mini|hochkant=1.4|Siebenfeldriges mecklenburgisches Wappen. Jedes Feld symbolisiert einen der sieben Hauptherrschaftsteile des mecklenburgischen Staates: das Herzogtum Mecklenburg, die Fürstentümer (ehemaligen Bistümer) Schwerin und Ratzeburg, die Grafschaft Schwerin sowie die Herrschaften Rostock, Werle und Stargard. Die Geschichte Mecklenburgs umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der deutschen Region Mecklenburg von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie setzt mit der ersten nacheiszeitlichen Besiedlung ab etwa 10.000 v. Chr. ein. Auf diese Jäger, Fischer und Sammler folgten im 4. Jahrtausend bäuerliche Kulturen. Das Land Mecklenburg war bis 1918 ein Fürstentum und wurde mit nur zweijähriger Unterbrechung von seiner Eingliederung ins Heilige Römische Reich bis 1918 immer von demselben Herrschergeschlecht, den Obodriten, regiert. Heute bildet Mecklenburg die westlichen zwei Drittel des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Herkunft des Namens mini|Deutsche Sonderbriefmarke 1995 Der Name Mecklenburg („Mikelenburg“) taucht erstmals in einer Urkunde des Jahres 995 auf. Er bezeichnete damals die slawische Burg Mecklenburg (Wiligrad) im heutigen Dorf Mecklenburg bei Wismar und bedeutet so viel wie Große Burg (mittelniederdeutsch „mikil“ oder „miekel“ = groß). Der Name übertrug sich in der Folgezeit auf die slawischen Abodritenfürsten, dann auf das von ihnen beherrschte Gebiet.Ernst Eichler; Werner Mühlner; Hans Walther [Hrsg.]: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Herkunft und Bedeutung. Verlag Koch, 2002, ISBN 3-935319-23-1: S 12. Umgangssprachlich bezeichnete man mit Mecklenburg in der Neuzeit die Summe aller Teilherrschaften im Besitz der Dynastie.

Ur- und Frühgeschichte Stein-, Bronze- und Eisenzeit

Die südwestliche Ostseeküste wurde erst nach Ende der letzten großen Kaltzeit und dem Zurückweichen der Eisgrenze zwischen dem 10. und dem 8. Jahrtausend v. Chr. durch arktische Jäger und Sammler der Mittelsteinzeit eher spärlich besiedelt. Einer der bedeutsamen Fundplätze des Spätpaläolithikums (10000 bis 8000 v. Chr.) dürfte auf dem Büdneracker von Siggelkow bei Parchim liegen. Im Mesolithikum (8000 bis 3000 v. Chr.) nimmt die Zahl der Fundorte von Steingeräten (Steinbeile, Pickel, Schaber, Flintabschläge) und Knochengeräten in Mecklenburg deutlich zu, u. v. a. in Hohen Viecheln, Tribsees, Plau, Neustadt-Glewe, Dobbertin.Horst Keiling: Steinzeitliche Jäger und Sammler in Mecklenburg. Hrsg.: Museum für Ur- und Frühgeschichte, Schwerin 1985. . In dieser Zeit mussten die Menschen die küstennahen Gebiete verlassen, da mit dem Abschmelzen der Gletscher der Wasserspiegel der Ostsee stark anstieg.

Mit deutlicher Verzögerung gegenüber dem mitteldeutschen Raum begannen die Fischer, Wildbeuter und Sammler im späteren Mecklenburg um 3.000 v. Chr. ihre Lebensmittel zu produzieren und sesshaft zu werden. Steinwerkzeuge und Großsteingräber, sogenannte „Hünengräber“, der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur sind in Mecklenburg in großer Zahl überliefert. Am Beginn des späten Neolithikums wurde die Trichterbecherkultur von der Einzelgrabkultur abgelöst, die zum Kulturkreis der Schnurkeramik gehörte. mini|Kultwagen von Peckatel (Groß Raden), um 1300–1100 v. Chr., Leihgabe im Moesgaard Museum, Mecklenburg-Vorpommern, Virtuelles Museum zur Landesgeschichte. Auch die Bronzezeit – in Mecklenburg etwa von 1800 bis 600 v. Chr. – begann in der Region nur zögernd.Horst Keiling: Die Kulturen der mecklenburgischen Bronzezeit. Hrsg.: Museum für Ur- und Frühgeschichte, Schwerin 1987. . Der Tauschhandel muss eine immer größere Rolle gespielt haben, da die Ausgangsmetalle für die Herstellung von Werkzeugen und Waffen eingeführt werden mussten. Aus den südlichen Mittelgebirgen wurden die Metallgegenstände wie der Kultwagen von Peckatel fertig eingeführt, erst im Verlaufe der jüngeren Bronzezeit entwickelte sich ein eigenes Bronzegießerhandwerk. Innerhalb der Gesellschaften differenzierten sich soziale Schichten heraus, die sich etwa im Königsgrab von Seddin oder in der Anlage von Burgen manifestieren.

Mit Beginn der Eisenzeit ging die Trichterbecherkultur in die Jastorfkultur über. Zunächst wurde das Eisen eingeführt, bis man lernte, das einheimische Raseneisenerz zu verhütten. Ein bedeutendes Gräberfeld der Jastorfkultur ist das Brandgräberfeld von Mühlen Eichsen nordwestlich von Schwerin. Hier wurden vom sechsten vorchristlichen bis in das erste Jahrhundert nach Christus etwa 5000 Tote bestattet.

Germanische Stämme mini|Einer von drei Steinkreisen, der sogenannte Boitiner Steintanz, aus germanischer Zeit in Tarnow Bis in das letzte Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung hatten sich aus der Jastorfkultur germanische Stämme herausgebildet: Langobarden, Warnen, Semnonen und eventuell auch die Sachsen. Im Westen gehörten sie der Gruppe der Elbgermanen an, östlich der Warnow den Odermündungsgermanen. Römische Importe sind aus dieser Zeit archäologisch gut belegt.

Claudius Ptolemäus nennt östlich der Stelle, wo „die Küste einen Bogen nach Osten macht“ (innere Lübecker Bucht) die Flüsse Chalusus, Suevus und ViaduaRalf Loock: Ein Fluss gibt Rätsel auf. In: Märkische Oderzeitung, 10. April 2010 (Volltext, abgerufen am 27. Juni 2013). – danach folgt die Vistula (Weichsel). Östlich der Saxones, die „am Nacken der Kimbrischen Halbinsel“ wohnten, saßen am Meer vom Chalusus bis zum Suevus die Farodini, dann bis an die Viadua die Sidiner. Weiter im Binnenland wohnten von der Elbe bis zum Suevus die Semnonen, als Unterstamm der Sueben, von dort bis an die Weichsel die Burguntae (Burgunder). Die Viruni (Warnen ?) werden als kleines Volk zwischen Saxones und Semnonen erwähnt.Claudius Ptolemaius: Geographia. (altgriech./lat./engl.) Digitalisat.

Ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. beteiligten sich diese Stammesverbände wahrscheinlich aufgrund von Klimaverschlechterungen an der Völkerwanderung und verließen die Ostseeküste in Richtung Süden. Der anscheinend kaum noch bevölkerte Raum wurde etwa ab dem 7. Jahrhundert von einwandernden Slawen besiedelt.

Mittelalter Slawische Zeit mini|Rekonstruktion einer Slawischen Niederungsburg in Groß Raden Über die einwandernden Slawen geben zunächst nur archäologische FundeÜberblick bei Sebastian Brather: Archäologie der westlichen Slawen. Siedlung, Wirtschaft und Gesellschaft im früh- und hochmittelalterlichen Ostmitteleuropa. (Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Bd. 61). 2. Auflage. Berlin-New York 2008. Brather weist Seite 55 auch darauf hin, dass keine Einwanderung kompletter Stämme oder gar Stammesverbände stattfand. und zum Ende des 8. Jahrhunderts schriftliche Quellen der Nachbarkulturen Auskunft.Die erste Erwähnung von Slawen im Nordwesten findet sich in den fränkischen Reichsannalen für das Jahr 780: omnia disponens tam Saxoniam quam et Sclavos. Wohl seit Mitte des 7. JahrhundertsZum revidierten Forschungsstand Torsten Kempke: Skandinavische-slawische Kontakte an der südlichen Ostseeküste im 7. bis 9. Jahrhundert. In: Ole Harck, Christian Lübke: Zwischen Reric und Bornhöved. Die Beziehungen zwischen den Dänen und ihren slawischen Nachbarn vom 9. bis ins 13. Jahrhundert. Beiträge einer internationalen Konferenz, Leipzig, 4.–6. Dezember 1997. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2001. S. 9–22 [hier S. 10]. waren demnach Slawen in Mecklenburg ansässig, aus denen sich die Stammesverbände der Abodriten im westlichen Mecklenburg und Ostholstein sowie der Wilzen im östlichen Mecklenburg und Vorpommern bildeten.Ersterwähnung als Abodriti und Wilze in den fränkischen Reichsannalen zum Jahr 789 Auf dem Gebiet der Wilzen formierte sich im 10. Jahrhundert der Stammesbund der Lutizen.Zu diesen grundlegend Wolfgang Brüske, Untersuchungen zur Geschichte des Lutizenbundes. Deutsch-wendische Beziehungen des 10. – 12. Jahrhunderts. 2. Auflage. Böhlau, Köln u. Wien 1983.

Die Abodriten setzten sich zunächst aus einer Vielzahl von Kleinstämmen zusammen,Wolfgang H. Fritze: Probleme der abodritischen Stammes- und Reichsverfassung und ihrer Entwicklung vom Stammesstaat zum Herrschaftsstaat. In: Herbert Ludat [Hrsg.]: Siedlung und Verfassung der Slawen zwischen Elbe, Saale und Oder. W. Schmitz, Gießen 1960. S. 141–219 [hier S. 201]. deren Anführer sich Ende des 8. Jahrhunderts mit Karl dem Großen gegen die Sachsen verbündeten, aber auch Kontakte in den skandinavischen Raum unterhielten. Ab dem 10. Jahrhundert werden mit den Wagriern in Ostholstein, den Abodriten im engeren Sinn zwischen Wismar und Schwerin sowie den Kessinern zwischen Rostock und Güstrow größere Teilstämme namentlich greifbar.Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter. (Archäologie und Geschichte im Ostseeraum, Band 4). Rahden/Westf. 2008, ISBN 978-3-89646-464-4. S. 89. Während die angrenzenden slawischen Stämme von den ostfränkisch-sächsischen Kaisern unterworfen wurden, behaupteten die Abodriten ihre ethnische Identität und politische Selbständigkeit. Sie stellten mit den christlichen Nakoniden eines der mächtigsten slawischen Fürstenhäuser dieser Zeit. Die Nakoniden residierten auf der namensgebenden Mecklenburg im heutigen Dorf Mecklenburg, die erstmals in einer Urkunde Ottos III. aus dem Jahr 995 genannt wird.Mecklenburgisches Urkundenbuch, Band I, Urkunde Nr. 22. Von der zwischen 780 und 840Torsten Kempke: Skandinavische-slawische Kontakte an der südlichen Ostseeküste im 7. bis 9. Jahrhundert. In: Ole Harck, Christian Lübke: Zwischen Reric und Bornhöved. Die Beziehungen zwischen den Dänen und ihren slawischen Nachbarn vom 9. bis ins 13. Jahrhundert. Beiträge einer internationalen Konferenz, Leipzig, 4.–6. Dezember 1997. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2001. S. 9–22 [hier S. 12]. angelegten Burg zeugt heute noch ein beeindruckender Erdwall.Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter. (Archäologie und Geschichte im Ostseeraum, Band 4). Rahden/Westf. 2008, ISBN 978-3-89646-464-4. S. 86. Der Nakonide Gottschalk errichtete im 11. Jahrhundert einen „modernen“ Territorialstaat nach skandinavisch-polnischem Vorbild, fand aber 1066 in einem Aufstand des heidnischen Adels den Tod. Nachdem sein Sohn Heinrich das abodritische Herrschaftsgebiet Anfang des 12. Jahrhunderts bis an Oder und Spree ausweiten konnte, zerfiel das Abodritenreich mit der Ermordung seines Nachfolgers Knud Lavard in zwei Teile.