mini|Margarita Mathiopoulos (2006)

Margarita Mathiopoulos (* 17. Mai 1956Fotokopie einer Notarurkunde In: sverigesradio.se (PDF; 369 kB) in Bonn) ist eine deutsche Unternehmerin und Publizistin.

Leben Ausbildung Margarita Mathiopoulos ist die Tochter des griechischen Journalisten Basil Petros Mathiopoulos und der aus Zypern stammenden Philologin Elsie Mathiopoulou-Tornaritou. Während der Machtübernahme der griechischen Obristenjunta im April 1967 befand sich Mathiopoulos’ Vater für Dreharbeiten für den WDR in Athen. Aufgrund des Militärputsches flüchtete er mit seinem Kollegen Thilo Koch in die Deutsche Botschaft. Durch den persönlichen Einsatz des damaligen bundesdeutschen Außenministers Willy Brandt wurde er zurück nach Bonn zu seiner Familie ausgeflogen, da ihm die Junta seine griechische Staatsbürgerschaft aberkannte. – Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, 27. Februar 2013. In einer Anthologie schildert Mathiopoulos 1995 unter dem Titel Eine politische Kindheit ihre Erinnerungen an ihre Jugend.Selbst-Porträt der Kindheit und Jugend in: Florian Langenscheidt (Hg.): Bei uns zu Hause. Prominente erzählen von ihrer Kindheit. Düsseldorf 1995, ISBN 3-430-15945-8.

Nach dem Abitur am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium studierte Mathiopoulos in Bonn und an der Sorbonne (von November bis Dezember 1979) Politikwissenschaft, Zeitgeschichte, Jura, Italienische Philologie und Psychologie (Nebenfach). 1980 schloss sie ihr Studium mit einem Magister artium (M. A.) an der Universität Bonn ab. Anschließend forschte sie als Gaststudentin von 1980 bis 1983 mit einem Promotionsstipendium der Friedrich-Naumann-Stiftung am Government Department der Harvard University. Ihre Mentoren waren Samuel P. Huntington und Richard E. Neustadt.

1986 wurde sie bei Karl Dietrich Bracher mit dem Thema Geschichte und Fortschritt im Denken Amerikas: Ein europäisch-amerikanischer Vergleich an der Universität Bonn zur Dr. phil. promoviert; der Zweitgutachter war Wolfgang Bergsdorf. Ihre Dissertation wurde 1987 im Verlag Ferdinand Schöningh publiziert und erschien 1989 in englischer Übersetzung mit einem Vorwort von Gordon A. Craig bei Praeger in New York. . Nach wiederholten Plagiatsvorwürfen wurde 2017 die Entziehung des Doktorgrades wegen Täuschung rechtskräftig.Legal Tribune Online vom 22. Juni 2017: BVerwG zu langjähriger Plagiatsaffäre. Kein Doktortitel für MathiopoulosLegal Tribune Online vom 3. März 2018: Wissenschaftsplagiat. Ein Menschenrecht auf den Doktorhut? Diese Entscheidung wurde im Dezember 2018 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bestätigt.

Berufliche Laufbahn Von 1975 bis 1980 war Mathiopoulos Freie Journalistin und Moderatorin beim WDR. Von 1978 bis 1980 arbeitete sie als Moderatorin im Regionalfernsehen des WDR bei den Sendungen Hier und Heute und Unsere Heimat - ihre Heimat.„Am Herzen der Partei vorbei“ Der Spiegel vom 23. März 1987 Von 1977 bis 1979 war sie zudem Presseattachée der zyprischen Botschaft in Bonn. Von 1983 bis 1985 arbeitete Mathiopoulos als Korrespondentin des griechischen Fernsehsenders ERT 1, von 1985 bis 1987 war sie im Management der IBM in Stuttgart im Bereich Kommunikation und Marketing tätig.

Im März 1987 gelangte Mathiopoulos zu bundesweiter Bekanntheit, als der SPD-Vorsitzende Willy Brandt sie für den neu zu schaffenden Posten der Parteisprecherin nominierte, obwohl sie parteilos war. Brandt sah darin die Chance, der SPD zu einem progressiven Image zu verhelfen, die Nominierung führte jedoch zu heftiger Kritik. Um Brandt nicht zu schaden, zog Mathiopoulos ihre Bewerbung zurück. Der Streit in der SPD eskalierte weiter und Brandt trat am 23. März 1987 von seinem Amt als Parteivorsitzender zurück.Bert-Oliver Manig: Willys Abschied. Kalenderblatt im Deutschlandfunk, 23. März 2007. Das Magazin Der Spiegel hatte am 23. März 1987 das Cover Fall Mathiopoulos - Brandts Fall. Auf dem Cover waren Mathiopoulos und Brandt abgebildet.Der Spiegel Heft 13/1987 vom 23. März 1987

Mathiopoulos wurde 1987 Vize-Direktorin der Berliner Niederlassung des Aspen Institute und übernahm Lehraufträge zu den Themen US-Außenpolitik und Internationale Sicherheit an der Freien Universität Berlin. Eine dort für das Wintersemester 1989/90 geplante Vertretung des Lehrstuhls Arnulf Barings musste sie aufgrund der gegen sie erhobenen Plagiatsvorwürfe aufgeben.

Im Spätsommer 1989 hielt sie auf Einladung von Gordon A. Craig Vorträge an der Universität Stanford. Anfang 1990 war sie als Fellow des German Marshall Fund am Institute for East West Security Studies in New York. Anschließend lehrte sie als DAAD-Gastprofessorin an der Humboldt-Universität zu Berlin.

1992 wurde Mathiopoulos bei der Norddeutschen Landesbank als Leiterin des Bereichs Marketing und Kommunikation sowie Internationale Beziehungen eingestellt. 1997 klagte sie gegen ihre Entlassung vor dem Arbeitsgericht Hannover und erreichte einen Vergleich, der ihr eine Abfindung von 410.000 DM plus Dienstwagen zusicherte. In dieser Zeit hielt Mathiopoulos Lehrveranstaltungen an der Universität Hannover und an der Technischen Universität Braunschweig, die sie 1995 zur Honorarprofessorin machte, als erste Frau in der 250-jährigen Geschichte der Universität.

Von 1998 bis 2001 war Mathiopoulos Chefberaterin des Vorstandsvorsitzenden des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems, John Weston, für europäische und nordamerikanische Märkte. Außerdem übernahm sie von 2000 bis 2001 im Auftrag des griechischen Verteidigungsministers Akis Tsochatzopoulos den Vorsitz einer internationalen Expertenkommission zur Restrukturierung der griechischen Streitkräfte zwischen 2000 und 2015.

Im Juli 2001 gründete Mathiopoulos gemeinsam mit dem früheren Generalinspekteur der Bundeswehr und Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses Klaus Naumann, dem ehemaligen schwedischen Premierminister Carl Bildt und weiteren Partnern die EAG European Advisory Group, deren geschäftsführende Gesellschafterin sie seither war. Die Gesellschaft beriet und vermittelte unter anderem im Zusammenhang mit internationalen Rüstungsgeschäften wie beispielsweise beim Verkauf von U-Booten nach Ägypten oder Kroatien.Vgl. dazu Der ursprüngliche Artikel „“ wurde wegen einer Unterlassungsklage Mathiopoulos’ inzwischen abgeändert. Von 2002 bis 2018 war sie Honorarprofessorin für US-Außenpolitik und Internationale Sicherheit an der Universität Potsdam.Diplomatin aus Leidenschaft In: Handelsblatt, 3. März 2011, Seite 55. Im gleichen Jahr wurde sie zur geschäftsführenden Direktorin des Potsdam Center for Transatlantic Security and Military Affairs bestellt. Tatsächlich nahm dieses als „militärpolitische Denkfabrik“ propagierte Zentrum wegen ausbleibender Finanzierung nie seine Arbeit auf.

2002 trat sie in die FDP ein, wo sie bereits seit 2001 kontinuierlich in der Programmkommission im Bereich Außen- und Sicherheitspolitik tätig gewesen war. Seit dieser Zeit war sie auch außen- und sicherheitspolitische Beraterin des damaligen Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle. Mathiopoulos war von 2003 bis 2005 Vorsitzende des FDP-Bundesfachausschusses „Internationale Politik“ und seit 2005 Vorsitzende (und einziges namentlich erwähntes Mitglied) des neu gegründeten und von der Wirtschaft „umfangreich unterstützten“ Transatlantischen Forums der FDP. Im August 2012 wurde sie durch Rainer Stinner ersetzt.

Im September 2006 gründete Mathiopoulos als geschäftsführende Gesellschafterin zusätzlich zur EAG European Advisory Group die Aspide GmbH.

Zum Sommersemester 2019 übernahm sie für zwei Jahre eine Gastprofessur an der China Foreign Affairs University in Peking, die als „Wiege der chinesischen Diplomatie“ gilt.

Margarita Mathiopoulos war Mitglied im Kuratorium der Netzwerk Quadriga gGmbH.

Privat mini|Mathiopoulos mit Friedbert Pflüger und Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1989)

Von 1987 bis 2006 war Mathiopoulos mit dem CDU-Politiker Friedbert Pflüger verheiratet. Sie trennte sich 2003 von Pflüger, nachdem dieser ein Verhältnis mit seiner persönlichen Referentin begonnen hatte. Da Mathiopoulos während der Ehe wesentlich mehr verdient hatte als Pflüger, musste sie an ihn Zugewinnausgleich in Höhe von 157.000 Euro zahlen.Pflüger bekommt 157 000 Euro von Ex-Frau. In: NWZ Online, 5. Oktober 2006.

Plagiatsvorwürfe In einer Rezension ihrer Dissertation erhob der Politikwissenschaftler Andreas Falke bereits 1989 Plagiatsvorwürfe.mmdoku.wikia.com zur Chronologie der Plagiatsvorwürfe und zur Kritik an Margarita Mathiopoulos’ Dissertation, siehe: Chronologie

Am 11. September 1989 berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel, dass Mathiopoulos’ Dissertation „Schönheitsfehler“ enthalte, da „an etlichen Stellen“ Passagen „beinahe wörtlich“ aus Arbeiten anderer abgeschrieben seien, ohne dass diese Passagen als Zitate ausgewiesen wären, und zitiert Beispiele; des Weiteren wird in dem Artikel berichtet, dass Mathiopoulos über ihren Anwalt mitgeteilt habe, dass ihr an jenen Stellen, an denen die Quellen nicht offengelegt wurden, „offensichtlich bedauerliche Flüchtigkeitsfehler unterlaufen“ seien. Der Doktorvater habe sich laut Spiegel „sehr betroffen [gezeigt], daß an einigen Stellen die angewandten Arbeitsmethoden nicht wissenschaftlichen Gepflogenheiten entsprechen“, sehe jedoch dadurch „de[n] Kern der geistigen Leistung von Frau Mathiopoulos nicht beeinträchtigt“. Zum Entzug des Doktorgrades kam es zunächst nicht, obwohl die Philosophische Fakultät der Universität Bonn, die den Doktorgrad verliehen hatte, nach Angaben des Spiegel in einem Gutachten schrieb, „dass in der Arbeit ‚in wörtlicher und sinngemäßer Wiedergabe mehr übernommen‘ sei‚ als es die Zitatnachweise‘ erkennen lassen.“

Als die Berliner Zeitung im Juli 2002 in einem Artikel anlässlich Mathiopoulos’ Eintritts in die FDP unter Berufung auf die Frankfurter Allgemeine Zeitung über die seit langem bekannten und durch andere Printmedien bereits publik gemachten Vorwürfe, Mathiopoulos habe in ihrer Dissertation bei einigen Zitaten die Quellen nicht angegeben, berichtete,Christian Bommarius: Ein Erfolg wird besichtigt. In: Berliner Zeitung, 8. Juli 2002, S. 1, (abgerufen am 1. Juli 2011) ging Mathiopoulos laut Spiegel dagegen gerichtlich vor, zog ihren Antrag in der Verhandlung jedoch „auf Anraten des Richters wieder zurück“.

Die Dissertation wurde ab April 2011 vom VroniPlag Wiki, das sich die kollaborative Dokumentation von Plagiaten in Dissertationen zum Ziel gesetzt hat, auf Plagiatsstellen untersucht. VroniPlag Wiki zufolge waren im Jahr 1991 Plagiatsfundstellen auf insgesamt 18 Seiten bekannt, was 5 Prozent der Seiten (ohne Vorwort, Inhaltsverzeichnis, Literaturverzeichnis, Anhang u. Ä.) entspräche.Eine kritische Auseinandersetzung mit der Dissertation von Prof. Dr. Margarita Mathiopoulos: Amerika: das Experiment des Fortschritts, Version vom 13. Juni 2011, 22.36 Uhr, in: VroniPlag Wiki (abgerufen am 21. Juni 2011) Gemäß VroniPlag Wiki (Stand: 19. Juli 2011) finden sich jedoch auf mehr als 46 Prozent der Seiten Plagiate. (Verlinkt auf die jeweils aktuelle Version.)