Der Eyjafjallajökull (),wayback.vefsafn.is abgerufen am 2. Januar 2011. auf Deutsch Eyjafjöll-Gletscher, ist der sechstgrößte Gletscher Islands; gleichzeitig wird mit dem Namen auch der darunter liegende Stratovulkan bezeichnet.Übersicht über isländische Vulkane. Geologisches Institut der Universität von Island; abgerufen am 9. September 2022.

Er liegt an der äußersten Südküste, westlich des Gletschers Mýrdalsjökull in der Gemeinde Rangárþing eystra, die größte Höhe beträgt . Unter dem Gletscher befindet sich der Vulkan mit eigener Magmakammer, der seit der Besiedelung von Island in den Jahren 920, 1612 (oder 1613), 1821 bis 1823 und zuletzt im Jahr 2010 aktiv war.

Name Der Name Eyjafjallajökull ( für „Inselberge-Gletscher“) rührt von den so genannten Landeyjar (deutsch „Landinseln“) her. Das sind felsige Erhebungen, Inselberge, auf dem Sander zwischen den Bergen und dem Meer. Sie ragen schroff aus der völlig flachen Sandebene heraus wie Inseln aus einem Meer und waren tatsächlich oftmals in früherer Zeit Inseln, ehe die Gletscherläufe bei vulkanischen Eruptionen mit ihrem Sedimenteintrag die Küstenlinie ins Meer hinaus verschoben.

Eine ganze Reihe geographischer Eigennamen dieser Gegend sind Komposita mit ey (deutsch „Insel“Hans Ulrich Schmid: Wörterbuch Isländisch-Deutsch. Hamburg (Buske) 2001, S. 54.), z. B. Petursey, Akurey, Hallgeirsey, Thorvaldsey, Eyjarmýri (deutsch „Inselmoor“), Eyjarhellir (deutsch „Inselhöhle“) und eben auch Eyjarfjöll (deutsch „Inselberge“) und Eyjafjallajökull (deutsch „Inselbergegletscher“). Zusammengesetzte Nomen benutzen im Isländischen im Allgemeinen die Genitivform des Bestimmungswortes.

Der Gletscher Die Eiskappe des Eyjafjallajökull bedeckt etwa 78 Quadratkilometer und reicht bis auf eine Höhe von etwa 1000 Meter hinunter.

Der höchste der Gipfel, die am Rande der Gipfelcaldera als kleine Nunataks aus dem Gletscher hervorragen, ist der 1651 Meter hohe Guðnasteinn. Weitere bekannte Gipfel sind Goðasteinn im Norden des Hauptkraters und Hámundur im Süden des Hauptkraters.

Einige Auslassgletscher senken sich bis auf den Talboden in 150–200 m Meereshöhe.Ari Trausti Guðmundsson: Land im Werden. Vaka-Helgafell, Reykjavík 1996, S. 42. Die bedeutendsten dieser Auslassgletscher sind Steinholtsjökull und Gígjökull, die sich in Richtung des Stromes Markarfljót nach Norden erstrecken. Der Name letzteren Auslassgletschers bedeutet auf Deutsch Kratergletscher und geht auf die Tatsache zurück, dass der Auslassgletscher von einer großen Scharte im Gipfelkrater ausgeht. Gígur ist das isländische Wort für Krater. Der steile und zerklüftete Auslassgletscher reicht circa 1200 Meter ins Tal des Markarfljót hinunter. Der Gígjökull hat am Talboden hohe Moränen aufgeschoben. Durch Abschmelzen der Eismassen hatte sich ein Gletschersee gebildet, genannt Lónið. Bei dem Vulkanausbruch im April 2010 wurde der Gletschersee durch Vulkanasche und Sedimente vollständig aufgefüllt und verschwand.

Der Vulkan unter dem Gletscher

Mit Eyjafjallajökull wird nicht nur der Gletscher, sondern auch das gesamte Vulkanmassiv mit mehreren kleineren Bergen darunter bezeichnet.

Gestalt des Vulkans mini|Eyjafjallajökull im Hintergrund rechts, mit Mýrdalsjökull links und Tindfjallajökull unten rechts. Aussicht von Norden aus. Die Ausbruchsstelle 2010 liegt zwischen Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull. Der Vulkan gehört der Südlichen bzw. Östlichen Vulkanzone von Island an,Ari Trausti Guðmundsson: Lebende Erde. Facetten der Geologie Islands. Mál og Menning, Reykjavík 2007, S. 205. wobei sich die Vulkanologen dabei über die Art des Vulkans nicht ganz einig sind. Þorleifur Einarsson reiht ihn unter die StratovulkaneÞorleifur Einarsson: Geology of Iceland. In: Rocks and landscape. 3/2005, S. 70. ein, Þór Þórðarson spricht von einem SchildvulkanIn englischsprachiger Sekundärliteratur wird der Name Thor Thordarson geschrieben; dazu und zur Textstelle: Thor Thordarson, Armann Hoskuldsson: Iceland. Classic Geology in Europe 3. Harpenden 2002, S. 98. und Ari Trausti Guðmundsson beschreibt den Vulkan als .Ari Trausti Guðmundsson: Lebende Erde. S. 204.

Die Caldera des Vulkans hat einen Durchmesser von etwa drei bis vier Kilometern. Die zum Vulkan gehörigen Spaltenschwärme erstrecken sich mit ihren Kratern in West-Ost-Richtung über circa 30 Kilometer. Einige weitere Krater bildeten sich im März 2010 während des jüngsten Ausbruchs am Fimmvörðuháls.wayback.vefsafn.is abgerufen am 31. Dezember 2010.

Gesteine, Lava und Asche Die ältesten Gesteine des Eyjafjallajökull sind etwa 700.000 bis 800.000 Jahre alt. Es handelt sich dabei um sogenannte transitionale Basalte (Übergangstyp zwischen Alkalibasalt und Tholeiitbasalt), aber auch höher differenzierte Gesteine, wie beispielsweise Dazit. Die Basalt-Gesteinstypen an diesem Vulkan waren als heiße Lava um 1200 °C flüssig und enthalten einen SiO2-Anteil um circa 50 Prozent sowie Anteile von Al2O3, MgO, FeO, K2O und Na2O. Die flüssige Lava erkaltete zu Basalt. Ähnliche chemische Zusammensetzungen haben die Laven der Vulkane auf Hawaii und in Australien im Undara-Nationalpark.

Eruptionsgeschichte mini|hochkant=1.6|Riftzonen (Grabenbrüche) Islands:1v: Westliche Grabenbruchzone 1n: nördliche Grabenbruchzone 2:. Snæfellsnes-Skagi Bruchzone – inaktiv 3: Westfjorde-Grabenbruchzone – inaktiv 4: östliche Vulkanzone – mutmaßlicher zukünftiger GrabenbruchDer Eyjafjallajökull befindet sich in der östlichen Vulkanzone in unmittelbarer Nähe der Südküste mini|Strombolianische Eruption: 1 Aschenwolke; 2 Lapilli; 3 Aschenregen; 4 Lavafontäne; 5 Vulkanische Bombe; 6 Lavastrom; 7 Lava- und Aschenlagen; 8 Geologische Schichten; 9 Dyke; 10 Vulkanschlot; 11 Magmakammer; 12 Sill

Der Vulkan unter dem Eyjafjallajökull hat eine ungefähr 800.000 Jahre lange Eruptionsgeschichte vorzuweisen. Seit der Landnahme ab 870 n. Chr. war er vor 2010 jedoch lediglich viermal aktiv und gehört daher nicht zu den aktivsten Vulkanen Islands.

Prähistorische Eruptionen Während der Eiszeit lassen sich zwölf verschiedene Ausbruchsphasen feststellen, davon entfallen sechs Phasen auf interglaziale Perioden und sechs weitere auf glaziale Perioden.

Während der Letzteren entstanden etwa Hyaloklastite und Kissenlaven, die auch Teile des Vulkangebäudes ausmachen.

Während der eisfreien Perioden häuften sich Lavaschichten an. Diese sind z. B. deutlich in den ehemaligen Meeresklippen an der Südseite des Bergmassivs zu sehen.

Nach der Eiszeit ereigneten sich vor circa 10.000 Jahren zwei effusive Eruptionen, bei denen die Lavaströme von Hamragarðar und Kambagil produziert wurden.T. Thordarson, A. Hoskuldsson: Iceland. Classic Geology in Iceland 3. Harpenden 2002, S. 98 f.

Historische Eruptionen mini|Fimmvörðuháls, März 2010 Seit der Besiedelung Islands ereigneten sich dagegen nur fünf bekannte Ausbrüche. Der erste geschah 920,Þurfum að fylgjast með Kötlu. Morgunblaðið, 21. März 2010, abgerufen am 17. April 2010 (isländisch) der zweite Ausbruch fand 1612/13 statt, ein weiterer in den Jahren 1821–1823. Im Frühjahr 2010 ereigneten sich zwei Eruptionen, die erste im März am Fimmvörðuháls, die zweite ab Mitte April an der Gipfelcaldera.wayback.vefsafn.is abgerufen am 31. Dezember 2010.

Skerin Ridge und der Ausbruch des Jahres 920 Bei Skerin Ridge handelt es sich um eine radiale Ausbruchsspalte, die im Nordwesten der Gipfelcaldera des Eyjafjallajökull zu finden ist. Der Rücken hat eine Länge von ca. 4,5 km und eine Breite von etwa 100 m.

Geologische Untersuchungen der Spuren von Gletscherläufen, die bei diesem Rücken ihren Ursprung haben, weisen auf eine Entstehung bei einem Ausbruch unter dem Gletscher im 10. Jahrhundert hin. Die Klimaerwärmung und der damit verbundene Rückzug des Gletschers ermöglichten genauere Analysen des Aufbaus dieses Rückens insbesondere in Bezug auf die schnelle Abkühlung der Laven durch das Gletschereis.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Rücken sich vor allem aus trachitischem Gestein aufgebaut hat (0,043 km³), in geringerem Maße allerdings auch aus Basaltgesteinen und intermediären Tephralagen (Trachyandesit) besteht (0,012 km³).

Der Ausbruch begann offensichtlich mit dem Aufbau eines Schlackenkegels am nordwestlichen Ende der eisfreien Spalte sowie einem phreatomagmatischen Ausbruch am eisbedeckten Südostende der Spalte, der einen Tuffwall aus demselben Gestein hinterließ. Der Ausbruch war eine gemischte Eruption, gleichzeitig explosiv und effusiv, wobei einer Reihe von Schloten entlang der Ausbruchsspalte trachitische Laven entströmten, die schnell durch das Schmelzwasser des Gletschers abgekühlt wurden. Die Ausbruchsserie endete mit einer strombolianischen Phase.

Petrologische Untersuchungen zeigten, dass kurz vor dem Ausbruch offensichtlich eine Vermischung von Magmen unterschiedlicher Zusammensetzung stattgefunden und eine Basaltintrusion die Eruption sauren Gesteins ausgelöst hatte.

Man fand auch Spuren mindestens eines älteren und undatierbaren Ausbruchs an derselben Ausbruchsspalte, der ein Basaltlavafeld nördlich derselben produziert hatte.Birgir Vilhelm Óskarsson: The Skerin Ridge on Eyjafjallajökull, South-Iceland. Morphology and magma-ice interaction in an ice-confined silicic fissure eruption. Reykjavík 2009, S. 6–7 (Abstract)

1612 oder 1613 mini|Eyjafjallajökull: Eruption im April 2010 – unverkennbare Ähnlichkeit mit der Eruptionsbeschreibung von 1613 Von diesem Ausbruch ist wenig bekannt.

Ein Reisender aus Mähren namens Daniel Vetter beschrieb im Winter 1612 bzw. 1613, das ganz genaue Datum liegt nicht fest, einen Ausbruch des Eyjafjallajökull. Eine Zeitlang hielt man seinen Bericht nicht für glaubwürdig oder übertrug die Beschreibung auf einen Ausbruch der Katla, da zu dieser Zeit Mýrdalsjökull und Eyjafjallajökull unter derselben Bezeichnung Eyjafjallajökull liefen.

Vetter beschrieb die Ereignisse so: Drei Tage lang sei schreckliches Dröhnen und Krachen aus dem Berg zu hören gewesen. Der Klang erinnerte ihn dabei an Schüsse ungemein großer Kanonen. Schließlich loderte der Berg auf, besonders im Gipfelbereich. Ferner sei eine Menge vulkanisches Auswurfmaterial auf einen See zu seinen Füßen niedergegangen und habe diesen binnen kurzer Zeit ausgetrocknet und mit brennend heißer Lava und Gesteinsbrocken aufgefüllt.Daniel Vetter: 1592–1669. Ísland: ferðasaga frá 17. öld. Hallfreður Örn Eiríksson og Olga María Franzdóttir þýddu, Helgi Þorláksson sá um útgáfuna. Sögufélag, Reykjavík 1983, S. 100, zitiert in: Veðurstófan: Fróðleiksgreinar, vedur.is abgerufen am 10. Mai 2010.

Ein weiteres Zeugnis findet sich in den Skarðsannalen. Dort wird die Eruption so beschrieben: Eyjafjallajökull. islandia.is (isländischer Text: ); Übersetzung Wikipedia – Mit ‚Land‘ ist hier die Gegend von Vík í Mýrdal bis nach Kirkjubæjarklaustur gemeint, vgl. auch den Namen der Kratergruppe Landbrótshólar.

Der Ausbruch von 1821 bis 1823 mini|Ausbruch unter einem Gletscher: 1 Wasserdampfwolke; 2 übergletscherter See; 3 Gletschereis; 4 Lava- und Aschelagen; 5 Geologische Schichten; 6 Kissenlava; 7 Vulkanschlot; 8 Magmakammer; 9 Ausbruchsschlot Der vorletzte Ausbruch ereignete sich von Dezember 1821 bis Januar 1823.Guðrún Larsen: Gósið í Eyjafjallajökli. 1821. Stutt samantekt, 1999. Dabei wurden vier Millionen Kubikmeter dunkelgraue, feinkörnige dazitische Aschen gefördert, die man vor allem in Südisland findet. Dieser eher kleine Ausbruch richtete trotzdem einigen Schaden an. Vor allem war die Asche reich an Fluor, welches dem Vieh schadete. Auch verursachte der Ausbruch kleinere bis mittelgroße Gletscherläufe vor allem im Markarfljót, aber auch im Fluss Holtsá.

Der Ausbruch begann am 19. und 20. Dezember 1821 mit einer explosiven Phase, die einige Tage andauerte und starken Aschenfall vor allem in den besiedelten Gebieten im Süden und Westen des Vulkans zur Folge hatte.

Bis zum Juni des folgenden Jahres hielt der Ausbruch an, ohne allerdings besonders in den Siedlungen wahrgenommen zu werden, abgesehen von gestiegenem Wasserspiegel etwa im Markarfljót.