Die Ausbildung im I+D-Bereich in der Schweiz ist national geregelt. Es gibt viele Ausbildungsmöglichkeiten in den so genannten I+D-Berufen (= Information und Dokumentation), welche unter anderem die traditionellen Berufsbezeichnungen Bibliothekar, Archivar und Dokumentalist beinhalten. Um in der Schweiz eine optimale Koordination der Ausbildung zu gewährleisten, wurde die Ausbildungsdelegation I+Dhttps://www.ausbildung-id.ch/ vom Verband der Bibliotheken und der Bibliothekarinnen/Bibliothekare der Schweiz, der Schweizerischen Vereinigung für Dokumentation (beide ab 1. Januar 2008 fusioniert zu Bibliothek Information Schweiz) und dem Verein Schweizerischer Archivarinnen und Archivare im November 1994 gegründet und 2007 als einfache Gesellschaft institutionalisiert.

Es gibt drei grundlegende Varianten bzw. Möglichkeiten für eine Ausbildung im I+D Bereich: Über eine Berufslehre zur/zum «Fachfrau/Fachmann Information und Dokumentation EFZ». Über eine Fachhochschule oder eine Hochschule zum/zur «I+D-Spezialist/in» Über Master of Advanced Studies (MAS)

Fachfrau/Fachmann Information und Dokumentation EFZ Vorbemerkung Berufsbezeichnung Die Ausbildungslehrgänge mit Abschluss von 1998 bis 2011 erhielten den Titel «Informations- und Dokumentationsassistent/in EFZ». Die Ausbildungslehrgänge mit Abschluss ab 2012 – das heisst Lehrbeginn ab 2009 – erfolgen nach der neuen Bildungsverordnung und erhalten den Titel «Fachfrau/Fachmann Information und Dokumentation EFZ». Beides sind berufliche Grundbildungen und äquivalent. Als neutrale Bezeichnung für die berufliche Grundbildung wird «I+D Fachpersonen» verwendet.

Definition I+D Fachpersonen sind für die Verwaltung von Medien und Informationen in I+D-Betrieben (Bibliotheken, Archive, Dokumentationsstellen) zuständig. Sie betreuen den gesamten Zyklus: vom Erwerben über das Erschliessen (katalogisieren) und Ausrüsten bis hin zum Vermitteln der Medien.

Kurze Beschreibung Eine I+D-Fachperson unterstützt den Aufbau und die Ordnung des Medienbestandes eines I+D-Betriebes. Zu diesem Zweck bestellt er Medien oder beschafft Informationen im Internet. Um die einzelnen Dokumente des Bestandes auffindbar zu machen, muss die I+D-Fachperson diese erschliessen: Er gibt formale Merkmale (Titel, Autor etc.) und eventuell auch inhaltliche Kriterien (Indexierung) in eine Datenbank ein, um das Auffinden zu gewährleisten, und versieht das Dokument mit einer Signatur. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der zwischenmenschliche Bereich des Beratens und Vermittelns. I+D-Fachpersonen unterstützen und beraten die Benutzer bei ihrer Suche, leihen die Dokumente aus und wirken bei Ausstellungen und anderen Veranstaltungen mit. Ebenfalls zu ihrem Arbeitsfeld gehören administrative Tätigkeiten wie Korrespondenz, Buchhaltung und Zahlungsverkehr.

Ausbildung Anforderungen Voraussetzung für eine Lehre als I+D-Fachperson ist der Abschluss der obligatorischen Schulzeit in der obersten Stufe, die im jeweiligen Kanton existiert.

I+D-Fachpersonen sollten über folgende Qualitäten verfügen: Kommunikationsfähigkeit Sprachbegabung Genaues Arbeiten Systematisches und analytisches Denken Interesse an Informationstechnologien und neuen Medien

Lehrstätten Die Lehre dauert drei Jahre. Sie besteht aus einem praktischen Teil im Lehrbetrieb und wird durch einen theoretischen Teil ergänzt, der im ersten Lehrjahr an zwei und im zweiten und dritten Lehrjahr an einem Tag an einer der folgenden Berufsfachschulen stattfindet: an der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Bern, an der École professionnelle commerciale de Lausanne, an der Bildung Formation Biel-Bienne (BFB) in Biel, der EC Nicolas Bouvier in Genf, am Centro professionale commerciale (CPC) in Locarno oder an der Allgemeinen Berufsschule Zürich.

Abschlusszeugnis Am Ende der erfolgreichen Ausbildung erhält man das eidgenössische Fähigkeitszeugnis als «Informations- und Dokumentationsassistent/in» respektive ab 2012 als «Fachfrau/Fachmann Information und Dokumentation EFZ». Während der Lehre oder nach der Lehre besteht die Möglichkeit, die Berufsmittelschule zu besuchen und die Berufsmatura zu absolvieren. Diese erlaubt eine Weiterbildung zum Informations- und Dokumentationsspezialisten an der Fachhochschule.Information Science Bachelor FH Fachhochschule Westschweiz HES-SO HES-SO Genève Haute école de gestion de Genève (HEG-GE), auf berufsberatung.chInformation Science Bachelor FH Fachhochschule Graubünden FHGR, auf berufsberatung.ch

Nach der Ausbildung bieten sich folgende Institutionen als Arbeitsort an: Bibliotheken und Mediatheken, öffentliche und private Archive, Informations- und Dokumentationsstellen von Universitäten, Spitälern und Rundfunkstationen (Radio und Fernsehen). Auch private Unternehmen wie Banken und Versicherungen stellen I+D-Fachpersonen ein.

Verwandte Ausbildungen im Ausland Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste (Deutschland) Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistent/in (Österreich)

I+D-Spezialist (HS/FH) Definition I+D-Spezialisten sind für die Verwaltung und Vermittlung von Information in Bibliotheken, Archiven, Dokumentationsstellen und modernen Medienzentren zuständig. Ihr Arbeitsspektrum ist vielfältig und beinhaltet auch die Arbeit in der Verwaltung, in privaten Organisationen und in Firmen.

Kurze Beschreibung I+D-Spezialisten übernehmen komplexere Tätigkeiten mit erhöhten Anforderungen im gesamten Spektrum der I+D-spezifischen Arbeitsfeldern. Sie sind zudem fähig, fachliche und personelle Führungsaufgaben zu übernehmen und Projekte durchzuführen. In der Berufswelt ist die Abgrenzung zwischen Stellen für I+D-Fachpersonen und I+D-Spezialisten oft nicht eindeutig machbar.

Ausbildung Die Ausbildung erfolgt praxisnah und integriert Themen der Bereiche Informationsmethodik, Mensch und Computer, Medien- und Sozialwissenschaft sowie Betriebsökonomie., auf htwchur.ch

Anforderungen Um an die Fachhochschulen zugelassen zu werden, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Berufsmatura oder Fachmatura mit einer Berufslehre im Informationsbereich, z. B. Absolventen einer dreijährigen Berufslehre zur Fachfrau / zum Fachmann Information und Dokumentation, einer kaufmännischen Ausbildung, einer Berufslehre im Buchhandel, als Mediamatiker oder im Informatikbereich. Gymnasialmatura und ein Vorpraktikum in einer berufsbezogenen Institution. Inhaber anderer vergleichbarer Ausweise. Es gelten sinngemäss die obigen Praxisanforderungen.

Ausbildungsstätten In der Schweiz kann das Studium an der Fachhochschule Graubünden (FH GR) oder an der Fachhochschule für Wirtschaft Genf (Haute école de gestion, HEG) im Vollzeitstudium absolviert werden. Zusätzlich bietet die FH GR die Möglichkeit eines berufsbegleitenden Studium, welches in Chur oder auch in Zürich besucht werden kann.

Die HEG bietet seit einigen Jahren den bilingualen Studiengang an, wovon 20 Prozent auf Deutsch unterrichtet wird. In beiden Schulen ist das Studium modular aufgebaut und richtet sich nach den Bologna-Richtlinien.

Diplom Nach den erfolgreich absolvierten drei Jahren im Vollzeitstudium oder den vier Jahren im Teilzeitstudium erhalten die Studenten den Bachelor of Science mit Angabe der Vertiefungsrichtung. An beiden Schulen sind 180 ECTS-Punkte zu erreichen.

Master of Advanced Studies (MAS) Master of Advanced Studies in Information Science (Chur) Die Fachhochschule Graubünden (früher Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur) bietet seit 1992 den Nachdiplomstudiengang für die Erlangung des «Master of Advanced Studies in Information Science» (früher NDS Information Dokumentation) an.

Zielpublikum sind primär Absolventen, die bis anhin nicht einen «I+D-Studiengang» besucht haben und somit die Absicht verfolgen, mit dem Nachdiplomstudiengang eine Zusatzqualifikation zu erlangen.

Inhaltlich setzt sich das Studienprogramm aus drei Nachdiplomkursen (Certificates of Advanced Studies, CAS) zusammen. Nach einer Einführung über die Grundlagen der Informationsarbeit folgt eine Vertiefung und Ausweitung der Kenntnisse mit Einbeziehung von Management und Projektmanagement. Schliesslich muss ein Wahlpflichtmodul in den Bereichen Archiv, Bibliothek oder Dokumentation besetzt werden. Dieses definiert die Vertiefungsrichtung.

Der Studienort beschränkt sich ausschliesslich auf den Standort Chur. Die Studiendauer beträgt normalerweise 18 Monate, welche zur Erlangung der 60 ECTS-Punkte und des Titels «Master of Advanced Studies in Information Science» notwendig sind., auf htwchur.ch

Master of Science in Business Administration, Major Information Science (Chur) Seit 2010 wird an der Fachhochschule Graubünden ergänzend zum Bachelor-Studiengang Informationswissenschaft ein konsekutives Master-Studium angeboten. Dabei handelt es sich um ein berufsbegleitendes Teilzeitstudium und ist eine Vertiefungsrichtung (Major) des Studiengangs Master of Science in Business Administration.

Die Grundlagen des Studiums bilden Module zum wissenschaftlichen Forschungsmethoden und General Management. Sie werden ergänzt durch informationswissenschaftliche Themen unter anderem aus den Bereichen Information Retrieval, Informationsökonomie, Open Access, Web-Entwicklung, Wissensrepräsentation und Management digitaler Bibliotheken. Der Studiengang richtet sich primär an Absolventen eines informationswissenschaftlichen Bachelor-Studiums und setzt somit einen Hochschulabschluss voraus. Absolventen themenverwandter Studiengänge können zudem im Rahmen eines individuellen sur dossier-Verfahrens zugelassen werden.

Der Studiengang startet jedes Jahr im Herbst, es können 90 ECTS-Punkte erreicht werden. Der Unterricht findet freitags und samstags in Chur statt und kann auch per Videoübertragung verfolgt werden.

Master of Advanced Studies in Archival and Information Science (Bern) Seit dem Herbst 2006 kann man an der Universität Bern ein berufsbegleitendes Nachdiplomstudium in Archiv- und Informationswissenschaft belegen. Nach zwei Jahren ist man Inhaber des Titels «Master of Advanced Studies in Archival and Information Science».

Der Nachdiplomstudiengang versteht sich als Weiterbildungsprogramm für Personen mit Hochschulabschluss, die eine höhere Funktion in einer I+D-Institution anstreben oder bereits in einer solchen tätig sind. Der Aufbau des NDS setzt sich aus einer Grundstufe (thematischer Block) und einer Aufbaustufe (zwei thematische Blöcke und Praktikum) zusammen. Absolviert man nur die Grundstufe erlangt man mit der Zertifikatsarbeit das Certificate of Advanced Studies in Archival and Informations Science.

Wie bereits erwähnt handelt es sich hier um einen berufsbegleitenden Studiengang. Die Kurse müssen jeweils einen ganzen Tag pro Woche plus ein halber Tag alle zwei Wochen (Wochenende) besucht werden. Kursort ist die Universität Bern. Dieser NDS wird alle zwei Jahre angeboten und ist abgeschlossen nach Erreichung der 60 ECTS-Punkte.Archiv-, Bibliotheks- und Informationswissenschaft, auf archivwissenschaft.unibe.ch

Master of Advanced Studies in Bibliotheks- und Informationswissenschaften (Zürich) Seit Oktober 2007 bietet die philosophische Fakultät der Universität Zürich einen neuen Weiterbildungsstudiengang in Bibliotheks- und Informationswissenschaften an. Dabei kooperiert die Universität eng mit den Zürcher Bibliothekarenkursen. Der Kurs versteht sich als theoretische Grundlage für praktische Anwendungen im Beruf. Gleich wie in Bern handelt es sich hier ebenfalls um eine berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeit. Somit richtet sich der Master-Studiengang hauptsächlich an Personen mit universitärem Abschluss (Lizentiat oder Master) und welche begleitend dazu einen Beruf in einer I+D-Institution ausüben.

Der Kurs dauert zwei Jahre und verlangt beim Abschluss die Erreichung von 60 ECTS-Punkten. Ebenso vorausgesetzt ist eine sechsmonatige Berufspraxis.

Certificat de formation continue en information documentaire CESID (Genf)