar ist, die eine Rahmentrommel spielt, stellen die Becken schlagenden Figuren mit Kappen auf dem Kopf und teilweise mit Bärten offensichtlich männliche Musiker dar. Die von Frauen geschlagenen Rahmentrommeln werden in der Hebräischen Bibel als tof und Zimbeln als mesiltayim erwähnt.Carol L. Meyers: Of Drums and Damsels: Women’s Performance in Ancient Israel. In: The Biblical Archaeologist, Band 54, Nr. 1', März 1991, S. 16–27, hier S. 17–19

Neben Gefäßrasseln aus Ton sind Bronzebecken aus dem eisenzeitlichen Palästina die von Archäologen am häufigsten ergrabenen Musikinstrumente. Die frühesten Funde von einzeln oder paarweise erhaltenen Zimbeln stammen aus dem 12./11. Jahrhundert v. Chr. Im Mischnatraktat Arachin heißt es, eine Bronzezimbel aus der Zeit von Mose sei kaputtgegangen und man habe Handwerker aus Alexandria in Ägypten herbeordert, aber ihre Reparatur hätte nicht geholfen. Erst nach Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes hätte die Zimbel wieder angenehm geklungen.Arachin – 2a-34a. halakhah.com, S. 37 Curt Sachs (1940) zufolge bedeutet diese Passage nicht, dass die Zimbeln aus Ägypten kamen, wo sie archäologisch erst seit der Zeitenwende gesichert sind.

Die älteste der biblischen Bezeichnungen für metallene Schlaginstrumente ist selselim, die im Alten Testament nur im Plural für etwas vorkommt, das bei einer religiösen Zeremonie zusammengeschlagen wird, möglicherweise war es eine metallene Rassel. Das Wort geht nach Curt Sachs (1940) auf das hebräische Verb salal, „zusammenschlagen“, mit der Pluralendung -ayim zurück. Mit selselim sprachverwandt sind türkisch zil und arabisch salasil für Fingerzimbeln und sil-(sngan) für in der tibetischen Ritualmusik gespielte Paarbecken.Curt Sachs: The History of Musical Instruments. W. W. Norton Company, New York 1940, S. 122

Das mit „Zimbeln, Becken“ übersetzte Wort mesiltayim erscheint im Alten Testament erst seit der nachexilischen Zeit (nach 600 v. Chr.). Das im Dual stehende mesiltayim hat einen onomatopoetischen Charakter und ist sprachlich ebenfalls mit selselim verbunden. Die Konsonantenwurzel des zugrundeliegenden Verbs ist slsl, „klingen, klingeln“. Sämtliche Übersetzungen von mesiltayim bedeuten „Zimbeln, Becken“: ugaritisch mzlt, in der Septuaginta kymbalon und in der Vulgata cymbala. Das mesiltayim war ein Ritualinstrument, das nur von Leviten beim Tempeldienst verwendet wurde, niemals von Frauen.Joachim Braun: Biblical instruments. 3. Old Testament instruments. (vi) Meṣiltayim and ṣelṣelim. In: Grove Music Online, 2001; vgl. Joachim Braun: Die Musikkultur Altisraels/Palästinas: Studien zu archäologischen, schriftlichen und vergleichenden Quellen. (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, S. 97–100

Das altgriechische kymbalon (κύμβαλον, Plural κύμβαλα, kymbala) ist ein Diminutiv von kýmbos (κύμβος), „Hohlgefäß, Schale“. Das von kymbalon abgeleitete lateinische cymbalum wurde meist im Plural (cymbala) verwendet und bezeichnete kleine, paarweise zusammengeschlagene flache oder becherförmig aufgebogene Bronzeteller, die im Römischen Reich zusammen mit dem Rohrblattinstrument aulos und der Rahmentrommel tympanum in der religiösen Kultmusik, besonders in dem um 200 v. Chr. aus Kleinasien eingeführten Kybele- und Attiskult verwendet wurden. Daneben gehörten cymbala mit hölzernen Klappern (krotala), Rahmentrommeln und Blasinstrumenten zur Tanzmusik in den Tavernen und auf den Straßen.James W. McKinnon, Robert Anderson: Cymbalum. In: Grove Music Online, 25. Mai 2016

An einer Stelle, in , wird cymbalum im Neuen Testament als Zimbel erwähnt, zusammen mit einem „tönenden Erz“, womit entweder ein Gong oder ein Instrument zur Verstärkung der Stimme eines Sängers oder Schauspielers gemeint gewesen sein könnte.Joachim Braun: Biblical instruments. 4. New Testament instruments. (iv) Cymbalon. In: Grove Music Online, 2001

Mittelalter mini|Rahmen mit einer Reihe gestimmter Glocken. Miniatur in den Cantigas de Santa Maria, Mitte 13. Jahrhundert Die Bezeichnung für ein alttestamentliches und in griechisch-römischen Kulten paarweise verwendetes Becken erhielt im Mittelalter eine andere Wortbedeutung. Das Wortumfeld „Zimbel“ für ursprünglich gegeneinander geschlagene Idiophone stand nun für eine Reihe kleiner Glocken, die von außen mit einem Hämmerchen angeschlagen wurden. Auf Abbildungen ist ein einfaches Glockenspiel aus vier bis acht Glocken in einem Rahmen zu erkennen. Der wesentliche bedeutungsmäßige Unterschied ist der Übergang von einem Rhythmusgeber mit unbestimmter Tonhöhe zu einem Melodieinstrument, das schriftlichen Quellen zufolge eine diatonische Tonfolge mit dem Grundton C produzierte und mit der Kirchenorgel zusammen eingesetzt werden konnte. In einem um 900 entstandenen Manuskript aus der Gegend von St. Gallen werden erstmals kleine Glocken als cymbala bezeichnet.James W. McKinnon, Hélène La Rue: Cymbala. In: Grove Music Online, 2001 Zum üblich werdenden Einsatz von Orgeln in Kirchen um das 12. Jahrhundert gehörten wie selbstverständlich auch cymbala, wie der lateinische Ausdruck organa cum cymbalis zeigt, bis die Glocken im späten Mittelalter weniger verwendet wurden. Aus der Kombination von Orgeln und Zimbeln (Glocken) ging mit der Renaissance im 15. Jahrhundert die neue Bedeutung von cymbala als Orgelregister hervor.

Cymbala war im Mittelalter die einzige Bezeichnung für eine Reihe von in einem Rahmen aufgehängten Glocken, was deren rituelle Bedeutung gegenüber unterschiedlich benannten sonstigen Klangerzeugern hervorhebt. Über die spirituelle Bedeutung der Glocke hinaus waren die cymbala Symbole für den christlichen Gottesdienst. Dies kommt in Psalm 150 („Das große Halleluja“) zum Ausdruck, wo es zum abschließenden Höhepunkt des Gotteslobes nach den zuvor genannten Musikinstrumenten heißt: „Lobet ihn mit hellen Zimbeln, lobet ihn mit klingenden Zimbeln!“ Frühe Kommentatoren dieses Psalms setzten die Zimbeln mit der Zunge und den Lippen (der betenden Gläubigen) gleich. Der römische Kirchenlehrer Augustinus von Hippo (354–430) formuliert dies so: Cymbala invicem se tangunt, ut sonent; idem a quibusdam labiis nostriis comparata sunt. („Die Becken berühren einander, so dass sie erklingen; eben dies lässt sich mit manchen von unseren Lippen vergleichen“). Augustinus meinte offenbar mit den cymbala die zu seiner Zeit wie heute verwendeten Becken, die gegeneinander geschlagen werden. Spätere Autoren übernahmen diese Symbolik ohne erkennen zu lassen, ob entsprechende Zimbeln zu ihrer Zeit noch verwendet wurden. Der Ausdruck organa cum cymbalis ist auch in einem Begrüßungslied von 829 für Walahfrid Strabo, den Abt des Klosters Reichenau enthalten.Helene La Rue, 1982, S. 86f

Ein Wörterbuch des 10. Jahrhunderts übersetzt mittellateinisch campana zu altenglisch cimbala.Thomas Wright: Anglo-Saxon and Old English Vocabularies. Band 1: Vocabularies. Trübner & Co., Ludgate Hill, London 1884, S. 198 Anders als bei den mittellateinischen Bezeichnungen für „Glocke“ wie campana und clocca gibt es für cimbala/cymbala keine Wortzusammensetzungen oder abgeleiteten Wörter etwa in der Bedeutung „Glockenspieler“ oder „Glockenturm“. Aus den Texten geht auch nicht hervor, wie die cymbala verwendet wurden. Ab dem 11. Jahrhundert steht das Singularwort cymbalum gelegentlich für die Stundenglocke oder die Glocke des Refektoriums in einem Kloster. In diesen Fällen handelt es sich um einzelne Signalinstrumente und nicht um in Reihen aufgehängte gestimmte Glocken. Die bis zu 15 Glocken in einer Reihe werden in einigen illuminierten Manuskripten vom 10. bis zum 14. Jahrhundert von David und einigen Begleitmusikern gespielt, wo sie den „Psalmeninstrumenten“ zugerechnet werden („Psalter“ und „Harfe“, in der hebräischen Bibel eigentlich nevel und kinnor). Häufig finden sie sich in Miniaturen des E-Initials im Vulgata-Psalm 80 und in den Illustrationen der Sieben freien Künste (artes liberales). In schriftlichen Quellen kommen die Zimbeln dagegen seltener vor. Eine Ausnahme bildet die Sammlung musiktheoretischer Handschriften mensura cymbalorum, in denen die zuerst von Pythagoras anhand des Monochords erklärten physikalischen Gesetze der Tonbildung auf Saiteninstrumente, Blasinstrumente und Idiophone einschließlich Glöckchen angewandt werden.Klaus-Jürgen Sachs: Cymbala, 2016

Nochmals werden cymbala in einem deutschen Lateinwörterbuch aus dem 15. Jahrhundert erwähnt: Cimbalum / cimbel est instrumentum habens multas campanellas …, „Das cimbalum ist ein Instrument mit vielen Glocken...“.Helene La Rue, 1982, S. 89f, 93, 96 Der französische Gelehrte Jean Gerson (1363–1429) beschreibt hingegen in seinem in den 1420er Jahren verfassten mittellateinischen Tractatus de Canticis („Abhandlung über die Lieder“) cymbala, „die erklingen, wenn sie zusammengeschlagen werden“, als Zimbeln nach heutigem Verständnis, die er von campanae (Kirchenglocken) und von campanulae pro melodia („kleine Glocken zum melodischen Spiel“) unterscheidet.Christopher Page: Early 15th-Century Instruments in Jean de Gerson's „Tractatus de Canticis“. In: Early Music, Band 6, Nr. 3, Juli 1978, S. 339–349, hier S. 343